{"id":1635,"date":"2022-10-22T13:44:22","date_gmt":"2022-10-22T13:44:22","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1635"},"modified":"2022-10-22T13:44:24","modified_gmt":"2022-10-22T13:44:24","slug":"joachim-j-krause-die-bedingungen-des-bundes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1635","title":{"rendered":"Joachim J. Krause: Die Bedingungen des Bundes"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Joachim J. Krause: <em>Die Bedingungen des Bundes. Studien zur konditionalen Struktur alttestamentlicher Bundeskonzeptionen<\/em>, FAT 140, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2020, Ln., 264\u00a0S., \u20ac\u00a0114,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/die-bedingungen-des-bundes-9783161591327\">978-3-16-159132-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das vorliegende Buch zur Interpretation des Bundes in drei wesentlichen Textbereichen des Alten Testaments d\u00fcrfte so manche Bewegung in die alttestamentliche Wissenschaft bringen und verdient eine aufmerksame Lekt\u00fcre. Es handelt sich hierbei um eine \u00fcberarbeitete Fassung der von der Evangelisch-theologischen Fakult\u00e4t der Eberhard Karls Universit\u00e4t T\u00fcbingen angenommenen Habilitationsschrift von Joachim J. Krause.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangspunkt der Fragestellung des Buches bildet die g\u00e4ngige, in vielen Arbeitsb\u00fcchern zum Alten Testament begegnende Unterscheidung zwischen deuteronomistischer Bundeskonzeption eines vom Gehorsam des Volkes abh\u00e4ngigen, bedingten, Bundes zwischen Gott und seinem Volk und der priester(-schrift)lichen Bundeskonzeption eines unbedingten, ewig geltenden Noah- und Abrahambundes. Demgegen\u00fcber versucht Krause im vorliegenden Buch die These zu begr\u00fcnden, dass jeglicher Bund im Alten Testament auch mit Bedingungen verbunden ist, es einen unbedingten Bund als solchen also nicht gibt. Dabei zielt der Durchgang durch die von ihm untersuchten Texte auch auf eine Pr\u00e4zisierung bzw. Ver\u00e4nderung dessen, was unter Bedingung in Bezug auf den Bund Gottes mit Israel gemeint ist. Nach Krause geht es nicht um Bedingungen f\u00fcr die Gabe des Bundes (\u201ehow to get in\u201c), sondern um Bedingungen der Bewahrung des Bundes (\u201ehow to stay in\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Krause entfaltet seine Untersuchung in sechs Abschnitten (I\u2013VI). Schon in den beiden einf\u00fchrenden Kapiteln zeigt sich ein begr\u00fc\u00dfenswertes hermeneutisches Problembewusstsein, das sich letztlich durch die gesamte Arbeit zieht und mit dem es gelingt, die oft impliziten (religi\u00f6sen und konfessionellen) Voraussetzungen in den verschiedenen Forschungspositionen zu problematisieren oder \u00fcberhaupt transparent zu machen. In der Einleitung (I.) skizziert Krause die aktuelle Forschungslage (I.1), hebt als extra Problem die Interpretation konditionaler Strukturen heraus, bietet in einem Exkurs hilfreiche Kl\u00e4rungen zur Wiedergabe von \u05d1\u05b0\u05bc\u05e8\u05b4\u05d9\u05ea&nbsp; <em>b<sup>e<\/sup>r\u00ee\u1e6f<\/em> im Deutschen (I.2) und umrei\u00dft Anlage und Vorgehen in seiner Arbeit (I.3). Im zweiten Kapitel bezieht Krause in die hermeneutischen Reflexionen jeweils eine Skizze des Verst\u00e4ndnisses vom Bund und Gesetz bei Paulus (II.2) und in den fr\u00fchen rabbinischen Schriften (II.3) mit ein, da Vorverst\u00e4ndnisse zwar nicht ausgeblendet oder ausgeschaltet werden k\u00f6nnen, aber notwendig gepr\u00fcft und hinterfragt sowie notwendigenfalls auch ver\u00e4ndert und daf\u00fcr best\u00e4ndig bewusst gehalten werden m\u00fcssen (II.4).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den drei Hauptabschnitten untersucht Krause die Rolle und den Charakter von Bedingungen in den Bundeskonzeptionen der Priesterschrift (III.), deuteronomistischer Texte (IV.) und in der Verhei\u00dfung eines neuen Bundes im Jeremiabuch (V.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So fordert Krause einen weitgehenden Konsens (v.&nbsp;a. unter protestantischen Auslegern) \u00fcber einen bedingungslosen Bund in der Priesterschrift heraus und argumentiert f\u00fcr dessen konditionale Struktur in dem Sinne, dass Gottes gn\u00e4diger Zuwendung eine Gehorsamsforderung an sein Volk korrespondiert (III.). Dabei pr\u00e4zisiert Krause zun\u00e4chst, was er unter einer Bedingung versteht (1.), ordnet seine These forschungsgeschichtlich ein und begr\u00fcndet sie dann anhand von Gen 17 (3.) und weiterer zur priesterschriftlichen \u00dcberlieferung in Beziehung stehender Texte (4.-5., vor allem Lev).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Bundeskonzeption in der deuteronomisch-deuteronomistischen \u00dcberlieferung (IV.) best\u00e4tigt Krause die konditionale Struktur des Bundes. Jedoch ist sie einerseits nicht auf das Zustandekommen des Bundes zu beziehen. Nicht der Eintritt in den Bund h\u00e4ngt am Gehorsam, sondern das Verbleiben in diesem. Andererseits scheitert auch der Bund nicht automatisch mit dem \u00dcbertreten der Gehorsamsforderungen, sondern h\u00e4ngt dessen Fortbestand allein an JHWH selbst. Diese Thesen versucht Krause an der nichtpriesterlichen, vorderen Sinaiperikope (Ex 19\u201324), in Dtn 28 (und den darin erkennbaren Abweichungen von anderen vorderorientalischen Vassallenvertragskonzepten), in der deuteronomistischen Geschichtsdarstellung (Dtn-2K\u00f6n), in den ermahnenden Passagen in Dtn und in deuteronomistischen Passagen des Jeremiabuches (Jer 7; 11) zu best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich argumentiert Krause f\u00fcr Gehorsam als zentrales Element der Bundeskonzeption auch des Neuen Bundes (V.). Daf\u00fcr nimmt er sowohl die masoretische Text\u00fcberlieferung als auch die Septuaginta in den Blick (V.2.), arbeitet heraus, dass die eschatologische Verhei\u00dfung des neuen Bundes gerade nicht bereits einen Bruch des bestehenden Bundes impliziert (V.3.) und entkr\u00e4ftet unter Einbeziehung neuerer Studien zum Verh\u00e4ltnis von M\u00fcndlichkeit und Schriftlichkeit in der Schreiberausbildung \u00fcberzeugend die Interpretation eines Gegensatzes der Verhei\u00dfung des Neuen Bundes (\u201enicht mehr lernen\u201c) zum deuteronomistischen Bildungskonzept (Dtn 6,6\u20137). Geht es damit in der Verhei\u00dfung eines neuen Bundes nicht um das Problematisieren des Gehorsams, sondern um dessen Erm\u00f6glichung, stellt sich abschlie\u00dfend die Frage, ob mit dessen Verhei\u00dfung ein pessimistisches Menschenbild verbunden ist, in dem ein Halten des Bundes gar nicht m\u00f6glich ist (5.). Nach Krause trifft das nicht auf das Jeremiabuch, sondern erst auf dessen Rezeption bei Paulus im R\u00f6merbrief zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im letzten Abschnitt (VI.) fasst Krause die wesentlichen Ergebnisse seiner Arbeit zusammen und stellt sie in einen gr\u00f6\u00dferen theologischen Horizont, insbesondere den j\u00fcdisch-christlichen Dialog.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch ist aus vielerlei Gr\u00fcnden sehr zu empfehlen. Es bietet instruktive Zusammenfassungen ma\u00dfgeblicher (aktueller) Forschungspositionen, die zudem mehrfach die \u2013 h\u00e4ufig eher impliziten \u2013 Vorverst\u00e4ndnisse zu erhellen verm\u00f6gen. Es fordert so manche etablierten Positionen heraus. Es bietet eine Reihe bedenkenswerter Einzelbeobachtungen und Anfragen (z.&nbsp;B. zum literarischen Zusammenhang von Gen 17 und der Sinaiperikope in P, zur textpragmatischen Unzul\u00e4nglichkeit der g\u00e4ngigen Interpretation priesterschriftlicher Bundeskonzeption, zum Bund im deuteronomistischen Geschichtswerk, die Widerlegung des konstruierten Gegensatzes zwischen Jer 31,31\u201334 und dem Bildungskonzept von Dtn 6,6\u20137). Es integriert wichtige Reflexionen zum religionsgeschichtlichen Einfluss hethitischer, aram\u00e4ischer und neu-assyrischer Vergleichstexte insbesondere auf die Bundeskonzeption im Deuteronomium. Es l\u00e4sst das hermeneutische Problembewusstsein auch in der Gesamtanlage erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anzumerken bleibt, dass das Buch sich nicht als Gesamtdarstellung alttestamentlicher Bundestheologie eignet, da es zu viele relevante Texte ausspart. Insbesondere das Auslassen einer eingehenderen Besch\u00e4ftigung mit Gen 15 und Jos 24 \u00fcberzeugt auch im Hinblick auf die begrenzte Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von priesterlicher und deuteronomistischer Bundestheologie nicht (auch nicht, wenn Gen 15 auf Gen 17 reagiert, wie S.\u00a074 Anm.\u00a0187). Ebenso wenig ist die Frage nach der Integration von priesterlicher und deuteronomistischer Bundestheologie im vorliegenden literarischen Zusammenhang im Blick. Sie w\u00e4re aber mindestens methodenkritisch relevant, n\u00e4mlich an welcher Stelle der literarische Zusammenhang f\u00fcr die vorliegende Frage mit zu ber\u00fccksichtigen ist. Wenn die vorliegende Arbeit zudem zu einigen weiteren kritischen Anfragen zu einzelnen Details motiviert (zu geringe Einbeziehung des Zerbrechens der Bundestafeln; der Versuch ein \u201epessimistisches Menschenbild\u201c nicht bei Jer, sondern erst bei Paulus zu verorten), so ist auch das Ausweis daf\u00fcr, dass Joachim J. Krause eine anregende, wichtige und unbedingt wahrzunehmende Studie zu einem bedeutenden Thema alttestamentlicher und gesamtbiblischer Theologie vorgelegt hat.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Prof. Dr. Torsten Uhlig, Professor f\u00fcr Altes Testament an der Evangelischen Hochschule Tabor, Marburg<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joachim J. Krause: Die Bedingungen des Bundes. 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