{"id":1641,"date":"2022-10-22T13:52:48","date_gmt":"2022-10-22T13:52:48","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1641"},"modified":"2022-10-22T13:55:54","modified_gmt":"2022-10-22T13:55:54","slug":"__trashed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1641","title":{"rendered":"Gregory R. Lanier \/ William A. Ross (Hg.): Septuaginta. A Reader\u2019s Edition"},"content":{"rendered":"\n<p>Gregory R. Lanier \/ William A. Ross (Hg.): <em>Septuaginta. A Reader\u2019s Edition<\/em>, 2 Bde., Peabody, MA: Hendrickson Publishers, 2018, Ln., XXIV+3318\u00a0S., \u20ac\u00a098,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.hendricksonrose.com\/p\/septuaginta:-a-readers-edition-hardcover\/9781683071853\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.hendricksonrose.com\/p\/septuaginta:-a-readers-edition-hardcover\/9781683071853\">978-3-438-05190-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die als Septuaginta (LXX) bekannte \u00dcbertragung und Erweiterung der Hebr\u00e4ischen Bibel in das (fr\u00fche) nachklassische Griechisch stellt <em>das<\/em> entscheidende Bindeglied der beiden (christlichen) Testamente dar. Sie zu kennen und zu erforschen gew\u00e4hrt nicht nur reiche Einblicke in die Gedanken- und Lebenswelt des Antiken Judentums, es er\u00f6ffnet einen neuen Blick auf die Bibel der ersten Christen \u2013 eine Perspektive, die seit langem intensiverer, ernsthafter Erforschung in allen bibelwissenschaftlichen Richtungen harrt. Erst allm\u00e4hlich lernt der wissenschaftliche Diskurs den Eigenwert dieses monumentalen Werkes j\u00fcdisch-christlicher Geschichte sch\u00e4tzen und tiefer zu heben als bisher. Noch viel zu h\u00e4ufig scheint der Schritt von BHS\/BHQ zu LXX nur marginal und eher als Gehhilfe der Textkritik vollzogen. Auch die unbedingte Vorrangstellung der LXX f\u00fcr ein ad\u00e4quates Verst\u00e4ndnis weiter Teile des Novum Testament Graece (NTG) ger\u00e4t bei Studierenden wie Pastoren und in Teilen der Forschung immer noch au\u00dfer Blick.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kluft \u2013 sprachlich wie sachlich \u2013 versucht nun die Reader\u2019s Edition zur Septuaginta zu \u00fcberbr\u00fccken. Als zweib\u00e4ndiges Werk bietet sie neben einer knappen Einf\u00fchrung zu Apparat, Text, Gattung(en) und Sprache der LXX mit weiterf\u00fchrenden Leseempfehlungen (ix\u2013xxiv) einen einzigartigen Vorzug: Eine volle Annotation, Bestimmung und kontextuell angemessene \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeit unbekannterer W\u00f6rter. \u201eUnbekannter\u201c meint in diesem Fall jedes Lexem, das nur hundert Mal oder seltener in der LXX vorkommt oder mehr als hundert Mal in der LXX, aber weniger als drei\u00dfig Mal im NTG. In diesem Sinne unbekanntere Verben werden neben ihrer Lexikonform sogar en detail bestimmt. Bei mehreren Verstehensm\u00f6glichkeiten wird eine Auswahl angemessener Bedeutungen zur eigenen Urteilsbildung angeboten. \u00dcberhaupt zeichnet sich diese Reader\u2019s Edition durch ihre interpretatorische Zur\u00fcckhaltung aus. So legt sich diese LXX einzig auf die Textgrundlage von Rahlfs-Hanhart fest, enth\u00e4lt sich aber beispielsweise jedes Kommentars in der Identifikation (m\u00f6glicher) Hebraismen oder stereotyper \u00c4quivalente. \u00c4u\u00dferst positiv ist zu bemerken, dass bei dem Vorkommen zweier distinktiver Textgrundlagen eben keine Entscheidung f\u00fcr eine einzige Tradition getroffen wurde, sondern dass beide Varianten auf der jeweils gegen\u00fcberliegenden Seite dargestellt werden. Damit ist eine synoptische Lesart und Analyse vorz\u00fcglich erm\u00f6glicht. Ein jeder solle sich selbst ein Bild machen, so die Herausgeber, und sich durch den Text arbeiten, bis dieser seinen Sinn preisgebe (xix). Auch lexikographisch wurden die neusten Erkenntnisse eingearbeitet, so sie denn tats\u00e4chlich als gesichert angenommen werden k\u00f6nnen. Obwohl sicher manche Einzelstudien zu anderen Ergebnissen kommen werden, bietet jede Bestimmung angemessenes Sinnpotenzial, um diesen Texten nachzugehen. Hierf\u00fcr wurde besonders die Arbeiten von drei ausgezeichneten Kennern der LXX, Takamitsu Muraoka, Emanuel Tov und James&nbsp;K. Aitken, zur\u00fcckgegriffen. Abgeschlossen wird der zweite Band mit einem Glossar zu den Grundbegriffen der LXX (1553\u20131566), also den Lexemen, die mehr als hundert Mal in der LXX und mehr als drei\u00dfig Mal im NTG gebraucht werden. Damit bietet das Werk eine durchgehende Lesehilfe f\u00fcr die gesamte LXX, ohne den Leser der Arbeit des eigenen Lesens und Denkens zu berauben. Sie ist ein Hilfsmittel zur Auseinandersetzung mit dem Text, aber kein Sublinearkommentar einer bestimmten Deutung oder Sichtweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Formal l\u00e4sst sich die Lekt\u00fcre schlicht als Genuss bezeichnen. Die Schriftart f\u00fcr das Griechische ist gestochen scharf, die Zwischen\u00fcberschriften zumeist sachlich angemessen und dezent, der Bestimmungsapparat sauber vom LXX-Text getrennt. Von besonderer Sch\u00f6nheit ist die moderne Typografie, die auch nach l\u00e4ngerer Lekt\u00fcre die Augen nicht erm\u00fcden l\u00e4sst. Sie erlaubt eine \u00fcberaus stilvolle Halbzentrierung eindeutig poetischer Texte, die die Psalmen<sup>LXX<\/sup> zu neuer Geltung kommen l\u00e4sst. So werden die Psalmen in \u00dcbereinstimmung von Form und Inhalt zu einer besonderen Begegnung. Die gro\u00dfz\u00fcgigen R\u00e4nder schaffen ausreichend Raum f\u00fcr pers\u00f6nliche Notizen und Querverweise. Pers\u00f6nlich bedeutende Stellen k\u00f6nnen durch zwei Leseb\u00e4nder (je Band) markiert werden. Besonders erstaunlich f\u00fcr das Hause Hendrickson ist die exzellente Bindung in Leinen, welche neben der Unterstreichung von Wertigkeit und Inhalt auch Langlebigkeit erm\u00f6glicht. Die vorliegende Publikationskooperation mit der Deutschen Bibelgesellschaft scheint hier produktive Synergien in Inhalt wie in Produktion erm\u00f6glicht zu haben, noch dazu f\u00fcr den \u00e4u\u00dferst erschwinglichen Preis f\u00fcr beide B\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wermutstropfen lassen sich kaum ausmachen. Sicher ist die Unhandlichkeit eines zweib\u00e4ndigen Werkes mit \u00fcber 3300 Seiten ein Argument f\u00fcr Viele, dieses Werk in der Bibliothek zu konsultieren oder aber am Arbeitsplatz fest unterzubringen. Den Charakter eines Lebensbuches, das es zweifelsohne f\u00fcr j\u00fcdische wie (fr\u00fch-)christliche Glaubensgemeinschaften war und ist, verliert es dadurch ein wenig. Inhaltlich ist aus philologischer Sicht an manchen Stellen zu fragen, ob ein formal medio-passives Verbum nicht auch in dieser Doppeldeutigkeit im Apparat h\u00e4tte vermerkt werden m\u00fcssen. Zudem ist das gesamte Werk einschlie\u00dflich des durchlaufenden Bestimmungsapparates auf Englisch verfasst. Aufgrund des teilweise \u00e4u\u00dferst spezifischen (griechischen wie englischen) Vokabulars wird hier etwas Einarbeitung, gerade in die Annotationen, von N\u00f6ten sein. Letztlich: Dass auf Rahlfs-Hahnhart zur\u00fcckgegriffen wurde und die wichtigen Erkenntnisse der G\u00f6ttinger Ausgabe (wo sie vorliegen) au\u00dfen vor geblieben sind, ist aus fachlicher Sicht schmerzlich, aus praktischer Sicht einer Reader\u2019s Edition jedoch angemessen. Dies besonders als Textgrundlage einer ersten, wom\u00f6glich pers\u00f6nlich-intuitiven Begegnung mit dieser hochrelevanten Sprech-, Denk- und Lebenswelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist zu hoffen, dass neben dem st\u00e4rker werdenden Strom an n\u00fctzlichen Hilfsmitteln zur Septuaginta, wie die deutsche \u00dcbersetzung von Karrer und Kraus (LXX.D), auch das Publikum f\u00fcr diese Texte neu zu gewinnen ist. F\u00fcr Viele ist der Weg zur LXX auch mit Hilfe einer Reader\u2019s Edition ein weiter. Und doch ist es ein Weg, der trotz L\u00e4ngen, D\u00fcrren und Irrungen viele Fr\u00fcchte tragen wird f\u00fcr den, der sich auf ihn begibt. Ein exzellentes Hilfsmittel hierf\u00fcr liegt nun vor.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Magnus Rabel, M.Th., Doktorand bei Prof. Dr. J\u00f6rg Frey am Lehrstuhl f\u00fcr neutestamentliche Wissenschaft an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gregory R. Lanier \/ William A. Ross (Hg.): Septuaginta. 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