{"id":1654,"date":"2022-10-22T14:09:52","date_gmt":"2022-10-22T14:09:52","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1654"},"modified":"2022-10-22T14:10:12","modified_gmt":"2022-10-22T14:10:12","slug":"ernst-axel-knauf-1-koenige-15-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1654","title":{"rendered":"Ernst Axel Knauf: 1 K\u00f6nige 15\u201322"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ernst Axel Knauf: <em>1 K\u00f6nige 15\u201322<\/em>, Herders Theologischer Kommentar Altes Testament, Freiburg: Herder, 2019, \u20ac&nbsp;105,\u2013, 536&nbsp;S., ISBN <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral\/shop\/p2\/12603-1-koenige-15-22-gebundene-ausgabe\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral\/shop\/p2\/12603-1-koenige-15-22-gebundene-ausgabe\/\">978-3-451-26815-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Knauf legt drei Jahre nach seinem Band zu 1.&nbsp;K\u00f6nige 1\u201314 (2016) den Folgeband zu 1.&nbsp;K\u00f6nige 15\u201322 vor. Der Autor ist in den vergangenen Jahrzehnten mit einschl\u00e4gigen Ver\u00f6ffentlichungen zu historischen und arch\u00e4ologischen Fragen wie z.&nbsp;B. zu <em>Ismael<\/em> (1985) und <em>Midian<\/em> (1988): <em>Untersuchungen zur Geschichte Pal\u00e4stinas und Nordarabiens im 1. bzw. 2. Jahrtausend, A History of Biblical Israel: The Fate of the Tribes and Kingdoms from Merenptah to Bar Kochba <\/em>(zusammen mit Philipp Guillaume; 2016) oder <em>Geschichtes Israels und Judas im Altertum <\/em>(2021) und mit Kommentaren zu dem Josua- (ZBK, 2008) und dem Richterbuch (ZBK, 2016) hervorgetreten. Knaufs Interesse, seine Kompetenz und seine Anliegen werden dabei vielf\u00e4ltig sichtbar. So verwundert es auch nicht, dass seine Ausf\u00fchrungen in dem vorliegenden Kommentar durch ein besonderes Interesse f\u00fcr historische Fragen und arch\u00e4ologische Informationen gekennzeichnet sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinem Vorwort nimmt er Leser direkt in die Herausforderung hinein, wie das Ende des ersten K\u00f6nigebuches zu bestimmen ist. Die Geschichte Ahasjas beginnt mit 1K\u00f6n 22,52 aber die Schlussformel findet sich erst in 2K\u00f6n 1,18. Manche Codices machen keinen Absatz und der Aleppo-Codex bindet die Joschafat- und die Ahasja-Geschichte zusammen und unterscheidet sie gemeinsam von ihrem Zusammenhang. Deswegen behandelt Knauff 1K\u00f6n 22,41 bis 2K\u00f6n 1,18 als eine kompositionelle Einheit, bietet in dem vorliegenden Band nur die \u00dcbersetzung und die damit verbundenen Anmerkungen zu 1K\u00f6n 22,41ff, vertr\u00f6stet die Leser auf den Folgeband und setzt seine Ausf\u00fchrungen folgenderma\u00dfen fort: \u201eDie Unbequemlichkeit, die daraus f\u00fcr die Leserschaft resultiert, mag als Stein eines Denkansto\u00dfes dienen. ,Die Bibel\u2018, von der Theologen wie Laien, Christen wie Nichtchristen oft und eher gedankenlos sprechen, gibt es eigentlich nicht. Es gibt viele Bibeln, im Umfang wie Aufbau verschieden\u201c (9). Dieser Einstieg f\u00fchrt unmittelbar in Fragen der Lekt\u00fcre von 1K\u00f6n 15\u201322 ein und wirft nicht nur ein Licht auf diese Kapitel und ihre Verkn\u00fcpfung mit den Kapiteln davor und danach. Eine Besch\u00e4ftigung mit den K\u00f6nigeb\u00fcchern als Ganzes legt auch die Frage nach dem Anfang und Ende auf den Tisch. Die Verbindung mit der Davidserz\u00e4hlung (1K\u00f6n 1\u20132) aus den Samuelb\u00fcchern wurde in der Forschung vielfach diskutiert (vielfach unter der \u00dcberschrift der Thronfolgeerz\u00e4hlung; 2Sam 20\u20132K\u00f6n 2) und stellt eine eigent\u00fcmliche Bucher\u00f6ffnung dar. Das Ende der K\u00f6nigeb\u00fccher fordert aber nicht weniger heraus. Es liegt ein Schluss vor, der sich geradezu verweigert, etwas abzuschlie\u00dfen. Es ist ein Schluss, der eine Fortsetzung erwartet und mindestens ebenso viel zu einem vorl\u00e4ufigen Ende bringt, wie es den Boden f\u00fcr weitere Erz\u00e4hlungen bereitet. Noch bevor man also den eigentlichen Kommentarteil dieses Bandes erreicht, befindet man sich in einem Gespr\u00e4ch mit dem Kommentator, schaut sich biblische Texte noch einmal genauer an, wird ins weitere Nachdenken gef\u00fchrt und ist herausgefordert, sich mit treffenden Beobachtungen und gut nachvollziehbaren Schlussfolgerungen auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem vermerkt Knauf in seinem Vorwort: \u201eDer Band ist \u2013 immer wieder mit mehr oder weniger gro\u00dfen Unterbrechungen \u2013 im Laufe von zw\u00f6lf Jahren entstanden. Diese Zeit wie die Komplexit\u00e4t der Materie, die ich nicht zu reduzieren versuche, sondern eher herauszustellen, haben im Text ihre Spuren hinterlassen. Da kein Kommentator damit rechnet, dass der Kommentar im Zusammenhang gelesen wird, sind diese Wiederholungen und \u00dcberschneidungen intendiert; die Benutzer sollen die unter der Textoberfl\u00e4che lagernden Informationen auch dann zur Hand haben, wenn sie den Kommentar f\u00fcr eine Perikope benutzen.\u201c (10). Die Entstehungsgeschichte des Kommentars hinterl\u00e4sst sicherlich an manchen Stellen ihre Spuren, was aber nicht zum Nachteil bei der Lekt\u00fcre f\u00fchren muss. Besonders wertvoll ist das Anliegen, die vorliegende Komplexit\u00e4t nicht reduzieren, sondern darstellen zu wollen. So wirft Knauf immer wieder wichtige und spannende Fragen auf. Fragen, die weiterf\u00fchrendes Nachdenken anregen. Dabei muss man den Antworten Knaufs nicht folgen, um sowohl die Fragen als auch die Antworten als guten Ausgangspunkt f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch mit dem biblischen Text und mit dem Kommentar zu erfahren. Knauf wirkt streckenweise unbequem, weil er Vertrautes hinterfragt, gute Beobachtungen und treffende Beschreibungen mit bisweilen provozierenden Schlussfolgerungen kombiniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele tabellarische \u00dcbersichten stellen spannende Informationen zusammen wie Verteilung von Namensformen, sprachliche Formeln, einzelnen Lexemen und Begriffen oder syntaktischen Konstruktionen in den Anmerkungen zu Text und \u00dcbersetzungen. Im Analyseteil finden sich Tabellen, die Textgliederungen und -aufbau, textgeschichtliche Schichtungen, inhaltliche Aspekte (wie Ahabs \u201eS\u00fcndenkatalog\u201c), weitere Verteilungen von Lexemen, Begriffen, Namen und sprachliche Formeln und intertextuelle Bez\u00fcge veranschaulichen. Diese Zusammenstellungen sind eine Fundgrube f\u00fcr bemerkenswerte Beobachtungen, laden zu weiteren Untersuchungen und \u00dcberlegungen ein und sind h\u00e4ufig nicht zuletzt wegen ihrer \u00dcbersichtlichkeit sehr hilfreich. Au\u00dferdem findet man ausf\u00fchrliche Zusammenstellungen von textgeschichtlichen und textkritischen Beobachtungen. Textkritische Varianten werden in der \u00dcbersetzung sichtbar gemacht, so dass man sofort die Unterschiede zwischen einer Ketib- und Qere- oder einer LXX und M-Lesart erfassen kann. Die grafische Darstellung der \u00dcbersetzung der Varianten wirkt im ersten Moment ungewohnt und st\u00f6rend, ist aber auf den zweiten Blick gut gel\u00f6st und erweist sich als sehr hilfreich und wertvoll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Darstellung der Rezeptionsgeschichte reicht von der Hebr\u00e4ischen Bibel, \u00fcber j\u00fcdische Literatur der zwischentestamentarischen und neutestamentlichen Zeit, das Neue Testament, rabbinisches Judentum, j\u00fcdische, christliche und islamische Traditionen bis in die Moderne und blickt auch auf die Rezeption in der postchristlichen Welt. Knaufs Besch\u00e4ftigung mit dem biblischen Text entfaltet sich auch in und mit historischer und theologischer Kritik, bezieht j\u00fcdische Ausleger wie Ibn Ezra, Rambam (Maimonides) oder Abrabanel ein und l\u00e4sst auch moderne Stimmen in einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit und Leichtigkeit zu Wort kommen. Es entwickelt sich daraus in der Regel ein Gespr\u00e4ch, dem man an sich gut folgen kann, das viele wertvolle Gedanken sammelt und zu einer weiteren Besch\u00e4ftigung mit dem biblischen Text und anderen Auslegungen und Perspektiven einl\u00e4dt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Knauf nimmt auch literarische \/ narrative Studien in sein Gespr\u00e4ch mit dem Text hinein, auch wenn diese nicht so viel Raum bekommen, wie arch\u00e4ologische, text- und literaturgeschichtliche Beobachtungen und Fragestellungen. Die Literaturangaben machen das auch sichtbar (11\u201315), insbesondere wenn man sich vor Augen f\u00fchrt, dass viele der unter der \u00dcberschrift \u201eWeitere Literatur\u201c zusammengefassten Titel, keine literarischen Studien zu den K\u00f6nigeb\u00fcchern im engeren Sinne sind, sondern vor allem soziologische, kompositionsgeschichtliche \/ redaktionsgeschichtliche und theologische Aspekte thematisieren. F\u00fcr einen literarischen \/ narrativen Zugang muss man sicherlich andere Kommentare in die Hand nehmen. Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass Knauf ein interessanter, anregender, provokanter und wertvoller Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr die Lekt\u00fcre der K\u00f6nigeb\u00fccher ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Heiko Wenzel, Ph.D. (Wheaton), Akademie f\u00fcr Kirche und Gesellschaft, Wien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ernst Axel Knauf: 1 K\u00f6nige 15\u201322, Herders Theologischer Kommentar Altes Testament, Freiburg: Herder, 2019, \u20ac&nbsp;105,\u2013, 536&nbsp;S., ISBN 978-3-451-26815-1 Knauf legt<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":1655,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1654","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1654","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1654"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1654\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1657,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1654\/revisions\/1657"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1655"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1654"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1654"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1654"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}