{"id":1658,"date":"2022-10-22T14:12:39","date_gmt":"2022-10-22T14:12:39","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1658"},"modified":"2022-10-22T14:12:40","modified_gmt":"2022-10-22T14:12:40","slug":"winfried-thiel-koenige-2-teilband","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1658","title":{"rendered":"Winfried Thiel: K\u00f6nige. 2. Teilband"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Winfried Thiel: <em>K\u00f6nige. 2. Teilband. 1.K\u00f6nige 17,1\u201322,54<\/em>, BKAT IX\/2, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2019, geb., XII+792&nbsp;S., \u20ac&nbsp;225,<em>\u2013<\/em>, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/49066\/koenige\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/49066\/koenige\">978-3-7887-3352-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahre 1968 erschien der Kommentar von Martin Noth zu 1.K\u00f6nige 1<em>\u2013<\/em>16 in der BKAT-Reihe. Thiel legt den Folgeband zum ersten K\u00f6nigebuch vor, nachdem Rudolf Smend in den achtziger Jahren diese Aufgabe an ihn abgetreten hat: \u201eDer Zeitpunkt f\u00fcr die Wiederaufnahme der Kommentierung erwies sich als wenig g\u00fcnstig. Die Theologischen Fakult\u00e4ten waren in der Regel \u00fcberlastet, und die Erfordernisse der Lehre dr\u00e4ngten die Forschung an den Rand. Seit dem Erscheinen des ersten Bandes waren nahezu zwei Jahrzehnte vergangen und hatten neue methodische Ans\u00e4tze und zahlreiche Forschungsgesichtspunkte f\u00fcr die K\u00f6nigeb\u00fccher und ihren weiteren Kontext bereitgestellt, die intensive Beachtung verdienten. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch durch andersartige Gewichtung der Interpretationsschritte ist der Kommentar, der nun nach fast einem halben Jahrhundert dem ersten Teil folgt, erheblich umfangreicher als dieser ausgefallen.\u201c (V). Die Ver\u00f6ffentlichung der Lieferungen erstreckte sich dabei \u00fcber 20 Jahre (2000<em>\u2013<\/em>2019) und dokumentiert auf diese Weise auch die Ausdauer, die Beharrlichkeit und die Sorgfalt des Kommentators. Der Umfang der Kommentierung f\u00e4llt dabei sofort auf. Obwohl \u201enur\u201c sechs anstelle von sechzehn Kapitel kommentiert werden, beinhaltet Thiels Band mehr als doppelt so viele Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man sich beispielsweise 1K\u00f6n 18,1<em>\u2013<\/em>46 anschaut bekommt man anhand der Seitenzahlen einen Eindruck, wie die Gewichtung der Abschnitte verteilt sind, die sich klassischerweise in der BKAT-Reihe finden: <em>Literatur <\/em>(81<em>\u2013<\/em>82), <em>Text <\/em>(82<em>\u2013<\/em>94), <em>Form <\/em>und <em>Ort <\/em>(94<em>\u2013<\/em>113), <em>Wort <\/em>(113<em>\u2013<\/em>211) und <em>Ziel <\/em>(211<em>\u2013<\/em>214). Es liegt also eine sehr ausf\u00fchrliche Besch\u00e4ftigung mit dem Text und textkritischen Fragen (<em>Text<\/em>), wie man es von der BKAT-Reihe gewohnt ist, und mit der \u201eeigentlichen\u201c Auslegung (Wort) vor. Die Diskussion um <em>Form <\/em>und <em>Ort <\/em>wie auch der Abschnitt zu <em>Ziel <\/em>f\u00e4llt vom Umfang im Vergleich zu <em>Wort <\/em>deutlich ab. Diese Gewichtung wird auch noch dadurch verst\u00e4rkt, dass unter <em>Wort <\/em>immer wieder Literaturlisten zu finden sind, die einzelne Fragen vertiefen. Diese Listen sind in Summe wesentlich l\u00e4nger als die Literaturliste, die der Kommentierung vorangestellt ist. Thiels Ausf\u00fchrungen zu 1K\u00f6n 18,1<em>\u2013<\/em>46 sind in der zweiten (2002) und dritten Lieferung (2007) erschienen, was den gr\u00f6\u00dften Zeitabstand im Erscheinen der Lieferungen darstellt. Dem mag es durchaus geschuldet sein, dass sich weitere Literaturlisten aufdr\u00e4ngten und die weiterf\u00fchrende Besch\u00e4ftigung mit diesem herausfordernden und wichtigen Kapitel in der Eliaerz\u00e4hlung vertieften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaut man sich die Literaturlisten an, sucht man lange und h\u00e4ufig vergeblich nach j\u00fcngeren Beitr\u00e4gen. Insbesondere die Besch\u00e4ftigung mit den prophetischen Erz\u00e4hlungen im Allgemeinen und mit der Eliaerz\u00e4hlung im Besonderen aus einer literarischen und \/ oder narrativen Perspektive n\u00e4hert, kommt viel zu kurz. Das ist mehr als bedauerlich, wenn auch durchaus verst\u00e4ndlich. Es ist bedauerlich, weil damit wichtige Impulse zum Verst\u00e4ndnis biblischer Texte leicht zu kurz kommen, aber nicht nur das. Vielmehr erweist sich Thiel auf vielen, vielen Seiten als aufmerksamer Leser des biblischen Textes, der viele gute Beobachtungen mit wichtigen und wertvollen \u00dcberlegungen verkn\u00fcpft. Bei Thiel stehen dabei f\u00fcr aufkommende Fragen vielfach literar- oder redaktionskritische L\u00f6sungen oder Antworten an erster Stelle oder Thiel spricht guten Beobachtungen selbst die Bedeutung ab, wie dies beispielsweise bei der Parallele von 1K\u00f6n 22,7 und 2K\u00f6n 3,7 der Fall ist (635<em>\u2013<\/em>637). Die Rede von einer \u201egel\u00e4ufigen Formel\u201c ist ihm zu wenig, er h\u00e4lt weitreichende \u00dcbereinstimmungen fest, vermutet einen literarischen Eingriff und sagt dann: \u201eAns\u00e4tze f\u00fcr die Literarkritik ergeben sich jedoch nicht. Die betreffenden S\u00e4tze sitzen fest in ihren Kontexten, und damit schlie\u00dft sich eine sekund\u00e4re \u00dcbernahme aus.\u201c (636) Nach einer kurzen Zusammenstellung von textgeschichtlichen L\u00f6sungen, schlussfolgert Thiel: \u201eVielleicht darf man sich mit der Vermutung bescheiden, da\u00df beide Texte aus demselben prophetischen Traditionskreis stammen und nebeneinander \u00fcberliefert und wohl auch fixiert worden sind.\u201c (636<em>\u2013<\/em>637). Es w\u00e4re sehr bereichernd und wertvoll gewesen, wenn dies intensiver und grundlegender mit narrativen Perspektiven ins Gespr\u00e4ch gebracht worden w\u00e4ren. Allerdings ist es auch nachvollziehbar, dass dies nur teilweise geschieht. Solche Gespr\u00e4che h\u00e4tten wohl nicht nur eine weitere Verl\u00e4ngerung des gesamten Projektes nach sich gezogen. Ganz sicher h\u00e4tte es den Umfang der Ausf\u00fchrungen noch um weitere Seiten \/ Lieferungen erweitert. Die vorliegende gebundene Ausgabe hat mit fast 800 Seiten wohl schon seine Grenze erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So finden diese Gespr\u00e4che an einzelnen Stellen bisweilen punktuell statt, schlagen aber nicht auf die Gesamtanlage des Kommentars durch, was vielleicht auch eine unangemessene Erwartung w\u00e4re. Thiel bietet den Leser einen guten und umfangreichen Kommentar in der besten BKAT-Tradition, wie man es nach seinen einschl\u00e4gigen Ver\u00f6ffentlichungen der vorangegangenen Jahrzehnte wie <em>Die deuteronomistische Redaktion von Jeremia 1\u201325<\/em> (1973), <em>Die soziale Entwicklung Israels in vorstaatlicher Zeit<\/em> (1980), <em>Die deuteronomistische Redaktion von Jeremia 26\u201345. Mit einer Gesamtbeurteilung der deuteronomistischen Redaktion des Buches Jeremia<\/em> (1981) oder auch dem mit Robert Hanhart und Werner H. Schmidt gemeinsam herausgegebenen <em>Altes Testament<\/em> (1989) erwarten konnte. Erfahrene Nutzer dieser Kommentarreihe wissen, was sie an dieser Reihe haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Anmerkung sei noch angef\u00fcgt. Die Rede von Interpretationsschritten legt scheinbar nahe, dass die Besch\u00e4ftigung mit biblischen Texten gut nachvollziehbaren, konsekutiv abzuarbeitenden Schritten folgen kann oder sollte. Dies verstellt aber allzu leicht den Blick daf\u00fcr, dass praktisch jeder \u201eInterpretationsschritt\u201c, man mag die Textkritik in gro\u00dfen Teilen davon auszunehmen, ein methodischer Zugang ist, der sich im Letzten mit dem Text als Ganzen besch\u00e4ftigt und einen Blick auf den (ganzen) Text wirft, der mit anderen Blicken ins Gespr\u00e4ch zu bringen ist. Selbst schwierige textkritische Fragen erfordern immer wieder eine Schau auf einen Text oder Textabschnitt und ein auslegendes Abw\u00e4gen, um eine angemessene Entscheidung zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thiel erweist sich als Kommentator, der den biblischen Text sehr aufmerksam liest, viele historische, religionsgeschichtliche und theologische Aspekte bewegt und mit seinen Ausf\u00fchrungen in eine intensive und ausf\u00fchrliche Besch\u00e4ftigung mit den Texten verwickelt. In gewisser Weise taucht man auch in die Auslegungsgeschichte vergangener Jahrzehnte ein, buchstabiert an einzelnen Stellen die Grenzen und M\u00f6glichkeiten methodischer Zug\u00e4nge durch und findet in diesem umfangreichen Kommentar eine F\u00fclle von guten Beobachtungen, wertvolle \u00dcberlegungen, bedenkenswerte Vorschl\u00e4ge und einen anregenden Gespr\u00e4chspartner im Ringen um das Verst\u00e4ndnis der biblischen Texte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Heiko Wenzel, Ph.D. (Wheaton), Akademie f\u00fcr Kirche und Gesellschaft, Wien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winfried Thiel: K\u00f6nige. 2. 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