{"id":1662,"date":"2022-10-22T14:15:20","date_gmt":"2022-10-22T14:15:20","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1662"},"modified":"2022-10-22T14:15:22","modified_gmt":"2022-10-22T14:15:22","slug":"andreas-christian-heidel-das-glaubende-gottesvolk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1662","title":{"rendered":"Andreas-Christian Heidel: Das glaubende Gottesvolk"},"content":{"rendered":"\n<p>Andreas-Christian Heidel: <em>Das glaubende Gottesvolk. Der Hebr\u00e4erbrief in israeltheologischer Perspektive<\/em>, WUNT II\/540, T\u00fcbingen (Mohr Siebeck) 2020, 328 S., \u20ac&nbsp;84,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/das-glaubende-gottesvolk-9783161596094\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/das-glaubende-gottesvolk-9783161596094\">978-3-16-159609-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In seiner Dissertation (2020 bei Prof. Dr. J\u00f6rg Frey, Z\u00fcrich) geht Heidel dem Verh\u00e4ltnis des Hebr\u00e4erbriefes zum Judentum nach, das in der j\u00fcngeren Forschung sehr umstritten ist \u2013 insbesondere angesichts des Vorwurfs, der Hebr habe ein negatives Verh\u00e4ltnis zum Judentum und betreibe antij\u00fcdische Polemik, vor allem \u201ewegen seiner kompromisslosen Christozentrik in der Heilsfrage\u201c (3).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum der Arbeit steht die \u201eFrage: Kann hinsichtlich des theologischen Gedankengangs im Hebr eine eschatologische Heilsperspektive aus christlicher Sicht f\u00fcr j\u00fcdisch Gl\u00e4ubige formuliert werden, die nicht einseitig die im Hebr deutlich hervorgehobene Christologie aufgibt?\u201c (40). Im Hintergrund dieser Frage stehen Verlautbarungen der EKD zum Verh\u00e4ltnis Christentum-Judentum, die \u2013 so Heidel \u2013 \u201ehermeneutische Einseitigkeiten\u201c aufweisen, \u201edie dem neutestamentlichen Zeugnis, im Speziellen dem des Hebr, nicht gerecht werden\u201c. Der Vf. m\u00f6chte mit diesen Texten \u201ein einen Diskurs treten\u201c (41).<\/p>\n\n\n\n<p>Er beginnt mit der Darlegung der j\u00fcngeren Forschungsgeschichte des Hebr bzgl. seines Verh\u00e4ltnisses zum Judentum und bietet anschlie\u00dfend einen knappen \u00dcberblick \u00fcber die diesbez\u00fcglichen Fragen \u2013 mit dem Ergebnis: Vieles kann nicht mehr gekl\u00e4rt werden, da die Dinge in einem \u201ehistorischen Nebel\u201c liegen (56).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des Hauptteils, eine exegetisch-theologische Untersuchung der Thematik, geht es zun\u00e4chst um die <em>alte und die neue Heilsordnung<\/em>(anhand Hebr 4\u201310, bes. 8,1\u201310,18) mit dem Ergebnis der klaren \u00dcberlegenheit der neuen Heilsordnung in Jesus \u00fcber die alte, die nicht zum Ziel (des ewigen Heils) f\u00fchrt. Daraus ergibt sich die Frage \u2013 ihr gilt das eigentliche Interesse der Arbeit (99) \u2013, was das f\u00fcr die \u201eleiblichen Nachkommen Abrahams\u201c bedeutet. Antwort: Auch sie werden am Heil teilhaben, im\/aus Glauben (Hebr 10,38; 99f).<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird im n\u00e4chsten Abschnitt <em>Der Glaube des einen Gottesvolkes<\/em> vertieft \u2013 mit dem Ergebnis: Der Glaube ist \u201edas eschatologische <em>momentum<\/em>, an dem sich Leben und Tod vor Gott f\u00fcr den Menschen entscheidet\u201c. Als solcher ist er an S\u00fcndenvergebung (Reinigung) durch Jesus Christus gebunden. Diese Jesusbezogenheit des Glaubens (144f) gilt auch f\u00fcr Juden, wie der Abschnitt <em>Der Heilsplan Gottes f\u00fcr das glaubende Gottesvolk<\/em> ausf\u00fchrt. Demnach pilgert das im Glauben geeinte Gottesvolk zu seiner zuk\u00fcnftigen himmlischen Ruhestadt. Dabei hat sich durch das Reden Gottes im Sohn ein Zwischenraum bzw. eine Zwischenzeit aufgetan: das \u201eHeute\u201c als die Wirklichkeit des Gottesvolkes im Zugehen auf die Vollendung. Aufgrund dieser Geschichtsschau (anhand 11,39f) sind auch die atl. Glaubenszeugen noch auf dieses Ziel hin unterwegs und erhalten Anteil an der in Jesus erfolgenden Vollendung des ganzen Gottesvolks (144f).<\/p>\n\n\n\n<p>Der sich daraus ergebenden Frage, wie die Vereinigung der fr\u00fcheren und gegenw\u00e4rtigen Glaubenden zu dem einen Gottesvolk und seinem endg\u00fcltigen Heil zu denken ist, widmet sich der Abschnitt <em>Die Vereinigung des glaubenden Gottesvolks.<\/em> Dazu diskutiert Heidel zwei eschatologische Modelle, die sich in der Forschung etabliert haben und sich vor allem in der Frage unterscheiden, ob die bis zum Zeitpunkt des Endgerichts bereits verstorbenen Glaubensgenerationen schon Anteil an der himmlischen Wirklichkeit haben oder nicht (240). Heidel pl\u00e4diert f\u00fcr eine Kombination beider Modelle (um der mehrdimensionalen eschatologischen Darstellung im Hebr m\u00f6glichst gerecht zu werden). Anhand des ausschlaggebenden Texts (Hebr 12,22\u201329) kommt er zu dem Ergebnis: Alle (Lebende und Verstorbene) f\u00fcllen nach ihrer Rettung im Endgericht die himmlische Stadt (= die in Jesus aufgerichtete <em>basileia<\/em> Gottes). Die Entstehung der ntl. Gemeinde durch das Reden Gottes im Sohn ist ein unumg\u00e4nglicher Schritt zur Erreichung dieser Vollendung. Sie ist ein Schritt dorthin, aber nicht das Ziel. Jenes umfasst die \u201eVollzahl aller Generationen des glaubenden Gottesvolkes\u201c (248f).<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abschluss bilden eine <em>Ertragssicherung<\/em> und ein <em>Ausblick<\/em>. Hier geht es zun\u00e4chst um<em>Israeltheologie im Licht des Hebr<\/em> mit einem kurzen Aufriss verschiedener diesbez\u00fcglicher Themen (u.\u00a0a. der eine Heilsweg des einen glaubenden Gottesvolkes, Kontinuit\u00e4t und Innovation im Geschichtshandeln Gottes, Einbeziehung von R\u00f6m 9\u201311 in die \u00dcberlegungen). Es folgt ein <em>Versuch der Verst\u00e4ndigung<\/em> hinsichtlich der diesbez\u00fcglichen Kritik am Hebr, in dem Heidel eine exegetisch gerechtfertigte positive eschatologische Heilsperspektive f\u00fcr Israel von einem christlichen Standpunkt im Licht des Hebr aufzeigt. Da es hier um eine zentrale Fragestellung der Arbeit geht, h\u00e4tte dieser Abschnitt (nur 3 Seiten) etwas ausf\u00fchrlicher sein k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich ergehen <em>Anregungen f\u00fcr eine christliche Israeltheologie und das j\u00fcdisch-christliche Gespr\u00e4ch<\/em> mit demFazit: \u201eDer Hebr f\u00fchrt den christlichen Dialogpartner von beiden Seiten an eine Grenze: Er dr\u00e4ngt ihn dazu, in seiner Anstrengung um eine eschatologische Heilsperspektive Israels nicht abzulassen und zugleich die aus seiner Glaubensgewissheit heraus erkannte Notwendigkeit und Unersetzlichkeit des Heilswerkes Jesu an keiner Stelle aufzugeben.\u201c (276). Heidels Untersuchung greift eine aktuelle und brisante Thematik auf und setzt sich mit ihr in biblisch-theologischer Argumentation auseinander. Aufgrund der Komplexit\u00e4t der diesbez\u00fcglichen Inhalte des Hebr ist der Duktus der Ausf\u00fchrungen ebenso h\u00f6chst komplex und anspruchsvoll. Die Dinge sind aber exegetisch sehr sauber und nachvollziehbar erarbeitet und zeigen eine \u00fcberzeugende L\u00f6sung der Problematik auf.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Roland Gebauer war Rektor und Professor f\u00fcr Neues Testament an der Theologischen Hochschule Reutlingen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas-Christian Heidel: Das glaubende Gottesvolk. 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