{"id":1688,"date":"2022-10-22T14:29:47","date_gmt":"2022-10-22T14:29:47","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1688"},"modified":"2022-10-22T14:29:49","modified_gmt":"2022-10-22T14:29:49","slug":"michael-r-jost-engelgemeinschaft-im-irdischen-gottesdienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1688","title":{"rendered":"Michael R. Jost: Engelgemeinschaft im irdischen Gottesdienst"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael R. Jost: <em>Engelgemeinschaft im irdischen Gottesdienst. Studien zu Texten aus Qumran und dem Neuen Testament<\/em>, WUNT II\/505, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2019, kt., XVI+454&nbsp;S., \u20ac&nbsp;104,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/engelgemeinschaft-im-irdischen-gottesdienst-9783161567407\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/engelgemeinschaft-im-irdischen-gottesdienst-9783161567407\">978-3-16-156740-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch ist die Druckfassung der mit Summa cum laude bewerteten Dissertation des Vf.s, die 2018 an der Universit\u00e4t Bern eingereicht und erfolgreich verteidigt wurde. Betreut wurde sie von J\u00f6rg Frey (Z\u00fcrich) und Benjamin Schliesser (Bern). Schon vor der Dissertation gab Jost zusammen mit J\u00f6rg Frey einen Sammelband heraus, der die Ergebnisse des Forschungsprojekts \u201eGemeinschaft mit den Engeln im irdischen Gottesdienst in fr\u00fchj\u00fcdischen und neutestamentlichen Schriften\u201c darstellt (<em>Gottesdienst und Engel im antiken Judentum und fr\u00fchen Christentum<\/em>, WUNT II\/446, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2017).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Thema \u00fcberrascht zun\u00e4chst und das von Jost angef\u00fchrte Urteil des T\u00fcbinger Neutestamentlers Otfried Hofius, wonach eine \u201egr\u00fcndliche[] monographische[] Er\u00f6rterung\u201c zum Thema der Gemeinschaft mit den Engeln im Gottesdienst der Kirche ein Desiderat sei, werden nicht viele teilen (O. Hofius, \u201eGemeinschaft mit den Engeln im Gottesdienst der Kirche\u201c, in: ders., <em>Neutestamentliche Studien<\/em>, WUNT 132, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2000, 301\u2013325, hier 308 Anm. 35). Jost selbst nennt das Thema im ersten Satz \u201eeher ungew\u00f6hnlich\u201c (1). Das gilt allerdings nur f\u00fcr die protestantische Tradition, denn insbesondere im orthodoxen Gottesdienst ist die Engelsgemeinschaft fester Bestandteil der Liturgie, worauf nicht zuletzt die Ausmalung des Kirchenraumes hinweist, in der die Engel immer als Teil der feiernden Gemeinde mitabgebildet sind. Dass der Vortrag von Hofius, der am Anfang dieser Dissertation steht, anl\u00e4sslich eines Symposiums zum Millenium der Russischen Orthodoxen Kirche 1988 gehalten wurde, ist darum kein Zufall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit hat zwei gro\u00dfe Teile, die von hinf\u00fchrenden bzw. wirkungsgeschichtlichen k\u00fcrzeren Kapiteln gerahmt sind. Der erste Hauptteil besch\u00e4ftigt sich mit der \u201eGottesdienstliche[n] Engelgemeinschaft in Texten vom Toten Meer\u201c (31\u2013203), was insofern berechtigt ist, weil insbesondere die \u201eLieder zum Sabbatopfer\u201c genannten Handschriften 4Q400\u2013407 dieses Thema mit aller Deutlichkeit in den Fokus r\u00fcckten. In ihnen ist die gottesdienstliche Gemeinschaft wohl am deutlichsten geschildert, so dass sie oft den interpretatorischen Rahmen f\u00fcr andere, zumeist sehr viel k\u00fcrzere Texte bzw. Textzeilen bieten. In diesem Teil werden alle entsprechenden Belege aus den Schriften von Qumran minuti\u00f6s kontextualisiert und ausgelegt. Dabei werden auch die Einleitungsfragen zu diesen Texten kenntnisreich behandelt, so dass dieser Teil auch \u00fcber die spezielle Frage nach den Engeln hinaus hilfreich ist. Als Ergebnis wird festgehalten, dass f\u00fcr die Qumrangemeinde \u201edie Engelgemeinschaft \u2026&nbsp;zur irdischen Wirklichkeitserfahrung\u201c geh\u00f6rt. Sie wird in der gottesdienstlichen Liturgie \u201enicht erwirkt, sondern vergegenw\u00e4rtigt\u201c (197). Ziel dieser Gemeinschaft zwischen Irdischen und Himmlischen ist der \u201ekosmische Lobpreis Gottes\u201c (198), der schon jetzt ert\u00f6nt, auch wenn die menschliche Seite noch unter vielfachen Bedr\u00e4ngnissen leidet. F\u00fcr die Zukunft wird deren \u00dcberwindung erwartet, so dass eine unmittelbare Gemeinschaft mit den Engeln m\u00f6glich ist, die aber nie Selbstzweck ist, sondern auf Gott ausgerichtet bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Hauptteil (= Teil&nbsp;III) behandelt die \u201eGottesdienstliche Engelgemeinschaft in neutestamentlichen Texten\u201c (205\u2013338). Die Stellen, die hier ausf\u00fchrlich behandelt werden, sind 1Kor 11,10 (die Frauen sollen im Gottesdienst eine \u201eMacht auf dem Haupt haben <em>wegen der Engel<\/em>\u201c), Hebr 12,22\u201323 (\u201eihr seid hinzugetreten \u2026 zu Myriaden von Engeln, einer Festversammlung, und zur Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln aufgeschrieben sind\u201c) und zahlreiche Stellen aus der Offenbarung, die \u2013&nbsp;entgegen der Erwartung, die man als Leser vermittelst des Titels der Arbeit mitbringt \u2013&nbsp;allesamt so gedeutet werden, dass es darin gerade <em>nicht<\/em> um eine \u201egegenw\u00e4rtige Gemeinschaft mit den Engeln\u201c geht (314 zu Offb 7,9\u201317). Anhangsweise werden auch Epheser- und Kolosserbrief behandelt (332\u2013337). Das Ergebnis des ntl. Teils ist eindeutig, n\u00e4mlich \u201edass von einer Gemeinschaft mit den Engeln im irdischen Gottesdienst <em>nicht<\/em> die Rede sein kann\u201c (331, [Hervorhebung RD] \u2013&nbsp;man ist geneigt zu denken: schade eigentlich). Zwar wird durchg\u00e4ngig die Bezogenheit von irdischem Gottesdienst und dem engelischen Lobpreis in der Herrlichkeit Gottes betont, aber zugleich die Christuszentriertheit und das heilsgeschichtliche Nacheinander dieses Geschehens hervorgehoben: das Ende ist da erreicht, wo die irdische Gemeinde als erl\u00f6ste Gemeinde ihren Erl\u00f6ser verherrlicht: \u201eDer Sieg ist vollbracht und die Gemeinde erl\u00f6st, weshalb im weiteren Verlauf kein Lobpreis der Engel mehr erklingt\u2026\u201c (323), und weiter: \u201eDie erl\u00f6ste Gemeinde nimmt darum nicht am himmlischen Lobpreis teil, sondern sie f\u00fchrt ihn an\u201c (331). Damit wird der Charakter der Engel als \u201edienstbare Wesen\u201c noch einmal betont, zugleich werden die Erl\u00f6sung der Gemeinde und das Hochzeitsmahl des Lammes als Zielpunkt des Heilsgeschehens, dem auch die Engel und ihr Dienst eingeordnet sind, eindrucksvoll hervorgehoben. Das ist einfach sch\u00f6n! In der Analyse der hymnischen Passagen finden sich zudem S\u00e4tze, die seelsorgerliches Potential (nicht zuletzt angesichts gegenw\u00e4rtiger Krisenerfahrungen) besitzen und etwas von der theologisch-pastoralen Kompetenz des Vfs. vermitteln: \u201eDie apokalyptische Gerichtszeit, von der die Johannesoffenbarung spricht, ist durchdrungen von der Heilsbotschaft und dem immerw\u00e4hrenden Lobpreis Gottes, sodass die irdische Gemeinde in der Bedr\u00e4ngnis der Endzeit zugleich die Sicherheit des Sieges durch den himmlischen Lobpreis zugesprochen erh\u00e4lt\u201c (299). Das Fazit des ntl. Teils ist also, dass es im NT keinen \u201eBeleg f\u00fcr die Vorstellung einer aktualen Gemeinschaft im Sinne einer gegenseitigen Verbundenheit von Engeln und Menschen in r\u00e4umlicher N\u00e4he w\u00e4hrend des Gottesdienstes\u201c gibt (337). Engel sind zwar pr\u00e4sent (das wird insbesondere aus 1Kor 11,10 festgehalten), aber es gibt keine eigentliche Gemeinschaft mit ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte einwenden, dass die alles in allem doch sehr enigmatische Stelle 1Kor 11,10 kaum das Gewicht tragen kann, das ihr hier zugemutet wird, doch Jost zeigt sehr umsichtig, dass f\u00fcr Paulus die Engel selbstverst\u00e4ndlicher Teil seiner Wirklichkeitserfahrung sind, weshalb er deren Wirken, Bedeutung und Gegenwart ohne weitere Kl\u00e4rungen als gemeinsames Glaubensgut mit seinen Adressaten voraussetzen kann: \u201eHimmel und Erde sowie Engel und Menschen geh\u00f6ren zum einen Kosmos und zur einen Sch\u00f6pfung Gottes. Sie k\u00f6nnen nicht getrennt werden, sondern bilden eine gemeinsame Wirklichkeit\u201c (238). Seine Gesamtinterpretation der vieldiskutierten Stelle 1Kor 11,2\u201316 ist \u00e4u\u00dferst spannend, auch wenn er aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden darauf verzichtet, daraus weitergehende Folgerungen abzuleiten. Sein vorsichtiges Res\u00fcmee lautet:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEntsprechend kann die Aussage in 1Kor 11,10 am besten so gedeutet werden, dass die Engel im Himmel f\u00fcr die Gebete der Frauen und M\u00e4nner im irdischen Gottesdienst zeugen. Die Frau aber muss gem\u00e4\u00df Paulus, wenn sie sich in Gebet und Prophetie an die himmlische Welt wendet, zur Erm\u00e4chtigung eine Kopfbedeckung tragen, womit sie trotz ihrer eigenst\u00e4ndigen Hinwendung zu Gott ihre Zuordnung zum Ehemann sozial sichtbar macht. Auf diese Weise kombiniert Paulus die sch\u00f6pfungstheologisch begr\u00fcndete Unterscheidung von Mann und Frau mit der selbst\u00e4ndigen Beteiligung der (Ehe-)Frauen am Gottesdienst.\u201c (241)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gewinn der Doppelstruktur Qumran\/NT zeigt sich u.&nbsp;a. in der Bearbeitung des Hebr\u00e4erbriefes, dessen religionsgeschichtlicher Kontext (bei Jost \u201eTraditionsmilieu\u201c, 244\u2013246) ja durchaus umstritten ist und von fr\u00fchj\u00fcdischen Kontexten (Philo, Qumran, Apokalyptik, Merkava-Mystik) bis zur \u201evorchristlichen Gnostik\u201c, Mittelplatonismus und den Mysterienreligionen gesucht wird. Hier zeigt Jost einerseits im Hinblick auf die Gemeinschaft mit Engeln eine gro\u00dfe N\u00e4he zu den Vorstellungen der betreffenden Qumrantexte und verortet damit den unbekannten Autor des Hebr\u00e4erbriefes sehr deutlich im j\u00fcdischen Kontext, zugleich betont er aber die Unterschiede, die sich aus der \u201ev\u00f6llig neuen theologischen bzw. christologischen Denkweise\u201c (281) ergeben. Das ist mutig in Zeiten, in denen manche Jesus und Paulus so v\u00f6llig in ihren j\u00fcdischen Kontext absorbieren (\u201eThird Quest\u201c bzw. \u201eRadical New Perspective\u201c), dass das Neue der Christusoffenbarung fast nicht mehr sagbar ist. Auch in der Schlusszusammenfassung wird das Unterschiedliche fast st\u00e4rker betont als das Gemeinsame (z.&nbsp;B. 371):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEs ist nicht m\u00f6glich f\u00fcr die Interpretation der neutestamentlichen Rede von den Engeln im gottesdienstlichen Kontext auf das entsprechende Motiv in den Texten vom Toten Meer zur\u00fcckzugreifen, die mit ihrer einzigartigen Hochsch\u00e4tzung der liturgischen Gemeinschaft mit den Engeln in eine deutlich andere Richtung weisen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weniger \u00fcberzeugend halte ich die best\u00e4ndig betonte enge Verbindung von Engeln und apokalyptischem Weltbild des Paulus (z.&nbsp;B. 207: \u201eDie Engel sind darum im Neuen Testament nicht unabh\u00e4ngig vom apokalyptischen Weltbild zu verstehen\u201c). Hier l\u00e4uft der Vf. m.&nbsp;E. in die Gefahr, die Existenz bzw. das Reden von Engeln ausschlie\u00dflich mit dem \u201epr\u00e4gende[n] Einfluss des apokalyptischen Weltbildes\u201c zu begr\u00fcnden. Hier m\u00fcsste man doch deutlicher sagen: die Engel und ihr Wirken sind im Neuen Testament darum dargestellt, weil ihr Wirken als ein solches erfahren worden ist, d.&nbsp;h. die Angelophanien, die das Neue Testament breit und ausf\u00fchrlich bezeugt, und zwar sowohl als historische wie als vision\u00e4re Erfahrung, sind Teil des von Gott geschaffenen Kosmos und darum von Anfang an Teil des biblischen Weltbildes. Darum sind die Engel bei Paulus nicht dem \u201eEinfluss apokalyptischer Vorstellungen\u201c auf sein Denken geschuldet (211), sondern, wenn \u00fcberhaupt von solchen Einfl\u00fcssen die Rede sein muss, dann sind sie seinem biblischen Weltbild zu verdanken. Dass er dar\u00fcber hinaus von konkreten Engelserfahrungen sprechen kann, verdankt sich dem offenbarenden Handeln Gottes, der es dem Apostel erlaubte, Einblick in diese zumeist unsichtbare Gegenw\u00e4rtigkeit der himmlischen Realit\u00e4ten im Gef\u00fcge der Welt zu bekommen. Besonders die Darstellung des Hebr\u00e4erbriefes leidet unter diesem fast schon penetranten Verweis auf das \u201efr\u00fchj\u00fcdisch-apokalyptische[] Weltbild\u201c (244, vgl. 250: \u201e\u2026weist gerade die Rede von den Engeln auf den Einfluss fr\u00fchj\u00fcdisch-apokalyptischer Traditionen \u2026 hin\u201c) mit dem die Aussagen \u00fcber den Thron Gottes, die Engel, das Gericht, den Wechsel der Zeiten und die Auferstehung erkl\u00e4rt wird (245, s.&nbsp;a. 246, 248, 250 etc.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerahmt sind die beiden Hauptteile von zwei deutlich k\u00fcrzeren. Der erste behandelt \u201eAlttestamentliche und fr\u00fchj\u00fcdische Aspekte\u201c (15\u201330), in dem die einschl\u00e4gigen Stellen nur ganz knapp vorgestellt werden (Jes 6; Ps 29; 103; 148; Jub 2,17\u201322; Jud 12,12.15; Dan 12,1\u20133; 1Hen 39,4\u20135). \u201eRabbinische und patristische Perspektiven\u201c bilden den IV. Teil (339\u2013365), in dem zwei entsprechende Kapitel sehr knapp die Untersuchung durch Hinweise abrunden, wie in nachbiblischer Zeit j\u00fcdischer- bzw. christlicherseits diese Vorstellungen weiterbearbeitet wurden. Besonders bei Origenes ist der Gedanke ausgepr\u00e4gt, dass im normalen Gottesdienst eine \u201ezweifache Kirche\u201c anwesend ist, \u201eeine von Menschen, eine andere von Engeln\u201c (356). Die weitere Entwicklung r\u00fcckt dann den amtierenden Priester in die Rolle des Engels, indem sie \u201edie Vermittlung mit der \u00fcberirdischen Welt \u2026 von den himmlischen Engeln auf die irdischen Amtspersonen\u201c verlagert (365). Solche Aussagen zeigen ganz nebenbei, dass f\u00fcr das \u00f6kumenische Gespr\u00e4ch und hier besonders die Debatte \u00fcber das Amtsverst\u00e4ndnis vertiefte Kenntnisse in der Angelologie durchaus n\u00fctzlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Fazit<\/em>: Die zun\u00e4chst ungew\u00f6hnliche Themenstellung erweist sich als erstaunlich produktiv. Durch den Fokus auf \u201egottesdienstliche Gemeinschaft\u201c wird das Thema Engel jenseits von Kitsch, Fr\u00f6mmelei und esoterischen Anmutungen pl\u00f6tzlich relevant, und zwar so, dass es sich lohnt, \u00fcber das eigene Verhalten im Gottesdienst der eigenen Gemeinde nachzudenken. Die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der die drei ntl. Schriften Engel und ihre Dienste vor Gott und bei den Menschen voraussetzen, ohne dieselben an irgendeiner Stelle in den Mittelpunkt zu r\u00fccken, wird in dieser Arbeit zum Leuchten gebracht, ohne dass man durch sie nun dazu verf\u00fchrt w\u00fcrde, einer wie auch immer gearteten Angelolatrie zu verfallen. Es wird ausdr\u00fccklich darauf verwiesen, dass \u201edie Vorstellung einer gottesdienstlichen Engelsgemeinschaft in den neutestamentlichen Schriften <em>eine deutlich geringere Rolle<\/em> als in den Texten vom Toten Meer\u201c spielt (369). Eine solche relativierende Einordnung des eigenen Forschungsthemas ist selten und spricht f\u00fcr den Autor, der nicht versucht, sein Thema (und damit sich selbst) zu \u201ehypen\u201c und damit mediale Aufmerksamkeit zu erlangen. Erfreulich ist ferner, dass der Vf. am Ende die Ergebnisse seiner Arbeit ausdr\u00fccklich mit gegenw\u00e4rtigen Gottesdienstvorstellungen in Beziehung setzt, indem er auf die Engelsgemeinschaft \u201ein vielen \u00e4lteren und neueren Lobpreisliedern\u201c (372) verweist und dazu anregt, die \u201eeschatologische Vollendungshoffnung\u201c, zu der die dann sichtbare Gemeinschaft mit den Engeln geh\u00f6rt, st\u00e4rker als bisher zu akzentuieren (und damit auch eine Br\u00fccke zur orthodoxen Kirchentradition zu schlagen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit ist in einer klaren Wissenschaftsprosa geschrieben, die sehr angenehm zu lesen ist und neben allem Spezialwissen zugleich eine hilfreiche Einf\u00fchrung in die Engellehre des Neuen Testaments darstellt. Sie ist methodisch und handwerklich grundsolide und geht eng an den behandelten Texten entlang, ohne sich in Theoriediskursen zu verzetteln. Sie wurde 2018 mit dem Preis der \u201eFondation pour l\u2019enseignement du juda\u00efsme \u00e0 l\u2019Universit\u00e9 de Lausanne\u201c ausgezeichnet und kann insgesamt nur als sehr gelungen und anregend bezeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Prof. Dr. Roland Deines, Internationale Hochschule Liebenzell<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael R. Jost: Engelgemeinschaft im irdischen Gottesdienst. 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