{"id":1708,"date":"2022-10-22T16:39:14","date_gmt":"2022-10-22T16:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1708"},"modified":"2022-10-22T16:39:16","modified_gmt":"2022-10-22T16:39:16","slug":"simon-duerr-paul-on-the-human-vocation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1708","title":{"rendered":"Simon D\u00fcrr: Paul on the Human Vocation"},"content":{"rendered":"\n<p>Simon D\u00fcrr: <em>Paul on the Human Vocation. Reason Language in Romans an Ancient Philosophical Tradition<\/em>, BZNW 226, Berlin\/Boston: de Gruyter, 2021, 327\u00a0S., \u20ac\u00a086,17, ISBN <a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/document\/doi\/10.1515\/9783110750560\/html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.degruyter.com\/document\/doi\/10.1515\/9783110750560\/html\">978-3-11-075063-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der Schweizer Simon D\u00fcrr legt mit dieser (auch OpenAccess zug\u00e4nglichen) Arbeit die Resultate seiner an der St.&nbsp;Andrews Universit\u00e4t (Schottland) eingereichten Dissertation vor (Supervisor: N.&nbsp;T. Wright). Ausgangspunkt ist die Frage, weshalb Paulus in R\u00f6m 12,1 \u201eSprache der Vernunft\u201c (konkret den Ausdruck \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2) verwendet. Tats\u00e4chlich zeigt der \u00dcberblick \u00fcber bisherige Verst\u00e4ndnisvorschl\u00e4ge (10\u201313), die den Begriff mit \u201evern\u00fcnftig\u201c, \u201egeistlich\u201c, \u201eecht\/wahr\u201c, \u201ekommunizierend\/sprechend\u201c (Reichert) oder \u201evon vern\u00fcnftigen Gedanken geleitet\u201c (Scott) \u00fcbersetzen, dass keine Einigkeit dar\u00fcber besteht, was unter dem \u201evern\u00fcnftigen (?) Gottesdienst\u201c an dieser Stelle gemeint ist. 2018 hatte Scott in seiner Studie 420 Stellen des TLG mit dem Begriff untersucht, und D\u00fcrr meint, dass weder ein rein semantischer noch der traditionsgeschichtliche Ansatz weiterf\u00fchrend ist. Vielmehr schl\u00e4gt er vor, qualitative Parallelstellen genauer zu untersuchen, insbesondere Stellen bei Epiktet (50 \u2013 ca. 138 n.&nbsp;Chr.), welche diskursanalytisch aufzeigen, dass mit dem Ausdruck in antiken (Kon)Texten die Idee einer \u201eBerufung des Menschen\u201c als \u201evern\u00fcnftiges (sterbliches) Lebewesen\u201c ausgesagt wird. Dieses Verst\u00e4ndnis passe sehr gut zu R\u00f6m 12,1 im Kontext des ganzen Briefes. Das erste Kap. endet mit Anmerkungen zu den verwendeten Begriffen. Insbesondere wird erkl\u00e4rt, dass \u201eZeichenproduktion\u201c (engl. sign production) zwar bei U. Eco (Semiotik) entlehnt ist, damit aber in dieser Arbeit \u201ejede menschliche Aktion, Seinsweisen, Beziehungen, Einstellungen, Worte oder gar Gedanken, welche entweder Auslegung eines gr\u00f6sseren Verstehensrahmens oder ein Ausdruck davon sind\u201c (18) gemeint sei. D\u00fcrr meint, dass der Ausdruck \u201eZeichenproduktion\u201c f\u00fcr die paulinische Theologie besser als \u201eEthik\u201c oder andere Begriffe die menschliche T\u00e4tigkeit umschreibe. Anzumerken ist hier, dass die Verwendung von \u201eVernunft\u201c (engl. reason) nicht thematisiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Kap.&nbsp;2 (24\u201390) diskutiert im Gespr\u00e4ch mit Scott ausf\u00fchrlicher die Semantik des Wortes \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2. Der Ausdruck \u201evern\u00fcnftiges Lebewesen\u201c (\u03b6\u1ff7\u03bf\u03bd \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03bd) ist bereits vor Paulus weit verbreitet (urspr. va. bei den Stoikern) und wird sehr oft verwendet, wenn es um den Platz des Menschen \u2013 seine Rolle oder Berufung \u2013 im Kosmos geht. D\u00fcrr meint aufgrund einer Stelle bei Dio Chrysostomus (Or.&nbsp;36), dass es plausibel sei, dass dieses Verst\u00e4ndnis des Menschen als \u201evern\u00fcnftiges (sterbliches) Wesen\u201c Teil des kulturellen Wissens der Welt auch des Paulus und seiner Leser war. \u2013 In Kap.&nbsp;3 (91\u2013133) referiert D\u00fcrr eine Menge von Stellen von der fr\u00fchen griech. Literatur bis zu den Stoikern, die die Bedeutung des Menschen, seines Verstands und insbesondere seiner Rolle in der Welt thematisieren. Die Ausstattung des Menschen mit Verstand geh\u00f6rt in der griech.-r\u00f6m. philosophischen Tradition zu den zentralen Merkmalen des Menschseins und unterscheidet ihn von anderen Lebewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Stelle des Stoikers Epiktet \u2013 Epiktet 1.16.19\u201321 \u2013 wird in Kap.&nbsp;4 (134\u2013175) besonders ausf\u00fchrlich in ihrem Kontext behandelt. Zentral ist dabei die Aussage in 20g-21a als nach D\u00fcrr wichtigster Parallele zu R\u00f6m 12,1: \u201eNun aber, ich bin ein \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 (Wesen). Und ich muss Gott lobsingen. Das ist mein Werk\u2026\u201c (21e endet mit: \u201e\u2026und ich ermahne (\u03c0\u03b1\u03c1\u03b1\u03ba\u03b1\u03bb\u1ff6) = lade euch alle ein, mir darin zu folgen.\u201c). \u2013 Die hier zu findende, zweiteilige Grundstruktur \u201eErkenntnis seiner selbst\/die Wahrheit (\u00fcber das Menschsein) sehen \uf0e0 darauf angemessen (mit Zeichenproduktion) antworten\u201c ist verbreitet in antiken Texten, die \u00fcber die Bedeutung und spezifische Berufung des Menschen im Kosmos sprechen. D\u00fcrr findet diese Grundaussage als Strukturmuster nun auch im R\u00f6merbrief als einem \u201eBrief \u00fcber das Menschsein\u201c (Kap.&nbsp;5, 176\u2013229). Und zwar in dem f\u00fcr den ersten Teil des R\u00f6m zentralen Abschnitt 5,12\u201321 (s. 5,17), aber auch zu Beginn des Briefes in R\u00f6m 1,18\u201332 (Verfall der wahren Menschlichkeit und impliziert die trad.-philosophische Struktur der Berufung des Menschen). R\u00f6m&nbsp;6 kann gelesen werden als Ausf\u00fchrung \u00fcber die neue Identit\u00e4t in Christus und die dazu geh\u00f6rende Berufung (ua. in 6,13 mit \u03c0\u03b1\u03c1\u03af\u03c3\u03c4\u03b1\u03bd\u03b1\u03b9 ausgedr\u00fcckt). Und R\u00f6m 8,5\u20138.17\u201330 thematisiert die Rolle des Geistes f\u00fcr echtes Menschsein und den kosmischen Horizont der Berufung des Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Kap.&nbsp;6 (230\u2013266) gibt D\u00fcrr schlie\u00dflich auf diesem Hintergrund einer antiken Grundaussage \u00fcber den Menschen eine neue Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Gebrauch von \u201eSprache der Vernunft\u201c durch Paulus in R\u00f6m 12,1. Dabei ist entscheidend, dass Epiktet 1,16 als wichtigste Parallele f\u00fcr den Gebrauch von \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 gesehen wird und zwar in dem erarbeiteten Verst\u00e4ndnis, dass dort grundlegend von dem wahren Menschsein und der Berufung des Menschen die Rede ist. Die Syntax von 12,1 (1a ist Aufforderung zu einer Handlung, 1b beschreibt die Handlung, 1c ist Kommentar zur Beschreibung der Handlung in 1b) wird exegetisch begr\u00fcndet (m.&nbsp;E. richtig und nachvollziehbar). Die Hingabe des Leibes als lebendiges Opfer (1b) greift R\u00f6m 6 auf und ist in erster Linie metaphorisch gemeint, will also nicht zwingend etwas \u00fcber einen \u201ewahren Kult\u201c o\u00e4. aussagen. Und die dazu geh\u00f6rende, kommentierende Aussage in 1c \u00fcber einen \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u1f74 \u03bb\u03b1\u03c4\u03c1\u03b5\u03af\u03b1 versteht D\u00fcrr innerhalb des Konzepts der \u201emenschlichen Berufung\u201c, wie sie in der griech.-r\u00f6m. philosophischen Tradition zu finden sei. Man k\u00f6nnte R\u00f6m 12,1 daher paraphrasieren mit \u201eIch fordere euch auf, euren (befreiten) Leib zu gebrauchen, um Zeichen (der neuen Sch\u00f6pfung, der Guten Nachricht, der im Messias Jesus offenbarten \u03b4\u03b9\u03ba\u03b1\u03b9\u03bf\u03c3\u03cd\u03bd\u03b7) hervorzubringen, was auch eure wahrhafte menschliche Berufung ist\u201c (235). So verstanden w\u00fcrde \u03bb\u03b1\u03c4\u03c1\u03b5\u03af\u03b1 hier von einem \u201eGottesdienst\u201c f\u00fcr Gott im Sinne einer \u201eBerufung\u201c sprechen, was auch in einer Aussage des Sokrates (berichtet bei Plato, Apol. 20d-23c) der Fall ist. Nach D\u00fcrr zeigen auch die \u00fcbrigen paulinischen Stellen mit dem Wortstamm \u03bb\u03b1\u03c4\u03c1- (R\u00f6m 1,9.25; 9,4; Phil 3,3; 2Tim 1,3 wird wohl aus Zweifel an der Echtheit nicht erw\u00e4hnt), dass damit nicht nur der Gottesdienst im engeren Sinn gemeint ist und das Wort bedeutungsoffen sei f\u00fcr einen das ganze Leben umfassenden \u201eGottesdienst\u201c (Berufung). Das Wort \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 deutet in dieser Sicht auf die Ausstattung des Menschen mit Vernunft, welche den Menschen auszeichnet und ihm dadurch seine spezifische Rolle (Berufung) in der Welt gibt. Grammatikalisch bedeutet das aber auch, dass das Adjektiv \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 das nomen actionis \u03bb\u03b1\u03c4\u03c1\u03b5\u03af\u03b1 hier in R\u00f6m 21,1c attributiv modifiziert und D\u00fcrr vorschl\u00e4gt, dass \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2\/vern\u00fcnftig auf das (typische) Subjekt der Handlung \u03bb\u03b1\u03c4\u03c1\u03b5\u03af\u03b1\/Gottesdienst weist. Den Vernunftbegabten (=&nbsp;Menschen, da dies ihr spez. Kennzeichen ist) ziemt es sich, dass sie gem\u00e4ss ihrer Berufung ihr ganzes Leben als \u201eGottesdienst\u201c verstehen und leben. D\u00fcrr weist darauf hin, dass diese grammatikalische Zuordnung von Adjektiv und Nomen (Adj. weist auf Subj. des nomen actionis) bisher von keinem Kommentator vorgeschlagen wurde (257). Er nennt als vergleichbares Bsp. eine Stelle bei Diogenes Laertius (DL 7.51) und geht auch auf den Einwand ein, das Possessivpronomen \u1f51\u03bc\u1ff6\u03bd enthalte bereits das Subjekt. Schliesslich findet er in R\u00f6m 12,2 Best\u00e4tigung des Verst\u00e4ndnisvorschlags f\u00fcr 12,1, wobei die beiden Imperative lediglich formal Passiv seien und die \u201eErneuerung des \u03bd\u03bf\u1fe6\u03c2\u201c mit einem \u201edurchdenken der eigenen neuen Identit\u00e4t\u201c, \u201eumformen ihres Denkens\u201c oder auch \u201eaneignen des neuen Verst\u00e4ndnisses von Gott\u201c zu tun habe. Das \u03b4\u03bf\u03ba\u03b9\u03bc\u03ac\u03b6\u03b5\u03b9\u03bd in 2c meint so ein \u201eUrteilsverm\u00f6gen aufgrund der Berufung\u201c (265). Die Arbeit schlie\u00dft (Kap.&nbsp;7, 267\u2013292) mit einer kurzen Einbettung des Befunds zu R\u00f6m 12,1\u20132 in den Kontext von R\u00f6m 12\u201315 und (Kap.&nbsp;8, 293\u2013298) einer Zusammenfassung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die insgesamt anregende und solide Arbeit l\u00e4sst mich doch mit einigen Bauchschmerzen zur\u00fcck. Die Ausgangsfrage ist relevant und die gew\u00e4hlte Methodik solide und nachvollziehbar. Formal gibt es wenig zu bem\u00e4ngeln (wenige Schreibfehler; ab und zu ist erkennbar, dass der Autor kein native english speaker ist; st\u00f6rend sind mehrere Fu\u00dfnoten auf der falschen Seite). Ich bin kein Experte f\u00fcr antike Texte oder gar die Stoiker, aber mir scheint die Aufarbeitung der antiken Texte mit dem Begriff \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 und die Einbettung in einen offenbar typischen anthropologischen Topos gut und kompetent gelungen. Die zentrale Epiktetstelle als Parallele f\u00fcr R\u00f6m 12,1 wird von Kommentatoren oft angef\u00fchrt und die Neubewertung durch D\u00fcrr ist bedenkenswert und insbesondere ihre Einbettung in den gr\u00f6sseren Kontext einer traditionellen Aussage \u00fcber den Menschen wichtig. Auch die M\u00f6glichkeit einer Anspielung darauf mit dem Ausdruck \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 bei Paulus kann nicht ausgeschlossen werden, steht aber m.\u00a0E. auf d\u00fcnnen Beinen. Erkenntnisse der Framesemantik und auch die Kriterien f\u00fcr Intertextualit\u00e4t h\u00e4tten hier vielleicht noch eine h\u00f6here Plausibilit\u00e4t zeigen k\u00f6nnen. Der gr\u00f6\u00dfte Mangel \u2013 und damit verbunden meine Fragezeichen \u2013 h\u00e4ngt mit dem Ungleichgewicht zwischen der Darstellung und dem ausf\u00fchrlichen Referieren der au\u00dferbiblischen antiken Texte und den strukturellen Vergleichen mit R\u00f6m 1\u20139 (Kap.\u00a05) auf fast 200 Seiten gegen\u00fcber der exegetischen Arbeit an der Zentralstelle R\u00f6m 12,1\u20132 auf knapp 30 Seiten, davon 2\u00a0\u00bd Seiten f\u00fcr 12,2, zusammen. Allerdings hinterl\u00e4sst nicht der Umfang, sondern die exegetische Qualit\u00e4t meine Fragezeichen: Das beginnt damit, dass auch f\u00fcr die ntl. Texte als (zwar neuste) Grammatik einzig die Cambridge Grammar of Classical Greek (2019) verwendet und zitiert wird. Von den neueren deutschen Kommentaren fehlt neben Haacker (ThHNT 6, 2006<sup>3<\/sup>) va. Schnabel (HTA Bd.\u00a02 zu R\u00f6m 6\u201316, 2016; mit beinahe 30 Seiten zu R\u00f6m 12,1\u20132 (zudem sein Art. Lives That Speak: \u1f21 \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u1f74 \u03bb\u03b1\u03c4\u03c1\u03b5\u03af\u03b1 in Romans 12:1 [2018 in seinem Sammelband in WUNT 406]). Das gr\u00f6sste Fragezeichen entsteht aber bei der \u201ePassgenauigkeit\u201c des Verstehensvorschlags f\u00fcr die Formulierung in R\u00f6m 12,1. Zu der bereits erw\u00e4hnten unsicheren Plausibilit\u00e4t traditionsgeschichtlicher Abh\u00e4ngigkeit, kommt die Tatsache, dass auf semantischer Ebene lediglich dieses eine Wort in dem Vers direkt mit den entsprechenden Formulierungen in der griech.-r\u00f6m. philosophischen Tradition \u00fcbereinstimmt. Zudem \u201epasst\u201c der Gedankengang nur dann, wenn eine bisher nie in Betracht gezogene Syntax (Verh\u00e4ltnis Adj. zum nomen actionis) angenommen wird. Vor allem aber bleibe ich gegen\u00fcber dem Vorschlag zur\u00fcckhaltend, weil mit diesem Verst\u00e4ndnis von \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 die Rolle der menschlichen Vernunft, des Verstands, des Denkens und des denkerischen Erkennens an der Schnittstelle \u201evon Indikativ zu Imperativ\u201c einen Platz einnimmt, den ich insbesondere in dem ein St\u00fcck weit parallel stehenden Vers R\u00f6m 12,2 keinesfalls sehen kann. Meine eigene Arbeit zur Formulierung \u201eErneuerung des \u03bd\u03bf\u1fe6\u03c2\u201c (Buchegger, Erneuerung des Menschen, TANZ\u00a040, 2003) nimmt ernst, dass \u1f00\u03bd\u03b1\u03ba\u03b1\u03af\u03bd\u03c9\u03c3\u03b9\u03c2 ein Neologismus und theol. Konzentratwort des Paulus ist, dass die beiden Imperative nicht zuf\u00e4llig im Pr\u00e4s. und \u201eumgestalten\u201c ein Passiv ist und dass \u03bd\u03bf\u1fe6\u03c2 hier \u2013 aufgrund der atl. Stellen zum Neuen Bund \u2013 wie in der LXX f\u00fcr das hebr. \u201eHerz\u201c steht und als anthropologisches Schaltzentrum das Denken, Wollen und Handeln umfasst. Der \u201egrosse Verstehensrahmen\u201c f\u00fcr R\u00f6m 12,2 und damit wohl auch f\u00fcr 12,1 ist m.\u00a0E. in erster Linie das Alte Testament und konkret das Neue des Neuen Bundes. Davon findet sich bei D\u00fcrr nichts. Ganz anders wird daher sein Verst\u00e4ndnis von 12,2: Er versteht in R\u00f6m 12,2b \u03bd\u03bf\u1fe6\u03c2 im Sinne des menschlichen Verstandes, seiner Vernunft (engl. reason, s. z.\u00a0B. 92). Auch bei Paulus sei die Berufung des Menschen begr\u00fcndet in seiner spezifisch menschlichen F\u00e4higkeit zu denken und vern\u00fcnftig zu urteilen (211). Wie erw\u00e4hnt, wird so \u201edie Erneuerung des \u03bd\u03bf\u1fe6\u03c2\u201c zu \u201eeinem Prozess der tieferen Aneignung des neuen Verst\u00e4ndnisses von Gott, das (nun) verf\u00fcgbar geworden ist, von der neuen Sch\u00f6pfung, die im Tod und der Auferstehung des Messias gr\u00fcndet\u201c (265). Zwar hat D\u00fcrr recht, dass bei Paulus (und \u00fcberhaupt im NT) die Aufforderungen zum Handeln mehr als irgendwie auf die Theologie folgende \u201eEthik\u201c ist. Die Verbindung geschieht aber nicht, oder nicht nur, aufgrund menschlicher Einsicht, von Erkenntnis oder gar \u201eWissen\u201c mit Hilfe seines gottgegebenen Verstandes, sondern ist Teil eines viel umfassenderen, geistgewirkten Neuheits- und Erneuerungsprozesses, der den ganzen Menschen ergreift und umgestaltet in das Bild des Gottessohnes (R\u00f6m 8,29). Damit habe ich allerdings noch keinen wirklich befriedigenden oder besseren Vorschlag f\u00fcr die Bedeutung von \u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 (\u03bb\u03b1\u03c4\u03c1\u03b5\u03af\u03b1) in R\u00f6m 12,1. Ich meine daher, dass trotz der hilfreichen Arbeit von D\u00fcrr hierzu noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfr. Dr. J\u00fcrg Buchegger-M\u00fcller, Pfarrer Freie Evangelische Gemeinde Wetzikon (Schweiz)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simon D\u00fcrr: Paul on the Human Vocation. 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