{"id":1755,"date":"2022-10-22T17:39:35","date_gmt":"2022-10-22T17:39:35","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1755"},"modified":"2022-10-22T17:39:37","modified_gmt":"2022-10-22T17:39:37","slug":"michael-allen-the-fear-of-the-lord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1755","title":{"rendered":"Michael Allen: The Fear of the Lord"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael Allen: <em>The Fear of the Lord. Essays on Theological Method<\/em>, London: T&amp;T Clark, 2022, geb., x+214 S.,\u00a0US$ 103,50, ISBN <a href=\"https:\/\/www.bloomsbury.com\/uk\/fear-of-the-lord-9780567699275\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bloomsbury.com\/uk\/fear-of-the-lord-9780567699275\/\">978-0-5676-9927-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist Theologie und wie funktioniert sie? Diesem Sachverhalt k\u00f6nnte man sich z.&nbsp;B. aus einer ideengeschichtlichen oder wissenschaftstheoretischen Perspektive n\u00e4hern. Sobald man aber dar\u00fcber nachdenkt, was gute Theologie ist und wie sie gut funktioniert, wird daraus eine noch komplexere Fragestellung \u2013 \u00fcber das Wesen, die Ziele, die Methoden, die Grenzen und \u00fcber die Akteure dieser besonderen Disziplin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael Allen arbeitet als Dekan und Professor f\u00fcr Systematische Theologie am Reformed Theological Seminary in Orlando\/ USA und legt mit <em>The Fear of the Lord<\/em> eine gewichtige Essaysammlung zu einer besonderen Frage vor: Wie w\u00fcrde die theologische Arbeit aussehen, w\u00e4ren gottesf\u00fcrchtige Weisheit (vgl. Ps 111,10) und eine coram-deo-Haltung ihr Leitmotiv?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hierzu konzentriert sich der Autor in seinen Aufs\u00e4tzen auf f\u00fcnf Forschungsbereiche: Wie Trinit\u00e4tslehre und Christologie die theologische Arbeit f\u00fcllen und ausrichten; wie die scholastisch-systematische Gestalt der christlichen Lehre aussieht; was ihren asketisch-kontemplativen Charakter ausmacht; welches Format eine theologische Schriftauslegung im Lichte Biblischer und Systematischer Theologie hat; ebenso welche Chancen die Wiederentdeckung vergangener Kirchenlehrer er\u00f6ffnet (\u201etheological retrieval\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allens Kernthese im Vorwort lautet, dass der dreieinige Gott nicht nur der ma\u00dfgebliche Untersuchungsgegenstand, sondern auch das handelnde Subjekt inmitten der theologischen Arbeit ist. Das wiederum hat Folgen f\u00fcr das aktive, lernbereite Gesch\u00f6pf in seinem Erkenntnisweg und seiner Auseinandersetzung mit Gottes Wort, Wirken und Wesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kapitel 1 fragt der Autor nach der Zukunft der Theologie angesichts der Herausforderungen der Gegenwart. N\u00fcchtern bemerkt er: \u201eTheology is always done East of Eden. The promise and potential of theology, then, cannot be premised on institutional vitality, academic sophistication, moral clarity, or ecclesial power alone\u201c (1\u20132). Dennoch ist er \u00fcberzeugt, dass Gottes Gnade der Theologie eine positive Zukunft erm\u00f6glicht, wenn sie diese bereitwillig annimmt. Dazu der Autor:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eFor theology to flourish it must regain its bearings as an exegetical discipline and a receptive practice. Our faith must be placed in the specific, particular ways wherein God promises to meet his people\u2019s needs. Theology must be centred on the means of grace: they are word-focused, ecclesially bounded, and missionally aimed\u201c (11).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Allen in Kapitel 2 exemplarisch das Motiv von Christus als erh\u00f6htem Propheten im Hebr\u00e4erbrief exegetisch und theologisch untersucht, fragt er in Kapitel 3 nach der Gestalt der Kirche. Gerade weil sie (mit Luther) ein Gesch\u00f6pf des Wortes Gottes ist, sollte der epistemologische Fokus heutiger Theologen erneut auf die Schrift gesetzt und ihr Hauptanliegen auf das Wohl der Kirche gerichtet sein, so sein Pl\u00e4doyer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das 4. Kapitel behandelt das Spannungsfeld von g\u00f6ttlicher Transzendenz und menschlichem Engagement im Schriftstudium. Allen vergleicht dabei den dogmatischen Entwurf von John Webster mit dem funktionalen Ansatz von John Fowl und skizziert ein komplement\u00e4res Paradigma. Danach richtet Kapitel 5 den Blick auf das zuletzt gewachsene Interesse an einer dezidiert theologischen Exegese und an einem harmonischen Zusammenspiel von Biblischer und Systematischer Theologie. Hier baut der Autor kritisch auf den Definitionen von Geerhardus Vos, John Murray und Richard Gaffin auf. Im analytischen Vergleich mit den teils unterkomplexen Ans\u00e4tzen heutiger Theologen beschreibt er \u00fcberdies weitere Differenzierungen und m\u00f6gliche L\u00f6sungswege.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kapitel 6 wertet Allen die Studie <em>Militant Grace<\/em> von Philip Ziegler aus christologischer, ethischer und hermeneutischer Sicht aus, um grunds\u00e4tzlich die Grenzen und Fr\u00fcchte eines \u201aapocalyptic turn\u2018 f\u00fcr das theologische Handwerk herauszuarbeiten. Besonders anregend ist das Kapitel 7: Allen diskutiert darin Luthers <em>Disputatio contra scholasticam theologiam<\/em> (1517), um auf der Basis von Luthers Anthropologie und kerniger Kritik dennoch Impulse f\u00fcr eine ausgewogene christliche Scholastik zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als thematische Erg\u00e4nzung hierzu fungieren die Kapitel 8 und 9. Zun\u00e4chst analysiert Allen die Arbeiten von Sarah Coakley (th\u00e9ologie totale) und John Webster (eschatological sanctification of reason), um die Dogmatik als geistliche \u00dcbung zu charakterisieren, was er dann mit pr\u00e4gnanten Thesen f\u00fcr eine reformiert-katholische, geistlich orientierte Theologie erg\u00e4nzt. Anschlie\u00dfend beleuchtet er abw\u00e4gend das Themenfeld des kontemplativen und aktiven Lebens in Thomas von Aquins Werken <em>Compendium theologiae<\/em> und <em>Summa theologica<\/em>. Bedeutsam ist hier die Frage, welche geistliche Matrix oder moralische Ontologie hinter der theologischen Arbeit steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die finalen Kapitel 10 und 11 thematisieren die Beziehung der protestantischen Theologie zu ihrem historischen Erbe. Dabei skizziert Allen zun\u00e4chst ein dogmatisches Koordinatensystem (mit reformiertem Akzent), das die ausgewogene Besch\u00e4ftigung mit vergangenen Theologen der heiligen christlichen Kirche einordnen und erleichtern soll. Mit Blick auf ihren gegenw\u00e4rtigen Nutzen entwickelt der Autor im letzten Kapitel zuerst ein grunds\u00e4tzliches Argument f\u00fcr die Hebung der vielen, teils vergessenen kirchen- und dogmengeschichtlichen Sch\u00e4tze. Daraufhin beschreibt er ein prophetisch-reformorientiertes Paradigma theologischer Arbeit, das die christliche Tradition weder verabsolutiert noch revolution\u00e4r zu \u00fcberwinden versucht. Ein n\u00fctzliches, achtseitiges Stichwortverzeichnis komplettiert den Band.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allens Beitr\u00e4ge sind gewinnend und dennoch anspruchsvoll geschrieben; neben einem pers\u00f6nlichen Anliegen f\u00fcr die Thematik erwartet er bei seinen Lesern auch robuste Vorkenntnisse. Somit ist seine Essaysammlung nicht als Einf\u00fchrung in das theologische Handwerk gedacht. Nicht immer wirkt der rote Faden des Bandes gleichm\u00e4\u00dfig stark. Dennoch gelingt dem Autor der doppelte Spagat zwischen einer Breite an Unterthemen und dem einheitlichen Gesamtfokus, zwischen den grunds\u00e4tzlichen Fragestellungen und der praktischen Umsetzbarkeit seiner Thesen insgesamt gut \u2013 besonders wenn man den gedanklichen Rahmen aus seinem Vorwort ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Argumentation sch\u00f6pft der Autor aus einschl\u00e4gigen Werken, sucht aber zugleich den Dialog mit der aktuellen, vor allem englischsprachigen Forschung. Trotz der dichten Schreibweise nimmt er sich die Zeit, Gegenargumente anzusprechen, offene Punkte zu benennen, Impulse f\u00fcr die theologische Praxis zu formulieren und auf weiterf\u00fchrende Literatur hinzuweisen (mit rund 550 Fu\u00dfnoten). Stellenweise entwickelt Allen seinen Gedankengang besonders kleinschrittig, um die Theologie als Ausdruck lebendiger Fr\u00f6mmigkeit, als lohnenswerte Wissenschaft und als Gottes Dienerin f\u00fcr die Menschen zu pr\u00e4sentieren. Dies entspricht ganz seinem Grundanliegen und soll die Leser zur Nachahmung inspirieren, unabh\u00e4ngig von ihrer theologischen oder ekklesiologischen Pr\u00e4ferenz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insbesondere Lehrkr\u00e4fte im gemeindlichen und akademischen Kontext werden diesen reichhaltigen Band mit Gewinn lesen und die zahlreichen, positiven Impulse f\u00fcr ihre theologische Arbeit aufnehmen k\u00f6nnen. Der hohe Preis ist wenig einladend, doch hat der Verlag f\u00fcr das Fr\u00fchjahr 2023 erfreulicherweise eine Paperback-Ausgabe angek\u00fcndigt. Es lohnt sich.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Daniel Vullriede, M.A., M.A., Dozent am Bibelseminar Bonn<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Allen: The Fear of the Lord. Essays on Theological Method, London: T&amp;T Clark, 2022, geb., x+214 S.,\u00a0US$ 103,50, ISBN<\/p>\n","protected":false},"author":84,"featured_media":1756,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1755","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/84"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1755"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1757,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1755\/revisions\/1757"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1756"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}