{"id":1776,"date":"2022-10-22T19:27:42","date_gmt":"2022-10-22T19:27:42","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1776"},"modified":"2023-02-14T08:55:21","modified_gmt":"2023-02-14T08:55:21","slug":"richard-graupner-der-gottesdienst-als-ritual","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1776","title":{"rendered":"Richard Graupner: Der Gottesdienst als Ritual"},"content":{"rendered":"\n<p>Richard Graupner: <em>Der Gottesdienst als Ritual. Entdeckung, Kritik und Neukonzeption des Ritualbegriffs in der evangelischen Liturgik<\/em>, EKGP 5, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2019, Pb., 512&nbsp;S., \u20ac&nbsp;75,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/praktische-theologie\/49909\/der-gottesdienst-als-ritual?number=VUR0001449\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/praktische-theologie\/49909\/der-gottesdienst-als-ritual?number=VUR0001449\">978-3-7887-3362-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Richard Graupner, Pfarrer in Gro\u00dfkarolinenfeld und Kunstbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, ver\u00f6ffentlicht mit diesem Buch seine von der Universit\u00e4t M\u00fcnchen angenommene Dissertation aus dem Jahr 2016.<\/p>\n\n\n\n<p>Graupner unternimmt den Versuch, den seit den 1970er Jahren gef\u00fchrten Ritualdiskurs in der evangelischen Liturgik auszuwerten, um der Frage nachzugehen, \u201ewas der Ritualbegriff zum Verstehen, aber auch zum Gestalten des Gottesdienstes beitragen kann\u201c (18). Dazu untersucht er bisherige ritualtheoretische Ans\u00e4tze hinsichtlich ihrer Leistung f\u00fcr den Gottesdienst. Den Vf. leiten dabei die Fragen, was das Ritual als Handlung kennzeichnet und auf welche Weise es seine \u201eLeistung\u201c erbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr dieses Vorgehen ist die Arbeit in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil (Kap. 1\u20135) werden die Kritik am und Umbr\u00fcche im gottesdienstlichen Handeln w\u00e4hrend der 1960er Jahre skizziert, um verst\u00e4ndlich zu machen, worin der seit den 1970er Jahren beginnende Ritualdiskurs wurzelt. Dieser wird im weiteren Verlauf des Kapitels anhand wesentlicher Publikationen geschildert. Zentraler Bestandteil des Kapitels ist die Darstellung, W\u00fcrdigung und Kritik des Werkes von Werner Jetter, <em>Symbol und Ritual<\/em>, das einen wichtigen Bezugspunkt der Arbeit bildet und im Verlauf immer wieder aufgegriffen wird. Im zweiten Teil (Kap. 6\u20139) arbeitet der Vf. \u00e4hnlich wie im ersten, behandelt aber au\u00dfertheologische Ritualtheorien, die er im sp\u00e4teren Verlauf mit den theologischen Entw\u00fcrfen in einen Dialog bringen m\u00f6chte. In diesem Teil liegt der Schwerpunkt darauf, vier Ans\u00e4tze aus dem Bereich der <em>Ritual Studies<\/em> darzustellen, die dahingehend einen Wandel in der Ritualtheorie herbeigef\u00fchrt h\u00e4tten, das Ritual weniger als undynamische, feststehende Handlung zu definieren, sondern seine Prozesshaftigkeit und Transformationskraft zu sehen. Der dritte Teil (Kap. 10\u201313) f\u00fchrt Erkenntnisse des evangelischen Ritualdiskurses mit den au\u00dfertheologischen Ans\u00e4tzen in sieben prinzipienartigen Thesen f\u00fcr ein erweitertes Verst\u00e4ndnis von Ritualen im Gottesdienst zusammen. Diese Thesen versucht Graupner exemplarisch am Beispiel der Ver\u00e4nderung des Gottesdienstes im Zuge der Reformation anzuwenden. Ein Ausblick \u00fcber Gottesdienstgestaltung und Ritualkonzept schlie\u00dft die Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Zeit der nahezu un\u00fcberschaubaren F\u00fclle an Publikationen zum Themenbereich der Ritualforschung (240) gelingt es dem Vf. ausgezeichnet, nicht nur die Geschichte der Ritualforschung seit Beginn der 1970er Jahre nachvollziehbar zu skizzieren, sondern auch, exemplarische Publikationen inhaltlich kompakt, aber verst\u00e4ndlich darzustellen und dadurch mehr \u00dcbersicht in die F\u00fclle ritualtheoretischer Ans\u00e4tze, ihre Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Denkrichtungen zu bringen. Hierin liegt ein klar zu w\u00fcrdigendes Verdienst dieser Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Graupners Thesen ergeben sich konsequent aus der Zusammenf\u00fchrung der vorigen Kapitel und regen die praktische Reflexion gelebter Gottesdienste an. Allerdings erwecken sie mitunter den Eindruck, die Erkenntnisse der au\u00dfertheologischen Konzeptionen st\u00e4rker zu gewichten als die der liturgietheologischen. Hier w\u00e4re kritisch anzufragen, wo die Grenze zwischen hilfreicher Bezugnahme auf Referenzwissenschaften und der Gefahr der Aufgabe des Primats der Theologie verl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas getr\u00fcbt wird das Auge des Lesers durch etliche Stellen mit orthografischen und grammatischen Fehlern. F\u00fcr die deutsche Sprache bedauerlich ist auch, dass der Verfasser zuweilen in einen das Verb vorziehenden englischen Satzbau verf\u00e4llt. Beides schm\u00e4lert inhaltlich nicht die gewinnbringende Lekt\u00fcre, sollte aber f\u00fcr eine m\u00f6gliche \u00dcberarbeitung bedacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt bietet Graupners Arbeit anregende Impulse, in einer vielf\u00e4ltiger werdenden Gottesdienstlandschaft, zunehmender gesellschaftlicher Pluralit\u00e4t und steigender F\u00fclle individueller Bed\u00fcrfnisse die St\u00e4rken liturgisch und rituell gepr\u00e4gter Gottesdienstformen wahrzunehmen und deren Akzeptanz zu f\u00f6rdern, ohne dabei die Chancen neuerer Ans\u00e4tze au\u00dfen vor zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Henrik Homrighausen, M.A. ev. Theol., Doktorand im Fachbereich Praktische Theologie an der STH Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Richard Graupner: Der Gottesdienst als Ritual. 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