{"id":1779,"date":"2022-10-22T19:29:44","date_gmt":"2022-10-22T19:29:44","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1779"},"modified":"2022-10-22T19:29:45","modified_gmt":"2022-10-22T19:29:45","slug":"melanie-c-ross-evangelical-worship","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1779","title":{"rendered":"Melanie C. Ross: Evangelical Worship"},"content":{"rendered":"\n<p>Melanie C. Ross: <em>Evangelical Worship. An American Mosaic<\/em>, New York: Oxford University Press, 2021, geb., \u00a0xi + 308\u00a0S., \u20ac\u00a031,20, ISBN <a href=\"https:\/\/global.oup.com\/academic\/product\/evangelical-worship-9780197530757?q=Evangelical%20Worship&amp;lang=en&amp;cc=ch\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/global.oup.com\/academic\/product\/evangelical-worship-9780197530757?q=Evangelical%20Worship&amp;lang=en&amp;cc=ch\">978-0-19-753075-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es gibt nicht <em>den<\/em> evangelikalen Gottesdienst \u2013 so wie es auch nicht <em>die <\/em>Evangelikalen gibt. Evangelikalismus ist eine Bewegung mit einem gemeinsamen inhaltlichen Anliegen und einer vielf\u00e4ltigen gemeindlichen Praxis. Melanie C. Ross, Liturgiewissenschaftlerin am <em>Yale Institut of Sacred Music<\/em> und Mitglied der <em>Evangelical Free Church of America<\/em>, analysiert in der Studie aus einer wohlwollend-kritischen Innenperspektive sieben Gottesdienste unterschiedlichen Typs, die sie 2014\u20132018 in einer Feldforschung untersucht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem <em>klassischen<\/em> Typ versteht Ross die neo-evangelikale Gottesdienstkultur, f\u00fcr die die Bewahrung evangelikaler Traditionen zwischen Fundamentalismus und Liberalismus kennzeichnend ist (Kap. 2, 39\u201365; Kap. 3, 66\u201389). Gottesdienste des <em>charismatischen<\/em> Typs kombinieren evangelikale und pfingstliche Elemente (Kap. 5, 119\u2013143). Der <em>Megachurch<\/em>-Gottesdienst setzt ganz auf zeitgem\u00e4\u00dfe Innovation und grenzt sich von evangelikalen Traditionen ab (Kap. 4, 90\u2013115). Der <em>emergente<\/em> Gottesdienst nimmt mystische Traditionen aus der Geschichte der Kirche auf und dekonstruiert evangelikale Glaubensgewissheiten (Kap. 6, 144\u2013167). Im <em>neo-reformierten<\/em> Gottesdienst wird dagegen auf dogmatische Wahrheit gro\u00dfen Wert gelegt, nicht zuletzt bei der Liedauswahl (Kap. 7, 168\u2013196). Als letzter Typ wird ein <em>multiethnischer<\/em> Gottesdienst mit pfingstlicher Tradition nachgezeichnet (Kap. 8, 199\u2013225). Eine einf\u00fchrende Beschreibung von 40 Jahren \u201eworship-war\u201c, die auch autobiografische Notizen enth\u00e4lt (Kap. 1, 11\u201338), sowie eine res\u00fcmierende Reflexion zu evangelikalen Gottesdiensten (Kap. 9, 226\u2013244) verleihen den Einzelstudien einen orientierenden Rahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gelingt Ross, die unterschiedlichen Gottesdienste in ihrer je eigenen Logik zu w\u00fcrdigen. Die qualitativen dichten Beschreibungen der Gottesdienste werden gekonnt mit historischen Streiflichtern und mit Skizzen zu theologischen Pr\u00e4gungen (z.&nbsp;B. zu Dispensationalismus oder Fundamentalismus) verwoben. So entsteht aus den Einzeldarstellungen ein differenziertes Gesamtbild, das nicht nur n\u00fcchterne Informationen liefert, sondern zu liturgisch reflektierter Praxis motiviert. Was f\u00e4llt an der Studie besonders auf?<\/p>\n\n\n\n<p>1. Die <em>Politisierung<\/em> der Evangelikalen, die mit der Wahl von Trump einen markanten H\u00f6hepunkt erreicht und zu einer Image-Verschiebung des Evangelikalismus gef\u00fchrt hat, wird zwar von Ross thematisiert, aber in den beschriebenen Gottesdiensten nicht explizit sp\u00fcrbar. Gottesdienste werden nicht als Ort betrachtet, an denen Politik gemacht wird, sondern als Orte, in denen die Begegnung mit Gott alle Politik transzendiert. Ist das eine Verschleierung der tats\u00e4chlichen Zust\u00e4nde? Oder ist es die zukunftsweisende Antwort des Glaubens?<\/p>\n\n\n\n<p>2. \u00dcber die Kriterien zur <em>Auswahl der untersuchten Gottesdienste<\/em> gibt die Autorin wenig Auskunft, au\u00dfer dass es sich um urbane kongregationalistische Gemeinden handelt, die sich selbst als evangelikal verstehen (4\u20135). Weshalb keine Gemeinde der <em>Southern Baptist Convention<\/em>, der gr\u00f6\u00dften Denomination der USA, oder der <em>Assemblies of God<\/em>, der gr\u00f6\u00dften pfingstlichen Denomination, oder auch die einflussreiche <em>Bethel-Church<\/em> untersucht wird, ist nicht ganz nachvollziehbar. Die evangelikale Gottesdienstlandschaft ist auf jeden Fall noch bunter als in der Studie dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Doch auch die getroffene Auswahl l\u00e4sst die <em>fortschreitende Ausdifferenzierung<\/em> der Gottesdienstlandschaft erkennen. Dabei gibt es Gottesdienstformen, die st\u00e4rker unterschiedliche Milieus integrieren und andere, die eher milieuorientiert sind. Obwohl alle theologisch darin \u00fcbereinstimmen, dass in der Kirche die Kategorie der Rasse nicht relevant sein sollte, gibt es kaum gelingende multiethnische Gottesdienste.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Ross beendet ihre Reflexionen mit der hoffnungsvollen Perspektive einer \u201e<em>eschatologischen Kultur\u201c<\/em> (241\u2013244), aus der \u00fcber allen liturgischen Unterschiedlichkeiten die Verhei\u00dfung der Vollendung erkennbar wird. Das vereint nicht nur die evangelikalen Gottesdienste, sondern \u2013 und hier darf man \u00fcber Ross hinausgehen \u2013 auch alle anderen Gottesdienste, die in der Kraft des Heiligen Geistes Gott den Vater und Jesus als Herrn verehren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Stefan Schweyer, STH Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Melanie C. Ross: Evangelical Worship. 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