{"id":1807,"date":"2023-04-21T16:40:52","date_gmt":"2023-04-21T16:40:52","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1807"},"modified":"2023-04-21T16:40:54","modified_gmt":"2023-04-21T16:40:54","slug":"pekka-pitkaenen-migration-and-colonialism-in-late-second-millennium-bce-levant-and-its-environs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1807","title":{"rendered":"Pekka Pitk\u00e4nen: Migration and Colonialism in Late Second Millennium BCE Levant and Its Environs"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pekka Pitk\u00e4nen: <em>Migration and Colonialism in Late Second Millennium BCE Levant and Its Environs. The Making of a New World<\/em>, Studies in the History of the Ancient Near East, London: Routledge, 2020, geb., XV+268\u00a0S., $\u00a0170,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.routledge.com\/Migration-and-Colonialism-in-Late-Second-Millennium-BCE-Levant\/Pitkanen\/p\/book\/9781032176963\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.routledge.com\/Migration-and-Colonialism-in-Late-Second-Millennium-BCE-Levant\/Pitkanen\/p\/book\/9781032176963\">978-0-691-16838-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Jahre nach Erscheinen seines Numeri-Kommentars in der gleichen Reihe bei Routledge unter dem Titel <em>A Commentary on Numbers. Narrative, Ritual, and Colonialism<\/em>,nimmt Pekka Pitk\u00e4nen das Thema \u201eKolonialismus\u201c wieder auf. Diesmal untersucht er die Verschiebungen in der Periode von 1300\u2013900 v.Chr. (5, 20) im Gebiet der Levante \u201eim engeren Sinn\u201c (6f). Dieser Zeitabschnitt ist besonders interessant, da die seit 1600 v.&nbsp;Chr. dominanten Staatengebilde um 1200 v.&nbsp;Chr. alle einbrechen (29).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Pekka Pitk\u00e4nen wirkt als Senior Lecturer an der School of Education and Humanities der University of Gloucestershire. Auch seine fr\u00fcheren Publikationen zu Josua (<em>Joshua<\/em>, 2010) und Numeri <em>(A Commentary on Numbers<\/em>, 2017) besch\u00e4ftigen sich mit der Zeit des Umbruchs in der sp\u00e4ten Bronze- und fr\u00fchen Eisenzeit im Alten Orient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die detaillierte Studie Pitk\u00e4nens beginnt mit einer \u00dcbersicht und thematischen Eingrenzung (\u201eIntroduction\u201c, 1\u201327). Im zweiten Kapitel werden die theoretischen Konzepte aus den Sozialwissenschaften methodisch aufbereitet (28\u201369). Die Darstellung verschiedener Akteure im geopolitischen Umfeld der Levante \u2013 mit einem gewissen Fokus auf das biblische Israel \u2013 beginnt mit dem \u201eimperial context\u201c, also den benachbarten Gro\u00dfreichen im dritten Kapitel (70\u2013101), gefolgt von Kapiteln zu den Seev\u00f6lkern und Philist\u00e4a (102\u2013134), dem biblischen Israel (135\u2013172) und den Aram\u00e4ern (173\u2013203).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das siebte Kapitel wendet sich kleineren Playern wie Syro-Ph\u00f6nizien, Edom, Moab und Ammon zu (204\u2013217). Die Studie schlie\u00dft mit einer zusammenfassenden R\u00fcckschau und \u201etypologischen Parallelen zur modernen Welt\u201c (222). Vertieft wird insbesondere der Bogen vom historischen Israel zum Israel des Zionismus (226\u2013234), mit einem \u201eAusblick\u201c auf das dritte nachchristliche Jahrtausend (234\u2013238).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Einleitungskapitel bietet Pitk\u00e4nen einen \u00dcberblick \u00fcber vorausgegangene Studien (10\u201315). Im Vergleich etwa zu Eric H. Cline: <em>1177 B.C. The Year Civilization Collapsed<\/em>, Princeton: University Press, 2014, betont Pitk\u00e4nen seine Gewichtung \u201ehistorischer Prozesse statt einzelner Ereignisse\u201c (10). W\u00e4hrend Cline sein popul\u00e4res aber arch\u00e4ologisch fundiertes Buch historisch (in Jahrhunderten) gliedert, w\u00e4hlt Pitk\u00e4nen eine Gliederung nach den geopolitischen Akteuren, ihrer Gr\u00f6\u00dfe und Wirkungsweise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zweite Kapitel entfaltet die gesellschaftswissenschaftliche Methodik in deutlicher Abgrenzung zu den westlichen und kolonial gepr\u00e4gten Evolutionsmodellen des 19. Jahrhunderts. Mit den Begriffen \u201eMigration\u201c (43\u201345) und \u201eKolonialismus\u201c (44\u201346) f\u00fchrt er zwei analytische Begriffe ein, die vermeiden sollen, moderne Vorstellungen auf die altorientalischen Verh\u00e4ltnisse zu \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr seine kontextuelle \u201ekomparative Methode\u201c (30), um Grade von ethnischer Vermischung durch Migration und kultureller Pr\u00e4gung durch Kolonialismus zu beurteilen, entscheidet sich Pitk\u00e4nen in erster Linie \u201esoziolinguistische Erw\u00e4gungen\u201c anzustellen. Im Sprachgebrauch bilden sich mutma\u00dflich Prozesse von interkultureller Migration und Dominanz ab (49). Das Werden und Vergehen von Gesellschaften ist aber auch eine Funktion von ausge\u00fcbter und erfahrener Gewalt, bzw. \u201eKontrolltechniken\u201c (38\u201343, 53\u201358). Schlie\u00dflich erarbeitet Pitk\u00e4nen ein Raster zur Typisierung von kolonialen Prozessen zwischen den Polen von \u201eFranchise Colonialism\u201c und \u201eSettler Colonialism\u201c (Tab. 2.2, 60).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den folgenden Kapiteln wird dieses Raster nun angewendet, verbunden vor allem mit der soziolinguistischen Analyse. Das zeigt sich etwa im Bezug auf die Hititer darin, dass die Verbreitung der (indogermanischen) luwischen Sprache im Blick steht (82\u201385), w\u00e4hrend z.&nbsp;B. Cline eher die Verbreitung kultureller Gewohnheiten betont (<em>1177 B.C.<\/em>, 34).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von besonderem Interesse f\u00fcr den theologisch interessierten Leser ist nat\u00fcrlich das 5. Kapitel \u00fcber das biblische Israel. Pitk\u00e4nen zeigt, dass die biblische \u201estoryline\u201c klar auf einer Linie mit den Begriffen Migration und Kolonialismus liegt, begonnen mit dem \u201eMigranten\u201c Abraham. Dieser \u201estoryline\u201c widmet Pitk\u00e4nen eine ausf\u00fchrliche Diskussion (135\u2013143). Er kommt zum Schluss, dass das wellhausensche Narrativ, das den historischen Wert des Pentateuch minimiert, vielleicht auch aus postkolonialer Perspektive \u00fcberdacht werden m\u00fcssste (141f).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Bezug auf Benjamin Kilch\u00f6r: <em>Mosetora und Jahwetora<\/em>, Wiesbaden: Harrasowitz, 2015, h\u00e4lt er fest, dass die Tora-Berichte durchaus in den religi\u00f6s-kulturellen Zeitrahmen der Reiche vor 1000 v.&nbsp;Chr. passen (142). Andererseits warnt er davor, sich die biblischen Texte in einer \u201emaximalistischen\u201c Begeisterung f\u00fcr eigene politische Projekte (z.&nbsp;B. den Zionismus) anzueignen (143, 233f).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie ist eher sperrig geschrieben und verliert sich gelegentlich im Detail. Trotzdem eignet sich das Buch auch als \u00dcberblickswerk zu einer entscheidenden Epoche in der Levante. Es enth\u00e4lt insbesondere wertvolle Forschungs- und Quellenhinweise (10\u201322), ausf\u00fchrliche Tabellen zur Periodisierung im Alten Vorderen Orient (z.\u00a0B. 11, 73f, 80, 88, 159) und einen Referenzteil mit Bibliographie, Stichwortverzeichnis und Bibelstellenregister (245\u2013278). Auch die eingestreuten Karten sind hilfreich. Insgesamt d\u00fcrfte das Werk vor allem f\u00fcr akademische Leser aus den Bereichen Arch\u00e4ologie und Bibelwissenschaften verfasst sein. F\u00fcr den geneigten Laien ist die packend geschriebene, aber historisch fundierte Erz\u00e4hlung von Eric H. Cline: <em>1177 B.C.<\/em>, wesentlich zug\u00e4nglicher \u2013 allerdings ohne den ausf\u00fchrlichen Fokus auf die spezifische Geschichte des biblischen Israel, den Pitk\u00e4nen bietet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Giancarlo Voellmy, Pfarrer in CH-Linden und Doktorand am Institut f\u00fcr Bibelwissenschaften der Universit\u00e4t Bern<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pekka Pitk\u00e4nen: Migration and Colonialism in Late Second Millennium BCE Levant and Its Environs. 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