{"id":1810,"date":"2023-04-21T17:43:32","date_gmt":"2023-04-21T17:43:32","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1810"},"modified":"2023-04-21T17:43:33","modified_gmt":"2023-04-21T17:43:33","slug":"andreas-spaeth-und-der-herr-erhoerte-hiskia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1810","title":{"rendered":"Andreas Sp\u00e4th: \u201eUnd der Herr erh\u00f6rte Hiskia \u2026\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas Sp\u00e4th: <em>\u201eUnd der Herr erh\u00f6rte Hiskia \u2026\u201c. Eine biblisch-arch\u00e4ologische Zusammenschau.<\/em> Mit zwei Beitr\u00e4gen von Pieter Gert van der Veen (Das Alte Testament im Kontext 1), Ansbach: Verlag Logos Editions, 2022, VIII+192\u00a0S., \u20ac\u00a019,95, ISBN <a href=\"https:\/\/ksbb-bayern.de\/produkt\/andreas-spaeth-und-der-herr-erhoerte-hiskia-eine-biblisch-archaeologische-zusammenschau\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/ksbb-bayern.de\/produkt\/andreas-spaeth-und-der-herr-erhoerte-hiskia-eine-biblisch-archaeologische-zusammenschau\/\">978-3-945818-33-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die historische Glaubw\u00fcrdigkeit des Alten wie des Neuen Testaments wird seit langem und von verschiedener Seite bestritten. Besonders beim Alten Testament sehen viele Wissenschaftler einen Widerspruch zwischen dem arch\u00e4ologischen und dem biblischen Befund. Die Spannbreite reicht von den Minimalisten (z.&nbsp;B. Kopenhagener Schule) bis zu den Maximalisten (z.&nbsp;B. Albright-Schule). Es ist verdienstvoll, dass mit dieser Neuerscheinung die Diskussion am Beispiel von K\u00f6nig Hiskia neu aufgerollt und neu bewertet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Verlag Logos Editions er\u00f6ffnet mit diesem Band eine neue Reihe mit dem Titel \u201eDas Alte Testament im Kontext\u201c. Der Verfasser, Andreas Sp\u00e4th, ist Religionsp\u00e4dagoge und 1. Vorsitzender der \u201eKirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gro\u00dfformatige Buch auf hochwertigem Papier ist sch\u00f6n und ansprechend gestaltet, bleibt allerdings unbebildert. Der popul\u00e4rwissenschaftliche Stil wendet sich in erster Linie an interessierte Laien, bietet aber auch Fachleuten eine F\u00fclle an wertvollen Informationen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass aufgrund des gew\u00e4hlten Stils das Buch in der Fachwelt nicht wahrgenommen werden wird. Dasselbe Schicksal teilen die allgemeinverst\u00e4ndlichen und apologetischen B\u00fccher des \u00c4gyptologen Kenneth A. Kitchen und des Assyriologen Alan R. Millard, die beide ebenfalls f\u00fcr die biblische Glaubw\u00fcrdigkeit eintreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche Textteil (1\u201392) des vorliegenden Werks besteht aus 17 Kapiteln, die einzeln meist nur jeweils wenige Seiten umfassen. Hier werden in historischer Perspektive die Geschichte der biblischen Orte, Personen und Ereignisse gekonnt skizziert und wo m\u00f6glich mit arch\u00e4ologischen Funden beleuchtet. Fast immer nimmt der Fu\u00dfnotenapparat \u00fcber die H\u00e4lfte der Seite ein. Auf diese Weise liest sich die nacherz\u00e4hlte Geschichte wie ein arch\u00e4ologischer Kommentar, in dem der Kenner umfassend auf die relevante Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rliteratur verwiesen wird. Der Laie kann die Fu\u00dfnoten \u00fcbergehen und dennoch viel Honig aus dem Haupttext ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kap. 1 werden die methodologischen Grundlagen offengelegt. Als gleichsam kriminalistisches Vorbild wird die Person des Sherlock Holmes angef\u00fchrt. Sp\u00e4th mahnt eine ergebnisoffene Analyse des Befundes an, die sich nicht auf Vorurteile und Ideologien st\u00fctzt, und stellt einen Fragenkatalog zu den Realia auf. Kap. 2 bietet unter dem Stichwort \u201eChaos mal drei\u201c eine Nacherz\u00e4hlung des biblischen Ahas in seinem historischen Kontext. Dass Sp\u00e4th selbst auch mit Voraussetzungen an die biblischen Texte herangeht, wird deutlich, wenn er unter Verweis auf Jes 7,13\u201316 und 9,2\u20137 (nach \u00fcblicher deutscher Versz\u00e4hlung: 9,1\u20136) schreibt (9): \u201eJesaja indes wird den perfekten K\u00f6nig ank\u00fcndigen, keinen ,Sohn\u2018 Tiglat-Pilesers, sondern den Sohn Gottes.\u201c Bei der Beschreibung von Hiskias Kultreform (Kap. 3) werden auch au\u00dferbiblische Zeugnisse aus dem Umfeld Hiskias erw\u00e4hnt wie eine Tonbulle, Krughenkel und Siegelabdr\u00fccke (17). Bei der Beschreibung der Eroberung Samarias (Kap. 4) im Jahr 722 v.\u00a0Chr. nach drei Jahren Belagerung durch Salmanassar V. werden auch chronologische Probleme besprochen. So l\u00e4sst sich das 4.-6. Jahr Hiskias (2K\u00f6 17,5f; 18,9f) in Anlehnung an K.\u00a0A. Kitchen am besten durch eine Koregentschaft erkl\u00e4ren, zudem auch in der mesopotamischen Chronologie die Ereignisse parallel beschrieben werden (19 Anm. 4). Kenntnisreich wird die Deportationspolitik der Assyrer eingeordnet. Auf Sargon II., der die Eroberung Samarias f\u00fcr sich reklamiert, folgt sein Sohn Sanherib, dessen Familie und Pers\u00f6nlichkeit in Kap. 5 entfaltet werden. \u00dcberzeugend wird in Kap. 6 dargelegt, dass der biblische Schreiber der K\u00f6nigeb\u00fccher das Mittel der R\u00fcckblenden einsetzt und nicht immer chronologisch vorgeht. In die Beschreibung der Jahre vor der Invasion fallen Hiskias Verschw\u00f6rungen, seine Erkrankung und Heilung, der Besuch der babylonischen Gesandtschaft, der Bau des Tunnels zur Gihon-Quelle und der Ausbau der Stadtbefestigung (Kap. 7). Schlie\u00dflich kommt es zum Pal\u00e4stinafeldzug Sanheribs (Kap. 8) und zur Schlacht um Lachisch (Kap. 9). Kap. 10 schildert anschaulich die Methoden der assyrischen Gesandtschaft, Einsch\u00fcchterung und Propaganda, und diskutiert das m\u00f6gliche Grab Schebnas der Nekropole von Silwan und dessen Inschrift, die 1870 entdeckt wurden. Nach der Darlegung der assyrischen Verhandlungstaktik (Kap. 11) und ihrer \u00f6ffentlichen Demoralisierungskampagne (Kap. 12) folgt Jesajas Antwort (Kap. 13). Kap. 14 diskutiert die Identifizierung von K\u00f6nig Tirhaka und Fragen eines m\u00f6glichen Anachronismus. Es handelt sich wohl um den sp\u00e4teren Pharao Taharqa, der bewusst als \u201eK\u00f6nig von Kusch\u201c bezeichnet wird (2K\u00f6 19,9; Jes 37,9). Umst\u00e4nde und Inhalt des Briefs von Sanherib an Hiskia werden in Kap. 15 im zeitgeschichtlichen Kontext behandelt. Sehr enge Parallelen bis in die Stilistik hinein finden sich in den Annalen Sanheribs auf dem Chicago-Prisma. Nat\u00fcrlich geht Sp\u00e4th auch auf die besch\u00e4digte Bulle aus dem Ophel ein, die den Namen Jesajas tr\u00e4gt und unweit der Hiskia-Bulle entdeckt wurde. Bei der Erg\u00e4nzung des m\u00f6glicherweise fehlenden Buchstaben <em>alef<\/em> w\u00fcrde als Berufsbezeichnung zu lesen sein: \u201edem Propheten Jesaja geh\u00f6rend\u201c. Dass die Assyrer unverrichteter Dinge abziehen, ist wissenschaftlich nicht erkl\u00e4rbar und wird biblisch als Wunder Gottes gedeutet (Kap. 16). Die assyrischen Annalen unterst\u00fctzen den biblischen Bericht, auch wenn sie keine Niederlage einr\u00e4umen. Kap. 17 geht dem Tod Sanheribs nach, der von seinen S\u00f6hnen erschlagen worden sein soll, wie auch 2K\u00f6 19,37 berichtet. Asarhaddon setzt sich als Nachfolger gegen seinen \u00e4lteren Bruder Adramelech (Arda-Mulissu) durch, der urspr\u00fcnglich als Kronprinz eingesetzt war. Der zweite Buchteil (93\u2013187) er\u00f6ffnet mit der Kommentierung ausgew\u00e4hlter arch\u00e4ologischer Funde. An der differenzierten Auswertung zweier neuerer \u201eSensationsfunde\u201c hat Dr. Pieter Gert van der Veen mitgewirkt (131\u2013138). Es folgen das Abk\u00fcrzungsverzeichnis, die Bibliografie und Register der Orte, V\u00f6lker, Personen, Sachen und Bibelstellen. Auf diese Weise wird das Buch gut erschlossen. Jedem Bibelleser, der ein Interesse an der Geschichte und der Umwelt der Bibel hat, sei dieses spannende und gr\u00fcndlich recherchierte Buch herzlich zur Lekt\u00fcre empfohlen. Man lernt nicht nur etwas zum historischen Hintergrund der Zeit Hiskias, sondern wird auch gr\u00fcndlich in die Welt der Arch\u00e4ologie eingef\u00fchrt. Zugleich wird gezeigt, dass Bibel und Arch\u00e4ologie nicht als notwendige Gegens\u00e4tze gesehen werden m\u00fcssen, sondern sich mit ihren jeweiligen Perspektiven erg\u00e4nzen \u2013 ganz im Sinne des Untertitels \u201eEine biblisch-arch\u00e4ologische Zusammenschau\u201c. Eine Liste von Corrigenda wurde im November 2022 der ersten Auflage beigef\u00fcgt. Diese ist vollumf\u00e4nglich in der zweiten Auflage ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Walter Hilbrands ist Dozent f\u00fcr Altes Testament und Dekan an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas Sp\u00e4th: \u201eUnd der Herr erh\u00f6rte Hiskia \u2026\u201c. Eine biblisch-arch\u00e4ologische Zusammenschau. 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