{"id":1813,"date":"2023-04-21T17:46:01","date_gmt":"2023-04-21T17:46:01","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1813"},"modified":"2023-04-21T17:46:03","modified_gmt":"2023-04-21T17:46:03","slug":"l-s-baker-jr-kenneth-bergland-felipe-a-masotti-a-rahel-wells-hg-exploring-the-composition-of-the-pentateuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1813","title":{"rendered":"L. S. Baker Jr. \/ Kenneth Bergland \/ Felipe A. Masotti \/ A. Rahel Wells (Hg.): Exploring the Composition of the Pentateuch"},"content":{"rendered":"\n<p>L. S. Baker Jr. \/ Kenneth Bergland \/ Felipe A. Masotti \/ A. Rahel Wells (Hg.): <em>Exploring the Composition of the Pentateuch<\/em>, BBRS 27, University Park\/PA: Eisenbrauns, 2020, Hb., XIV+297\u00a0S., $\u00a089,95, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eisenbrauns.org\/books\/titles\/978-1-57506-985-2.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eisenbrauns.org\/books\/titles\/978-1-57506-985-2.html\">978-1-57506-985-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die 13 f\u00fcr sich selbst\u00e4ndigen Artikel sind von den Herausgebern und Tiago Arrais, Richard E. Averbeck, John S. Bergsma, Joshua A. Berman, Daniel I. Block, Richard Davidson, Roy E. Gane, Duane A. Garrett, Richard S. Hess, Benjamin Kilch\u00f6r, Michael LeFebvre, Ji\u0159\u00ed Moskala, und Christian Vogel verfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sammelband entspringt einer Konferenz zum Thema im Jahr 2016 an der Andrews University, Michigan (am theologischen Seminar der Siebenten-Tags-Adventisten). Das Ziel der Konferenz war, die von Gertz, Levinson, Rom-Shiloni, K. Schmid (<em>The Formation of the Pentateuch: Bridging the Academic Cultures of Europe, Israel, and North America<\/em>, 2016) konstatierte Sprachverwirrung in Bezug auf Pentateuchstudien anzugehen, also Br\u00fccken zu bauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Berman fordert in seinem Beitrag, dass empirische Forschung zu \u201eTextwachstum in der Antike\u201c die Begr\u00fcndungsbasis f\u00fcr die Kompositionsgeschichte des Pentateuch erweitert. Diese Notwendigkeit schlie\u00dft er aus einem kritischen Durchgang zur Geschichte der hist.-krit. Erforschung des Pentateuch. Darin zeigt er auf, dass ohne externe Evidenz die unterliegenden Zirkelschl\u00fcsse nicht aufzubrechen seien. Bergman bietet nicht einfach eine Kurzfassung des allseits bekannten Einflusses des deutschen Historismus und der Romantik auf die Pentateuchforschung, sondern verweist kontinuierlich auf die epistemologischen Unterschiede zur empirischen, vergleichenden Textforschung, um neue Ans\u00e4tze f\u00fcr die Analyse der Kompostion des Pentateuch zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Averbeck stellt einen eigenen Ansatz zur historisch-kritischen Forschung vor, den er am Beispiel der Sklavengesetze in Ex, Lev und Dtn durchf\u00fchrt. Ein \u201eneuer\u201c Ansatz m\u00fcsse drei Perspektiven zusammenhalten: Literatur, Geschichte und Theologie. Seine umfangreiche Diskussion der Sklavenregelungen f\u00fchrt interessanterweise nur zur Ablehnung von kompositionsgeschichtlichen Versuchen, nicht zu einer neuen Perspektive diesbez\u00fcglich.<\/p>\n\n\n\n<p>Baker und Wells leiten aus der alt\u00e4gyptischen Sprachpraxis, der zeitlich parallelen Nutzung verschiedener Sprachentwicklungsphasen, die M\u00f6glichkeit ab, dass solches auch f\u00fcr biblische Texte gelten k\u00f6nnte, sodass alt-, mittel- und sp\u00e4thebr\u00e4ische Texte zur selben Zeit entstanden sein k\u00f6nnten, weil sie jeweils anderen soziologischen Kontexten zugeordnet wurden. Damit fiele die M\u00f6glichkeit der Rekonstruktion der Kompositionsgeschichte durch unterschiedliche Sprachstadien weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Hess diskutiert das Ph\u00e4nomen der Oralit\u00e4t und Schriftlichkeit anhand eines Textes aus Hebron, datiert in die erste H\u00e4lfte des 2. Jahrtausends. Obwohl es ein administrativer Text ist, zeige er Merkmale der Realien und Poetik aus Gen 12\u201337, ohne dass orale Vorformen wahrscheinlich sind. Hess schlie\u00dft, dass schriftliche Aufzeichnungen aus der V\u00e4terzeit im s\u00fcdlichen Pal\u00e4stina zumindest nicht ausgeschlossen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Moskala und Masotti rollen erneut die Frage auf, nach welchen AVO-Bundestexten der Bund zwischen Gott und Israel in Dtn literarisch gestaltet ist. Sie kommen zum Schluss, dass die hetithischen Vertr\u00e4ge des 2. Jahrtausends Pate standen. Der Fokus liegt auf der kommunikativen Rolle des historischen Abschnitts im Formular: Parallel zur selektiven und zielgruppenorientierten Geschichtsschreibung in den hethitischen Vertr\u00e4gen w\u00fcrde auch die historische Rekonstruktion in Dtn 1\u20133 ein ge\u00e4ndertes Bundesverh\u00e4ltnis zwischen Israel und Gott spiegeln. Der gesamte Text von Dtn w\u00fcrde in diesem Kontext Sinn ergeben und somit l\u00e4ge eine synchrone Lekt\u00fcre und eine mosaische Autorschaft nahe.<\/p>\n\n\n\n<p>Bergland sucht einen neuen Weg f\u00fcr die Frage nach den beobachtbaren Unterschieden zwischen Bundesbuch, Heiligkeitsgesetz und Dtn. Einerseits Buchstabentreue und andererseits kreative Aufnahme zwischen Gesetzestexten lie\u00dfen sich gut erkl\u00e4ren. Bergland nennt dies \u201eembodied covenantal instruction\u201c von <em>berit<\/em> und <em>tora<\/em>, die als Begriffe die modernen Assoziationen mit \u201eGesetzestexten\u201c vermeiden und den Text der Tora als prim\u00e4r theologische Kommunikation mit dem Ziel der kontinuierlichen Aktualisierung des Bundes versteht. Tradierung sei weniger ein schriftliches Ph\u00e4nomen, sondern Resultat von Memorisation und damit \u201eInkorporierung\u201c \u2013 parallel zum Umgang mit \u201everehrten Texten\u201c im AVO.<\/p>\n\n\n\n<p>LeFebvre untersucht alle Datumsangaben der Tora und argumentiert, dass sie nicht auf konkrete historische Momente hinweisen, sondern die korrelierenden Ereignisse in Israels Festkalender einsortieren. Damit wird die Suche nach Modellen f\u00fcr eine widerspruchsfreie Rekonstruktion dieser Daten \u00fcberfl\u00fcssig. Insgesamt w\u00fcrde diese temporale Struktur gut der Zielrichtung der Tora als Kultinstruktion gerecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Block stellt sich der Frage, was es bedeutet, dass signifikante Stichwort- und Motivbr\u00fccken die Patriarchenerz\u00e4hlung und Deuteronomium zusammenhalten. Er postuliert in Folge von Noth und Whybray einen Autor (nicht blo\u00df Redaktor), der sehr fr\u00fch (auf jeden Fall vor Hosea) ihm vorliegende schriftliche Quellen bearbeitet und in eine koh\u00e4rente Erz\u00e4hlung mit multiplen Genres verarbeitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Garret geht am Beispiel von J. Stackert der aktuellen Neuauflage der Dokumentenhypothese nach. In diesem Zug kritisiert er beispielhaft sowohl die Grundannahmen als auch die konkreten exegetischen Entscheidungen. Es zeigt sich, dass die gewohnte Kritik an der Dokumentenhypothese auch f\u00fcr diese Neuauflage gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Davidson, Arrais und Vogel sind frustriert mit den Strukturvorschl\u00e4gen zum Buch Exodus und bieten drei eigene Vorschl\u00e4ge. Einmal wird, im Detail durchaus nachvollziehbar, Ex in 7 Abschnitte aufteilt, die entweder gro\u00dfe Ring- oder Parallelstrukturen aufweisen. Zweimal wird eine zweiteilige theologisch motivierte Parallelstruktur vorgeschlagen, wobei die \u00dcberg\u00e4nge in Kap. 12 bzw. 13 gefunden werden. Es wird geschlossen, dass eine so komplexe, einheitliche Gesamtstruktur kaum auf Quellenkompilation zur\u00fcckzuf\u00fchren sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Gane k\u00fcmmert sich erneut um die Frage (schon 2015), wof\u00fcr Lev genau geschrieben wurde. Seine rhetorisch-kritische Analyse nimmt ihren Ausgangspunkt bei Watts, stimmt mit jenem \u00fcberein, dass Lev 1\u201316 ein didaktischer Text zur Priesterausbildung sei, jedoch nicht erst f\u00fcr den Kult am zweiten Tempel, sondern viel fr\u00fcher, m\u00f6glicherweise gar mosaischen Ursprungs.<\/p>\n\n\n\n<p>Kilch\u00f6r weist nach, dass Dtn die B\u00fccher Ex-Num in ihrer kanonischen Form, also inklusive der priesterlichen Texte, voraussetzt. Die sich in Dtn ergebende Auswahl und Unterschiede lie\u00dfen sich auf die unterschiedliche Zielgruppe der Texte zur\u00fcckf\u00fchren. Dabei verschwindet auch eine klare literarhistorische Unterscheidung von P und H.<br>Bergsma fasst aktuelle Studien zusammen, die zur Einsicht kommen, dass Ezechiel P, H und D gekannt und aufgenommen haben muss. Diesen Befund erweitert er um die These, dass Ezechiel nicht f\u00fcr die Endredaktion des Pentateuch verantwortlich sein kann, da in diesem keinerlei Spuren der sp\u00e4teren Zionstheologie (wie in DtrH, Ps und Propheten) zu finden seien. Dass der Pentateuch sowohl in Samaria als auch Jud\u00e4a als Grunddokument geehrt wurde, l\u00e4sst kaum die M\u00f6glichkeit einer exilisch\/nachexilischen Datierung desselben offen. Bergsma sieht Gr\u00fcnde, dass die Tora vor dem Samaria-Jerusalem-Schisma mindestens in ann\u00e4hernd kanonischer Gestalt vorgelegen haben muss. Die Beitr\u00e4ge des Bandes sind sehr unterschiedlich in ihrem jeweiligen Beitrag zu der durch Titel und Einleitung aufgeworfenen Problemstellung. Die meisten Artikel ber\u00fchren die Frage der Komposition des Pentateuch nur sehr am Rande. Unter denen, die einen genuinen und nach vorne gerichteten Beitrag leisten, sind m.\u00a0E. folgende herauszustellen: Berman, weil er einen methodischen Weg nach vorne weist. Bergland, weil er die Texte an sich ernst nimmt und nicht f\u00fcr fremde Fragestellungen in Anspruch nimmt. Kilch\u00f6r, weil er klar und konsequent argumentiert und sich nicht in der Negation aufh\u00e4lt. Letzteres gilt auch f\u00fcr Block und Bergsma, deren Beitr\u00e4ge f\u00fcr die konkrete Datierung des Pentateuch am ertragreichsten sind. Die anderen Beitr\u00e4ge sind f\u00fcr die Zielformulierung des Bandes nur bedingt f\u00f6rderlich, da sie vor allem darauf hinauslaufen, dass es \u00fcberhaupt keine Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Kompositionsgeschichte g\u00e4be, denn man kann ja alle Texte besser synchron lesen. Das kann seinen Platz haben, aber laut Vorwort sollten ja Br\u00fccken zwischen den verschiedenen methodischen Lagern geschlagen werden. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir uns m.\u00a0E. \u00fcber Grundannahmen verst\u00e4ndigen, sonst reden wir weiterhin nur f\u00fcr die jeweils eigene \u201eSchule\u201c.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Stefan K\u00fcrle, Professor f\u00fcr Biblische Theologie am Theologischen Studienzentrum Berlin<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L. S. Baker Jr. \/ Kenneth Bergland \/ Felipe A. Masotti \/ A. 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