{"id":1816,"date":"2023-04-21T17:48:44","date_gmt":"2023-04-21T17:48:44","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1816"},"modified":"2023-04-21T17:48:45","modified_gmt":"2023-04-21T17:48:45","slug":"andre-tolksdorf-die-%d7%a8%d7%95%d7%97-als-perspektive-fuer-ein-neues-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1816","title":{"rendered":"Andr\u00e9 Tolksdorf: Die \u05e8\u05d5\u05d7 als Perspektive f\u00fcr ein neues Leben"},"content":{"rendered":"\n<p>Andr\u00e9 Tolksdorf: <em>Die <\/em>\u05e8\u05d5\u05d7<em> als Perspektive f\u00fcr ein neues Leben. Eine Studie zu Hes 36 und 37 als Kern des Hesekiel-Buches<\/em>, Bibelstudien 30, Berlin: Lit, 2021, Pb., 350\u00a0S., \u20ac\u00a049,90, ISBN <a href=\"https:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/978-3-643-14867-4\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/978-3-643-14867-4\">978-3-643-14867-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um die Publikation einer Dissertation, die der Verf. an der Protestantischen Theologischen Universit\u00e4t Amsterdam\/Groningen unter Eep Talstra begonnen und unter Klaas Spronk zum Abschluss gebracht hat. Die Hauptthese der Arbeit ist, dass die <em>Ruach<\/em> (Geist, Wind, Atem) im Ezechielbuch (und von da aus auch in gesamtbiblischer Sicht) als Perspektive f\u00fcr ein neues Leben fungieren kann, wobei Ez 36 und 37 als Schl\u00fcsseltexte gesehen werden, die eine Antwort auf die negative Geschichtsdarstellung, wie sie besonders in Ez 20 zum Ausdruck kommt, geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die These wird in zw\u00f6lf Kapiteln entfaltet. Das einleitende Kapitel (I) gibt einen Forschungs\u00fcberblick \u00fcber Leseweisen des Gesamtbuches und positioniert sich im Anschluss an das holistische Modell dahingehend, dass das Ezechielbuch als Ganzes zusammenh\u00e4ngt und eine Einheit bildet. Kapitel II setzt sich mit dem textkritischen Befund auseinander, insbesondere mit dem vorhexaplaischen Papyrus 967, in dem die Passage 36,23b\u03b2-38 (also gerade die <em>Ruach<\/em>-Passage) fehlt und die Kapitel 38 und 39 vor Kapitel 37 platziert sind. Nicht so sehr aus Gr\u00fcnden der Textkritik, sondern mehr aus Gr\u00fcnden der Lesestrategie entscheidet sich der Verf., dem Masoretischen Text den Vorzug zu geben, da die Auslassung der genannten Passage und die Kapitelumstellung der Botschaft des Hesekiel-Buches die Mitte nehmen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Kapitel III befasst sich mit der Buchentstehung und folgt dabei durchgehend den Datierungsangaben des Buches mit Annahme von zwei Wirkphasen (vor und nach der Zerst\u00f6rung Jerusalems). Beide beinhalten Perspektiven, die wichtig sind f\u00fcr die Wiederherstellung Israels. In Kapitel IV folgt eine Strukturanalyse, wobei als wichtigste Strukturmerkmale die Datierungen, die Wortereignisformeln und \u201edie Hand des Herrn\u201c gesehen werden. Insgesamt folgt der Verf. einer Zweiteilung (Gericht und Heil), wobei etwas \u00fcberraschend die V\u00f6lkerspr\u00fcche, die in Kapitel III der ersten Wirkphase zugerechnet werden, hier nun dem zweiten Teil (das Gericht \u00fcber die V\u00f6lker als Heil f\u00fcr Israel) zugeordnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In Kapitel V werden alle <em>Ruach<\/em>-Vorkommen des Ezechielbuches aufgelistet und den deutschen \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeiten \u201eWind\u201c, \u201eGeist\u201c, \u201eOdem\u201c, \u201eSeite\u201c zugeordnet. Trotz dieser Zuordnungen wird im Fazit betont, dass das Wirken der <em>Ruach<\/em> nie als ein von Jhwh losgel\u00f6stes, eigenst\u00e4ndiges Handeln verstanden wird und immer auf Vermittlung von Jhwh-Erkenntnis abzielt. Kapitel VI nimmt sodann als Kernkapitel der ersten Buchh\u00e4lfte Kapitel 20 mit seiner pessimistischen Geschichtsdarstellung in den Blick. Besondere Aufmerksamkeit wird der Spitzenaussage Gottes gewidmet, dass er Israel Gebote gegeben habe, die nicht gut sind und Gesetze, durch die sie kein Leben haben konnten (20,25). Gemeint seien damit nicht die g\u00f6ttlichen Gesetze, sondern die heidnischen Gesetze, denen sich Israel im G\u00f6tzendienst hingab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgenden beiden Kapitel, VII und VIII, bieten eine Exegese von Ez 36 und 37. F\u00fcr Ez 36 wird im Vergleich mit Dtn 30 insbesondere betont, dass zum neuen Herzen auch die <em>Ruach<\/em> kommen muss. Ez 37 nimmt in seiner Vision der durch die <em>Ruach<\/em> belebten Totengebeine diese Verhei\u00dfung auf. Die Zweiteilung von Ez 37 (1\u201314 und 15\u201328) nimmt die Gesamtstruktur des Buches auf, wobei die Vision der Totengebeine dem Gerichtsteil, die messianische Hirtenverhei\u00dfung dem Heilsteil entspricht. Dabei ist es die <em>Ruach<\/em>, die den Wandel vom ersten zum zweiten Teil durch die Gabe neuen Lebens bewirkt. Der Erwartung des davidischen Hirten im Ezechielbuch widmet sich Kapitel IX. Die Gabe von neuem Herz und neuer <em>Ruach<\/em> verbinden sich mit dem Kommen dieses Hirten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgen zwei Kapitel, die die herausgearbeitete Heilsbotschaft gesamtbiblisch einordnen: Kapitel X tut dies im Rahmen alttestamentlicher Theologie, wobei einige alttestamentliche Parallelstellen (Ps 137; Klgld 5,15\u201322; Ps 51,12\u201314; Joel 2,25\u201335; 4,20\u201321; Jer 31,31\u201334; Ps 147,19\u201320) in Bezug zum Ezechielbuch gesetzt werden. Die Auswahlkriterien sind unklar. So h\u00e4tte sich etwa f\u00fcr die Verbindung von <em>Ruach<\/em>-Gabe und Davidsverhei\u00dfung auch Jes 11 angeboten. Kapitel XI nimmt den neutestamentlichen Kontext in den Blick. Die Verbindung von Wasser und Geist aus Ez 36 wird in Joh 3 aufgenommen, die Gr\u00e4ber\u00f6ffnung aus Ez 37 in Mt 27,51\u201353. Die Selbstbezeichnung Jesu als Menschensohn nimmt nicht nur Dan 7 auf, sondern auch das Ezechielbuch, was z.\u00a0B. daran deutlich wird, dass Jesus wie Ezechiel (je nach Deutung von Ez 1,1) im drei\u00dfigsten Jahr zu wirken beginnt. Jesus bringt als Davidsnachkomme letztlich in Erf\u00fcllung der Verhei\u00dfungen das neue Herz und den neuen Geist und erf\u00fcllt das Gesetz. Kapitel XII fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen. Ein positiv zu w\u00fcrdigendes Charakteristikum dieser Studie ist die gro\u00dfe theologische Ernsthaftigkeit, mit der nach der (auch f\u00fcr uns!) bleibenden und wirksamen Botschaft des Ezechielbuches in einem gesamtbiblischen Kontext gefragt wird. Dabei begegnet man immer wieder \u00fcberraschenden Formulierungen und gehaltvollen Einsichten, die zum Weiterdenken anregen. Als Hauptschw\u00e4che w\u00fcrde ich (neben dem ungen\u00fcgenden Lektorat des Buches) eine weithin fehlende methodische Transparenz nennen. Man wird von Einem zum N\u00e4chsten gef\u00fchrt, oft ohne klar zu verstehen, weshalb welche Auswahl und welches Urteil so und nicht anders getroffen wird. Um ein kleines Beispiel von gro\u00dfer Tragweite zu nennen: Die Aufteilung der <em>Ruach<\/em>-Vorkommen in verschiedene Deutungen wird ohne Diskussion pr\u00e4sentiert. So wird ohne weitere Begr\u00fcndung 2,2 (\u201eda kam Geist in mich und stellte mich auf meine F\u00fc\u00dfe) der Bedeutung \u201eGeist\u201c, 37,10 (\u201eda kam Odem in sie \u2026 und sie stellten sich auf ihre F\u00fc\u00dfe\u201c) der Bedeutung \u201eOdem\u201c zugeschrieben. Aufgrund dieser Kategorisierung wird der Bezug zwischen der Berufung Ezechiels und der Auferweckung Israels nicht gesehen und f\u00fcr die Auslegung folglich auch nicht fruchtbar gemacht. Hier w\u00e4re mit klarerer Methodik zur Bedeutung der <em>Ruach<\/em> im Ezechielbuch noch einiges mehr zu entdecken gewesen (z.\u00a0B. auch zum Verh\u00e4ltnis von <em>Ruach<\/em> und Gesetz).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andr\u00e9 Tolksdorf: Die \u05e8\u05d5\u05d7 als Perspektive f\u00fcr ein neues Leben. 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