{"id":1819,"date":"2023-04-21T17:50:40","date_gmt":"2023-04-21T17:50:40","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1819"},"modified":"2023-04-25T15:29:11","modified_gmt":"2023-04-25T15:29:11","slug":"ruediger-lux-sacharja-1-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1819","title":{"rendered":"R\u00fcdiger Lux: Sacharja 1\u20138"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00fcdiger Lux: <em>Sacharja 1\u20138<\/em>, Herders Thelogischer Kommentar zum Alten Testament. Freiburg: Herder, 2019, geb., 694\u00a0S., \u20ac\u00a0115,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral\/shop\/p2\/54527-sacharja-1-8-gebundene-ausgabe\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral\/shop\/p2\/54527-sacharja-1-8-gebundene-ausgabe\/\">978-3-451-31308-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lux\u2019 Kommentar ist mit 694 Seiten f\u00fcr die ersten acht Kapitel des Sacharjabuchs sicherlich einer der umfangreichsten Kommentare, die man finden kann, wenn er nicht der ausf\u00fchrlichste ist. Die jahrelange Arbeit an und mit dem Buch tr\u00e4gt vielfach Fr\u00fcchte und l\u00e4dt geneigte Leserinnen und Leser ein, sich ausf\u00fchrlich sowohl mit Lux\u2019 Beobachtungen, \u00dcberlegungen und Diskussionen als auch mit den Texten in Sacharja 1\u20138 zu besch\u00e4ftigen. Das Format der Herder-Reihe mit der Abfolge von Literaturhinweisen, \u00dcbersetzung, ausf\u00fchrlichen Anmerkungen zum Text und zur \u00dcbersetzung, Analyse, Auslegung und Bedeutung ger\u00e4t in den H\u00e4nden des Verfassers zu einem wertvollen Rahmen, den er zu f\u00fcllen wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Begreift man einen Kommentar als ein Gegen\u00fcber, mit dem man ins Gespr\u00e4ch \u00fcber den Text kommt, dann begegnet man hier einem Gespr\u00e4chspartner, der ausf\u00fchrlich, aufmerksam, umsichtig und vertraut mit Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rliteratur viel Stoff zum Gespr\u00e4ch, zum Nachdenken, zum Weiterdenken, zum Hinterfragen liefert, ohne einfach eine F\u00fclle von Informationen und Perspektiven zusammenzutragen, was angesichts des Ringens von Auslegern mit diesem Prophetenbuch durch die Jahrhunderte ein Leichtes gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch bevor man zur eigentlichen Kommentierung des Sacharjabuchs kommt, reflektiert Lux zu Beginn \u00fcber die ihm gestellte Aufgabe. Die Unterscheidung von Proklamieren und Kommentieren hat vieles f\u00fcr sich: \u201eDie Aufgabe des Kommentators ist es, das Wort der Propheten, das seinen Ursprung nicht in ihnen selbst und ihrer Wirklichkeit hat, sondern in der Wirklichkeit Gottes, in seiner Zeit und Welt zu kommentieren. <em>Proclamatio <\/em>und <em>commentatio <\/em>beziehen sich auf ein und denselben Gegenstand, aber sie tun das in unterschiedlicher Weise.\u201c (33). Dem ist uneingeschr\u00e4nkt zuzustimmen, insbesondere auch der einleitenden Zuspitzung \u201eDer Kommentator ist kein Prophet.\u201c Es ist viel gewonnen, wenn diese Unterscheidung in ihrer Tragweite gelebt und gedacht wird. Und doch muss ich z\u00f6gern, wenn ich Lux\u2019 weiteren Ausf\u00fchrungen folge, wenn er einen Propheten als \u201eMann der <em>Jetztzeit<\/em>\u201c beschreibt und behauptet: \u201eDie Proklamation kennt nur das Heute.\u201c Diese zugespitzte und \u2013 ich meine \u2013 begrenzende Verortung von Propheten und ihrer Verk\u00fcndigung lebt m.&nbsp;E. davon, dass man \u201eurspr\u00fcngliche\u201c Prophetenworte (was auch immer das in der heutigen Forschung dann im Einzelnen noch meinen und beinhalten mag) von sp\u00e4teren oder Ausgangsworte von sp\u00e4teren \u00dcberarbeitungen mehr oder minder klar unterscheiden kann und sollte. Schlie\u00dflich h\u00e4lt Lux wenige Abschnitte weiter fest, dass mit dem Eingang des Prophetenspruchs in das Prophetenbuch sowie des Prophetenbuches in \u201eden gro\u00dfen Traditionsstrom der biblischen \u00dcberlieferung\u201c (34) Folgendes gesagt werden kann: \u201eDenn was die Propheten gek\u00fcndet und geschrieben hatten, das hatte seine Zeit und seine Stunde, ohne in ihr aufzugehen. Das Geheimnis, das sie n\u00f6tigte zu sprechen, war gr\u00f6\u00dfer und reichte \u00fcber den Tag hinaus, in dem sie es sprachen.\u201c Oder zugespitzt; \u201eMit der Kanonisierung wurde den Worten der Propheten ihr \u201aVerfallsdatum\u2018 entzogen. Sie wurden \u201aenthistorisiert\u2018.\u201c (ebd.). Mit dieser Abfolge und mit dieser klaren Unterscheidung werden f\u00fcr mich nicht nur die Sicht auf die Propheten und ihre Worte problematisch, sondern auch die Unterscheidung von <em>proclamatio<\/em> und <em>commentatio<\/em>, der ich eben noch mit vollem Herzen zustimmen konnte. Es wirkt so, als ob man aus dem gegebenen Text methodisch mehr oder minder nachvollziehbar dies Eine identifizieren, vielleicht sogar absondern kann, was nur ein Heute kannte. Man (re-)konstruiert also eine Wirklichkeit, die behauptet wird, aus dem vorliegenden Text, der uns ganz anders entgegenkommt, und best\u00e4tigt deren Existenz mit thetischen Beschreibungen des Ph\u00e4nomens \u201eProphetie\u201c und der Identifizierung von einzelnen Bearbeitungsstufen des Textes selbst. Geht man aber von der Annahme aus, dass nur ganz wenige Worte (wenn es diese \u00fcberhaupt gibt \u2026) ausschlie\u00dflich f\u00fcr den einen Moment formuliert sind, dann muss \u00fcber diese Abfolge und Unterscheidung gesprochen werden. Es erschlie\u00dft sich mir einfach grunds\u00e4tzlich nicht, warum prophetische Worte hier eine \u201eSonderform\u201c von Worten sein sollen, die sich ausschlie\u00dflich auf ein Heute begrenzen lassen. Das gilt vermehrt und zugespitzt, wenn ich den Beschreibungen von Lux folge, dass der Ursprung dieser Worte nicht in den Propheten selbst liegt. Noch bevor man also in die eigentliche Kommentierung des Prophetenbuches eintritt, befindet sich man ganz leicht schon im engagierten Gespr\u00e4ch mit Lux, der sich vielfach als anregender und wertvoller Gespr\u00e4chspartner erweist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Ausf\u00fchrlichkeit und der Umsichtigkeit des Kommentars ist es meines Erachtens weder angemessen noch notwendig, auf L\u00fccken oder Schw\u00e4chen hinzuweisen. Diese kann man finden, und zwar nicht zuletzt, weil die Vielschichtigkeit des Sacharjabuchs sowie seine Auslegungsgeschichte so vielf\u00e4ltig und umfangreich ist, dass ein Kommentar nicht alles abdecken kann. Wenn man einen Kommentar als ein Gegen\u00fcber begreift, mit dem man \u00fcber den Bibeltext ins Gespr\u00e4ch kommt, so stellen diese rund 700 Seiten ein sehr wertvolles Gegen\u00fcber dar. Alle R\u00fcckfragen und Anmerkungen, die sich einem bei der Lekt\u00fcre von Sacharja 1\u20138 aufdr\u00e4ngen, sind dann keine Problemanzeige. Man ger\u00e4t nicht so leicht auf das Nebengleis, dass man noch eigene Beobachtungen, Erkenntnisse oder die eigene Perspektive unterbringen muss, wenn man doch eigentlich etwas zu dem Werk eines anderen sagen soll, zu einem Werk, das \u00fcber Jahre gewachsen und gereift ist. Alle R\u00fcckfragen sind vielmehr der Ausdruck von Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die anregende Besch\u00e4ftigung mit diesen Prophetenkapiteln. Wer sich mit den ersten Kapiteln des Sacharjabuchs oder auch nur einem einzelnen Abschnitt daraus besch\u00e4ftigen will, wird es nicht bereuen, diesen Kommentar in die Hand zu nehmen. Man sollte etwas Zeit mitbringen; es ist kein Kommentar, den man schnell auf ein paar Informationen oder Einzelbeobachtungen hin lesen kann. Nun ja, das kann man wohl schon, aber es wird weder dem Kommentar noch dem Sacharjabuch gerecht. Eine ruhige Ecke, ein guter Kaffee oder Tee, Lux\u2019 Kommentar und der aufgeschlagene Bibeltext \u2013 diese Kombination klingt vielversprechend.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Heiko Wenzel, Ph.D. (Wheaton), Akademie f\u00fcr Kirche und Gesellschaft, Wien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcdiger Lux: Sacharja 1\u20138, Herders Thelogischer Kommentar zum Alten Testament. 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