{"id":1828,"date":"2023-04-21T17:59:32","date_gmt":"2023-04-21T17:59:32","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1828"},"modified":"2023-04-21T17:59:34","modified_gmt":"2023-04-21T17:59:34","slug":"burkard-m-zapff-micha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1828","title":{"rendered":"Burkard M. Zapff: Micha"},"content":{"rendered":"\n<p>Burkard M. Zapff: <em>Micha, <\/em>IEKAT, Stuttgart: Kohlhammer, 2020, geb., 269\u00a0S., \u20ac\u00a089,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/micha-25438.html#147=22\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/micha-25438.html#147=22\">978-3-17-025438-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Zapffs Besch\u00e4ftigung mit Micha hat sich in den vergangenen Jahren in vielf\u00e4ltigen Ver\u00f6ffentlichungen niedergeschlagen. Mit dem vorliegenden Kommentar kommen viele wichtige Linien zusammen. Eine davon wird in seinen hermeneutischen Vor\u00fcberlegungen deutlich: \u201edie \u00dcberschrift der Michaschrift grenzt nicht nur ab, sondern verbindet zugleich, sodass ein Verst\u00e4ndnis der \u00dcberschrift als rein biographische Information zu eng ist.\u201c (16). Dabei geht es nicht nur um zeitliche \u00dcberschneidungen von Hosea, Amos und Micha. Vielmehr steht damit die Frage im Raum, \u201eob nicht Teile der Michaschrift ein Echo auf die Verk\u00fcndigung des Hosea und des Amos sind, sodass man sie mit Recht als Ausdruck des <em>einen <\/em>Wortes JHWHs hinein in eine bestimmte Zeit und Situation bezeichnen kann.\u201c (ebd.). So richtet der Kommentar ein besonderes Augenmerk auf Verbindungen und Parallelen von Micha zu anderen Propheten(schriften), v.&nbsp;a. zu Hosea und Amos, aber auch zu Jesaja. Bemerkenswert sind dabei nicht zuletzt die Stellen, die eine Vertrautheit mit Abschnitten in Hosea oder Amos voraussetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Zapff spielt dabei der Gedanke von Schriftgelehrsamkeit eine wichtige Rolle und die Frage, ob Stellen, die eine Vertrautheit voraussetzen, \u201ejemals in einer von einem Mehrprophetenbuch unabh\u00e4ngigen Michaschrift existierten.\u201c (ebd.). Diese \u00dcberlegungen f\u00fchren zu einer Kriteriologie zur Identifizierung \u00e4lterer Texte: \u201eNur f\u00fcr die Texte, die nicht in einer Beziehung zu Hosea, Amos und Jesaja stehen und \u00fcberdies kein exilisches oder nachexilisches Kolorit zeigen, wird erwogen, inwieweit sie m\u00f6glicherweise dem Propheten des 8. Jh. v. Chr. zugeschrieben werden k\u00f6nnen.\u201c (ebd.). Im Kommentarteil zu den einzelnen Abschnitten sind die wichtigsten Bez\u00fcge dann am Rand vermerkt, so dass sie nicht nur leicht zu identifizieren, sondern auch gezielt nachzuschlagen sind. Es liegt in der Natur der Sache, dass dabei manche Verbindung \u00fcberzeugender erscheint als andere und das sowohl bei der Identifizierung wie auch bei der Auswertung der Verbindungen der Leser manche Frage stellen kann. Kurze Betrachtungen und Reflexionen beschreiben die Dynamik dieser Bez\u00fcge. Die synchrone und diachrone Analyse \u2013 also die f\u00fcr den IEKAT charakteristische Zusammenstellung \u2013 sind hierbei nicht klar zu trennen. Manchmal f\u00e4llt die Unterscheidung auch schwer, da eine schriftgelehrte Aufnahme und Weiterver-\/bearbeitung von Text(teil)en aus anderen Schriften nicht mehr so leicht der einen oder der anderen Perspektive (alleine) zuzurechnen ist. Betrachtet man den Umfang von Zapffs Ausf\u00fchrungen zu den einzelnen Abschnitten, so f\u00e4llt der diachrone Teil in der Regel recht knapp aus und wird immer wieder ergebnishaft oder thetisch vorgetragen. Diskussionen und Abw\u00e4gen findet man im \u201esynchronen\u201c Bereich, also in der \u201eKontextbezogenheit\u201c, \u201eTextinterne(n) Aussagegestalt\u201c und in der \u201eEinzelauslegung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vielfach finden sich gute und interessante Beobachtungen, die zu weiterem Forschen und eigenen \u00dcberlegungen Anlass geben, z.&nbsp;B. S.&nbsp;35f. Bedauerlich ist, dass z.&nbsp;B. auf S.&nbsp;36 Nahum keine Erw\u00e4hnung findet. F\u00fcr den gesamten Kommentar muss man dabei leider festhalten, dass Verbindungen von Micha zu Jesaja, Amos und Hosea immer wieder Platz finden, aber Verbindungen zu anderen Stellen im Zw\u00f6lfprophetenbuch sehr kurz kommen. Sicherlich gibt es davon weniger und die angef\u00fchrten dokumentieren eine besondere Bedeutung der drei genannten Schriften, was aber m.&nbsp;E. nicht auf Kosten der anderen Verbindungen gehen sollte, vgl. auch z.&nbsp;B. S.&nbsp;44.<\/p>\n\n\n\n<p>Abweichungen der Septuaginatexte werden immer wieder in kleinen Exkursen eingef\u00fcgt, was interessante Aspekte zutage f\u00f6rdert. Es ist bedauerlich, dass dies i.&nbsp;d.&nbsp;R. sehr knapp geschieht, kaum vertiefend ausgewertet wird und kein gr\u00f6\u00dferes Bild von Micha in der Septuaginta, auch im Gespr\u00e4ch mit der ver\u00e4nderten Reihenfolge in den Dodeka, gezeichnet oder auch nur angedeutet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen den m\u00f6glichen Einwand, dass seine Kriteriologie hyperkritisch sei, verweist Zapff schlicht darauf, dass sich eine solche bew\u00e4hrt habe (in der Fu\u00dfnote gibt er dann Becker, <em>Jesaja<\/em>, an), damit keine Nivellierung des Anspruches der Botschaft verbunden sei und dies \u201eder bereits im Alten Testament zu beobachtenden Tendenz, die prophetische Botschaft nicht so sehr zu individualisieren, sondern vielmehr als eine Gr\u00f6\u00dfe zu betrachten, die dann ihre Kr\u00f6nung in der neutestamentlichen Rede von der (einen) Botschaft aller Propheten findet (vgl. Lk 24,25).\u201c Diese Aussage erg\u00e4nzt Zapff dann um eine Fu\u00dfnote, die auf die koranische \u00dcberlieferung und der \u00dcberzeugung verweist, dass \u201es\u00e4mtliche Propheten bis Mohammed im Grunde nur die eine Botschaft von der Einheit und Einzigkeit Gottes verk\u00fcnden\u201c (ebd., Anm. 10). Es ist bedauerlich, dass die \u201eBew\u00e4hrung\u201c dieser Kriteriologie mehr behauptet als durch abw\u00e4gendes Betrachten, was alternative Deutungs- und Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeiten reflektiert, nachvollziehbar unter Beweis gestellt wird. Zapffs Anliegen, eine Nivellierung der Botschaft abzuwehren, ist zu begr\u00fc\u00dfen. Es wird aber schwer verst\u00e4ndlich, wie das im Einzelfall oder auch in der Summe der Bez\u00fcge gelingen kann, wenn man diese in eine von Zapff beschriebene Schriftgelehrsamkeit einzeichnet. Insbesondere die erw\u00e4hnte Fu\u00dfnote wirft hier nicht nur exegetische, sondern auch theologische und hermeneutische Fragen auf. Diese Fragen sind wohl vor allem der K\u00fcrze von Zapffs Anmerkung geschuldet und w\u00fcrden in einer ausf\u00fchrlichen Darstellung sicherlich zur Sprache kommen. Gibt es eine vergleichbare Reduzierung von dem \u201eeinen Wort JHWHs\u201c in alttestamentlicher Tradition, wie Zapff es f\u00fcr das koranische Prophetenverst\u00e4ndnis zeichnet, das die Botschaft auf die Einheit und Einzigkeit Gottes fokussiert? Die Verweise m\u00f6gen das nahelegen. In diesem Zusammenhang bleibt es mir ein R\u00e4tsel, welche Bedeutung und Funktion der Hinweis auf Lk 24,25 haben soll. Es f\u00e4llt mir schwer in der lukanischen Formulierung eine solche Reduktion zu erkennen. Auch w\u00e4re noch einmal theologisch und hermeneutisch zu reflektieren, inwiefern die scheinbar behauptete Analogie, auch wenn es nur eine Teilanalogie sei, eines lukanischen und koranischen Prophetenverst\u00e4ndnis zu beschreiben und zu begr\u00fcnden w\u00e4re. Trotz dieser Nachfragen teile ich das Anliegen Zapffs, \u201edie prophetische Botschaft nicht so sehr zu individualisieren\u201c. Sicherlich belegen die zusammengestellten Bez\u00fcge an sich und ihre Anzahl, dass Micha sehr eng mit anderen prophetischen Schriften zusammengelesen werden muss. Allerdings sollte diese Vernetzung weder in der Theorie noch in der Praxis gegen individuelle Z\u00fcge ausgespielt werden. Schlie\u00dflich leisten die Anfangsverse eben beides, sowohl die beispielsweise auch von Ehud Ben Zvi vehement behauptete Unterscheidung einzelner Schriften von anderen (so dass dieser sich weigert von einem Zw\u00f6lfpropheten<em>buch<\/em> zu sprechen) als auch eine Vernetzung mit anderen Schriften. Das eine gibt es schlicht nicht ohne das andere. Das besondere Augenmerk auf Parallelen zu anderen Propheten sowie die damit verbundenen Reflexionen leisten einen wertvollen Beitrag f\u00fcr das Gespr\u00e4ch um die Kommentierung von Micha. Wer sich mit dieser Frage im Allgemeinen, mit dem Zw\u00f6lfpropheten oder mit Micha besch\u00e4ftigt, sollte Zapffs Kommentar in die H\u00e4nde nehmen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Heiko Wenzel, Ph.D. (Wheaton), Akademie f\u00fcr Kirche und Gesellschaft, Wien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Burkard M. 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