{"id":1831,"date":"2023-04-21T18:03:42","date_gmt":"2023-04-21T18:03:42","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1831"},"modified":"2023-04-25T15:28:36","modified_gmt":"2023-04-25T15:28:36","slug":"hermann-spieckermann-psalmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1831","title":{"rendered":"Hermann Spieckermann: Psalmen"},"content":{"rendered":"\n<p>Hermann Spieckermann: <em>Psalmen. Band 1: Psalm 1\u201349<\/em> ,ATD 14, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2023, Ln., XX+473\u00a0S., \u20ac\u00a099,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/57832\/psalmen\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/57832\/psalmen\">978-3-525-51646-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der emeritierte G\u00f6ttinger Alttestamentler (Vf.) legt hiermit den ersten Band seines Kommentars zu den Psalmen vor. Damit sind zwei deutschsprachige Psalmenkommentare zum ersten Drittel der Psalmen j\u00fcngst erschienen: Dieter B\u00f6hler beschlie\u00dft die dreib\u00e4ndige <a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1486\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1486\">Psalmenkommentierung in der Reihe \u201eHerders Theologischer Kommentar zum Alten Testament\u201c (HThKAT)<\/a>, Spieckermanns er\u00f6ffnet die Neubearbeitung der Psalmen in der traditionsreichen Reihe \u201eDas Alte Testament Deutsch\u201c (ATD) und l\u00f6st die zweib\u00e4ndige Auslegung von Artur Weiser ab, die vor \u00fcber 70 (!) Jahren erschienen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einleitung bietet Angaben zu den Psalmen und deren Einordnung (Text\u00fcberlieferung, Genre, Analogien in Israels Umwelt, Forschungsgeschichte etc.). Dabei werden Einsichten und Gewichtungen des Vf.s erkennbar. Die gut 90 Seiten umfassende Einleitung ist \u2013&nbsp;nach einer Literaturliste \u2013&nbsp;in 8 Kapitel unterteilt. Mir ist bisher kein Psalmenkommentar in die Hand gekommen, der mit derart grunds\u00e4tzlichen und theologisch tiefgr\u00fcndigen Ausf\u00fchrungen \u00fcber das Beten beginnt \u2013&nbsp;ein Juwel in diesem Band. Vf. sieht in \u201eHymnen und Gebeten\u201c die Grundkategorien im AT wie in den Israel umgebenden Kulturr\u00e4umen, deren Literatur dargestellt wird. Als die biblischen Psalmen pr\u00e4gende Vorstellung nennt er die \u201eHochsch\u00e4tzung des g\u00f6ttlichen und irdischen K\u00f6nigtums und des gedeihlichen Zusammenwirkens von Jhwh und K\u00f6nig zugunsten von Volk und Land und einem jeden, der die Gottesn\u00e4he sucht\u201c (23). Es folgt eine Auslegeordnung der Bezeichnungen f\u00fcr die Psalmen. Danach werden Sachverhalte zu den Textzeugen (DSS, MT, LXX) er\u00f6rtert. Hierbei f\u00e4llt auf, dass Vf. \u2013&nbsp;m.&nbsp;E. zu Recht \u2013&nbsp;die neuen Trends, welche die Betonung der Qumranhandschriften mit einer Relativierung des Stellenwerts des masoretischen Textes und einer generellen \u201eFluidit\u00e4t\u201c antik-j\u00fcdischer Text\u00fcberlieferung verbinden, nicht teilt. Die Psalmenfragmente vom Toten Meer verm\u00f6gen das Zustandekommen des MT aber kaum zu erhellen. Ein gr\u00f6\u00dferes Gewicht r\u00e4umt er der LXX ein und sieht eine hohe Konvergenz von vormasoretisch hebr\u00e4ischer und griechischer Texttradition. Das Kapitel \u00fcber die Psalmenforschung beginnt mit Gunkel und Mowinckel und schlie\u00dft mit Hossfeld\/Zenger. Dabei werden zwei eigene Profile gesteckt: zum einen mit der Aussage, dass Vf. \u201ekaum Gebrauch vom formgeschichtlichen Zugang in der Weise Gunkels und seiner Nachfolger\u201c (41) mache, zum andern, dass \u201evon den redaktions- und kompositionsgeschichtlichen Einsichten der Psalmenforschung\u201c (41) Gebrauch gemacht wird. Kurz gefasst: Redaktionsgeschichte und Theologie (Textstadien\/Endfassung), nicht aber Gattungsgeschichte. Die Textformen werden gleichwohl erw\u00e4hnt: von den Hymnen (nach Vf. die gr\u00f6\u00dfte Gruppe im Psalter) \u00fcber die Bitt- und Klagegebete sowie die Dank- und Vertrauensgebete bis zu den Lehrpsalmen (v.&nbsp;a. Akrosticha). Unter der Rubrik \u201eDer Psalter im Werden\u201c kommen die \u00dcberschriften, der musikalische Vortrag und die Teilsammlungen zur Sprache. Die erste Davidsammlung (Ps 3\u201341*) ist gem\u00e4\u00df Vf. die \u00e4lteste im Psalmenbuch. Die Hypothese der Zweiteiligkeit des Psalters in einen messianischen (Ps 2\u201389) und einen theokratischen Psalter (Ps 90\u2013150) teilt Spieckermann nicht. Der Psalter hat im Bereich des 5. Teilbuchs mehrere provisorische, sp\u00e4ter weitergef\u00fchrte Abschl\u00fcsse gehabt (Ps 112; 119; 136; 150); \u00e4hnliches gilt f\u00fcr die erste Davidsammlung (Ps 24; 35; 37). Was deren Subgliederung betrifft, h\u00e4lt er eine Konfiguration Ps 15\u201324 f\u00fcr obsolet. Dagegen geht er neben dem doppelten Eingang (Ps 1\u20132) von einer Kleingruppe Ps 3\u20137 sowie den Psalmclustern Ps 20\u201329 und Ps 30\u201334 aus. Die diachrone und synchrone Kontur dieser Gruppierungen bleiben jedoch blass. Ps 149 ist der j\u00fcngste Text im Psalter; eine doppelte Inclusio (Ps 1\u20132|149\u2013150) ist eher Wunsch als Wirklichkeit. Hat die Einleitung mit \u00dcberlegungen zum Gebet begonnen, so endet sie mit einer skizzierten Theologie der Psalmen und des Psalters. Das letzte wie das erste Kapitel geh\u00f6ren zum Besten dieses Werks.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einzelauslegung der ersten 49 Psalmen macht den Hauptumfang des Kommentarbandes aus. Sie geht den folgenden sechs Schritten entlang: 1. \u00dcberschrift zum Psalm, 2. \u00dcbersetzung (strukturiert nach Zeilen und Strophen, sp\u00e4tere Textstufen in eckigen Klammern, Angaben zur Text\u00fcberlieferung sowie zur Begrifflichkeit) und 3. Literaturangaben. Die eigentliche Auslegung erfolgt danach im Dreischritt: 4. Kontext, 5. Komposition (Form, Gliederung, Fortschreibungen, literargeschichtliche Einordnung) und 6. Kommentar (exegetische Fragen, theologische Kontur \u2013 in der letzten Fu\u00dfnote wird auf die Rezeption des Psalms hingewiesen). Ich greife exemplarisch die ersten drei Psalmen heraus und beschr\u00e4nke mich auf wenige Stichworte:<\/p>\n\n\n\n<p>Ps 1: Dreiteilige Struktur: V. 1a\u20132b.3a\u20134b.5a\u20136b (3c und 5ab sind sp\u00e4tere Erweiterungen); fr\u00fchnachexilisch komponiert als Er\u00f6ffnungspsalm von Ps 1\u201341 (ohne Ps 2, dieser kommt sp\u00e4ter dazu); Jhwh ist \u201ekundiger Wegbegleiter allein f\u00fcr die, die er die Gerechten nennt: die Liebhaber seiner Tora. Beide hat er zuerst geliebt\u201c (100).<\/p>\n\n\n\n<p>Ps 2: Vierteilige Struktur: V. 1a\u20133b.4a\u20136b.7a\u20139b.10a\u201312d (sekund\u00e4r sind: 2c, 7a, 12a und 12d); verschiedene Wachstumsstufen, vorliegende Gestalt als Erg\u00e4nzung zu Ps 1 f\u00fcr die Er\u00f6ffnung der Psalmensammlung Ps 2\u201389 nachexilisch erschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ps 3: Vierteilig (nach \u00dcberschrift in 1): V. 2a\u20133b.4a\u20135b.6a\u20137b.8a\u20139b (9ab als kollektive Ausweitung ist sekund\u00e4r); Ps 3 er\u00f6ffnet die erste Davidsammlung (Ps 3\u201341) und zugleich Ps 3\u20137 als deren erste Gruppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits bei den ersten drei Psalmen manifestiert sich eine dezidiert redaktionsgeschichtliche Sichtweise (Ps 2,12a.d und Ps 3,9 werden \u00f6fters redaktionell \u201everd\u00e4chtigt\u201c, die \u00fcbrigen Verse dagegen kaum). Nur wenige Psalmen (z.&nbsp;B. Ps 11; 15; 23; 30 und \u00fcberraschenderweise Ps 27, der meist redaktionell-komposit beurteilt wird) werden vom Vf. als einheitlich beurteilt. Dieser Befund tut der Tatsache freilich kaum Abbruch, da die exegetische und theologische Kommentierung meist gehaltvoll und gewinnbringend und dem Verstehen der einzelnen Psalmen dienlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir zu einer abschlie\u00dfenden Beurteilung: Der Einleitungsteil ist dicht und die Ausf\u00fchrungen kenntnisreich, mit teils \u00fcberraschenden Einsichten. Die theologischen Rahmenteile der Einleitung sind ausgezeichnet, und \u00e4hnliches gilt f\u00fcr die gehaltvolle Aussch\u00f6pfung der Psalmeninhalte. Von den drei \u201eK\u201c \u00fcberzeugt der \u201eKommentar\u201c am meisten, am wenigsten der \u201eKontext\u201c. Vf. vertritt eine nicht recht durchschaubare Position zwischen Psalmexegese und Psalterexegese und zwischen Diachronie und Synchronie: Klein- und Teilgruppen werden angenommen, aber ohne Konsistenz und wesentlichen Ertrag. Bei der \u201eKomposition\u201c kommt die redaktionsgeschichtlich gepr\u00e4gte Sichtweise der \u201eG\u00f6ttinger Schule\u201c zum Tragen (Beispiele wurden genannt). Gewisse Annahmen sind nachvollziehbar oder jedenfalls diskutierbar, andere nicht, vieles bleibt (zu) unsicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Krone dieses Kommentars ist die Theologie, sowohl die Einf\u00fchrung als auch die Kommentierung betreffend. Auf dem Buchumschlag steht: \u201eDer Kommentar will allen eine Hilfe sein, denen die Psalmen kostbar sind und die verstehend und betend von ihnen Gebrauch machen wollen.\u201c M\u00f6gen die (zwei?) Folgeb\u00e4nde von Spieckermanns Psalmenauslegung in der ATD-Reihe bald erscheinen und der genannten Absicht dienen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Beat Weber, Pfr. Dr. theol., Basel; Research Associate am Department of Ancient and Modern Languages and Cultures, Universit\u00e4t Pretoria, S\u00fcdafrika<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hermann Spieckermann: Psalmen. 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