{"id":1837,"date":"2023-04-21T18:09:32","date_gmt":"2023-04-21T18:09:32","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1837"},"modified":"2023-04-21T18:09:34","modified_gmt":"2023-04-21T18:09:34","slug":"armin-d-baum-rob-van-houwelingen-hg-kernthemen-neutestamentlicher-theologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1837","title":{"rendered":"Armin D. Baum \/ Rob van Houwelingen (Hg.): Kernthemen neutestamentlicher Theologie"},"content":{"rendered":"\n<p>Armin D. Baum \/ Rob van Houwelingen (Hg.): <em>Kernthemen neutestamentlicher Theologie<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen, 2022, geb., 375\u00a0S., \u20ac\u00a028,74, ISBN <a href=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/229575\/kernthemen-der-neutestamentlichen-theologie.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/229575\/kernthemen-der-neutestamentlichen-theologie.html\">978-3-7655-9575-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Dieses in der TVG Reihe Lehrb\u00fccher erschienene und f\u00fcr Theologiestudierende (und Pastoren und theologisch interessierte Laien) konzipierte Werk ist die deutsche Ausgabe der niederl\u00e4ndischen Ausgabe von 2019. In 20 Kapiteln (jeweils mit \u00dcberschrift und einem Untertitel) werden Kernthemen ntl. Theologie auf je ca. 15&nbsp;S. mit einem einheitlichen Gliederungsschema (Einleitung, Forschungs\u00fcberblick, Entfaltung der ntl. Kerntexte und Begriffe zum Thema, Gesamtfazit, aktuelle Relevanz, Auswahlbiografie) besprochen. Das Vorwort informiert pr\u00e4zise \u00fcber Entstehung, Absicht, Zielpublikum und Aufbau des Buches und das ausf\u00fchrliche Inhaltsverzeichnis gibt informativ Auskunft \u00fcber das, was den Leser bei jedem Thema erwartet. Ein Stellen- und Autorenregister (in Auswahl) erm\u00f6glicht eine rasche Antwort auf die Frage, ob und wo diese Bibelstelle oder jener Autor behandelt wird. Die beiden Herausgeber haben je zwei Kapitel verfasst, alle anderen wurden je von einem Autor oder Autorin verfasst, die alle an evangelikal ausgerichteten Ausbildungsst\u00e4tten in Europa unterrichten (s. Autorenverzeichnis).<\/p>\n\n\n\n<p>Beginnend mit einem Kap. \u00fcber den Kanon (Armin Baum), das Handeln Gottes in der Geschichte und die Offenbarungsthematik (Roland Deines) und den Bund als Basis gesamtbibl. Theologie (Joel White) folgen die klassischen Themen der Christologie (Jesus als Gottessohn, insb. zu Joh und den Synoptikern (Armin Baum); Jesus als Gott, v.&nbsp;a. in der Briefliteratur (Rob van Houwelingen) und der Soteriologie (S\u00fchnetod Jesu [Volker G\u00e4ckle]; Auferstehung [Pieter Lalleman]; ewiges Leben und ewiger Tod [Kobus Kok]). Es folgen Kap. zur Rechtfertigung des Gottlosen, inkl. Diskussion der alten\/neuen Paulusperspektive (Hanna Stettler) und zum Sein und Bleiben in Christus bei Paulus und Joh (Hans Burger). Das Kap. zum Heiligen Geist lautet \u201eDie Dynamik des Heiligen Geistes\u201c (Mihamm Kim-Rauchholz) und beleuchtet in erster Linie das Verh\u00e4ltnis von Geisterfahrung und Theologie. Auf die Erneuerung des Menschen (Christian Stettler; v.&nbsp;a. \u201eHeiligung\u201c bei Paulus) folgt das ekklesiologische Kap. zum Wesen der christl. Gemeinde (Detlef H\u00e4u\u00dfer). Zwei \u201eun\u00fcbliche\u201c Kap. widmen sich dem Bittgebet (Boris Paschke) und dem Leiden um Christi willen (Myriam Klinker-De Klerck). Drei Kap. behandeln Themen der \u201eMission\u201c, und zwar die Frage der \u201eJudenmission\u201c (Guido Baltes), die Heidenmission (Christoph Stenschke) und die Verbindung von Juden und Heiden in der Gemeinde Gottes (Michael Mulder; inkl. Vertiefung zu R\u00f6m 9\u201311). Das Schlusskapitel behandelt die Wiederkunft Christi und Auferstehung der Toten (Wilfried Haubeck). Trotz 18 verschiedener Autoren ist insgesamt ein stimmiges und qualitativ ausgewogenes Werk entstanden, das h\u00e4lt, was es (oft in den Untertiteln des Kap.!) verspricht. Die pr\u00e4genden Forschungspositionen werden fair dargestellt, die zentralen Texte und exegetischen Fragen trotz K\u00fcrze gut behandelt und die Diskussion inkl. Auswahlliteratur ist auf aktuellem Stand. Es ist gewollt und sp\u00fcrbar, dass die ntl. Texte (und nicht die Systematik\/Dogmatik) die Themen vorgegeben haben (s. auch Baum, 17). Das hat Vor- und Nachteile (s. dazu unten). Man muss aber keineswegs die eher konservativ-evangelikale Position der Autoren teilen, um als Studierender Zugang zu den Themen zu erhalten. Falls ich wieder einmal NT-Theologie auf B.A.\/M.A.-Stufe unterrichten w\u00fcrde, k\u00e4me das Buch ohne Z\u00f6gern auf die Liste der Pflichtlekt\u00fcre.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00e4hle drei Kap. aufgrund pers\u00f6nlicher Vorlieben f\u00fcr eine detailliertere Besprechung: Roland Deines stellt sich im Kap. \u201eDas Handeln Gottes in der Geschichte\u201c einem \u201eschwierigen Thema\u201c in hilfreicher Weise und fragt in einem ersten Teil, wie denn in der Bibel Gottes offenbarendes Handeln dargestellt wird (warum? wie? seit wann?). Motiviert aus Liebe wendet Gott sich seit dem S\u00fcndenfall (offenbarend) in geschichtlichen Ereignissen, der Anteilnahme am Ergehen seines Volkes und mit Hilfe inspirierter Rede zu besonders beauftragten Menschen seiner Sch\u00f6pfung zu. In Jesus kommen diese Offenbarungsweisen zusammen und nach ihm bezeugen und entfalten die biblischen Texte dieses entscheidende Ereignis abschlie\u00dfend, so dass weitere Offenbarungserfahrungen nicht mehr heilsgeschichtliche, sondern h\u00f6chstens pers\u00f6nliche sind. Im zweiten Teil werden drei paradigmatische Zugangsweisen vorgestellt, wie die ntl. Wissenschaft mit diesen offenbarungsgeschichtlichen Aussagen insbesondere im Wirken von Jesus umgehen. Ein f\u00fcr Gottes Handeln offenes Geschichtsverst\u00e4ndnis wird als theistisches (biblisches) Wirklichkeitsmodell vorgestellt. An R.&nbsp;L. Webb angelehnte Skizzen der Modelle helfen, die drei Ansichten untereinander vergleichbar darzustellen. \u201eTheistisch\u201c meint hier, dass Gott durchg\u00e4ngig in der Geschichte wirkend vorausgesetzt wird, wobei der Nachweis solchen Wirkens (aus der transempirischen Wirklichkeit) auf Offenbarung angewiesen ist. Deines nennt dieses Geschichtsbild \u201ekritisch\u201c im Sinne von Hamanns Verkn\u00fcpfung der g\u00f6ttlichen Kondeszendenz und der Inspirationslehre. In dieser Sicht ist Jesus als pr\u00e4existenter und am Ende seines irdischen Lebens postexistenter Gottessohn denkbar und darstellbar. Als Haupteinwand gegen diese Sicht sieht er die Anfrage aus der Perspektive des modernen (Natur-)Wissenschaftsverst\u00e4ndnisses an die fehlende Universalisierbarkeit (bzw. Intersubjektivit\u00e4t) der nur aufgrund von Offenbarung erkennbaren Realit\u00e4ten. Seit Troeltsch wird dieses Kriterium der vom individuellen Beobachter unabh\u00e4ngigen Wiederholbarkeit auch in der Geschichtswissenschaft und insbesondere der Theologie gefordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zwei weiteren Modelle sind Varianten eines solchen naturalistischen Geschichts- und Wirklichkeitsmodells. Entweder im Sinne eines ontologischen Naturalismus, in dem ein g\u00f6ttliches Eingreifen in die Geschichte ausgeschlossen ist. Hier bleibt Jesus ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Mensch und sein irdisches Leben taugt als Vorbild (konsequenter Vertreter G. L\u00fcdemann). Im Abschnitt Einw\u00e4nde zu dieser Sicht verweist Deines auf W. Pannenbergs Umgang mit der Auferstehung als historischem Ereignis (auch ohne Glauben, Offenbarung oder Inspiration). Meist wird allerdings im Gefolge von Troeltsch das Geschichtsverst\u00e4ndnis und Wirklichkeitsmodell eines methodischen Naturalismus vertreten. Hier geh\u00f6rt zwar eine transempirische Welt zur Gesamtwirklichkeit und ber\u00fchrt die geschichtliche Wirklichkeit sogar. Sie ist aber nicht Teil des Geschichtsprozesses (starke Variante) oder es gibt kleine Bereiche der \u00dcberschneidung (insbesondere im Blick auf die Auferstehung), wobei der Mensch trotzdem lediglich historische Aussagen im naturalistisch bestimmten Geschichtsbereich machen kann (weiche Variante). Was das f\u00fcr Jesus bedeutet, wird an dem gro\u00dfangelegten und reflektierten Werk von John P. Meier illustriert. Haupteinwand auf diese scheinbare kompromissf\u00e4hige Sicht ist der bereits von Troeltsch ge\u00e4u\u00dferte Hinweis, dass sich eine \u201eAufteilung\u201c nicht wirklich begr\u00fcnden (s. Kritik bei Pannenberg) und letztlich nicht durchhalten l\u00e4sst, sondern die naturalistische bzw. positivistische Sicht im Kern einen totalit\u00e4ren Anspruch hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit J. Ratzinger pl\u00e4diert Deines in seinem Fazit daf\u00fcr, ernst zu nehmen, dass Gott da erkannt werde, wo er sich zu erkennen geben will. Die theologische Relevanz wird insbesondere bei der Bedeutung der Auferstehung deutlich und Texte wie Hebr 1,1\u20132 und der Johannesprolog bestehen darauf, dass der christliche Glaube mit seinem Bezug auf die historische Wirklichkeit steht und f\u00e4llt. Deines engagiert sich f\u00fcr diese Sicht und \u00fcberl\u00e4sst dem Leser ein eigenes Urteil, zu dem auch 14 gewichtige Texte der Auswahlbiografie helfen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00e4ckle stellt in der Einleitung aktuelle (An)Fragen an die Bedeutung des Todes von Jesus und zeigt im theologiegeschichtlichen \u00dcberblick, dass die Alte Kirche im Anschluss an Hebr 2,14ff in erster Linie eine Loskauf-Erl\u00f6sungstheologie (sp\u00e4ter Christus-Victor-Sicht) pr\u00e4gte, w\u00e4hrend Anselm von Canterbury den Sinn des Todes in erster Linie im Gedanken der Genugtuung (Satisfaktion) sah. Bei Luther finden sich beide Aspekte, wobei er den Bezug zum Zorn Gottes darin sieht, dass die M\u00e4chte des B\u00f6sen gleichzeitig Werkzeuge dieses Zornes sind und nur in dieser Funktion Macht \u00fcber die Menschen haben. Zudem betont er, dass es Gott ist, der in Christus aktiv selbst die Vers\u00f6hnung wirkt. \u2013 Gem\u00e4\u00df Petrus Abaelard verk\u00f6rpert Jesus mit seiner Lebenshingabe die Liebe Gottes in dem Sinne, dass Menschen von seinem Beispiel und Vorbild ergriffen und somit erl\u00f6st und verwandelt werden sollen. Fausto Sozziani vertritt diese Sicht des Vorbildcharakters von Jesu Tod in direkter Abgrenzung gegen\u00fcber dem Satisfaktionsgedanken (Anselms) und mit Immanuel Kant wird diese Vorstellung einer Vers\u00f6hnung \u201eohne stellvertretende S\u00fchne\u201c weit verbreitet. Im Abschnitt \u00fcber die neutestamentliche Deutung des Todes Jesu (Schwerpunkt Mk 10,45par; Mk 14,24par; Joh-Evangelium; Paulus) tr\u00e4gt G. alle Gesichtspunkte und Stellen zusammen und macht deutlich, dass das \u201ef\u00fcr uns\u201c im Sinne von \u201ean unserer Stelle\u201c (stellvertretend) und auch \u201euns zugute\u201c (heilsbringend) nicht so einfach wegzudeuten ist. Das best\u00e4tigen \u00dcberlegungen zum biblisch-theologischen Kontext der Todesdeutung: Der S\u00fchnetod von Jesus will als Ausdruck der Liebe Gottes verstanden sein (und mit der Auferstehung verbunden), dem S\u00fchnetod scheint \u201edas gr\u00f6\u00dfte theologische Potential\u201c innezuwohnen, weshalb er die grundlegende aller Deutungen sei (gegen Frey und Schr\u00f6ter). Der S\u00fchnetod \u00fcberwindet die kollektive, kosmische und theologische Dimension der S\u00fcnde, welche sich letztlich gegen Gott richtet und ja, \u201edas Gewicht der S\u00fcnde ist selbst f\u00fcr Gott ein Problem\u201c (108), weshalb die ntl. Texte eine g\u00f6ttliches \u201eMuss\u201c des S\u00fchnetodes Jesu bezeugen. Aus meiner Sicht h\u00e4tte hier die Frage, ob der S\u00fchnopfergedanke grundlegend oder zentral gegen\u00fcber weiteren Deutungen des NT ist, vertieft bedacht und begr\u00fcndet werden m\u00fcssen. Das Fazit gibt jedenfalls zu bedenken, dass die Kategorie des S\u00fchnopfertodes nicht zu schnell preisgegeben werden sollte. Zur aktuellen theologischen Relevanz wird angemerkt, dass beim unterschiedlichen Verst\u00e4ndnis des Kreuzes unterschiedliche Anthropologien Pate stehen. Dieser Abschnitt ist \u00e4u\u00dferst knapp ausgefallen und man vermisst hier \u00dcberlegungen zu ebenfalls aktuellen Anfragen zur Thematik \u201eGewalt\u201c im Kreuzesgeschehen oder z.&nbsp;B. einen Hinweis auf die Auseinandersetzung mit der S\u00fcndenbock-Thematik bei Ren\u00e9 Girard etc. Die Auswahlbiografie umfasst 17 meist deutschsprachige Titel und vielleicht w\u00e4re ein Hinweis auf die lebhafte Diskussion im englischsprachigen Raum im Fachbereich Systematik zu erg\u00e4nzen (z.&nbsp;B. Joshua McNall, <em>The Mosaic of the Atonement. <\/em><em>An Integrated Approach to Christ\u2019s Work<\/em>, Grand Rapids 2019).<\/p>\n\n\n\n<p>Burger schlie\u00dflich referiert im Kap. \u201eIn Christus sein und bleiben\u201c nach kurzer Einf\u00fchrung (Fragestellung u.&nbsp;a. nach dem \u201eWie\u201c der Verbindung:mystisch, Verg\u00f6ttlichung?), wie Paulus (v.&nbsp;a. \u201ein\u201c und \u201emit\u201c Christus) und Johannes (\u201eihr in mir\u201c und \u201eich in euch\u201c) die Verbindung mit Christus beschreiben. Statistische Tabellen zu Formulierungen mit den Pr\u00e4positionen \u201ein\u201c und \u201emit\u201c, inkl. zusammengesetzte Verben bei Paulus, erm\u00f6glichen einen raschen \u00dcberblick. Der Forschungsstand zu Paulus (Deissmann, Schweitzer, Sanders, Powers, Sang-Won (Aaron) Son, Gorman, Campbell, Macaskill) und Johannes (Malatesta, Jerumanis, Scholtissek, Chennattu, Byers) zeigt, dass einerseits die Frage nach der Art der Vereinigung unterschiedlich beantwortet wurde und zudem bei Johannes mehrere Forscher die Verbindung zu Jesus im Rahmen des Neuen Bundes interpretieren. Die Frage der Zentralit\u00e4t dieser Partizipation an Christus wird ebenfalls unterschiedlich beantwortet. Burger geht daher in einem Durchgang die \u201ein\u201c und \u201emit\u201c Christus Stellen in R\u00f6m (16; 6; 8) und Kol (2\u20133) durch und danach die Stellen mit dem \u201ein\u201c der Gemeinschaft bei Johannes (14; 15; 17; die Stellen im 1Joh werden in den Fu\u00dfnoten vermerkt). Er sieht in der Zusammenfassung bei allen Unterschieden der sprachlichen Ausformulierung keine inhaltlichen Gegens\u00e4tze zwischen Paulus und Johannes. Der Abschnitte \u201eAktuelle theologische Relevanz\u201c behandelt \u2013 im ersten Moment etwas unverbunden \u2013 die Symbolik der Taufhandlung (antike Baptisterien seien u.&nbsp;a. kreuzf\u00f6rmig gebaut worden. Der (unausgesprochene) Zusammenhang zum Thema wird sein, dass R\u00f6m&nbsp;6 die Verbindung mit Jesus ausdr\u00fccklich mit der Taufe verbindet. Weitere Relevanz hat der Befund f\u00fcr die Beziehungsdimension des Glaubens (zu Jesus) und was die Grenzen der Partizipation betrifft, so besteht diese in der Anteilhabe an seiner Identit\u00e4t als geliebter Sohn und Erbe, an seiner Beziehung zu Gott dem Vater. Der Unterschied zwischen Gott und Mensch bleibt aber bestehen und es gibt auch keinen Mitanteil an der Erl\u00f6sung oder Einzigartigkeit Christi.<\/p>\n\n\n\n<p>Burgers Beitrag ist wie bei weiteren Autoren aufgrund seines Interessenschwerpunkts (er hat eine Arbeit zum \u201ein Christus sein\u201c geschrieben) entstanden. Daher ist der Blick wohl nicht \u00fcber Paulus und Johannes hinaus gegangen. Trotzdem scheint mir ein schwerwiegendes Defizit vorzuliegen: Die eigene Antwort, wie genau und worin denn die \u201eVerbindung mit Christus\u201c aus ntl. Sicht entsteht oder besteht, wird lediglich negativ (nicht mystisch im Sinne einer Vereinigung mit Gott) oder verg\u00f6ttlicht (jedenfalls nicht vereinigt mit der g\u00f6ttlichen Natur) beantwortet. Der Verweis auf die Taufe (s. oben) ist zwar berechtigt. Aber sowohl bei Paulus im Kontext (R\u00f6m 6 \uf0e0 8) und noch st\u00e4rker bei Johannes beim \u201eVerstehensrahmen\u201c Neuer Bund (Joh 3 und s. die von Burger genannten Autoren, auch stark im 1Joh) wird deutlich, dass f\u00fcr die \u201eVerbindung\u201c Gott-Mensch die Gabe des Heiligen Geistes (steht im Zentrum des Neuen Bundes), sein Innewohnen im Menschen entscheidend ist. Diese Thematik scheint mir in dem Beitrag aber fast v\u00f6llig ausgeblendet. Die 13 Literaturangaben der Auswahlbiografie sind allerdings gut ausgew\u00e4hlt und w\u00fcrden auf diese Spur f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie erw\u00e4hnt, halten die Beitr\u00e4ge, was sie versprechen. Das gilt einerseits f\u00fcr den Titel des Buches: Es sind \u201eKernthemen\u201c und nicht etwa \u201e<em>die<\/em> Kernthemen\u201c ntl. Theologie, es ist also keine umfassende Behandlung aller Kernthemen versprochen (meine Wunschfavoriten f\u00fcr eine Erg\u00e4nzung w\u00e4ren: Eine kurze Einf\u00fchrung mit Eckpunkten der geschichtlichen Entstehung des Faches NT-Theologie und ein weiteres Kap. zur Ekklesiologie, das z.\u00a0B. Zugeh\u00f6rigkeit durch \u201eChrist werden\u201c, die \u00c4mterfrage (Leitungsstruktur?) oder auch Merkmale Taufe\/Abendmahl aufgreifen). Das bedeutet andererseits f\u00fcr die einzelnen Beitr\u00e4ge, dass jeweils der Untertitel beachtet werden muss. Die dort erkennbaren Einschr\u00e4nkungen sind wohl der Tatsache geschuldet, dass die Autoren einen Schwerpunkt aufgrund ihrer eigenen Forschung setzen. Allerdings bedeutet das auch, dass wohl nicht nur dieser Rezensent an mehreren Stellen eine Erweiterung des Themas w\u00fcnscht: G\u00e4ckle zum Sterben von Jesus als S\u00fchnetod k\u00f6nnte \u00fcber Jesus\/Evangelien und Paulus um einen Abschnitt zum Hebr erg\u00e4nzt werden. Bei Hanna Stettler sollten ihre Schlussgedanken zu den berechtigten Anliegen (und Beitr\u00e4gen) der Neuen Paulusperspektive erg\u00e4nzt werden mit den zukunftsgerichteten Arbeiten von z.\u00a0B. Kent Yinger (z.\u00a0B. <em>The New Perspective on Paul. An Introduction<\/em>, Eugene\/OR, 2010) und Michael Bird (z.\u00a0B. <em>The Saving Righteousness of God. Studies on Paul, Justification and the New Perspective<\/em>, Eugene\/OR, 2007). Denn m.\u00a0E. gilt die Einteilung in \u201eVertreter der Old\/New Perspektive\u201c zwar r\u00fcckblickend f\u00fcr die ersten zwei Jahrzehnte der Diskussion (1980\u20132000), aktuell ernten wir aber eher die Fr\u00fcchte einer letztlich fruchtbaren, aber als \u201eentweder\/oder\u201c hinter uns liegenden Debatte (Birds Kurzfassung dazu: \u201eThe NPP is correct in what it affirms, but often wrong in what it denies.\u201c). Kim-Raucholz\u2019 Beitrag zur Geisterfahrung w\u00fcrde durch einen Abschnitt zu den Gaben des Geistes und der Frage nach dem Hl. Geist als dritte Person der Trinit\u00e4t gewinnen. Christian Stettler sehr guten Beitrag zur \u201eHeiligung\u201c k\u00f6nnte \u00fcber Paulus hinaus erweitert werden und ich w\u00fcrde ihn erg\u00e4nzen um die Literaturangabe von Richard B. Hays, <em>The Moral Vision of the New Testament. A Contemporary Introduction to New Testament Ethics<\/em>, San Francisco, 1996. Beim Beitrag von H\u00e4u\u00dfer zur Ekklesiologie blieb bei mir die Frage zur\u00fcck, ob nicht auch die Metapher der Familie (Christen sind Kinder, Geschwister, Adoption, Erbe etc.) neben der Leib-Metapher zentral f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Gemeinde w\u00e4re. Und ob die interessanten, aber sehr ausf\u00fchrlichen \u00dcberlegungen zu den r\u00e4umlich-\u00f6rtlichen Gegebenheiten k\u00fcrzer gefasst werden sollten. Das Thema (Eschatologie und) Gericht sollte, wenn nicht im Kap.\u00a020 von Haubeck eventuell auch in Kap.\u00a09 (Kok zu ewigem Leben\/Tod) vertieft aufgegriffen werden. Ich denke, es ist deutlich geworden, dass meine etwas ausf\u00fchrlichere Besprechung und Anregungen f\u00fcr eine Zweitauflage durch die Freude am Buch und Lust am Weiterdenken motiviert wurde. Im selben Sinne sind auch meine Hinweise auf Druckfehler zu verstehen: Nicht einheitlich ist die Verwendung griech. Worte. Die Spanne reicht von keine (z.\u00a0B. Baum) bis viele (z.\u00a0B. Burger, bei ihm sind S.\u00a0192 und 194 mehrmals am Ende eines griech. Textes ein Schr\u00e4gstrich oder senkrechter Strich stehen geblieben). Und dort, wo sie vorkommen, steht eine Umschrift (z.\u00a0B. Haubeck) oder auch nicht (z.\u00a0B. H.\u00a0Stettler) und H\u00e4u\u00dfer gebraucht sogar nur die Umschrift. Ein sinnst\u00f6render Druckfehler (\u201eHesejuek\u201c?) hat sich S.\u00a0222 eingeschlichen (6.\u00a0Zeile von unten im Haupttext). Ansonsten ist das Buch allerdings sehr gef\u00e4llig lektoriert, aufgemacht, gebunden und zu einem erschwinglichen Preis auf dem Markt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. J\u00fcrg Buchegger-M\u00fcller, Pfarrer Freie Evangelische Gemeinde Wetzikon (Schweiz).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armin D. 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