{"id":1849,"date":"2023-04-21T18:17:51","date_gmt":"2023-04-21T18:17:51","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1849"},"modified":"2023-10-06T05:12:59","modified_gmt":"2023-10-06T05:12:59","slug":"rodney-a-whitacre-a-grammar-of-new-testament-greek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1849","title":{"rendered":"Rodney A. Whitacre: A Grammar of New Testament Greek"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rodney A. Whitacre: <em>A Grammar of New Testament Greek<\/em>, Grand Rapids, MI: William B. Eerdmans Publishing Company, 2021, geb., XIV+508&nbsp;S., $&nbsp;49,99, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/Products\/7927\/a-grammar-of-new-testament-greek.aspx\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/Products\/7927\/a-grammar-of-new-testament-greek.aspx\">978-0-8028-7927-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Altgriechische z\u00e4hlt zu den sogenannten toten Sprachen. Es liegt daher in ihrer Natur, dass sie sich nicht mehr entwickelt. Trotzdem bl\u00fcht die altphilologische und linguistische Erforschung dieser so zentralen Sprache wie selten. Damit verbindet sich auch die immer st\u00e4rker werdende Tendenz der Geisteswissenschaften zur Fragmentierung und Hyperspezialisierung, die den Diskurs bereichert, jedoch Au\u00dfenstehenden oder Neuank\u00f6mmlingen den Zugang zunehmend erschwert. Gleichzeitig muss sich jede neue systematische Darbietung der griechischen Grammatik angesichts eines gut ges\u00e4ttigten Marktes insbesondere in der anglos\u00e4chsischen Welt die Frage nach ihrer Relevanz gefallen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beiden Herausforderungen stellt sich Rod Whitacre in seinem neuen Werk zur griechischen Grammatik des Neuen Testaments. Die konzise gehaltene Gesamtdarstellung ist Ergebnis einer \u00fcber 40-j\u00e4hrigen Lehrt\u00e4tigkeit an vornehmlich konservativ gepr\u00e4gten theologischen Seminaren anglikanischer Tradition Nordamerikas. Sein Ziel ist dabei weder eine reine Einsteiger-Grammatik zu bieten noch in die teilweise \u00e4u\u00dferst komplexen Fachdiskussionen mit einem eigenst\u00e4ndigen Beitrag einzusteigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgebaut ist die Grammatik wie viele andere auch. Die Aufbereitung des Stoffes geht (logischerweise) vom Zeichen zum Satz. So beginnt Whitacre mit einer knappen \u201eIntroduction to Greek Writing, Pronunciation, and Punctuation\u201c (1\u201310), die einen unspektakul\u00e4ren \u00dcberblick \u00fcber die rudiment\u00e4ren Komponenten altgriechischer Einzelbuchstaben, Diphtonge usw. zusammenfasst. Ein Hinweis zur unterschiedlichen Aussprache in klassischer und nachklassischer Zeit bleibt leider aus (3f). Auch eine vertiefende Diskussion zu Satzzeichen bei Scriptura continua der ersten Manuskripte fehlt, was f\u00fcr eine kritische Lekt\u00fcre der diversen wissenschaftlichen Editionen des griechischen NTs durchaus n\u00f6tig gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen ist das zweite Kapitel (11\u201345) eine sch\u00f6ne Darstellung griechischer Teilworte und Wortfamilien. Au\u00dferdem wird \u00fcbersichtlich in die Hauptbestandteile eines Satzes, eines Verbes und eines Nomens eingef\u00fchrt. Querverweise zum Syntaxteil, Kapitel 5, w\u00e4ren f\u00fcr ein Nachschlagewerk hilfreich gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie f\u00fcr eine Grammatik \u00fcblich, folgt nun die Behandlung der Morphologie oder Bildung nominaler Formen (46\u201385). Anhand einiger Paradigmentabellen lassen sich die Grundformen der Deklinationen nachvollziehen, wenngleich die Darstellung der doch recht umfangreichen Modifikationen in der sog. dritten Deklination mehr Raum h\u00e4tten einnehmen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders als Einsteigergrammatiken nimmt sich diese weniger Zeit f\u00fcr die eigentlichen Bestandteile des Verbes (86\u2013168), sondern k\u00fcmmert sich um diese insbesondere im umfangreichen Syntaxteil (169\u2013370). Dieses Kapitel bildet das eigentliche Herzst\u00fcck von Whitacres Grammatik, da sie doch die Vorarbeiten aus den Kapiteln 1\u20134 nun fruchtbar in eine Beziehung bringt. Erst hier werden Ausnahmen angesprochen und die ihnen jeweils innewohnenden \u201eRegelm\u00e4\u00dfigkeiten\u201c. Whitacre verbindet Fragen nach (un)determinierten Nomen, der Kasussyntax, Pronomina und Komparation stets mit dem Zentralglied des Satzes, n\u00e4mlich dem Pr\u00e4dikat. Hierauf verwendet er gut 80 Seiten, um von dort aus erneut nach dem Zusammenspiel von verschiedenen Satzgliedern \u2013 geschart um das Pr\u00e4dikat \u2013 zu fragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend finden sich 8 Appendices (371\u2013466), die sich Spezialthemen wie Akzentuierungsregeln, leicht verwechselbaren kleinen Worten, Paradigmentabellen usw. widmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders an dieser Stelle zeigt sich der spezielle Charakter dieser Grammatik. Sie versucht weder in zu starker Vereinfachung \u201adas N\u00f6tigste\u2018 zum \u201aTrivialen\u2018 zu verk\u00fcrzen noch jede Spielart der griechischen Sprache en detail zu erhellen. Sie ist streng unterrichtsorientiert und hat den Studenten im Blick. Etwa die Roadmap zur systematischen Analyse eines Satzes in Appendix 7 (453\u2013455) ist kurz genug, um praktikabel zu bleiben, ist aber lang genug, um eine ausreichend umfangreiche Schablone f\u00fcr einen gew\u00f6hnlichen altgriechischen Satz an der Hand zu haben. Auch in der Zentralstellung des Verbums innerhalb des Satzes \u2013 und nicht etwa als Einzelph\u00e4nomen in einer Satzgliedreihe \u2013 geht Whitacre ganz vom Studenten und seinen Bed\u00fcrfnissen aus. Wie auch in manchen Blurps und im Klappentext beschrieben bietet Whitacre eine anwendungsorientierte Grammatik, die \u00fcber die ersten Schritte in dieser Sprache hinausgehen, ohne dabei die Realit\u00e4ten studentischen Erlernens einer Referenzsprache zu vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freilich w\u00e4re ein Student der reinen Altphilologie \u2013 und nicht der Theologie, die sich dieser Sprache(n) als Mittel zum Zweck bedient \u2013 mit dieser Grammatik nicht zufrieden zu stellen. Sie ist so sehr auf den geneigten Leser des Neuen Testaments fixiert, dass sie die gr\u00f6\u00dferen Realit\u00e4ten einer antiken Weltsprache stark ausblendet. Es findet sich kaum eine Herleitung aus der attischen Gr\u00e4zistik, auch ein regelm\u00e4\u00dfiger Transfer dorthin wird vergeblich gesucht. Dabei w\u00e4re gerade hinsichtlich der Existenz von Nebenformen, Abweichungen von der Regel im NT usw. eine solche Herleitung erhellender als ihre reine Nennung, wenn \u00fcberhaupt. Das Werk ist eben ganz recht als \u201eintermediate NT grammar\u201c zu verstehen. Zur tieferen Auseinandersetzung m\u00fcsste wohl zu den gro\u00dfen, etablierten B\u00e4nden gegriffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Freilich ist diese Grammatik auf Englisch und f\u00fcr den englischen Sprachraum konzipiert und verfasst. Die jahrelange Lehrt\u00e4tigkeit im kirchenbezogenen Raum und nicht an der Universit\u00e4t zeigt sich auch in seinem Stil. Alles ist auf die vertiefte Verwendung dieser Sprache als Schl\u00fcssel zu den darin verfassten Texten und Wirklichkeiten zugeschnitten. Umso mehr verwundert, dass keine Silbe \u00fcber die Realit\u00e4ten antiker Papyri verloren wird, die doch v\u00f6llig ohne Satzzeichen und allein in Gro\u00dfbuchstaben ausgekommen sind. Stilmittel und sprachlich-syntaktische Indikatoren waren hier deutlich wichtiger und m.&nbsp;E. zu wichtig, um sie in dieser Grammatik quasi v\u00f6llig zu verschweigen. Hier gehen vergleichbare Werke wie die fortgeschrittenere Grammatik von Wallace zu Recht mehr ins Detail.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider bietet das Werk eine ganze Reihe von Schreibfehlern, auch fachlich ist besonders in Kapitel 5 manches Detail durcheinandergekommen. Wie in allen Werken Whitacres wird diesem Nachteil des unwiderruflich Ver\u00f6ffentlichten mit einem au\u00dfergew\u00f6hnlich-formalen Vorzug begegnet: Alle an den Autor eingesandten Corrigenda werden nach Pr\u00fcfung regelm\u00e4\u00dfig auf der Homepage <a href=\"http:\/\/www.whitacregreek.com\">www.whitacregreek.com<\/a> ver\u00f6ffentlicht und immer wieder auch als Einlagenheft formatiert bereitgestellt. Hiervon k\u00f6nnte sich manch ein Autor inspirieren lassen. Fazit: Wer bereits ein Jahr Griechisch gelernt hat, ist mit dieser Grammatik gut bedient. Wer sich \u00fcber die Grundlagen dieser f\u00fcr die Theologie so zentralen Sprache hinausbewegen will, hat hier ein Hilfsmittel an der Hand, das streng vom Anwender ausgeht und ihn langsam in ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fchrt. Es ist im guten wie im schlechten Sinne praxisbezogen. Gerade f\u00fcr den Autodidakten, der den Stoff der einfachen Lehrb\u00fccher erarbeitet hat, bietet sich dieses Werk als zweiten oder dritten Schritt an. Freilich, eine gute bis sehr gute Kenntnis der englischen Sprache ist f\u00fcr die Erschlie\u00dfung dieses Werkes unabdingbar. Wer jedoch den Schritt hinaus in die weite Welt der Antike oder noch tiefer in die Text des Neuen Testaments gehen will, wird sich anderweitig umschauen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Magnus Rabel, M.Th., Doktorand bei Prof. Dr. J\u00f6rg Frey am Lehrstuhl f\u00fcr neutestamentliche Wissenschaft an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rodney A. Whitacre: A Grammar of New Testament Greek, Grand Rapids, MI: William B. 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