{"id":1852,"date":"2023-04-21T18:24:02","date_gmt":"2023-04-21T18:24:02","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1852"},"modified":"2023-04-21T18:24:04","modified_gmt":"2023-04-21T18:24:04","slug":"guido-baltes-die-verborgene-theologie-der-evangelien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1852","title":{"rendered":"Guido Baltes: Die verborgene Theologie der Evangelien"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guido Baltes: <em>Die verborgene Theologie der Evangelien: Die j\u00fcdischen Feste als Schl\u00fcssel zur Botschaft Jesu<\/em>, Marburg an der Lahn: Francke, 2020, geb., 255\u00a0S., \u20ac\u00a014,95, ISBN <a href=\"https:\/\/www.francke-buch.de\/e-books\/geistliches-leben\/2693\/0\/guido-baltes-die-verborgene-theologie-der-evangelien\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.francke-buch.de\/e-books\/geistliches-leben\/2693\/0\/guido-baltes-die-verborgene-theologie-der-evangelien\/\">978-3-96362-145-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guido Baltes studierte in Oberusel und Marburg Theologie, promovierte 2011 an der TU Dortmund im Fach Neues Testament und ist seit 2022 Privatdozent an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. Er ist Pfarrer in der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, arbeitet als Dozent f\u00fcr Neues Testament am Marburger Bibelseminar und als Lehrbeauftragter an der Evangelischen Hochschule Tabor. Baltes legt mit dem vorliegenden Werk eine Fortf\u00fchrung seiner Arbeiten \u201eJesus der Jude und die Missverst\u00e4ndnisse der Christen\u201c und \u201ePaulus: Jude mit Mission\u201c vor. Ging es ihm dabei zun\u00e4chst um \u201eviele verbreitete Missverst\u00e4ndnisse und Zerrbilder [\u2026] wenn es um das Judentum geht\u201c (8), so geht es ihm im nun nach eigenem Bekunden um die Verankerung der Botschaft des NT im Judentum und darum, wie sehr \u201ej\u00fcdische Feste ein hilfreicher Schl\u00fcssel\u201c (8) zu ihrem Verst\u00e4ndnis sind. Dabei wird die im Titel angesprochene Formulierung einer \u201everborgene Theologie\u201c vom Autoren selbst als rei\u00dferisch bezeichnet. Vielmehr ginge es ihm allerdings um die Themen der vier Evangelien, die zun\u00e4chst verborgen bleiben, um \u201edas, was ungesagt vorausgesetzt ist, weil es f\u00fcr die damaligen Leser selbstverst\u00e4ndlich und bekannt war.\u201c (9). Letztlich zeigt sich darin das Programm des vorliegenden Buches, das sich prim\u00e4r an den j\u00fcdischen Festen orientiert. Denn im Autor ist \u201edie \u00dcberzeugung gewachsen, dass die j\u00fcdischen Feste den heimlichen Bezugsrahmen der neutestamentlichen Theologie bilden.\u201c (15). Vielen methodische Anfragen, insbesondere an die Nutzung von rabbinischen Schriften, begegnet der Autor in einem Kapitel im Anhang: \u201eDas Neue Testament und die Literatur der Rabbinen\u201c. Doch besch\u00e4ftigt sich das erste Kapitel zun\u00e4chst mit dem \u201eLeben nach dem Rhythmus Gottes\u201c, worauf einzelne Kapitel zum Neujahrsfest, Laubh\u00fcttenfest, Passafest, Pfingstfest, Neujahrsfest, Vers\u00f6hnungstag, Laubh\u00fcttenfest und zum Schabbat folgen. Diese nehmen einen Umfang von 198 Seiten, und damit den gr\u00f6\u00dften Teil des Werkes, ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst legt der Autor also eine nicht zu knappe \u00dcbersicht \u00fcber das, was er \u201egeheiligte Zeit\u201c nennt, vor: \u201eZeitr\u00e4ume sind Lebensr\u00e4ume, die Gott uns er\u00f6ffnet.\u201c (18). Er untersucht Tage und den Zeitpunkt und Ort des Gebetes, Wochen, Monate, den Zusammenhang zwischen Mond- und Sonnenjahren und das Jahr, an dem sich \u201edie gro\u00dfen Feste und Feiertage ausrichten\u201c (31). Baltes stellt schlie\u00dflich eine Verbindung zwischen \u201eGottes Zeit\u201c und Jesu Wirken her: \u201eJesus lebt nach dem j\u00fcdischen Kalender. Er feiert die j\u00fcdischen Feste und den Sabbat und er ist achtsam darauf, wann es Zeit ist f\u00fcr ihn zu reden oder zu schweigen, zu handeln oder zu warten. Seine Zeit ist ausgerichtet an Gottes Zeit. Deshalb sind die j\u00fcdischen Feste und ihre theologische Bedeutung ein wichtiger Schl\u00fcssel, um die Botschaft der Evangelien zu verstehen.\u201c (38). Bei der nun folgenden Detailbeschreibung der einzelnen Feste und des Sabbat stellt der Autor den alttestamentlichen Befund und die j\u00fcdische \u00dcberlieferung zusammen um daraus die Symbolik und Bedeutung auszuarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Fazit zieht Baltes etwas versteckt am Ende von Kapitel 10. Er schlie\u00dft zun\u00e4chst mit einem R\u00fcckblick auf die letzten Tage Jesu und den Kreis der j\u00fcdischen Feste und sieht den Sabbat als zentralen Bestandteil dieser Zeit: \u201eDer Sabbat ist der Tag, an dem die Welt vollendet wird. <em>Tikkun Ha-Olam<\/em>: Das Zerbrochene wird heil. Das Unvollkommene vollendet. Das Zerst\u00f6rte wiederhergestellt.\u201c (211). Nach diesem R\u00fcckblick folgert Baltes: \u201eDie Botschaft des Neuen Testaments ist daher beides: Sie ist alt und sie ist neu. Sie ist alt, insofern sie den alten Glauben Israels aufnimmt, best\u00e4tigt und ihn mit seinen Festen, Feiertagen, Hoffnungen, Erwartungen, Freuden und Weisheiten feiert. Diese Feste und der darin verborgene Glaube macht die Theologie des Neuen Testaments aus. Sie tragen diese Theologie und f\u00fcllen sie mit Leben und Inhalt.\u201c (212\u2013213) Direkt im Nachgang weist Baltes in einem bereits angesprochenen Anhang auch auf verschiedene Probleme bei der Arbeit mit den Schriften der Rabbinen hin. Diese stammen nicht aus der Zeit Jesu. Au\u00dferdem sei ihre historische Zuverl\u00e4ssigkeit teilweise fraglich, so Baltes. Auch weist er zurecht darauf hin, dass diese Schriften \u201enur einen bestimmten Ausschnitt aus der Vielfalt der j\u00fcdischen Gesellschaft repr\u00e4sentieren\u201c (217). Der Autor h\u00e4lt all diesen kritischen Punkten aber entgegen, dass die Schriften der Rabbinen den neutestamentlichen Texten im Denken weit n\u00e4her st\u00fcnden als zeitlich n\u00e4here j\u00fcdische Quellen und folgert, dass entweder das Neue Testament aus der Zeit gefallen w\u00e4re, oder aber \u201ewir gehen davon aus, dass solche Gleichnisse auch schon zur Zeit Jesu von j\u00fcdischen Lehrern erz\u00e4hlt wurden\u201c (218). Dabei wird sein Vorgehen allerdings auch zu einem kritischen Unterfangen, denn er w\u00e4hlt notwendigerweise aus und muss zum Beispiel Einzelstimmen von breiter \u00dcberzeugung trennen. Es ist schade, dass Baltes auf diesen \u201ewissenschaftlichen Aufwand\u201c (221) nicht sehr tief eingeht, was sich auch durch die weiteren Punkte zieht. So spricht er ebenso die historische Zuverl\u00e4ssigkeit der rabbinischen \u00dcberlieferung an. Andere Argumente besch\u00e4ftigen sich wiederum mit dem Ausr\u00e4umen von Vorurteilen gegen\u00fcber dem heutigen Judentum und mit der Anschaulichkeit der Bilder: \u201eDen Rabbinen gelingt es einfach viel besser, gro\u00dfe theologische Wahrheiten durch einfache Bilder und kernige Ausspr\u00fcche auf den Punkt zu bringen.\u201c (224). Es ist positiv anzumerken, dass Baltes methodisch reflektiert arbeitet. Auch wenn das Augenmerk des Autors offensichtlich nicht auf der Methodik liegt \u2013 obwohl ihm diese offensichtlich am Herzen liegt \u2013 so ist dies doch je nach Leserin oder Leser als einziger m\u00f6glicher Schwachpunkt des Werkes auszumachen, denn viele Aspekte werden leider nicht in der n\u00f6tigen Tiefe behandelt und die Literaturhinweise werden nicht jeder Leserin und jedem Leser auf Anhieb weiterhelfen. Vermutlich wurde eine genauere Behandlung vom Autor entweder aufgrund ihrer Komplexit\u00e4t ausgespart oder weil sie den Rahmen des Buches in dieser Form gesprengt h\u00e4tten. Trotzdem ist Baltes Werk gr\u00fcndlich, die Endnoten \u2013 leider nicht als Fu\u00dfnoten ausgef\u00fchrt \u2013 dokumentieren seine Arbeit ausf\u00fchrlich. Es gibt interessante Einblicke in Aspekte, die j\u00fcdischen Zuh\u00f6rern bekannt waren und stellt die Symbolik der j\u00fcdischen Feste ausf\u00fchrlich dar. Somit behandelt er bis hin in die Gemeindepraxis relevante Fragestellung und fordert zu vielf\u00e4ltigen weiteren Diskussionen heraus. Das Werk ist sprachlich zug\u00e4nglich und spricht \u2013 nicht zuletzt mit dem g\u00fcnstigen Preis \u2013 eine breite Menge von Leserinnen und Lesern an, auch wenn es sich vermutlich eher an interessierte Laien richtet. Der systematische Aufbau folgt Baltes Argumentationslinie, ein Stellenregister schlie\u00dft das Werk ab.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Jens D\u00f6rpinghaus, University of Pretoria, Faculty of Theology and Religion, Hatfield, Pretoria, South Africa<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guido Baltes: Die verborgene Theologie der Evangelien: Die j\u00fcdischen Feste als Schl\u00fcssel zur Botschaft Jesu, Marburg an der Lahn: Francke,<\/p>\n","protected":false},"author":103,"featured_media":1853,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1852","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1852","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/103"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1852"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1852\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1854,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1852\/revisions\/1854"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1852"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1852"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}