{"id":1855,"date":"2023-04-21T19:08:11","date_gmt":"2023-04-21T19:08:11","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1855"},"modified":"2023-04-21T19:08:12","modified_gmt":"2023-04-21T19:08:12","slug":"philipp-melanchthon-glaube-und-bildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1855","title":{"rendered":"Philipp Melanchthon: Glaube und Bildung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Philipp Melanchthon: <em>Glaube und Bildung<\/em>, herausgegeben und kommentiert von Armin Kohnle, Gro\u00dfe Texte der Christenheit 10, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2021, Pb., 135\u00a0S., \u20ac\u00a015,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5061_Glaube-und-Bildung.html&amp;XTCsid=ff32b0c0d367715f2f324b793814eb10\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5061_Glaube-und-Bildung.html&amp;XTCsid=ff32b0c0d367715f2f324b793814eb10\">978-3-374-06843-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vorliegende Auswahlband stellt unter dem Titel \u201eGlaube und Bildung\u201c drei Texte von Philipp Melanchthon (1497\u20131560) in neuer \u00dcbersetzung sowie Kommentierung vor und trifft mit diesem Titel das Lebensthema Melanchthons, wirkte dieser doch sowohl als Reformator der Wittenberger Reformation als auch als Bildungsreformer. Armin Kohnle, Kirchenhistoriker an der Universit\u00e4t Leipzig und renommierter Reformationsforscher, hat mit dieser Auswahlausgabe die Reihe \u201eGro\u00dfe Texte der Christenheit\u201c um einen Band zu Melanchthon erg\u00e4nzt. Aufgenommen ist in \u201eGlaube und Bildung\u201c nicht Melanchthons vielleicht ber\u00fchmteste Schrift, die <em>Loci Communes<\/em> (1521), da diese \u2013 so der Herausgeber im Vorwort \u2013 \u201ezu einseitig die theologisch dogmatische Seite Melanchthons beleuchtet\u201c (5) h\u00e4tten: \u201eSein Anliegen war jedoch vielf\u00e4ltiger und umfassender\u201c (5).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher w\u00e4hlt Kohnle drei k\u00fcrzere Melanchthon-Texte aus: seine Antrittsrede an der Universit\u00e4t Wittenberg (1518), die \u201eSumme der christlichen Lehre\u201c (1524) sowie die Rede, die Melanchthon anl\u00e4sslich der Bestattung Martin Luthers (1546) hielt. Zumindest die Wahl des dritten Textes \u00fcberrascht, w\u00e4hrend die beiden ersten Texte exemplarisch das Thema Bildung bzw. Glauben(slehre) vermitteln. Alle Quellentexte werden, wie in der Reihe \u00fcblich, in einem ersten Teil in neuer deutscher \u00dcbersetzung dargeboten (A; 9\u201379) und im zweiten Teil (B; 81\u2013130) kommentiert. Im Anhang (C; 131\u2013135) findet sich ein Quellen- und Literaturverzeichnis sowie eine hilfreiche Zeittafel zur Biographie Melanchthons.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser war im Sommer 1518 auf den Lehrstuhl f\u00fcr griechische Sprache an der Universit\u00e4t Wittenberg berufen worden und stellte sich in der Antrittsrede \u201e\u00dcber die Notwendigkeit, die Studien der Jugend zu verbessern\u201c (<em>De corrigendis adolescentiae studiis<\/em>, 1518) der Universit\u00e4t mit einem Reformprogramm vor. F\u00fcr den Druck rahmte Melanchthon seine Rede mit einer Widmung an den Wittenberger Rechtsgelehrten Otto Beckmann sowie einem Lobpreisgedicht auf Martin Luther, die hier zusammen mit der Antrittsrede geboten werden (11\u201340). In der Widmung pl\u00e4diert Melanchthon f\u00fcr eine gute Wissenschaft, die auch gute Sitten hervorbringe: \u201eDenn fast immer ist ein jeder das, was die Studien aus ihm machen\u201c (11). In der Antrittsrede kritisiert er das zeitgen\u00f6ssische Grundlagenstudium an der Artistenfakult\u00e4t und entwirft ein ideales Studium mit der Hinwendung zu den Sprachen der Antike, insbesondere Griechisch und Hebr\u00e4isch, was f\u00fcr ihn auch eine Erneuerung des Theologiestudiums vorbereitet: \u201eDeshalb, weil die Theologie teils Hebr\u00e4isch, teils Griechisch ist \u2013 denn wir Lateiner trinken nur aus deren B\u00e4chen \u2013, sind die fremden Sprachen zu erlernen [&#8230;]. Und wenn wir die Geister auf die Quellen ausrichten, werden wir anfangen, Christus zu erkennen\u201c (35). Dass Melanchthon sich mit den Reformvorschl\u00e4gen in der Antrittsrede bewusst an die Seite Martin Luthers stellte, zeigt auch der nachgestellte poetische Lobpreis Martin Luthers. So interpretiert Kohnle \u00fcberzeugend: \u201eIst schon die Widmung an Beckmann ein deutliches Indiz daf\u00fcr, dass sich Melanchthon mit der Ver\u00f6ffentlichung seiner Antrittsrede an die Seite der Wittenberger Reformkreise stellen wollte, gilt dies noch viel mehr f\u00fcr sein an Luther gerichtetes griechisches Gedicht oder vielmehr: f\u00fcr seine dichterische Liebeserkl\u00e4rung an Luther\u201c (87).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen anderen Charakter hat der zweite Text (41\u201358), \u201eEine Summe der christlichen Lehre, die Gott der Welt jetzt wiedergegeben hat, an den Landgrafen von Hessen\u201c (<em>Epitome renovatae ecclesiasticae doctrinae<\/em>, 1524). Hier bietet Melanchthon eine knappe Zusammenfassung der lutherischen Lehre, indem er zun\u00e4chst die Rechtfertigung (\u201eWorin besteht rechtschaffene Fr\u00f6mmigkeit, die vor Gott gilt?\u201c) entfaltet und anschlie\u00dfend auf das Verh\u00e4ltnis von g\u00f6ttlichen und menschlichen Gesetzen eingeht und dabei im historischen Horizont der Bauernaufst\u00e4nde das rechte Verst\u00e4ndnis von Luthers Rede von der \u201eFreiheit eines Christenmenschen\u201c zu vermitteln sucht. Die Erl\u00e4uterung des evangelischen Glaubens verfasste Melanchthon im Herbst 1524 nach einer kurzen pers\u00f6nlichen Begegnung mit Landgraf Philipp von Hessen in Frankfurt, und \u201ees spricht doch einiges daf\u00fcr, dass Melanchthons kleine Schrift die reformatorische Entwicklung des F\u00fcrsten bef\u00f6rdert hat. [&#8230;] Mit Philipp von Hessen erhielt die reformatorische Partei im Reich [&#8230;] ihr zweites politisches Haupt neben dem Kurf\u00fcrsten von Sachsen\u201c (103).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steht die Wittenberger Antrittsrede exemplarisch f\u00fcr den Anschluss Melanchthons an Martin Luther und die Wittenberger Reformation, so konzentriert sich der dritte Text (59\u201379) auf das Verh\u00e4ltnis von Melanchthon zu Luther am Beispiel der \u201eRede bei der Bestattung des ehrw\u00fcrdigen Mannes Doktor Martin Luther\u201c (<em>Oratio in funere reverendi viri Doctoris Martini Lutheri<\/em>; 1546). Melanchthon stellt Luther als einen \u201eheilsamen Lehrer\u201c (62) der \u201ereine[n] Lehre des Evangeliums\u201c (63), aber auch als einen g\u00fctigen Menschen (70), als Angefochtenen und Beter (71), Gelehrten (72) und Redner (72) vor, der \u201evon Gott besonders erweckt und erw\u00e4hlt wurde, um der Kirche wieder aufzuhelfen\u201c (72). Melanchthons Rede am Grab Luthers \u201eist wie kein anderer Text geeignet, die kirchengeschichtlich so bedeutsame Arbeits- und Lebensgemeinschaft der beiden H\u00e4upter der Wittenberger Reformation zu beleuchten\u201c (6) und gibt daher neben der W\u00fcrdigung von Luthers Wirken v.&nbsp;a. Aufschluss \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Melanchthon und Luther.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So endet auch die Kommentierung des Textes durch Kohnle mit dem Abschnitt \u201eMelanchthon und Luther\u201c (125\u2013130); Kohnle zeichnet hier den Wandel von der schw\u00e4rmerischen Freundschaft Melanchthons in der Antrittsrede zu einer \u201efreundschaftliche[n] Kollegialit\u00e4t\u201c (129) nach. Das Verh\u00e4ltnis der beiden gro\u00dfen Wittenberger Reformatoren ist ohne Zweifel wichtig. Doch betont der Herausgeber an anderer Stelle zu Recht, dass die Anliegen Melanchthons vielf\u00e4ltig waren (5) und er \u201emehr und mehr sein eigenes theologisches Profil\u201c (112) ausbildete. So ist es fast bedauerlich, dass mit der Wahl des dritten, letzten Textes nicht die Chance genutzt wurde, die Eigenst\u00e4ndigkeit von Melanchthons Denkens zu zeigen, sondern dieser Quellentext erneut den Blick auf Melanchthon als Mitarbeiter und Mitstreiter Martin Luthers bietet. Doch das ist die Entscheidung des Herausgebers, und auch Melanchthons Grabrede ist auf jeden Fall lesenswert \u2013 wie die ganze Auswahlausgabe. Durch die \u00dcbersetzung ins moderne Deutsch und die Kommentierung sind die Texte f\u00fcr jeden Interessierten leicht zug\u00e4nglich, und die Ausgabe empfiehlt sich f\u00fcr eine erste Begegnung mit Philipp Melanchthon als Humanist, Bildungsreformer, Wittenberger Reformator und ja, auch Mitarbeiter Martin Luthers.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philipp Melanchthon: Glaube und Bildung, herausgegeben und kommentiert von Armin Kohnle, Gro\u00dfe Texte der Christenheit 10, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2021,<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":1856,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1855","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-historische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1855"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1855\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1857,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1855\/revisions\/1857"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1856"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}