{"id":1870,"date":"2023-04-22T09:31:42","date_gmt":"2023-04-22T09:31:42","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1870"},"modified":"2023-04-22T09:31:43","modified_gmt":"2023-04-22T09:31:43","slug":"werner-klaen-hg-der-theologe-hermann-sasse-1895-1976","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1870","title":{"rendered":"Werner Kl\u00e4n (Hg.): Der Theologe Hermann Sasse (1895\u20131976)"},"content":{"rendered":"\n<p>Werner Kl\u00e4n (Hg.): <em>Der Theologe Hermann Sasse (1895\u20131976). Einblicke in seine internationale Wirkung als Exeget, Kirchenhistoriker, Systematiker und \u00d6kumeniker<\/em>, OUH.E 24, G\u00f6ttingen: Edition Ruprecht, 2020, geb., 278\u00a0S., \u20ac\u00a056,\u2013, ISBN <a href=\"http:\/\/edition-ruprecht.de\/katalog\/titel.php?id=473\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/edition-ruprecht.de\/katalog\/titel.php?id=473\">978-3-8469-0352-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Im November 1936 predigt Hermann Sasse in Erlangen am 1. Adventssonntag: \u201eDie Frage der Heiligen Schrift ist heute die umstrittenste, die brennendste Weltanschauungsfrage in Deutschland [\u2026] Denn entweder war die Annahme, die Bibel sei Gottes Wort, falsch. Dann bedeutet die Zerst\u00f6rung ihrer Autorit\u00e4t eine gro\u00dfe Befreiung [\u2026] Oder die Bibel ist Gottes Wort. Dann bedeutet ihre Zerst\u00f6rung und Verwerfung die Verwerfung Gottes. Dann ist das, was heute auf den Gassen und M\u00e4rkten verk\u00fcndet wird, \u00fcber das Alte Testament und den Gott des Alten Testamentes, Gottesl\u00e4sterung und muss die Folge haben, die alle Gottesl\u00e4sterung hat [\u2026] Das ist der t\u00f6dliche Ernst der Bibelfrage in der Gegenwart unseres Volkes\u201c (<em>Zeugnisse. Erlanger Predigten und Vortr\u00e4ge vor Gemeinden 1933\u20131944<\/em>, hg.&nbsp;von Friedrich Wilhelm Hopf, Erlangen 1979, 27). Der Prediger, der hier in freim\u00fctiger Konfrontation kein Blatt vor den Mund nimmt, ist der aus der Altpreu\u00dfischen Union kommende Lutheraner Hermann Sasse. In konservativen pietistischen und freikirchlichen Kreisen d\u00fcrfte er \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 vor allem durch seine Ver\u00f6ffentlichungen zur Schriftlehre bekannt sein. In seinen Ver\u00f6ffentlichungen \u2013 vorwiegend Kleinschriften und Aufs\u00e4tzen \u2013 geht er den Problemen nach, die auch die sogenannten Evangelikalen besch\u00e4ftigen: Inspiration, Verbalinspiration und Irrtumslosigkeit, Evolutionstheorie, Bibelkritik und die Bibel als Wort Gottes. Teile seines begonnenen Hauptwerkes zur Schriftlehre und weitere Schriften sind in der Sammlung <em>Sacra Scriptura: Studien zur Lehre von der Heiligen Schrift<\/em>, Hg. von F. W. Hopf, Erlangen 1981 (dazu Friedrich Bei\u00dfer in ThR 52, 1987, 323\u2013325) zusammengefasst. Der Herausgeber dieser Sammlung hat Sasses Grundgedanken auf 50 Seiten im Abriss dargestellt: F. W. Hopf: \u201eHermann Sasse und sein Ringen um die Lehre von der Heiligen Schrift\u201c (LuthBl 32 Nr 119, 1980, 1\u201351). Sasses Auseinandersetzung mit der Bibelfrage hat eine weit gr\u00f6\u00dfere Bedeutung als den Kontext der lutherischen Kirchen, in der sie entstanden ist. In seinen Darlegungen wird dem Leser fortlaufend ein \u201etua res agitur\u201c deutlich: Die gleichen Themen werden in vielen anderen Kirchen und an theologischen Ausbildungsst\u00e4tten anderer Konfessionen diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Werner Kl\u00e4n hat als emeritierter Professor f\u00fcr Systematische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel den vorliegenden Jubil\u00e4ums- und Ged\u00e4chtnisband zum 125. Geburtstag von Hermann Sasse im Jahr 2020 herausgegeben. Die gesammelten Beitr\u00e4ge sollen die Rezeptionsgeschichte von Sasses Werk darstellen (7), wobei sie nur einen Zwischenstand markieren k\u00f6nnen (vgl. 7, 9), denn \u201eDas theologische und kirchliche Erbe Hermann Sasses bedarf noch einer gr\u00fcndlicheren Aufarbeitung, einer kritischen W\u00fcrdigung, nicht zuletzt aber [\u2026] einer weiteren Verbreitung\u201c (9).<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten, umfangreichen Beitrag des Aufsatzbandes \u201eHermann Sasse als Neutestamentler\u201c (11\u201349) kommt Volker Stolle zu dem Ergebnis, dass Sasse von der Exegese der Religionsgeschichtlichen Schule herkommt, deren Probleme er allerdings mit seiner Hinwendung zum Bekenntnis nicht grunds\u00e4tzlich \u00fcberwunden hat. Simon Volkmar belegt in \u201eVolles Gotteswort und volles Menschenwort. Hermanns Sasses Beitrag zu einem lutherischen Verst\u00e4ndnis der Heiligen Schrift\u201c (50\u201371), dass Sasses Schriftlehre Christus ins Zentrum stellt und in Analogie zur Zwei-Naturen-Lehre einen Weg jenseits von altprotestantischer Orthodoxie und rational begr\u00fcndeter historischer Forschung sucht. In den folgenden Beitr\u00e4gen besch\u00e4ftigen sich die Autoren mit Sasses Verst\u00e4ndnis des Bekenntnisses (Thomas M. Winger: \u201eSasse as Interpreter of the Lutheran Confessions\u201c, 72\u201388) und st\u00e4rker kirchengeschichtlich orientierte Fragestellungen wie seine kritische Deutung der politischen Vorg\u00e4nge seiner Zeit (Christian Neddens: \u201eTheologische Gegenwartsdeutung in ,Weimarer Republik\u2018 und ,Drittem Reich\u2018\u201c, 89\u2013102; Wolfgang Sommer: \u201eHermann Sasse im Kirchenkampf des \u201aDritten Reichs\u2018\u201c, 103\u2013115) sowie der Berufung an die Theologische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Erlangen (Volker Stolle: \u201eKirchenpolitische Erw\u00e4gungen anl\u00e4sslich der Berufung Hermann Sasses nach Erlangen\u201c, 116\u2013120). Die beiden Aufs\u00e4tze von Maurice Schild (\u201eTruth and Tyranny. Hermann Sasse\u2019s 1936 Missive to Ludwig F\u00fcrbringer\u201c, 121\u2013132) und John R. Stephenson (\u201eHermann Sasse\u2019s Influence on Confessional Lutheranism in North America since 1945\u201c<em>,<\/em> 133\u2013146) beleuchten Aspekte von Sasses Zeitgenossenschaft in der Deutung totalitaristischer Tendenzen im Nazi-Deutschland vor den Olympischen Spielen 1936 und in der Kritik sowohl fundamentalistischer Ansichten von Inspiration und Unfehlbarkeit als auch in Deutschland gepflegter liberaler \u201eEntmythologisierung\u201c der Heiligen Schrift.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere vier Beitr\u00e4ge besch\u00e4ftigen sich mit ekklesiologischen Fragen, mit dem Amtsverst\u00e4ndnis und der Abendmahlslehre aus ekklesiologischer Sicht. Der Pr\u00e4ses der lutherischen Missouri-Synode Matthew C. Harrison zeigt auf, wie sich Sasses Amtsverst\u00e4ndnis aus der apostolischen Sendung als g\u00f6ttlicher Stiftung ergibt (147\u2013165). Jacob Corzine vergleicht die Lehre von der Kirche bei Sasse mit dem Dokument <em>Communion in Growth<\/em>, das 2017 als Ergebnis des Finnisch-Lutherischen Dialogs mit der R\u00f6misch-Katholischen Kirchen entstand (166\u2013187). Werner Kl\u00e4n zeigt in seinem Papier \u201eKirche, kirchliches Dienstamt und \u00d6kumene. Erw\u00e4gungen im Anschluss an Hermann Sasse\u201c (188\u2013212), dass die konfessionelle Position bei Sasse mit dem Wissen um die gr\u00f6\u00dfere eine, heilige, katholische und apostolische Kirche verbunden war. Deshalb hat er sich auch im \u00f6kumenischen Dialog engagiert: Bekenntnisbindung und \u00d6kumenizit\u00e4t geh\u00f6ren zusammen. Schlie\u00dflich erkl\u00e4rt John T. Pless in \u201eSasse on the Sacrament of the Altar. Where Ecclesiology and Eschatology meet\u201c (213\u2013229), wie die Kirche aus der Feier des Abendmahls, in dem Christus real gegenw\u00e4rtig ist, lebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der abschlie\u00dfende Beitrag des Bandes \u201eBiographische Ann\u00e4herungen an Hermann Sasse (1895\u20131976)\u201c von Andrea Gr\u00fcnhagen k\u00f6nnte besser am Anfang der Sammlung stehen. Hier finden sich wichtige Aussagen wie die folgende: \u201eWas meiner Generation [\u2026] es m\u00f6glich gemacht hat, ins Pfarramt zu gehen, nachdem wir die Religionsphilososphie, die wir in unserem Studium statt einer wirklichen Theologie gelernt hatten, auf den Schlachtfeldern Flandern hatten begraben m\u00fcssen, war doch die \u00dcberzeugung, da\u00df wir nicht unsere Religion zu verk\u00fcnden h\u00e4tten, sondern das schlichte Wort der Bibel, auf das uns zu verlassen, an das zu glauben wir gelernt hatten.\u201c (S. 233, aus <em>Sacra Scriptura<\/em> 204). Im Anhang des Buchs (247\u2013278) sind Autoren- und Literaturverzeichnis (Werkverzeichnis sowie Sekund\u00e4rliteratur zu Sasse) sowie vorz\u00fcgliche Register beigegeben. So wird der \u00dcberblick \u00fcber das vielf\u00e4ltige Wirken und die Spuren, die Sasse auf drei Kontinenten hinterlassen hat, abgerundet. Wer sich weiter mit Sasses Theologie besch\u00e4ftigen will, sollte seine antiquarisch (Bd. 1 und 2) sowie neu (Bd. 3) erh\u00e4ltlichen <em>Gesammelten Aufs\u00e4tzen<\/em> erwerben: In <em>Statu Confessionis: Gesammelte Aufs\u00e4tze und Kleine Schriften<\/em>, hg. v. Friedrich Wilhelm Hopf, zwei B\u00e4nde, Berlin u.\u00a0a. 1975\/ 1976; <em>In statu confessionis III: Texte zu Union, Bekenntnis, Kirchenkampf und \u00d6kumene<\/em>, hg. v. Werner Kl\u00e4n u.\u00a0a., OUH.E 10, G\u00f6ttingen 2011.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Steinen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werner Kl\u00e4n (Hg.): Der Theologe Hermann Sasse (1895\u20131976). 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