{"id":189,"date":"2017-05-01T15:56:09","date_gmt":"2017-05-01T15:56:09","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=189"},"modified":"2017-05-01T20:34:01","modified_gmt":"2017-05-01T20:34:01","slug":"eckart-otto-deuteronomium-121-2315","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=189","title":{"rendered":"Eckart Otto: Deuteronomium 12,1\u201323,15"},"content":{"rendered":"<p>Eckart Otto: <em>Deuteronomium 12,1\u201323,15<\/em>, HThKAT, Freiburg i.\u00a0Br.: Herder, 2016, geb., 744 S., \u20ac 110,\u2013, <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/religion-theologie-shop\/deuteronomium-12%2C1-23%2C15-gebundene-ausgabe\/c-25\/p-6118\/\">ISBN 978-3-451-25077-4<\/a><\/p>\n<div onclick=\"location.href='https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Otto_Deuteronomium.pdf'\" class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<hr \/>\n<p>Der Herder Verlag bewirbt Eckart Ottos auf vier B\u00e4nden angelegten Kommentar zum Deuteronomium folgenderma\u00dfen: \u201eDieser Deuteronomium-Kommentar vereinigt erstmals in der Geschichte der Auslegung des Buches diachrone, an der Entstehung des Textes, und synchrone, an der Interpretation des Endtextes orientierte Auslegung\u201c. Schon nach den ersten beiden B\u00e4nden, die Dtn 1\u201311 auslegen, ist deutlich, dass es sich um einen epochemachenden Kommentar handelt, der auf lange Zeit hinaus neue Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die Kommentierung des Deuteronomiums setzt. Gerade das Bem\u00fchen darum, synchrone und diachrone Auslegung miteinander ins Gespr\u00e4ch zu bringen, ist ein Verdienst Eckart Ottos, das den Kommentar auch zu einem gewinnbringenden Werk f\u00fcr Leser macht, die den literar- und redaktionskritischen Operationen rein diachroner Kommentare mit Skepsis begegnen. Die Seitenz\u00e4hlung geht fortlaufend durch alle vier B\u00e4nde.<\/p>\n<p>Der dritte Teilband zu Dtn 12,1\u201323,15 wendet sich dem Deuteronomischen Gesetz zu und enth\u00e4lt entsprechend, bevor es an den eigentlichen Kommentar geht, eine \u201eForschungsgeschichtliche Standortbestimmung der Literatur- und Rechtsgeschichte der Gebotspromulgation Dtn 12\u201326 in der Zweiten Moserede\u201c (1082\u20131116). Darin skizziert Otto sein Modell zur Entstehung der Pentateuchgesetze: Die im 9.\/8. Jhd. verortete erste Redaktion des Bundesbuches diente als Paradigma f\u00fcr die Redaktion des im 7. Jhd. entstandenen \u201evordeuteronomistischen Deuteronomiums\u201c, wobei dieser erste Entwurf des Deuteronomiums als Revision des Bundesbuches konzipiert ist, freilich nicht, um dieses zu ersetzen, sondern um mit ihm zusammen gelesen zu werden und als Schl\u00fcssel f\u00fcr die rechte Auslegung des Bundesbuches zu dienen. Erst in einer weiteren, deuteronomistischen Redaktion kommt der ebenfalls deuteronomistische Dekalog zum Deuteronomium hinzu und mit wenigen Einf\u00fcgungen konnte die dtr Redaktion das Deuteronomische Gesetz dann dem Dekalog (der in der Gestalt von Dtn 5,6\u201321 nach Otto ein Pentalog ist) entsprechend gliedern. Dieses deuteronomistische Deuteronomium wurde nach Otto dann (zusammen mit dem Bundesbuch) im Heiligkeitsgesetz (Lev 17\u201326) rezipiert, wiederum nicht mit einer Ersetzungsabsicht, das Heiligkeitsgesetz soll dann seinerseits in nachexilischen Fortschreibungen auch wieder auf das Deuteronomium eingewirkt haben (was Otto allerdings kaum ausf\u00fchrt).<\/p>\n<p>Leider fehlt analog zu dieser diachronen Einf\u00fchrung eine synchrone Heranf\u00fchrung an die Gesetzespromulgation in Dtn 12\u201326. Was hei\u00dft es f\u00fcr die synchrone Lekt\u00fcre des Deuteronomischen Gesetzes, dass nach Dtn 1,5 Mose im Deuteronomium die Tora auslegt? Ist damit nur das Bundesbuch gemeint? Oder soll man f\u00fcr eine synchrone Lekt\u00fcre von Dtn 12\u201326 die ganze Priestertora und das Heiligkeitsgesetz mit ber\u00fccksichtigen? Soll man beispielsweise Lev 25 als Verstehenshintergrund von Dtn 15 lesen? Spielt Num 35 f\u00fcr eine synchrone Auslegung von Dtn 19 eine Rolle? Diese Anfragen deuten bereits an, dass in der Auslegung letztlich doch noch die diachrone Interpretation \u00fcberwiegt und dass die synchrone Lekt\u00fcre von Ottos diachronen Modellen bestimmt wird. Dies l\u00e4sst sich exemplarisch an Dtn 12 zeigen: Otto schichtet Dtn 12 diachron auf, wobei er in 12,8\u201312.20\u201328 eine nachexilische Fortschreibung ausmacht, die das Altargesetz aus Lev 17 rezipiert. Dies erlaubt es ihm, Dtn 12 in der \u201eEndgestalt\u201c als Auslegung von Lev 17 zu lesen. Doch letztlich f\u00fchrt dies eben nicht zu einer synchronen Lekt\u00fcre, die das <em>ganze<\/em> Kapitel Dtn 12 als Auslegung von Lev 17 deutet, sondern doch nur die Teile, die zuvor diachron als solche herausgearbeitet worden sind. Otto legt Dtn 12,13\u201319, was er f\u00fcr den \u00e4ltesten Kern des Gesetzes h\u00e4lt, unabh\u00e4ngig von Lev 17 aus. In einer konsequent synchronen Lekt\u00fcre w\u00fcrde jedoch in Dtn 12,13\u201319 das Gebot aus Lev 17, alle Schlachtungen am Heiligtum durchzuf\u00fchren, zugunsten einer profanen Schlachtung in den St\u00e4dten aufgehoben. Diese profane Schlachtung von opferf\u00e4higen Tieren soll nach Dtn 12,15f nach den Regeln der Schlachtung von wilden Tieren ausgef\u00fchrt werden, was bedeutet, dass (im Unterschied zu Opfern, vgl. Lev 3,1\u201317) <em>nur<\/em> der Blutgenuss, nicht aber der Fettgenuss verboten wird; zudem geh\u00f6rt das Blut (wiederum im Unterschied zu Opfern, vgl. Lev 17,6) nicht an den Altar, sondern in die Erde (vgl. Lev 17,13f.). Bei einer synchronen Lekt\u00fcre revidiert also Dtn 12 das Gesetz aus Lev 17, wobei Lev 17 von der Wildschlachtung her die Regeln f\u00fcr die profane Schlachtung von opferf\u00e4higen Tieren bereitstellt. Von all dem ist bei Otto aber nichts zu finden, weil er diachron davon ausgeht, dass Dtn 12,13\u201319 Lev 17 rechtshistorisch vorausgeht (1162f.). Da Otto mit Ausnahme von Texten, die er f\u00fcr nachexilische Fortschreibungen des Deuteronomiums h\u00e4lt, rechtshistorisch nicht damit rechnet, dass das Heiligkeitsgesetz einen Verstehenshintergrund f\u00fcr das Deuteronomische Gesetz liefert, fehlen in seiner Auslegung Bezugnahmen zu wesentlichen Teilen des Tetrateuch, die in einer synchronen Lekt\u00fcre vorausgesetzt werden m\u00fcssten. Zwar ist es Otto also zu danken, dass er mit einer rein diachronen Kommentierung des Deuteronomiums auch im deutschsprachigen Raum Schluss macht. Doch geht er in der Ber\u00fccksichtigung des synchronen Textes auch f\u00fcr die diachrone Thesenbildung meines Erachtens nicht weit genug. Man muss dazu freilich sagen, dass Ottos theologisch sehr gehaltvolle synchrone Deutung des Deuteronomiums in den Rahmentexten des Deuteronomiums (und somit in den anderen Teilb\u00e4nden) st\u00e4rker zur Geltung kommt, als im dtn Gesetz.<\/p>\n<p>Die Kommentierungen selbst beginnen jeweils mit ausf\u00fchrlichen Literatur\u00fcberblicken zum ausgelegten Textabschnitt, gefolgt von einer \u00dcbersetzung und \u00e4u\u00dferst gr\u00fcndlichen und lehrreichen Anmerkungen zu Textkritik und \u00dcbersetzung. Anschlie\u00dfend analysiert er den Textaufbau synchron und diachron, bevor er den Text dann seiner synchronen Ordnung entlang auslegt. Dies alles geschieht in der Art, die man von Eckart Otto gewohnt ist: ausgesprochen gr\u00fcndlich, mit einem Auge f\u00fcr Details im Text, mit einer nicht zu \u00fcberbietenden Kenntnis der Forschung, einer F\u00fclle an au\u00dferbiblischem Vergleichsmaterial und einer \u00e4u\u00dferst fairen Darstellung auch abweichender Meinungen, wobei auch Randmeinungen angemessen zu Wort kommen. Die Exkurse sind theologisch wie rechtshistorisch eine Fundgrube.<\/p>\n<p>Auch wenn ich in diachronen Fragen oft anderer Meinung bin, halte ich den Kommentar f\u00fcr den wichtigsten Deuteronomium-Kommentar der Neuzeit und bereits die ersten beiden B\u00e4nde, aber auch der dritte, sind nicht nur f\u00fcr Fragen zum Forschungsstand und f\u00fcr philologische Fragen, sondern auch f\u00fcr theologische Fragen zum Deuteronomium meist meine erste Anlaufstelle. Inzwischen ist auch der vierte Band erschienen und der gesamte Kommentar, der rund 2300 Seiten umfasst, kann als die beeindruckende Kr\u00f6nung der Jahrzehnte langen Arbeit eines der gr\u00f6\u00dften Freunde und Kenner des Deuteronomiums nur mit Dankbarkeit und Bewunderung gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ass.-Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eckart Otto: Deuteronomium 12,1\u201323,15, HThKAT, Freiburg i.\u00a0Br.: Herder, 2016, geb., 744 S., \u20ac 110,\u2013, ISBN 978-3-451-25077-4 Download PDF Der Herder<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":190,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-189","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=189"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":191,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189\/revisions\/191"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/190"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=189"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}