{"id":1897,"date":"2023-04-22T09:53:11","date_gmt":"2023-04-22T09:53:11","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1897"},"modified":"2023-04-22T09:53:12","modified_gmt":"2023-04-22T09:53:12","slug":"alexander-deeg-christian-lehnert-hg-krieg-und-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1897","title":{"rendered":"Alexander Deeg \/ Christian Lehnert (Hg.): Krieg und Frieden"},"content":{"rendered":"\n<p>Alexander Deeg \/ Christian Lehnert (Hg.): <em>Krieg und Frieden. Metaphern der Gewalt und Vers\u00f6hnung im christlichen Gottesdienst<\/em>, Beitr\u00e4ge zu Liturgie und Spiritualit\u00e4t 34, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2022, Pb., 182\u00a0S., \u20ac\u00a038,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5274_Krieg-und-Frieden.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5274_Krieg-und-Frieden.html\">978-3-374-07085-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der zu besprechende Sammelband ver\u00f6ffentlicht die Vortr\u00e4ge des Fachgespr\u00e4chs des Liturgiewissenschaftlichen Instituts in Leipzig vom M\u00e4rz 2021, dessen Thema kaum aktueller sein k\u00f6nnte. Wie Alexander Deeg in seiner Einf\u00fchrung hervorhebt, waren \u201aKrieg und Frieden\u2018 bereits w\u00e4hrend der Tagung aufgrund der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen rund um die Pandemie aktuell, zum Zeitpunkt der Fertigstellung hatte der Krieg in der Ukraine gerade begonnen. Leitmotiv aller Aufs\u00e4tze soll die Fragestellung sein, \u201e[o]b und wie sich Liturgien als Praktiken des Friedens erweisen.\u201c Neben den einf\u00fchrenden und abschlie\u00dfenden Beitr\u00e4gen der Herausgeber verfasste Margaretha Gruber einen Beitrag zu Bildern von Gericht und Erl\u00f6sung in der Johannesoffenbarung, Dirk G. Lange eine Darstellung von Liturgie als Verk\u00f6rperung g\u00f6ttlicher R\u00fcckeroberung der Welt. Irene Mildenberger und Katharina Wiefel-Jenner steuern anhand der Liturgie der Evangelischen Schwesternschaft Ordo Pacis ein praktisches Beispiel f\u00fcr Frieden und Liturgie bei. Hier k\u00f6nnen nicht alle Beitr\u00e4ge detaillierter besprochen werden, stattdessen sollen drei Schlaglichter gesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a>Der Aufsatz von Stefan Heuser befasst sich sprachwissenschaftlich voraussetzungsreich mit dem Frieden Gottes als Metapher und zeigt ethische Perspektiven auf den Gottesdienst als transformative Praxis auf (69\u201384). Heuser rekurriert auf Ans\u00e4tze, die bereits l\u00e4nger im Bereich der theologischen Ethik (Hans Ulrich und Bernd Wannenwetsch) thematisiert und in j\u00fcngerer Zeit verst\u00e4rkt in der angels\u00e4chsischen Theologie (z.&nbsp;B. in der Cultural\u2013Liturgies\u2013Serie von James K.&nbsp;A. Smith) diskutiert werden. Sein Anliegen ist \u201edie Anbahnung und Ein\u00fcbung einer Praxis, in der Menschen <em>Gottes<\/em> Frieden, Vergebung, Liebe und Zuwendung erfahren und in ihrem Handeln zur Geltung kommen lassen\u201c (78). Sprachspiele und Metaphern sollen ihren Beitrag leisten, die Feiernden in eine andere \u201aStory\u2018 hineinzutragen, in der die Ethik ganz von Gott ausgeht. Das Anliegen, die Funktion der Sprache im Gottesdienst st\u00e4rker im Sinne der transformativen Kraft zu bedenken, ist ohne Zweifel zu begr\u00fc\u00dfen. Dass jedoch schon durch die Verwendung der entsprechenden Metaphorik dem Frieden Gottes in einer transformativen Weise Raum gegeben wird, scheint mit Blick auf die Feiernden in einer zunehmend s\u00e4kularen Zeit sehr optimistisch und noch wenig konkret.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund der Pandemie geht Kerstin Menzel der Frage nach, wie Spannungen inszeniert und gehalten werden k\u00f6nnen (101\u2013130). Sie schildert dazu pers\u00f6nliche Erfahrungen bei der Planung und Durchf\u00fchrung der sog. Klagezeit in Leipzig, um sich anschlie\u00dfend der Analyse und Auswertung dreier \u00f6ffentlicher Gedenk-Gottesdienste aus unterschiedlichen Phasen der Pandemie zuzuwenden. Dabei ist eine Kernfrage, wie das sehr \u201eunterschiedliche und spannungsreiche Erleben der Pandemie\u201c im Gottesdienst zum Ausdruck kommen und in einen theologischen Horizont gestellt werden kann (107). Menzel gelingt es, die Bem\u00fchungen aller drei Gottesdienste wertzusch\u00e4tzen, positive Aspekte f\u00fcr die Zukunft zu betonen und Elemente der Gottesdienste auf sehr faire Art zu kritisieren. Dabei sollte es gerade dem protestantischen Leser zu denken geben, dass der Gottesdienst, dem das Halten einer Spannung durch eine stringent christologische Ausrichtung am ehesten gelungen ist, ein katholischer war. Gemeindepraktisch orientiert untersucht Stefan Schweyer Kampfsemantiken im Praise-&amp;Worship-Liedgut (131\u2013160). Der Aufsatz ist ein eindr\u00fcckliches Beispiel, wie eine solide durchgef\u00fchrte Empirie in eine treffende Analyse m\u00fcnden und so zu einer verbesserten Gemeindepraxis f\u00fchren kann. Er kommt zu dem Schluss, dass die vorgefundene Kampfsemantik einerseits eine Internalisierung des Glaubens aufweist, die im schlechteren Fall zu einem moralistisch-therapeutischen Deismus f\u00fchrt (148\u2013151). Andererseits zeigt sich eine Externalisierung, die die Welt in einen b\u00f6sen und einen guten Bereich einteilt und dadurch den Blick f\u00fcr die eigene Bosheit verstellt (151\u2013157). Hilfreich w\u00e4re es gewesen, wenn Schweyer offengelegt h\u00e4tte, welchen Pool an Begrifflichkeiten er f\u00fcr die Bestimmung von \u201aKampfsemantik\u2018 verwendet, anstatt unbestimmt auf \u201etypische Kampfbegriffe\u201c (134) hinzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Henrik Homrighausen, M.A. ev. Theol., Doktorand im Fachbereich Praktische Theologie an der STH Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexander Deeg \/ Christian Lehnert (Hg.): Krieg und Frieden. 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