{"id":1912,"date":"2023-04-22T10:08:15","date_gmt":"2023-04-22T10:08:15","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1912"},"modified":"2023-04-22T10:08:16","modified_gmt":"2023-04-22T10:08:16","slug":"christiane-hof-lebenslanges-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1912","title":{"rendered":"Christiane Hof: Lebenslanges Lernen"},"content":{"rendered":"\n<p>Christiane Hof: <em>Lebenslanges Lernen. Eine Einf\u00fchrung<\/em>, 2., \u00fcberarbeitete Auflage, Stuttgart: W. Kohlhammer, 2022, kt., 198\u00a0S.,\u00a0\u20ac\u00a036,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/lebenslanges-lernen-42137.html#147=20\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/lebenslanges-lernen-42137.html#147=20\">978-3-17-042137-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Lebenslanges Lernen scheint als Begriff nahezu selbsterkl\u00e4rend zu sein, braucht aber eine systematische Durchdringung der Materie. Die Autorin lehrt an der Uni Frankfurt im Bereich Erwachsenenbildung\/Weiterbildung und bietet in ihrer Monografie eine bemerkenswerte Einf\u00fchrung, die relevante Impulse auch f\u00fcr den christlichen Kontext bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Kapitel bietet Hof eine konzeptionelle und historische Ann\u00e4herung an das Thema. So haben Menschen in der individualisierten, beschleunigten Wissensgesellschaft mit ihren besonderen Arbeitsdynamiken heute fast keine Wahl mehr, nicht lebenslang zu lernen. Dies geschieht \u00fcber bestimmte Lebensphasen, Bildungsinstitutionen und festgelegte Berufsqualifizierungen hinaus. Hier l\u00e4sst sich ein vielgestaltiger, kontinuierlicher Prozess beobachten, der als eine \u201eAntwort auf gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen\u201c (33) zeitlich, r\u00e4umlich und inhaltlich entgrenzt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Als relevant erweist sich im zweiten Kapitel der Blick auf die bildungspolitischen Programme von UNESCO, OECD und der Europ\u00e4ischen Union, ebenso auf den Deutschen Qualifikationsrahmen f\u00fcr Lebenslanges Lernen. Obwohl die Ziele und Ma\u00dfnahmen sehr unterschiedlich formuliert sein k\u00f6nnen \u2013 sei es als sozialpolitisches Mittel f\u00fcr mehr Lebenschancen, als Weg zur kulturell-pers\u00f6nlichen Weiterentwicklung, als liberal-demokratisches Lernmodell, oder aber als Perspektive auf Humankapital \u2013 das <em>Lifelong<\/em> bzw. <em>Lifewide Learning<\/em> tangiert nahezu jeden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte Kapitel vertieft die bereits angeklungene dreifache Ausdehnung des Lernens bzw. die damit verbundenen Pluralisierungen und Herausforderungen. Dazu geh\u00f6ren (1.) die Schwerpunktverschiebung hin zum Einzelnen, zu seiner Biografie und zum selbstgesteuerten Lernen; (2.) die \u00f6rtliche Vielf\u00e4ltigkeit mit formalen, non-formalen und informellen Lernformen; schlie\u00dflich (3.) der inhaltliche Perspektivwechsel, weg von einem Wissens- und Bildungskanon, hin zur Kompetenzentwicklung und zum Erfahrungswissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daran anschlie\u00dfend pr\u00e4sentiert die Autorin im vierten Kapitel empirische Befunde, wie sich Lebenslanges Lernen in unterschiedlichen Kontexten nachverfolgen l\u00e4sst, um daraus Bedingungen f\u00fcr ein erfolgreiches Lernen zu identifizieren. Hier spielen individuelle Voraussetzungen, aber auch soziokulturelle Bedingungen eine Rolle, gerade weil \u201edie Gestaltung des Lernens im Lebenslauf nicht allein als individuelles Projekt anzusehen ist\u201c (117).<\/p>\n\n\n\n<p>Was das f\u00fcr die p\u00e4dagogische Theorie und Bildungsforschung bedeutet, zeigt das f\u00fcnfte Kapitel. Die Autorin skizziert das neue Lernen als aktive Auseinandersetzung mit menschlicher Erfahrung und als einen ganzheitlichen, sozial eingelagerten Sinnbildungs- und Transformationsprozess, der in seiner Mehrdimensionalit\u00e4t noch viel Forschungspotenzial bereith\u00e4lt. Welche praktisch-fachlichen Handlungsfelder sich daraus ergeben, schildert das sechste Kapitel. Darunter fallen laut Hof vornehmlich vermittelnde und unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen z.&nbsp;B. in der fachlichen Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen, in der Konzeption institutioneller Rahmenbedingungen sowie in der Beratung. Ein Nachwort und ein umfangreiches Literaturverzeichnis runden den Titel ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autorin legt Hintergr\u00fcnde, Zusammenh\u00e4nge und Forschungsst\u00e4nde dar, um so griffige Perspektiven auf ein komplexes Themenfeld zu geben. Dabei f\u00f6rdert sie nicht zuletzt das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Lebenswelt und die Druckpunkte der Menschen im globalen Westen. Weil sich die gesellschaftlichen Bedingungen massiv ver\u00e4ndern, sind nicht zuletzt christliche Organisationen, Kirchen und Gemeinden herausgefordert, mitzudenken und entsprechend zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Es legt sich nahe, die vorliegenden Impulse theologisch weiter zu reflektieren und sie z.\u00a0B. mit einem tugendorientierten Bildungsansatz zu verbinden (vgl. M. Oxenham: <em>Character and Virtue in Theological Education<\/em>). Um Menschen vom Evangelium her zu f\u00f6rdern, k\u00f6nnten formale, non-formale und informelle Lern- und Begegnungsr\u00e4ume noch bewusster kombiniert werden. Die aktive Besch\u00e4ftigung mit dem Lebenslangen Lernen kann Ausbildungsst\u00e4tten, Glaubensgemeinschaften und Einzelnen helfen, bestehende Programme konzeptionell und didaktisch weiterzuentwickeln, sodass Katechese, <em>Spiritual Formation<\/em>, J\u00fcngerschaft, Mentoring, Diakonie, christliche Bildung und Ausbildung noch nachhaltiger geschehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Daniel Vullriede, M.A., Dozent am Bibelseminar Bonn und IBEI Rom<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christiane Hof: Lebenslanges Lernen. Eine Einf\u00fchrung, 2., \u00fcberarbeitete Auflage, Stuttgart: W. 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