{"id":1915,"date":"2023-04-22T10:30:34","date_gmt":"2023-04-22T10:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1915"},"modified":"2023-04-22T10:40:23","modified_gmt":"2023-04-22T10:40:23","slug":"andrew-root-churches-and-the-crisis-of-decline","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1915","title":{"rendered":"Andrew Root: Churches and the Crisis of Decline"},"content":{"rendered":"\n<p>Andrew Root: <em>Churches and the Crisis of Decline: A Hopeful, Practical Ecclesiology for a Secular Age<\/em>, Ministry in a Secular Age 4, Grand Rapids: Baker, 2022, Pb., xii+287&nbsp;S., ca. \u20ac&nbsp;27,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/bakeracademic.com\/p\/Churches-and-the-Crisis-of-Decline-Andrew-Root\/382690\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/bakeracademic.com\/p\/Churches-and-the-Crisis-of-Decline-Andrew-Root\/382690\">978-1-5409-6481-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich als dreiteiliges Werk angelegt, hat sich Andrew Roots <em>Ministry in a Secular Age<\/em>-Projekt inzwischen zu einer Pentalogie entwickelt. Mit dem vorliegenden vierten Band hat sich Root, <em>Professor for Youth and Family Ministry<\/em> am <em>Luther Seminary<\/em> zum Ziel gesetzt, die bereits im Vorg\u00e4ngerband einger\u00e4umte ekklesiologische und oikodomische Unbestimmtheit seines Entwurfes zu beseitigen (vgl. dazu auch meine Rezensionen zu <a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1570\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1570\">Teil 3<\/a> und zu <a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1918\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1918\">Teil 5<\/a>). Dabei widerspricht der Vf. mit Nachdruck der herk\u00f6mmlichen Lesart, wonach der Niedergang vieler Kirchen einem Mangel an Ressourcen und Relevanz geschuldet sei. Das tieferliegende Problem liege vielmehr darin, dass man innerhalb der geschlossenen Struktur eines immanenten Rahmens (Charles Taylor) kaum mehr in der Lage sei, den lebendigen Gott wahrzunehmen, mit seinem Handeln zu rechnen und auf seine Offenbarung zu reagieren. Entsprechend bestehe die \u201eNot-Wendigkeit\u201c darin, \u201eto pursue the more difficult task of exploring how, even though inextricably resting inside modernity and its immanent frame, the church might return to transcendence, finding its life in revelation itself\u201c (18).<\/p>\n\n\n\n<p>Um seinen zentralen Gedankengang zu entwickeln, bringt Root das Leben und die fr\u00fchen Schriften von Karl Barth anregend mit den Herausforderungen der Kirche im s\u00e4kularen Zeitalter ins Gespr\u00e4ch. Vor allem im R\u00fcckgriff auf Barths pastorale Erfahrungen und Reflexionen aus seiner Zeit in Safenwil ergeben sich mehrere ekklesiologische Leitplanken, die als Orientierung in und als Auswege aus der Krise dienen sollen. Erstens sieht der Vf. den Kern der kirchlichen Problemlage in der kaum noch vorhandenen Begegnung mit einem Gott, der tats\u00e4chlich transzendent und unverf\u00fcgbar ist: \u201eMy point, following Barth, is that only when we claim \u201aGod is God\u2018 do the pastor and the church have a purpose that can escape the flattening of modernity and its immanent frame\u201c (58). Zweitens m\u00fcssten Kirchen neu lernen, sich nicht selbst als Subjekt ihrer eigenen Geschichte zu betrachten, sondern auf das Eingreifen Gottes zu warten: \u201eThe church is the church of the living God only when it waits\u201c (141). Und schlie\u00dflich sollte an die Stelle eines individualistischen Relevanzstrebens wieder eine, so Root, l\u00e4ngst verlorene Barthsche Dialektik treten \u2013 eine Dialektik, in der das Sterben als Weg zum Leben begriffen wird, man die eigene Verlorenheit und Hilflosigkeit als Voraussetzung, von Gott gefunden zu werden, anerkennt und in der der lebendige Christus als Gott-Mensch die Br\u00fcche einer immanenten Zeit mit den Verhei\u00dfungen der Ewigkeit verbindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt k\u00f6nnte man Roots Narrativ als Aufforderung an liberale \u201emainline churches\u201c lesen, sich in Zukunft theologisch bewusster aus der Gefangenschaft eines geschlossenen Immanenzdenkens zu befreien, ohne dabei die Fehler konservativer Evangelikaler zu machen, die sich durch einen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen kirchlichen Innovationsdrang auf andere Weise im Netz des rein Immanenten verstricken. Insofern erf\u00fcllt der Vf. f\u00fcr unterschiedliche \u201eLager\u201c weiterhin eine wichtige korrektive Funktion. Auch seine Krisendiagnostik bleibt ungeachtet starker Redundanzen im Anschluss an die bisherigen B\u00e4nde lesenswert. In anderer Hinsicht erf\u00fcllt der Vf. die geweckten Erwartungen nicht: Obwohl Root zu Veranschaulichungszwecken in jedes Kapitel elegant die Erneuerungsgeschichte einer fiktiven Ortsgemeinde einwebt, bleibt er im Blick auf die konkreten Implikationen seines ekklesiologischen Grundger\u00fcsts auch in diesem Band merkw\u00fcrdig vage. Das hat auch damit zu tun, dass er seine \u00dcberlegungen selten biblisch verankert. Trotz des punktuellen Versuchs, das propagierte Warten auf den ganz anderen, unverf\u00fcgbaren Gott als \u201e<em>aktive<\/em> Passivit\u00e4t\u201c zu beschreiben und katechetisch wie homiletisch n\u00e4her zu bestimmen (143ff, 179ff), wird zu wenig deutlich, welche konkreten Handlungsorientierungen sich im Rahmen eines biblisch profilierten und zukunftsf\u00e4higen Gemeindeaufbaus umsetzen lassen. Gut m\u00f6glich, dass Root selbst eine derartige Forderung bereits als Folge des problematischen Wunsches nach Relevanz und \u201ebusy action steps\u201c (156) betrachten w\u00fcrde. In diesem Sinne muss sich Root m.&nbsp;E. zumindest den Vorwurf gefallen lassen, das Versprechen einer wahrhaft <em>praktischen <\/em>(d.&nbsp;h. in die Praxis f\u00fchrenden) Ekklesiologie bestenfalls ansatzweise eingel\u00f6st zu haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Philipp Bartholom\u00e4, Professor f\u00fcr Praktische Theologie an der FTH Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andrew Root: Churches and the Crisis of Decline: A Hopeful, Practical Ecclesiology for a Secular Age, Ministry in a Secular<\/p>\n","protected":false},"author":57,"featured_media":1916,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1915","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praktische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1915","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/57"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1915"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1915\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1921,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1915\/revisions\/1921"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1916"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1915"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1915"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1915"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}