{"id":192,"date":"2017-05-01T16:00:11","date_gmt":"2017-05-01T16:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=192"},"modified":"2017-05-01T20:33:57","modified_gmt":"2017-05-01T20:33:57","slug":"enno-edzard-popkes-der-krankenheilungsauftrag-jesu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=192","title":{"rendered":"Enno Edzard Popkes: Der Krankenheilungsauftrag Jesu"},"content":{"rendered":"<p>Enno Edzard Popkes: <em>Der Krankenheilungsauftrag Jesu. Studien zu seiner urspr\u00fcnglichen Gestalt und seiner fr\u00fchchristlichen Interpretation<\/em>, BThSt 96, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener, 2014, kt., 180\u00a0S., \u20ac\u00a026,99, <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/der_krankenheilungsauftrag_jesu\/t-0\/1087939\/\">ISBN 978-3-7887-2280-7<\/a><\/p>\n<div onclick=\"location.href='https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Popkes_Krankenheilungsauftrag.pdf'\" class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<hr \/>\n<p>Dass Jesus Kranke heilt, wurde vielfach untersucht. Enno E. Popkes, Professor f\u00fcr Geschichte und Arch\u00e4ologie des fr\u00fchen Christentums und seiner Umwelt am Institut f\u00fcr Neues Testament und Judaistik an der Theologischen Fakult\u00e4t der Christian-Albrecht-Universit\u00e4t Kiel, konzentriert sich dagegen in seiner Studie auf Jesu vor\u00f6sterliche Aussendungsreden und nach\u00f6ster\u00adliche Missionsauftr\u00e4ge, in denen die J\u00fcnger bevollm\u00e4chtigt werden, Kranke zu heilen und D\u00e4monen auszutreiben. Speziell fragt der Autor nach den anf\u00e4nglichen Charakteristika des Heilungsauftrages Jesu und den neutestamentlichen Begriffen von Krankheit und Heilung in der Logienquelle (Kap.\u00a02) sowie den neutestamentlichen Evangelien (Kap.\u00a03\u20136) im Vergleich mit dem Thomasevangelium (Kap.\u00a07). Auf diesem Hintergrund werden die fr\u00fchchristlichen Entwicklungsphasen des facettenreichen Spektrums zum Verst\u00e4ndnis der Krankheiten sowie der Umgang in der Wirkungsgeschichte (u.\u00a0a. in der neutestamentlichen Briefliteratur, Didache, Traditio Apostolica, M\u00f6nchstum) untersucht (Kap.\u00a08). In einem Schlussimpuls diskutiert Popkes die theologischen Herausforderungen des bleibenden Heilungsauftrages Jesu (Kap.\u00a09).<\/p>\n<p>In der Einleitung (Kap.\u00a01) legt Popkes seine methodischen Grundpr\u00e4missen offen. So favorisiert er die Zwei-Quellen-Theorie (12) und rekonstruiert den Heilungsauftrag Jesu in der sog. Logienquelle, wohl wissend, dass es sich um eine hypothetische Forschungsthese handelt. Dennoch verleiht er der Logienquelle \u201eeine hohe historische Plausibilit\u00e4t\u201c (44). Damit \u00fcbersieht Popkes die neuere Evangelien\u00adforschung zur Wiederentdeckung der Augenzeugen (Bauckham\u00a02006, Riesner\u00a02007) und der fr\u00fchchristlichen \u00dcberlieferungen zur apostolischen Herkunft der Evangelien (Schulz\u00a01997, Frickenschmidt\u00a01997), deren Literatur nicht diskutiert wird. Geht es aber um den Nachweis, warum im lukanischen Doppelwerk feine Differenzierungen in den medizinischen Ausdr\u00fccken vorliegen, wird dann doch die altkirchliche Tradition bem\u00fcht, um den Verfasser als Arzt auszuweisen (88).<\/p>\n<p>Nach kulturgeschichtlichen Vergleichen wendet sich der Autor den fr\u00fchj\u00fcdischen Traditionen zu, gem\u00e4\u00df derer Krankheiten als Folge d\u00e4monischer Besessenheit gedeutet werden (25\u201333). Sodann verweist Popkes auf die antike Medizingeschichte und vor allem auf das griechische Asklepios-Heiligtum, welches regen Zulauf fand, weil den Kranken das Gesundwerden durch den sog. \u201eInkubationsschlaf\u201c versprochen wurde. Diese Heilungsart tr\u00e4gt religi\u00f6se Z\u00fcge einer Wunderheilung. Zugleich stehen die Therapieformen der Schulmedizin recht nahe (38) und wurden in die abend\u00adl\u00e4ndische Medizin vermittelt (33\u201342).<\/p>\n<p>Der neutestamentliche Befund best\u00e4tigt: Die synoptischen Texte enthalten den Heilungs\u00adauftrag Jesu in Verbindung mit D\u00e4monenaustreibungen, wohingegen bei Markus Krankenheilungen und Exorzismen nicht miteinander verschr\u00e4nkt vorliegen (47). Bemerkenswert ist, dass Jesus wie selbstverst\u00e4ndlich Exorzismen durchf\u00fchrt und seine Gegner dies auch f\u00fcr sich bef\u00fcrworten und selbst praktizierten (48). Im Vergleich zu den synoptischen Evangelien fehlen im apokryphen ThomEv wie auch in der johanneischen Theologie D\u00e4monenaustreibungen. Jesu Heilungen und seine Heilungsaufforderungen sind im ThomEv zumindest noch als \u201eTraditionsrest\u201c (49) vorhanden. Dass sie bei Johannes jedoch fehlen, erkl\u00e4rt Popkes treffend (Kap.\u00a02) mit der christologischen Aussageintension, deutet aber an, dass die \u201egr\u00f6\u00dferen Werke\u201c (Joh\u00a014,12) durchaus \u201eauf eine nach\u00f6sterliche Heilungst\u00e4tigkeit der J\u00fcnger verweisen\u201c k\u00f6nnen (109). Akzentuiert sei aber, mit Bezug auf die johanneischen Briefe, die Praxis der F\u00fcrsorge und N\u00e4chstenliebe f\u00fcr Notleidende (107\u2013110).<\/p>\n<p>Ein Schwerpunkt der Studie (Kap.\u00a03\u20136) liegt auf den Analysen des Krankenheilungs\u00adauftrages Jesu an seine J\u00fcnger in den synoptischen Evangelien, in denen exegetisch wertvolle Einzelbeobachtungen herausgearbeitet werden (51\u2013110). Dazu geh\u00f6rt etwa der exegetische Befund, dass es \u201esich bei der D\u00e4monenaustreibung um eine Krankenheilung handelt\u201c (80). Bei Markus werden die typischen Ph\u00e4nomene der missionarischen T\u00e4tigkeit der J\u00fcnger mit ihrer vorausgehenden Bevollm\u00e4chtigung und Aussendungsrede Jesu dargelegt (51\u201361). Dabei richtet sich Popkes in Mk\u00a06,7\u201313 zurecht gegen die teilweise in der neutestamentlichen Forschung vertretene These, es w\u00fcrde sich beim Bericht \u00fcber die vor\u00f6sterliche Aussendung der zw\u00f6lf Apostel um eine R\u00fcckprojektion der Gemeinde zur Legitimation der nach\u00f6sterlichen Mission handeln (52). Aufschlussreich ist die textinterne Dialektik: W\u00e4hrend die \u00dcbertragung der Vollmacht Jesu an seine J\u00fcnger lediglich die \u201eunreinen Geister\u201c nennt, erw\u00e4hnt der Bericht \u00fcber die missionarischen Wirkungen zus\u00e4tzlich das Heilen (<em>therapeuein<\/em>) von Krankheiten mit dem Spezifikum der \u00d6lsalbung (53). Letzteres findet sich im NT nur noch im Kontext der \u201efest gef\u00fcgten Gemeindestruktur\u201c in Jak 5,14f (54). Dar\u00fcber hinaus deutet Popkes die Verwendung von \u00d6l sowie den Begriff <em>therapeuein<\/em> als \u201etherapeutische Zuwendung\u201c, in Abwehr gegen\u00fcber einem damals zu stark herausgehobenen Wunderglauben (58). Dies belegt er unter ethischen und medizinischen Gesichtspunkten in der Analyse zum Lukasevangelium anhand des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter erg\u00e4nzend als karitativ-diakonisches Handeln. Popkes\u2019 neutestamentlicher Deutung von <em>therapeuein<\/em> werden nicht alle Exegeten folgen.<\/p>\n<p>In der matth\u00e4ischen Theologie geht es Popkes vornehmlich um die Frage, ob die Heilungst\u00e4tigkeit der J\u00fcnger auf die irdische Zeit Jesu beschr\u00e4nkt bleibe (Mt\u00a010), w\u00e4hrend in der nach\u00f6sterlichen Missionsarbeit die Lehre im Vordergrund stehe und sich ein \u201eauthentischer J\u00fcnger\u201c durch das Tun des Willens Gottes (Mt\u00a028) aus\u00adzeichne (71). Sein exegetischer Befund: Heilungen und D\u00e4monenaustreibungen der J\u00fcnger geh\u00f6ren zum wesentlichen bleibenden Kennzeichen der \u201echristlichen Missionsarbeit\u201c (82).<\/p>\n<p>Ein anderer Schwerpunkt der Studie (Kap.\u00a08) besch\u00e4ftigt sich mit dem Krankheits\u00adph\u00e4nomen und nach\u00f6sterlichen Heilungsauftrag in vier Themenbereichen der Wirkungsgeschichte (114\u2013138): in der Frage nach 1) dem Charisma der Heilungen bei Paulus, 2) den fr\u00fchchristlichen Wanderpropheten und W\u00fcstenv\u00e4tern, 3) den An\u00adweisungen zur F\u00fcrbitte und Krankensalbung und 4) der diakonischen Kranken\u00adf\u00fcrsorge. Dabei will Popkes ausdr\u00fccklich die \u201emethodische Engf\u00fchrung\u201c vermeiden, lediglich nach expliziten Aussagen (\u00fcberlieferten Zitaten\/Anspielungen) zum Heilungsauftrag Jesu zu suchen (114). Ganz h\u00e4lt er dies jedoch nicht durch (vgl.\u00a0115,\u00a0118,\u00a0129,\u00a0138). Aus der Wirkungsgeschichte ergibt sich der Eindruck, dass die Heilungen ein zentrales Wesensmerkmal fr\u00fchchristlicher Missionst\u00e4tigkeiten darstellten (124). \u00dcberhaupt stellt Popkes, wie andere Forscher vor ihm, das bemerkenswerte Ergebnis des theologischen Zusammenhangs zwischen Vollmacht zum Heilen und einer Jesus gem\u00e4\u00dfen Lebensweise heraus. Im Schlussimpuls rei\u00dft Popkes die theologischen Herausforderungen der zahlreichen Diskursfelder, die den Heilungsauftrag Jesu zwischen dem fr\u00fchchristlichen Welt- und Menschbild und dem modernen Wirklichkeitsverst\u00e4ndnis zu vermitteln suchen, zumindest kurz an und verweist auf die entsprechenden Desiderate (Kap.\u00a09,\u00a0139\u2013145).<\/p>\n<p>Einmal abgesehen vom historisch-kritischen Ansatz regt die gesamte Untersuchung zur praktisch-theologischen und missiologischen Weiterarbeit an. Das 34-seitige Literaturverzeichnis nimmt evangelikale Forschungen nicht nur zur Kenntnis, sondern verarbeitet sie auch. Leserfreundlich werden die biblischen Texte und ihre Analysen \u00fcbersichtlich tabellarisch pr\u00e4sentiert und Abbildungen illustrieren arch\u00e4ologische Ausgrabungen. Register fehlen leider komplett.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Manfred Baumert, Leiter Theologisches Seminar Adelshofen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Enno Edzard Popkes: Der Krankenheilungsauftrag Jesu. 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