{"id":1923,"date":"2023-04-22T10:42:56","date_gmt":"2023-04-22T10:42:56","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1923"},"modified":"2023-04-22T10:42:58","modified_gmt":"2023-04-22T10:42:58","slug":"gerhard-wegner-substanzielles-christentum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1923","title":{"rendered":"Gerhard Wegner: Substanzielles Christentum"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerhard Wegner: <em>Substanzielles Christentum. Soziotheologische Erkundungen<\/em>, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2022, Pb., 376\u00a0S., \u20ac\u00a038,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5236_Substanzielles-Christentum.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5236_Substanzielles-Christentum.html\">978-3-374-07014-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Corona habe die soziale Nutzlosigkeit des von Kircheninstitutionen in Deutschland vertretenen christlichen Glaubens best\u00e4tigt und die Pandemie markiere nun auch im Westen Deutschlands das Aus der unangefochtenen gesellschaftlichen Stellung etablierter Kirchen, so Gerhard Wegner, ehemaliger Direktor des Sozialwissenschaftlichen Institutes der EKD, Publizist und apl. Professor f\u00fcr Praktische Theologie an der Universit\u00e4t Marburg in seinem neuesten Buch <em>Substanzielles Christentum<\/em>. Zunehmend f\u00e4nden sich Kirchen in einer Diasporasituation wieder, die sie zwinge, in der Weitergabe des christlichen Glaubens diesen den Menschen als tragf\u00e4higes Lebensmuster zu plausibilisieren. Angesichts dieser kirchlichen Gro\u00dfwetterlage stellt sich die Frage, was christlicher Glaube unter diesen Gegebenheiten seinem Wesen nach sein kann. In sechs Beitr\u00e4gen sucht der Autor im Gespr\u00e4ch mit der Soziologie nach Antworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einleitung ist grundlegend und hat Vorzeichencharakter. Sie beginnt mit einer Analyse der Probleme kirchlicher Institutionen. Diese liegen in der dramatischen Verkleinerung kirchlicher Pr\u00e4senz in der Gesellschaft aufgrund des Mitgliederr\u00fcckgangs und fehlender Reformbereitschaft. \u201eEs geht\u201c, so das Fazit des Autors, \u201eim Gro\u00dfen und Ganzen alles weiter wie bisher.\u201c Der Grund daf\u00fcr liege im \u201ekorporatistischen Setting\u201c des spezifisch deutschen Staatskirchensystems, das die Gro\u00dfkirchen auch nach 1919 enorm privilegierte, ihnen ihre starke gesellschaftliche Stellung und eine weitgehende finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit verlieh. Die EKD konnte sich so losgel\u00f6st von den tats\u00e4chlichen Mitgliederinteressen gleichsam als ein eigener Kosmos entwickeln und die soziale Seite christlichen Glaubens und ein entsprechendes Engagement ausklammern. Vor dem Hintergrund dieser Skizze wird nun der Begriff \u201esubstanzielles Christentum\u201c eingef\u00fchrt. Er bezeichnet die Erfahrung basaler Wirkungen christlichen Glaubens im Leben als Halt, Kraft, Gemeinschaft oder Sinn. Solche substanziellen Glaubensformen zeigen religions- und kirchensoziologische Forschungen bei Menschen, die sich in der Relation zu Jesus Christus in ihrem konkreten Lebensumfeld kontextualisieren, und offenbaren die Differenz zwischen existenziellem und blo\u00df nominellem Christsein. Als Merkmale \u201esubstanziellen Glaubens\u201c erhalten die Erfahrung der Realit\u00e4t Gottes, die Gegenwart des Leibes Christi im Alltag, transformative Wirkungen seines Geistes oder Konversionen neue Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit seinem Ansatz einer \u201eSoziotheologie\u201c entwickelt der Autor im zweiten Kapitel \u00dcberlegungen und Perspektiven auf kirchliche Gegenwartsfragen und liefert dazu Hintergr\u00fcnde, Analysen, Impulse und Thesen. Sein Ziel ist es, \u201edie Theologie in die wesentlichen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und sozialen Praktiken der Gegenwart hineinzuziehen [\u2026], ohne sie als solche preiszugeben\u201c. Vielmehr soll sie an Relevanz gewinnen und zur Gottesbegegnung verhelfen. Kapitel drei gibt einen inspirierenden \u00dcberblick, wie die Soziologie in den 1960er Jahren die Theologie befruchtete und die Krisenjahre einen Durchbruch mit der positiven Deutung s\u00e4kularer Logiken brachten, der zur Festigung des Volkskirchensystems in Westdeutschland beitrug. Die folgenden drei Kapitel vertiefen Einzelaspekte. Zun\u00e4chst bietet der Autor einen \u00dcberblick zum Armutsdiskurs in Theologie und Kirche der letzten beiden Jahrzehnte. Darauf folgt ein Kapitel mit zehn Thesen zum Leben in der Erwartung des Geistes Gottes als einer innerweltliche Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten transformierenden Kraft. Im Schlusskapitel beschreibt der Autor, wie seine Kirche \u201esystemische Tr\u00e4gheit\u201c \u00fcberwinden, gesellschaftlichen Trends zum Trotz innovativ gestalten und Resilienz entwickeln kann. Alles in allem ein Buch, dessen ehrliches Ringen mit der kirchlichen Krise sp\u00fcrbar ist \u2013 substanziell, informativ, bilanzierend, analytisch und an vielen Stellen pers\u00f6nlich.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. habil. Friedemann Burkhardt, Dozent im Bereich Praktische Theologie an der Internationalen Hochschule Liebenzell<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerhard Wegner: Substanzielles Christentum. Soziotheologische Erkundungen, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2022, Pb., 376\u00a0S., \u20ac\u00a038,\u2013, ISBN 978-3-374-07014-5 Corona habe die soziale Nutzlosigkeit<\/p>\n","protected":false},"author":119,"featured_media":1924,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1923","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praktische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1923","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/119"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1923"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1923\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1925,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1923\/revisions\/1925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1924"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1923"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1923"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1923"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}