{"id":1929,"date":"2023-04-22T11:03:54","date_gmt":"2023-04-22T11:03:54","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1929"},"modified":"2023-04-22T11:03:56","modified_gmt":"2023-04-22T11:03:56","slug":"alfred-dunshirn-griechisch-fuer-das-philosophiestudium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1929","title":{"rendered":"Alfred Dunshirn: Griechisch f\u00fcr das Philosophiestudium"},"content":{"rendered":"\n<p>Alfred Dunshirn: <em>Griechisch f\u00fcr das Philosophiestudium<\/em>, 3.\u00a0Auflage, Wien: Facultas, 2022, Pb., 174\u00a0S., \u20ac\u00a015,90, ISBN <a href=\"https:\/\/www.facultas.at\/item\/62519378\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.facultas.at\/item\/62519378\">978-3-8252-8805-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Altgriechisch zu lernen ist heute den meisten Menschen fremd. Wer das Erlernen dieser Sprache nicht zuf\u00e4llig auf einem humanistischen Gymnasium gew\u00e4hlt hat, erlernt sie h\u00e4ufig als Voraussetzung f\u00fcr ein Universit\u00e4tsstudium, oftmals mehr schlecht als recht. Dass das Griechische jedoch von \u00fcberragender Wichtigkeit ist, wird jedem Studenten klar, dessen Fachgebiet sich in irgendeiner Form mit der Antike befasst. Dass das Griechische aber auch erlernbar <em>und<\/em> fruchtreich f\u00fcr das Studium ist, wird an diesem B\u00fcchlein deutlich. Dr. Alfred Dunshirn, Privatdozent am Institut f\u00fcr Klassische Philologie der Universit\u00e4t Wien, stellt mit dem hier besprochenen Werk bereits die dritte Auflage seiner kurzen Einf\u00fchrung aus dem Jahr 2008 in die Verquickung von antiker Philosophie und Graezistik vor \u2013 einer Verbindung, die man nicht trennen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgebaut ist das Buch wie folgt: Einige kurze Vorbemerkungen zur griechischen Grammatik bilden die Grundlage des eigentlichen Hauptteils. Dieser ist nach den drei klassischen Schwerpunkten antiker Philosophie geordnet: Vorsokratiker (23\u201353), Sokrates \u2013 Platon (54\u2013101), Aristoteles (102\u2013139). \u00dcbersetzungen zu den Texten der einzelnen Kapitel, L\u00f6sungen zu den \u00dcbungen, Glossar, Literaturverzeichnis und Indices runden den Band mit insgesamt 174 Seiten ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die oben benannte Verbindung von Philosophie und Griechisch schl\u00e4gt sich im Buch in jedem Unterkapitel in \u00e4hnlicher Weise nieder. Der Autor schaltet nicht zuerst einen sprachtheoretisch-grammatischen Block vor, um danach die gewonnenen Erkenntnisse auf ein antik-philosophisches Zitat anzuwenden. Im Gegenteil: Es gelingt schon im Kapitel zu Parmenides, die vermeintliche Trockenheit der griechischen Grammatik erst <em>nach<\/em> einer Einf\u00fchrung zu Parmenides und der Nennung des Zitats auf das Wesentliche zu destillieren. Das bekannte \u03c4\u1f78 \u03b3\u1f70\u03c1 \u03b1\u1f50\u03c4\u1f78 \u03bd\u03bf\u03b5\u1fd6\u03bd \u1f10\u03c3\u03c4\u03af\u03bd \u03c4\u03b5 \u03ba\u03b1\u1f76 \u03b5\u1f36\u03bd\u03b1\u03b9 l\u00e4sst sich sofort \u00fcbersetzen, indem der Autor alle n\u00f6tigen Vokabeln darunter angibt. Auf diese Weise werden das Zitat und sein Aussagegehalt ins Zentrum des Interesses gestellt. Fast spielerisch tritt dem das Erlernen des Griechischen zur Seite, jedoch eindeutig als Diener des eigentlichen Zitats. Freilich folgen sodann mehrere grammatische Bl\u00f6cke, etwa zu zur O-Deklination der Maskulina oder eine erste Einf\u00fchrung zum Verbum, die zum Verst\u00e4ndnis des Zitats n\u00f6tig sind oder aber schlicht Auskunft \u00fcber zentrale Bestandteile der griechischen Sprache liefern.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist auch schon die gro\u00dfe St\u00e4rke dieser unscheinbaren Einf\u00fchrung beschrieben. Geht man einmal davon aus, dass kaum jemand dieses B\u00fcchlein in die Hand nimmt, um einfach attisches Altgriechisch zu erlernen, sondern aus dem verst\u00e4ndlichen Interesse, grundlegende philosophische Texte im Original zu lesen, wird man hier auf seine Kosten kommen. Die st\u00e4ndige Zentralstellung der antiken Autoren und einiger pr\u00e4gnanter Ausschnitte ihres \u0152uvres halten den Leser am Ball, sich mit den manchmal schwer verst\u00e4ndlichen griechischen Regeln zu befassen. Die Auswahl der Texte ist bei der Sachkenntnis des Autors erwartungsgem\u00e4\u00df vorz\u00fcglich. Auch wichtige Themen wie die Tetralogieneinteilung der Dialoge werden angesprochen. Stets beh\u00e4lt der Autor den Anf\u00e4nger im Blick, was die vielen Abschnitte zu W\u00f6rterb\u00fcchern, Hilfsmitteln und sonstigen Hinweisen sachdienlich unterstreichen. Die dort angegebene Literatur ist gut unterteilt und auf dem neusten Stand. Zu vermissen ist lediglich Franco Montanaris W\u00f6rterbuch, das 2015 bei Brill auf Englisch (und nicht nur auf Italienisch) erschienen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist diese Einf\u00fchrung ausreichend f\u00fcr ein mehr als rudiment\u00e4res Verst\u00e4ndnis des Altgriechischen? Wohl nicht, wie der Autor selbst in seinem Vorwort koinzidiert. Aber genau hierin liegt ihr Wert. Sie weckt das Interesse f\u00fcr einen unmittelbareren Zugang zu diesen ideengeschichtlichen Meistern. Sie ert\u00fcchtigt, einmal selbst zu betrachten, was eigentlich gedacht und niedergeschrieben wurde; und dann wahrzunehmen, wie (absichtlich?) schillernd manche Formulierungen gehalten sind und verstanden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser St\u00e4rken war es dem Rezensenten nicht immer klar, ob ein v\u00f6lliger Neuling die fragmentarischen Erw\u00e4hnungen zur griechischen Grammatik tats\u00e4chlich g\u00e4nzlich ohne andere Hilfsmittel verinnerlichen und durchdringen k\u00f6nnte. Es fehlt mancherorts eine kl\u00e4rende Darstellung der Systematik, die der griechischen Sprache innewohnt. Dadurch w\u00e4re der stark induktive Ansatz des Buches fruchtreich erg\u00e4nzt worden. Beispielsweise w\u00e4re eine im Anhang verortete Paradigmentabelle f\u00fcr die thematische (und ggf. auch f\u00fcr die athematische) Konjugation der verba vocalia non-contracta hilfreich gewesen. Auch die Voraussetzung \u201erudiment\u00e4re[r] Kenntnisse der lateinischen Grammatikterminologie\u201c (5) scheint angesichts der F\u00fclle grammatischer Fachtermini doch etwas euphemistisch, wenngleich das bereits erw\u00e4hnte Glossar am Ende teilweise weiterhilft. Wo sich das Buch mancherorts zu Recht um begrenzte Detailliertheit bem\u00fcht, \u00fcberraschen andernorts Spezialthemen wie die, dass die Umschrift [t<sup>h<\/sup> statt th f\u00fcr \u03b8 usw.] heute sprachlich korrekter w\u00e4re. Ob diese Ausf\u00fchrung wirklich f\u00fcr das Anliegen des Buches n\u00f6tig ist, da der Autor doch selbst von einem recht breiten Konsensus in Schule und Universit\u00e4t spricht, w\u00e4re zu \u00fcberlegen. Ungeachtet der Qualit\u00e4ten hinsichtlich einer originalsprachlichen Ann\u00e4herung an die antike Philosophie, wird der Griechisch-Teil selbst f\u00fcr manche ge\u00fcbte Leser in dieser kondensierten K\u00fcrze wahrscheinlich eine \u00fcberfordernde tour de force darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Formal ist das B\u00fcchlein gut gestaltet. Etwas ungew\u00f6hnlich ist der gro\u00dfe Zeilenabstand in den Fu\u00dfnoten, der diese klobig erscheinen l\u00e4sst. Eine besondere Freude ist der Hinweis im Buch auf online verf\u00fcgbares Bonusmaterial. Dieses umfasst im Wesentlichen zwei Interlinear\u00fcbersetzungen des Autors zu Platons Euthyphron und Apologie, die der Rezensent nicht nur als qualitativ hochwertig empfand, sondern auch als \u00e4u\u00dferst hilfreiche Weiterf\u00fchrung f\u00fcr all diejenigen, die durch das Buch zur weiteren Lekt\u00fcre im Original angesteckt wurden. Ganz im Sinne von C. S. Lewis\u2019 Ruf zur\u00fcck zu den \u201aalten B\u00fcchern\u2018 bietet das Werk dem engagierten Studenten eine sch\u00f6ne Einf\u00fchrung in die Sprach- und damit Gedankenwelt dieser antiken Riesen; nicht um dort stehenzubleiben, sondern um von dort aus einzusteigen und weitere Sch\u00e4tze zu heben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Magnus Rabel, M.Th., Doktorand bei Prof. Dr. J\u00f6rg Frey am Lehrstuhl f\u00fcr neutestamentliche Wissenschaft an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alfred Dunshirn: Griechisch f\u00fcr das Philosophiestudium, 3.\u00a0Auflage, Wien: Facultas, 2022, Pb., 174\u00a0S., \u20ac\u00a015,90, ISBN 978-3-8252-8805-1 Altgriechisch zu lernen ist heute<\/p>\n","protected":false},"author":101,"featured_media":1930,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1929","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1929","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/101"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1929"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1929\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1931,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1929\/revisions\/1931"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1930"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1929"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1929"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1929"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}