{"id":1932,"date":"2023-04-22T11:06:10","date_gmt":"2023-04-22T11:06:10","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1932"},"modified":"2023-04-22T11:06:11","modified_gmt":"2023-04-22T11:06:11","slug":"heinzpeter-hempelmann-philosophie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1932","title":{"rendered":"Heinzpeter Hempelmann: Philosophie"},"content":{"rendered":"\n<p>Heinzpeter Hempelmann: <em>Philosophie. Eine Einf\u00fchrung f\u00fcr Theologen 1. Antike: Vorsokratiker \u2013 Platon \u2013 Aristoteles, <\/em>Gie\u00dfen: Brunnen, 2022, Pb., 176\u00a0S., \u20ac\u00a020,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/229115-philosophie-eine-einfuehrung-fuer-theologen-band-1.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/229115-philosophie-eine-einfuehrung-fuer-theologen-band-1.html\">978-3-7655-9115-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Heinzpeter Hempelmann ist Professor f\u00fcr Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg und Professor f\u00fcr Systematische Theologie und Kulturhermeneutik an der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL). Der Verfasser von \u00fcber 80 Monografien, zahllosen Aufs\u00e4tzen und Mitherausgeber des ELThG<sup>2<\/sup> (Evangelischen Lexikons f\u00fcr Theologie und Gemeinde) legt den ersten Band seiner Einf\u00fchrung in die Philosophie vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einf\u00fchrung (7\u201326) begrenzt das Werk auf die \u201eabendl\u00e4ndische Geistesgeschichte\u201c (9). Er bezweckt einen \u201eersten qualifizierten Zugang\u201c (9) mit \u201eKonzentration auf die Teile des Werkes\u201c eines Philosophen, die \u201ebei theologisch suchenden Lesern auch besonderes Interesse finden\u201c (10). Zus\u00e4tzlich kann online auf Videos und Podcasts des Autors zugegriffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den \u201eSieben Gr\u00fcnden, warum gerade Christen und Theologen\u201c zur Besch\u00e4ftigung mit Philosophie aufgerufen sind, geh\u00f6rt der Zusammenhang zwischen Glauben und Denken. \u201eGlaube hat was mit Vernunft zu tun. Er hat Gr\u00fcnde\u201c (23). Unter anderem dabei hilft Philosophie. Wie bei jedem Kapitel folgen am Ende Literaturhinweise.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTeil A. Vorsokratiker\u201c (27\u201361) weist auf die Neuheit des philosophischen Ansatzes als \u00dcbergang des \u201emythischen Denkens\u201c (30) zur \u201erationalen, nach Kausalit\u00e4ten und abstrahierbaren Prinzipien suchenden Antwort\u201c (31) hin. Acht Philosophen und ihre Schulen werden vorgestellt. Sie wirken bis heute in ihrer Entscheidung f\u00fcr Rationalit\u00e4t und der Suche nach dem Ganzen. Exkurse (zur mathematischen Struktur der Wirklichkeit, Materialismus und Wahrheitspluralismus) und kurze Texte der Vorsokratiker beschlie\u00dfen das Kapitel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTeil B. Platon\u201c (63\u2013114) zeigt Platon auch als Praktiker. Seine dialogische Methode, Ideenlehre und Idealstaat werden verst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt. Platonischer Idealismus und Fragen nach Seele, Bewusstsein und dem Zusammenhang des Guten, Wahren und Sch\u00f6nen befruchten die Philosophie bis heute. Kritik findet sich an der Ideenlehre, seiner totalitaristischen Staatsethik und dem Essenzialismus. Christliche Ankn\u00fcpfungspunkte sieht der Autor in der Person des Sokrates, der Lage des Menschen, der Ordnung der Welt und die ihr zugrundeliegende tiefere Realit\u00e4t. Unvereinbar mit der Bibel sind die Bewertung des Diesseits, des K\u00f6rpers, der Seele und der Erl\u00f6sung: \u201eDas Problem des Menschen ist nicht nur kognitiver Natur. \u2026 Die Rettung und Erl\u00f6sung braucht den Identit\u00e4tswechsel im Glauben\u201c (100). Aus der Erkenntnistheorie folgen f\u00fcr den Autor Absolutheitsanspr\u00fcche mit negativen ethischen, politischen und theologischen Auswirkungen aufgrund einer \u201e\u00dcberformung hebr\u00e4isch-biblischen Denkens durch platonische Wesensschau\u201c (104). Als Textbeispiele dienen das H\u00f6hlengleichnis, sowie Ausz\u00fcge aus dem siebten Brief und aus dem Phaidon.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTeil C. Aristoteles\u201c (115\u2013167) w\u00fcrdigt die immense Leistung des Philosophen, beschr\u00e4nkt sich aber \u201eauf das eine Werk, das von allergr\u00f6\u00dftem Interesse ist f\u00fcr Theologen und Christen\u201c (119), die Metaphysik. Wir erhalten eine Einf\u00fchrung in die aristotelische \u201eerste Philosophie\u201c. In Bezug auf die Wirkung des Aristoteles wird nur auf seine Wissenschaftskonzeption und Metaphysik eingegangen. F\u00fcr Christen ist die Theologie des Aristoteles vielfach attraktiv. Dennoch \u00fcberwiegen f\u00fcr den Autor die \u201eBruchpunkte \u2026, die es schwer verst\u00e4ndlich erscheinen lassen, dass man \u00fcberhaupt versucht hat, Aristotelische Metaphysik und den biblisch bezeugten Gott aufeinander zu beziehen\u201c (145). Solche Bruchpunkte sind der sich \u00e4ndernde, liebende, gekreuzigte Gott und unterschiedliche Wahrheits- und Weltvorstellungen. Griechische Metaphysik hat einen sch\u00e4dlichen Einfluss auf Theologie. Das versucht der Autor anhand der Zwei-Naturen-Lehre zu belegen (151f). Er scheint den Begriff \u201ewesensgleich\u201c aus dem Nic\u00e4num im Widerspruch zur Bibel zu sehen. \u201eAus der Wahrnehmung der Geschichte abgeleitete, erz\u00e4hlende Christologie und philosophisch bestimmte, ontologisch verfahrende Theologie verhalten sich wie Feuer und Wasser\u201c (153). Das Denken in Kategorien ist zwar unvermeidlich (155), kann aber gef\u00e4hrlich werden, wie Aristoteles Bef\u00fcrwortung der Sklaverei zeigt (157f). Der Autor f\u00fchrt die Diskussion abschlie\u00dfend zu \u201eden Herausforderungen, vor die uns ein postmodernes Denken stellt\u201c (162), und fragt: \u201eWas ist denn nun der Mensch, \u2026 Was ist denn nun die Mitte der Schrift, das Evangelium, der Kern des christlichen Glaubens, der Kanon im Kanon \u2026?\u201c (162) Das Textbeispiel stammt aus Metaphysik, XII, 7\u20139.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den Literaturangaben zu Aristoteles folgen ein Glossar, sowie Personen- und Sachregister.<\/p>\n\n\n\n<p>Die klare Konzeption und die Einbeziehung der postmodernen Philosophie machen das Buch zu einer spannenden Lekt\u00fcre. Doch weshalb konzentrieren sich Philosophie-Einf\u00fchrungen gew\u00f6hnlich auf das Abendland und seine m\u00e4nnlichen Theologen (vgl. den Titel) und m\u00e4nnlichen Philosophen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch entstand aus jahrzehntelanger Unterrichtspraxis (9) und zeigt dementsprechend eine bewundernswerte Vertrautheit mit den besprochenen Philosophen und ihrer Rezeption. Trotzdem war ich bei der Lekt\u00fcre dankbar f\u00fcr mein bereits abgeschlossenes Studium der Philosophie und Linguistik. Ist es n\u00f6tig, in der Einf\u00fchrung zu einer Einf\u00fchrung die Habermas\u2019sche Diskurstheorie, die Kantkritik von Hamann und eine Diskussion des Wahrheitspluralismus in der christlichen Theologie zu pr\u00e4sentieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, denn das Buch legt seine eigene philosophische Haltung offen. So wird es auch zu einer Art theologischen Einf\u00fchrung. Wir finden Einw\u00e4nde gegen \u201eletzte, metaphysische Voraussetzungen\u201c (17), das \u201etyrannische Denken\u201c (89) des Essenzialismus und der Logik: \u201eLogik und Toleranz passen nicht so gut zueinander\u201c (125).<\/p>\n\n\n\n<p>Passend dazu wird festgestellt: \u201eBiblisch-theologisch ist Wahrheit (hebr. \u00e4m\u00e4t) Treue\u201c (148). Hier fehlt ein Beleg (und eine Auseinandersetzung mit Michel Diethelm, \u201e\u2019\u00c4M\u00c4T. Untersuchung \u00fcber \u201aWahrheit im Hebr\u00e4ischen\u2018\u201c, <em>Archiv f\u00fcr Begriffsgeschichte<\/em> 12 [1968]: 30\u201357). Ganz anders der \u201eGrundsatz griechischer Erkenntnistheorie: Erkenntnis entsteht durch Ausschluss\u201c (125). Diesem Denken stellt Hempelmann Jesus so entgegen: \u201eEr vertritt keine doktrinalen Positionen\u201c (92). Zus\u00e4tzlich scheint der Autor ein linguistisches Relativit\u00e4tsprinzip zu vertreten (inklusive traditioneller Erw\u00e4hnung der Hopi-Sprache, 155), was in Folgeb\u00e4nden hoffentlich noch ausdifferenziert wird. Hempelmann verweist im Zitat darauf, dass wir auf die \u201ehebr\u00e4ische Sprache angewiesen\u201c sind, \u201eum die Kenntnis Jesu nicht zu verfehlen oder zu verf\u00e4lschen\u201c (153, Anm. 58). Ohne weitere Erl\u00e4uterungen k\u00f6nnte dies zu Fragen f\u00fchren wie: K\u00f6nnen Nicht-Hebraisten Jesus echt kennen? K\u00f6nnen wir unsere heiligen B\u00fccher \u00fcbersetzen? Und was wird dadurch aus der vorliegenden Einf\u00fchrung in das Denken von Menschen, die in einer v\u00f6llig anderen Sprache und Kultur beheimatet waren? Konnten wir sie halbwegs richtig verstehen? Haben ihre Texte eine Bedeutung, auch bevor \u201ewir sie eindeutig machen\u201c (105)? Bei all diesen und anderen im Buch angesprochenen Fragen (z.\u00a0B. zu Monolatrie in der Bibel, zur Darstellung reformierter Theologie, zum Offenen Theismus, zur Offenbarungstheologie, zum Inspirationsverst\u00e4ndnis) lohnt sich ein Nachdenken \u2013 auch \u00fcber postmoderne Positionen \u2013 um weiter nach der von Gott offenbarten Wahrheit zu suchen und an ihr festzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr.phil. Christian Bensel, \u201eBegr\u00fcndet Glauben \u2013 Verein f\u00fcr Philosophie, Weltanschauung und christlichen Glauben\u201c, Ober\u00f6sterreich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinzpeter Hempelmann: Philosophie. Eine Einf\u00fchrung f\u00fcr Theologen 1. 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