{"id":1938,"date":"2023-04-22T11:11:16","date_gmt":"2023-04-22T11:11:16","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1938"},"modified":"2023-04-22T11:11:18","modified_gmt":"2023-04-22T11:11:18","slug":"burkhard-neumann-juergen-stolze-hg-jesus-christus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1938","title":{"rendered":"Burkhard Neumann \/ J\u00fcrgen Stolze (Hg.): Jesus Christus"},"content":{"rendered":"\n<p>Burkhard Neumann \/ J\u00fcrgen Stolze (Hg.): <em>Jesus Christus \u2013 Sohn Gottes und Erl\u00f6ser. Freikirchliche und r\u00f6misch-katholische Perspektiven<\/em>, Paderborn: Bonifatius, 2021, Pb., 268\u00a0S., \u20ac\u00a020,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.bonifatius-verlag.de\/shop\/jesus-christus-sohn-gottes-und-erloeser\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bonifatius-verlag.de\/shop\/jesus-christus-sohn-gottes-und-erloeser\/\">978-3-8971-0895-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Kann, darf, sollte man heute noch vom S\u00fchnetod Jesu reden? Dieser Frage ging das neunte Symposium r\u00f6misch-katholischer und freikirchlicher Vertreter\/innen (FEG, Mennoniten, Herrnhuter Br\u00fcdergemeine, BFP und Methodisten) im Johann-Adam-M\u00f6hler-Institut f\u00fcr \u00d6kumenik in Paderborn nach. Schon vorher wurde Gott Vater thematisiert, 2021 in <em>Heute von Gott reden. Freikirchliche und r\u00f6misch-katholische Perspektiven<\/em> (258 S.). 2022 schloss <em>Wir glauben an den einen Geist \u2013 Das Wirken des Heiligen Geistes aus freikirchlicher und r\u00f6misch-katholischer Sicht<\/em> die trinitarischen Gespr\u00e4che ab (242&nbsp;S., jeweils dieselben Herausgeber und Verlag; mehr dazu am Ende dieser Rezension).<\/p>\n\n\n\n<p>Im hier vorliegenden Buch finden sich zw\u00f6lf Beitr\u00e4ge, die sich auf Jesus als Sohn Gottes und Erl\u00f6ser fokussieren. Benjamin Dahlke gibt kirchengeschichtliche Einblicke in das intensive Ringen um Verst\u00e4ndnis von Menschlichkeit und G\u00f6ttlichkeit Jesu. Die Ergebnisse finden sich in den altkirchlichen Bekenntnissen. Er fragt f\u00fcr heute: \u201eWie kann ein christologischer Entwurf \u2026 sowohl schrift- und bekenntnis- als auch zeitgem\u00e4\u00df sein?\u201c (59). Sprache und Bedeutung mancher Begriffe ver\u00e4nderten sich, so dass ein blo\u00dfes Rezitieren allein wenig bringt. Haben Apostolikum und Co ausgedient? Nein, so Dahlke. Durch sie st\u00e4rken wir Gemeinschaft, denn wir bekennen gemeinsam mit denselben Worten wie unsere geistlichen Vorfahren. Auch wurde durch sie Lehre gebildet und werden Kernpunkte christlichen Glaubens weitergegeben. Die Bekenntnisse sind also Verantwortung und Chance zugleich, den bleibenden Sachgehalt in neuer Sprachgestalt zu erkl\u00e4ren. Die r\u00f6misch-katholische Kirche integriert altkirchliche Bekenntnisse (Niz\u00e4a, Chalcedon\u2026) selbstverst\u00e4ndlich. Spielen diese in Freikirchen eine Rolle? Auch hier finden sie Erw\u00e4hnung, teils namentlich, mindestens inhaltlich, arbeitet Markus Iff in seinem Beitrag heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Thematischer Schwerpunkt der meisten Beitr\u00e4ge ist jedoch die \u201eS\u00fchnetheologie\u201c. Verbindet man den Tod von Jesus als Opfer nicht schnell mit von Harnacks Karikatur der Satisfaktionslehre Anselms von Canterbury mit einem verletzten Gott, der Genugtuung braucht und ein Menschenopfer verlangt? Ausgepr\u00e4gt ist die Kreuzeschristologie bei der Herrnhuter Br\u00fcdergemeine. Peter Vogt stellt sie vor und gleichzeitig fest, dass auch hier heute vermehrt andere Aspekte (mit)betont werden, z.&nbsp;B. die Auferstehung. Einen nahezu als Bruch zu definierenden Wandel ergibt eine Analyse des EKD-Grundlagentextes <em>F\u00fcr uns gestorben<\/em>. <em>Die Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi<\/em> (G\u00fctersloh: G\u00fctersloher, 2015, <a href=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_doc\/fuer_uns_gestorben2015.pdf\">ekd.de\/ekd_de\/ds_doc\/fuer_uns_gestorben2015.pdf<\/a>). Nach Bernhard Olpe werden Facetten des von Jesus erwirkten Heils dargestellt, das <em>wie<\/em> bleibt jedoch unbeantwortet. Der Kreuzestod wird unter Gesichtspunkten wie der Solidarit\u00e4t mit den Leidenden verbucht, Begriffe wie \u201eGerechtigkeit Gottes\u201c neu (um)definiert. Es entstehe eine Sicht auf das Kreuzesgeschehen, die \u201esich weder mit der Schrift noch den Bekenntnisschriften in Einklang bringen l\u00e4sst\u201c (224). Was tun? Zur\u00fcck zu den Wurzeln! Der Tod Jesu wird nach Mitherausgeber J\u00fcrgen Stolze zentral mit dem S\u00fchnopfer im Alten Testament verbunden, vor allem \u201eunter freikirchlichen Christenmenschen\u201c (75). Diese Engf\u00fchrung scheint mir, auch im Blick auf die von Alexander Saberschinsky dargelegte r\u00f6misch-katholische Eucharistiefeier, erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. Stolze gibt einen \u00dcberblick verschiedener Opferarten des Alten Testaments und zeigt, dass Opfer der Ort der Gottesbegegnung sind, die Gott selbst erm\u00f6glicht. Beim S\u00fchnopfer ging es nie um den Versuch, einen wutschnaubenden Gott wieder zu bes\u00e4nftigen. S\u00fcnde sei ein \u201eMissstand\u201c (88) und Opfer die gottgegebene M\u00f6glichkeit, diesen zu \u00fcberwinden. Der Verf. spricht zwar von Gemeinschaft, doch mir scheint, diese ist eher sachlich definiert. Vereinfacht formuliert: Der Mensch ger\u00e4t bei Gott ins Minus und Gott gibt die M\u00f6glichkeit, dieses ausgleichen. Der relationale Aspekt eines wirklichen Beziehungsbruchs kommt mir etwas zu kurz.<\/p>\n\n\n\n<p>Robert Vorholt zeichnet eine \u201eSkizze zur neutestamentlichen S\u00fchne- und Stellvertretungstheologie\u201c (99\u2013117). Er will kl\u00e4ren, wie von Jesus als stellvertretendem S\u00fchnopfer gesprochen werden kann, ohne dahinter einen blutr\u00fcnstigen Gott sehen zu m\u00fcssen. Das Neue Testament selbst zeichnet durchaus facettenreicher und unmissverst\u00e4ndlicher, wie der Verf. in zwei Punkten (der Gekreuzigte als S\u00fchneort und als Hohepriester) darlegt. Fazit: Kein grausamer Gott, dem die Menschen ein Opfer bringen m\u00fcssen, sondern ein sich selbst f\u00fcr die Menschen opfernder Gott. Deswegen gilt: \u201eDas lodernde Feuer der Kritik, in das die biblisch verortete Rede vom Opfer Jesu \u2026 geraten ist\u2026, verlangt nach einem redlichen Rechenschaftsbericht der Exegese\u201c (112f). Der relationale Aspekt des Kreuzesgeschehens ist dann vielleicht tats\u00e4chlich bei den Freikirchen ausgepr\u00e4gter. Andrea Lange untersucht verschiedene freikirchliche Bekenntnistexte (Baptisten, Adventisten, Mennoniten) und kann so herausarbeiten, dass die pers\u00f6nliche Entscheidung zur Annahme des Gottesgeschenks in Jesus zentral ist. Sie kommt auch auf die sog. Narrative Christus Victor Theorie zu sprechen, die auf den mennonitischen Pastor J. Danny Weavers zur\u00fcckgeht. Seiner Meinung nach war der Tod Jesu unvermeidbar, weil es ja die Auferstehung braucht. Aber Gott Vater wollte den Tod seines Sohnes nicht. Vielmehr gehe es in Leben und Tod Jesu um die gewaltfreie Herrschaft Gottes. Hier h\u00e4tte ich mir eine Bewertung der Verf. gew\u00fcnscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessanterweise gibt es kaum eine r\u00f6misch-katholisch lehramtlich festgelegte Definition vom Kreuzestod. Burkhard Neumann schlie\u00dft daraus: Der Tod Jesu zum Heil der Menschen ist f\u00fcr Glaube und Lehre so grundlegend, dass dies schlicht nie notwendig war. Einzelne Akzente m\u00f6gen unterschiedlich diskutiert werden (z.&nbsp;B. Gnade und Freiheit), die r\u00f6m.-kath. Soteriologie bewegt sich doch im gro\u00dfen Rahmen von Erschaffung des Menschen zum Heil, seinem Fall und der Erl\u00f6sung durch Christus, die dem Menschen Freiheit, Gotteskindschaft und ver\u00e4ndertes Leben erm\u00f6glicht. Die spannende Herausforderung sieht er in Fragen nach Erl\u00f6sung und sozialer Gerechtigkeit sowie nach Erl\u00f6sung der ganzen Sch\u00f6pfung.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit des Symposiums: \u201eTrotz heutiger Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten kommen wir \u2026 von der Rede von Jesus Christus als Heiland und Erl\u00f6ser, von Opfer und S\u00fchne nicht los.\u201c (251). Die gemeinsam bleibende Herausforderung ist, wie Jesus als Heiland und Erl\u00f6ser den Menschen heute m\u00f6glichst verst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt werden kann. Diese allerdings l\u00e4sst sich bei allem menschlichen Bem\u00fchen wohl immer nur teilweise meistern, wie der Apostel Paulus schon erkannte (1Kor 1,18).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beitr\u00e4ge sind nicht k\u00e4mpferisch geschrieben, sondern erkl\u00e4rend aus verschiedenen Perspektiven. Vielleicht liegt genau darin ihre Kraft, nicht schon beim H\u00f6ren\/Lesen widersprechen zu wollen, sondern die eigene Sicht zu reflektieren und im Blick auf die des Anderen \u201eAha-Erlebnisse\u201c zu erm\u00f6glichen. Durch seine Beitragsform liest sich das Buch fl\u00fcssig. Literaturangaben, weiterf\u00fchrende Erkl\u00e4rungen\/Hinweise finden sich in den Fu\u00dfnoten des jeweiligen Beitrags. An jedem Artikelende findet sich eine pr\u00e4gnante Zusammenfassung. Am Buchende sind Autorenspiegel, Abk\u00fcrzungsverzeichnis und Aufz\u00e4hlung der bisher stattgefundenen Gespr\u00e4che zu unterschiedlichen Themen gelistet. Das anfangs erw\u00e4hnte Buch mit Beitr\u00e4gen zum Wirken des Heiligen Geistes ist gleich aufgebaut. Es behandelt neben historisch-pneumatologischen Entwicklungen unter anderem die Themen Geist und Heil, Geistwirken in Liturgie und Unterscheidung der Geister aus unterschiedlichen konfessionellen Perspektiven. Da es sich um das zehnte Symposium handelte (in 20 Jahren), wird in einem Beitrag aus evangelisch-lutherischer Au\u00dfensicht lesenswert R\u00fcckschau auf die Historie sowie die Gespr\u00e4che an sich gehalten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Michael Schwantge, Gemeinschaftspastor in Oppenheim<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Burkhard Neumann \/ J\u00fcrgen Stolze (Hg.): Jesus Christus \u2013 Sohn Gottes und Erl\u00f6ser. 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