{"id":1944,"date":"2023-04-22T11:14:39","date_gmt":"2023-04-22T11:14:39","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1944"},"modified":"2023-04-22T11:14:40","modified_gmt":"2023-04-22T11:14:40","slug":"uwe-swarat-lob-der-grossen-taten-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1944","title":{"rendered":"Uwe Swarat: Lob der gro\u00dfen Taten Gottes"},"content":{"rendered":"\n<p>Uwe Swarat: <em>Lob der gro\u00dfen Taten Gottes. Einf\u00fchrung in die \u201eRechenschaft vom Glauben\u201c<\/em>, Kassel: Oncken, 2022, kt., 192\u00a0S., \u20ac\u00a014,95, ISBN <a href=\"https:\/\/www.blessings4you.de\/shop\/item\/9783879391608\/lob-der-groen-taten-gottes-von-uwe-swarat-kartoniertes-buch\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.blessings4you.de\/shop\/item\/9783879391608\/lob-der-groen-taten-gottes-von-uwe-swarat-kartoniertes-buch\">978-3-87939-1160-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Das Glaubensbekenntnis der deutschsprachigen Baptistengemeinden hei\u00dft <a href=\"https:\/\/www.befg.de\/fileadmin\/bgs\/media\/dokumente\/Rechenschaft_vom_Glauben_-_Stand_31.05.2019.pdf\"><u>Rechenschaft vom Glauben<\/u><\/a> (1977). Eine Einf\u00fchrung in diese wurde von Uwe Swarat in seinem letzten Semester als Professor f\u00fcr Systematische Theologie an der <em>Theologischen Hochschule Elstal<\/em> unterrichtet und nun als Buch herausgebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch einen solchen Kommentar wird man auf Eigenheiten der \u2013 wie ich sie im Folgenden kurz nenne \u2013 Rechenschaft aufmerksam, \u00fcber die man leicht hinwegliest. Der Blick des Lesers wird gesch\u00e4rft, auch f\u00fcr das, was <em>nicht<\/em> im Bekenntnis steht. So redet etwa die Rechenschaft \u201enirgendwo ausdr\u00fccklich von der Dreieinigkeit Gottes\u201c (76). Swarat betrachtet auch den Stil: Dieser ist <em>vorwiegend berichtend<\/em> (wie die Rechenschaft selbst sagt), und h\u00e4ufig fehlen Bindew\u00f6rter wie \u201edenn\u201c oder \u201eweil\u201c (12f). Daneben f\u00e4nde ich auch quantitative Aspekte erw\u00e4hnenswert, etwa dass die Rechenschaft mit etwa 6000 W\u00f6rtern ein sehr umfangreiches Bekenntnis ist, und dass von den etwa 250 vor allem am Seitenrand genannten Bibelbez\u00fcgen nur ein Zehntel das Alte Testament betrifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Swarat bringt wertvolle Grundinformationen, z.&nbsp;B.: Die Rechenschaft wurde von einer Kommission erarbeitet, die aus neun Theologen aus vier deutschsprachigen L\u00e4ndern (BRD, DDR, Schweiz, \u00d6sterreich) bestand (11), wobei Eduard Sch\u00fctz und Adolf Pohl die Hauptverfasser waren (81).<\/p>\n\n\n\n<p>Anmerkungen m\u00fcssen jeweils am Ende des Buches nachgeschlagen werden. Es gibt kein Register. Die Buchkapitel entsprechen den aufeinanderfolgenden Abschnitten der Rechenschaft, jedoch ohne deren Nummerierung. Die Rechenschaft besteht aus drei \u201eTeilen\u201c, die jeweils in mehrere \u2013 von Swarat so genannte \u2013 \u201eAbschnitte\u201c gegliedert sind. Der Leitbegriff f\u00fcr diese drei Teile ist die \u201eGottesherrschaft\u201c: Es geht um (1) ihre Aufrichtung, (2) das Leben unter ihr, sowie (3) ihre Vollendung. Ich halte es f\u00fcr genial, ein Bekenntnis anhand eines Leitbegriffes zu entfalten. Swarat bedauert die Entscheidung f\u00fcr diesen Leitbegriff, denn man hat \u201esich mit der Wahl der Gottesherrschaft als Zentralbegriff ihres Bekenntnisses nur an der Verk\u00fcndigung des historischen Jesus orientiert\u201c (23). Im Rahmen der Rechenschaft wird das hinter dieser Entscheidung stehende dogmatische Urteil nicht begr\u00fcndet (24). Swarat bringt hier eine Reihe von Einw\u00e4nden gegen die Wahl dieses Leitbegriffes. Nun w\u00e4re es interessant zu erfahren, ob diese Einw\u00e4nde von der damaligen Kommission ohnehin besprochen wurden. Zu den Beratungen dieser Kommission erf\u00e4hrt man von Swarat aber nur wenig: \u201eDie Akten der Kommission, die den urspr\u00fcnglichen Bekenntnistext entwarf, d\u00fcrften noch unber\u00fchrt im Oncken-Archiv Elstal liegen\u201c (7). Ob dem so ist, scheint Swarat also nicht zu wissen. Ich stimme ihm zu, dass f\u00fcr das Schreiben einer Einf\u00fchrung das Studium der genannten Akten (Besprechungsprotokolle?) nicht unbedingt n\u00f6tig ist, aber wo er den Text der Rechenschaft ausf\u00fchrlich kritisiert, w\u00e4re der Miteinbezug der \u00dcberlegungen der Kommission eine Bereicherung gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rechenschaft vertritt im Bezug auf Israel eine \u201eZwei-B\u00fcnde-Theologie\u201c, wonach es neben dem neuen Bund weiterhin Gottes \u201eBund mit Israel\u201c (der Ausdruck \u201ealter Bund\u201c wird vermieden) gibt. In diesem Abschnitt wurden im Jahr 2019 \u00c4nderungen vorgenommen. Die neue Fassung sagt Folgendes \u00fcber das \u201eVolk Israel\u201c: \u201eIn ihm will Gott alle V\u00f6lker segnen und es zum Licht der V\u00f6lker setzen.\u201c Die urspr\u00fcngliche Fassung hatte hier \u201ewollte\u201c anstelle von \u201ewill\u201c. Swarat begr\u00fc\u00dft diese \u00c4nderung (67). Aber inwiefern gilt eine solche \u2013 gut auf Jesus passende \u2013 Aussage auch f\u00fcr das gegenw\u00e4rtige Volk Israel? Leider wird nicht definiert, was mit \u201eVolk Israel\u201c gemeint ist. Wird der gegenw\u00e4rtige Staat Israel als \u201eLicht der V\u00f6lker\u201c gesehen, oder seine j\u00fcdischen B\u00fcrger? Oder gelten weltweit alle jene, die (teilweise) biologisch von Jakob abstammen, als ein solches Licht \u2013 atheistische Juden ebenso wie orthodoxe? Auch Swarat stellt diese Frage nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine selbstkritische Haltung im Hinblick auf die Geschichte der Christenheit ist sicherlich angebracht, aber Swarats Formulierungen \u201eJudenfeindschaft der Christen\u201c und \u201echristliche Judenfeindschaft\u201c (63) sind undifferenziert. Die nationalsozialistische Regierung beabsichtigte \u2013 und wurde dabei von vielen unterst\u00fctzt \u2013, das Volk der Juden zu vernichten, aber es klingt zu pauschal zu behaupten, dass \u201edas deutsche Volk\u201c (in seiner Gesamtheit?) das versuchte (67).<\/p>\n\n\n\n<p>Die im Jahr 2019 vorgenommenen \u00c4nderungen an der Rechenschaft halte ich f\u00fcr einen Irrweg. Denn Gottes Verhei\u00dfungen sind nicht starr, sondern dynamisch (vgl. Num&nbsp;14,30 und meine Ausf\u00fchrungen in<em> \u201eDas Ende naht!\u201c Die Irrt\u00fcmer der Endzeitspezialisten<\/em>, 3.&nbsp;Aufl. Bonn: VKW, 2007, 106\u2013108). Als das Volk Israel oder ein Teil davon nicht auf Gott h\u00f6rte, wurden Gottes Zusagen nicht hinf\u00e4llig, aber ver\u00e4ndert. Es kam zwar das ganze Volk Israel in Gottes Bund hinein, aber oft blieb nicht das ganze Volk darin \u2013 f\u00fcr das Bleiben im Bund gibt es sehr wohl Bedingungen. Der alte Bund ging in den neuen Bund \u00fcber, weil letztlich <em>ein<\/em> Bund hinter den B\u00fcnden Gottes steht. Der in Kontinuit\u00e4t zum bisherigen Bund mit dem Volk Israel stehende \u201eneue Bund\u201c zwischen Jesus und den an ihn Glaubenden wurde bereits im Alten Testament angek\u00fcndigt (Jer&nbsp;31,31\u201334; vgl. Joachim J. Krause: <em>Die Bedingungen des Bundes. Studien zur konditionalen Struktur alttestamentlicher Bundeskonzeptionen<\/em>, FAT 140, T\u00fcbingen: Mohr, 2020; Joel White: \u201eDer eine Bund hinter den B\u00fcnden. Die Treue Gottes als theologische Basis gesamtbiblischer Theologie\u201c, in: Armin D. Baum \/ Rob van Houwelingen [Hg.]: <em>Kernthemen neutestamentlicher Theologie<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen, 2022, 41\u201357).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Abschnitt \u201eGottes Wort \u2013 die Bibel\u201c \u201eschlie\u00dft sich die Rechenschaft allem Anschein nach dem Wort-Gottes-Verst\u00e4ndnis von Karl Barth an, der genau diese dreifache Gestalt des Wortes Gottes (offenbartes [n\u00e4mlich: in der Person Jesu], geschriebenes und verk\u00fcndigtes) Wort in seiner Kirchlichen Dogmatik gelehrt hat\u201c (76). Swarat weist darauf hin, welche Begriffe in der Rechenschaft nicht erw\u00e4hnt werden: \u201eDas Stichwort \u201aInspiration\u2018 oder \u201aEingebung\u2018 fehlt hier; auch n\u00e4here Erl\u00e4uterungen dar\u00fcber, [&#8230;] was sie bewirkt hat (Irrtumslosigkeit oder nicht?), fehlen.\u201c (76f). Die Inspiration wird in der Rechenschaft anders \u2013 und zwar schw\u00e4cher \u2013 ausgedr\u00fcckt: Die Verfasser des Neuen Testaments \u201ehaben unter der Leitung des Heiligen Geistes Zeugnis abgelegt von dem in Christus erschienenen Heil Gottes\u201c. Eine analoge Aussage dar\u00fcber, wie die Verfasser des Alten Testaments geleitet wurden, findet sich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein anderer Abschnitt wurde gegen\u00fcber dem urspr\u00fcnglichen Text der Rechenschaft ver\u00e4ndert, n\u00e4mlich der \u00fcber \u201eGlaube und Taufe\u201c. Hier hatten die Baptisten der DDR urspr\u00fcnglich eine abweichende, n\u00e4mlich klar symbolische Version. Nach der Wiedervereinigung wurde eine Vereinheitlichung angestrebt, die 1995 gelang. Die Darstellung Swarats (100\u2013111) l\u00e4sst erahnen, wie m\u00fchsam das Ringen um allseits akzeptierte Formulierungen oft ist. Fazit: Die Einf\u00fchrung von Uwe Swarat erhellt punktuell die Bedeutung der Aussagen des baptistischen Glaubensbekenntnisses Rechenschaft vom Glauben. Mitunter komme ich zu einer gegenteiligen Einsch\u00e4tzung, etwa wenn Swarat die \u00c4nderungen zum Abschnitt \u00fcber das Volk Israel f\u00fcr wertvoll h\u00e4lt, oder wenn er die Wahl des Leitbegriffes \u201eGottesherrschaft\u201c kritisiert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Franz Graf-Stuhlhofer BSc, Lehrbeauftragter an der KPH Wien\/Krems f\u00fcr Kirchengeschichte und Dogmatik<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uwe Swarat: Lob der gro\u00dfen Taten Gottes. 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