{"id":195,"date":"2017-05-01T16:02:54","date_gmt":"2017-05-01T16:02:54","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=195"},"modified":"2017-05-01T20:33:51","modified_gmt":"2017-05-01T20:33:51","slug":"lukas-bormann-hg-neues-testament-zentrale-themen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=195","title":{"rendered":"Lukas Bormann (Hg.): Neues Testament. Zentrale Themen"},"content":{"rendered":"<p>Lukas Bormann (Hg.):<em> Neues Testament. Zentrale Themen<\/em>, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2014, geb., 358\u00a0S., \u20ac\u00a030,90, <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/neues_testament\/t-0\/1088303\/\">ISBN 978-3-7887-2858-8<\/a><\/p>\n<div onclick=\"location.href='https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Bormann_NeuesTestament.pdf'\" class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<hr \/>\n<p>Dieser Sammelband mit Beitr\u00e4gen von 15 Neutestamentlern soll den Forschungsstand \u00fcberblicksweise vermitteln, wobei er sich auf die \u201eTheologie des NTs\u201c beschr\u00e4nkt. Was zur \u201eEinleitung in das NT\u201c geh\u00f6rt, kommt darin nicht vor. Insofern ist es ungenau, wenn die Einleitung sagt, dass die ausgew\u00e4hlten Themen \u201edie relevanten Fragestellungen der neutestamentlichen Wissenschaft erfassen\u201c sollen (1). Eine Liste der Mitautoren mit Angaben zu ihrer Person fehlt. Der Herausgeber Lukas Bormann, evangelischer Professor f\u00fcr NT an der Universit\u00e4t Marburg, verfasste neben der Einleitung zwei Beitr\u00e4ge (insgesamt gibt es 16 Beitr\u00e4ge). Der Inhalt wird auch durch ein knappes Sachregister erschlossen. Die herangezogenen Neutestamentler geh\u00f6ren durchwegs der historisch-kritischen Richtung an, ein bibeltheologisch konservativer Neutestamentler ist nicht darunter (auch wenn es sich laut dem hinteren Deckblatt um Exegeten \u201eaus unterschiedlichen Forschungstraditionen\u201c handelt). Das urspr\u00fcngliche Anliegen war eine Neubearbeitung des zuletzt 1999 erschienenen Arbeitsbuches von J\u00fcrgen Roloff. \u201eDer offensichtlichste Unterschied zum Vorg\u00e4ngerwerk besteht darin, dass auf Ausf\u00fchrungen zur methodischen Exegese verzichtet wird\u201c (2), und zwar wegen der heute erreichten methodischen Vielfalt.<\/p>\n<p>Bei manchen \u00c4u\u00dferungen erhalte ich den Eindruck, dass nun in h\u00f6herem Ma\u00dfe mit tats\u00e4chlicher Historizit\u00e4t gerechnet wird, als das noch vor einigen Jahrzehnten \u00fcblich war. So etwa meint Bormann in seiner Einleitung in Bezug auf Jesus, \u201edass von Anfang an seine Worte festgehalten, memoriert und aufgezeichnet wurden\u201c (1).<\/p>\n<p>Im Folgenden streife ich die einzelnen Beitr\u00e4ge kurz und beachte dabei insbesondere den Umgang mit der Historizit\u00e4t. Im ersten Beitrag, einer Darstellung des \u201eantiken Judentums\u201c, sind f\u00fcr Peter Wick die Schriften des NTs \u201ebeinahe durchgehend von Juden\u201c geschrieben (5). Die Beitr\u00e4ge versuchen oft am Beginn eine begriffliche Kl\u00e4rung. Der Begriff \u201eGottesherrschaft\u201c kommt laut Peter Schreiber vor allem in den Synoptikern vor, die anderen NT-Schriften lassen diesen Begriff zur\u00fccktreten und konzentrieren sich auf die Bedeutung Jesu (27). Peter M\u00fcller behandelt die \u201eGleichnisse\u201c, deren Anzahl je nach Gattungsbestimmung unterschiedlich angegeben wird: von Rudolf Bultmann mit 56, von Ruben Zimmermann (in seinem \u201eKompendium der Gleichnisse Jesu\u201c) mit 104 (49). Ausgehend von der neueren Forschung \u00fcber \u201eWunder\u201c sagt Bernd Kollmann: \u201eDass die von D\u00e4monenaustreibungen und Heilungen handelnden Wunderberichte im Kern das geschichtliche Wirken Jesu widerspiegeln [\u2026], wird kaum noch bezweifelt.\u201c (72f) Im Beitrag \u00fcber die \u201eBergpredigt\u201c h\u00e4lt Theo K. Heckel fest: \u201eViele in der Bergpredigt gesammelte Worte Jesu d\u00fcrften zuverl\u00e4ssig dessen Verk\u00fcndigung bewahrt haben\u201c (102). Bormann behandelt den \u201eMenschensohn und die Entstehung der Christologie\u201c. Darin ordnet er Mk als \u201eantike Biographie\u201c ein, weil auch dieser das Leben Jesu in exemplarischen Episoden pr\u00e4sentiert (112). In Bezug auf den \u201eTod Jesu und seine Deutung\u201c meint Wolfgang Kraus, dass Jesus wohl mit der M\u00f6glichkeit seines gewaltsamen Todes rechnete, h\u00e4lt aber \u201edie explizit heilseffizienten Deutungen\u201c eher f\u00fcr nach\u00f6sterlich (135). Im Beitrag \u00fcber die \u201eAuferstehung\u201c h\u00e4lt es G\u00fcnter R\u00f6hser f\u00fcr eine \u201egesicherte historische Tatsache\u201c, dass die ersten J\u00fcnger davon \u00fcberzeugt waren, dass Jesu Grab leer war. Aber auch wer meint, dass Jesu Leichnam im Grab verweste, k\u00f6nne \u2013 laut R\u00f6hser \u2013 Christ sein; Hauptsache, \u201eder Glaube an die Auferstehung Jesu\u201c ver\u00e4ndert das menschliche Leben \u201etiefgreifend und heilsam\u201c (170). In seiner Darstellung des \u201eJerusalemer Konvents\u201c meint Martin Meiser, dass die Apg erst mehrere Jahrzehnte nach den Ereignissen geschrieben wurde. Er begr\u00fcndet das damit, dass Paulus \u201eder Aposteltitel vorenthalten\u201c wird (au\u00dfer in Apg\u00a014,4.14) und dass die Apg nie erw\u00e4hnt, \u201edass Paulus Briefe geschrieben hat\u201c (177f). Beide Sachverhalte sind m.\u00a0E. eher Argumente f\u00fcr das Gegenteil \u2013 dass n\u00e4mlich die Apg sehr fr\u00fch geschrieben wurde. Denn im 2.Jh. galt Paulus oft als \u201eder Apostel\u201c; f\u00fcr eine erst am Ende des 1.Jhs. geschriebene Apg w\u00fcrde die z\u00f6gerliche Zuerkennung des Aposteltitels an Paulus nicht passen. Und zu einer Zeit als die Paulusbriefe in Abschriften bereits weit verbreitet, also bekannt, waren und auch dem Lukas pers\u00f6nlich vorlagen, w\u00e4re eine Bezugnahme auf Paulusbriefe eher zu erwarten als um 60\u00a0n.Chr. Sabine Bieberstein, \u00fcbrigens die einzige Frau unter den Beitragenden, st\u00fctzt sich in \u201eGemeinde, Kirche, Amt\u201c auf Gerd Thei\u00dfens These vom \u201eGruppenmessianismus\u201c, wonach die Jesusbewegung \u201edie Erwartungen, die traditionell auf eine einzelne messianische Gestalt gerichtet waren, auf ein Kollektiv\u201c \u00fcbertrug (198f). Bei der \u201eTaufe\u201c unterscheidet Dieter S\u00e4nger zwischen \u201eBekehrungstaufe\u201c und \u201eUnm\u00fcndigentaufe\u201c (225). Jens Schr\u00f6ter erl\u00e4utert das \u201eAbendmahl\u201c, indem er mit nach-ntl. Texten beginnt, mit Plinius d.\u00a0J., Justin und der Didache \u2013 denn dort findet er die \u201eersten expliziten Beschreibungen christlicher Mahlfeiern\u201c (249). Der \u201eGlaube\u201c im NT ist f\u00fcr Udo Schnelle als \u201eModus der Heilsteilhabe eine Neuqualifikation des Ich durch Gott\u201c (292). Jesu Umgang mit dem Gesetz wird von Markus Tiwald in Parallele zu dem Umgang anderer gleichfalls eschatologisch orientierter fr\u00fchj\u00fcdischer Gruppierungen gesehen, als \u201e[e]schatologische Aufdeckung des sprotologisch fixierten Gotteswillens\u201c (298). In seiner Betrachtung von \u201eEthik und Politik\u201c im NT sieht Bormann \u201edas Liebesgebot als Weiterf\u00fchrung der biblischen Gemeinschaftstreue\u201c und nennt als Konkretionen die N\u00e4chsten-, Fremden-, Fernsten-, Feindes- und Bruderliebe (334). David S. du Toit meint, dass einige f\u00fcr das NT bedeutsame Motive der \u201eEschatologie\u201c (u.\u00a0a. Auferstehung der Toten, kommender Messias) \u201enur vereinzelt im AT begegnen\u201c, aber \u201eim Fr\u00fchjudentum gro\u00dfe Verbreitung\u201c fanden und \u201eso ins fr\u00fche Christentum\u201c eingingen (341).<\/p>\n<p>Eine gesonderte Beurteilung der einzelnen Beitr\u00e4ge dieses Sammelbandes w\u00fcrde den Rahmen einer Rezension sprengen. Durch die hier zusammengestellten Streiflichter hoffe ich aber, einen Eindruck vermitteln zu k\u00f6nnen: Von einem Sammelband, in dem Themen des NTs aus dem gegenw\u00e4rtigen historisch-kritischen Meinungsstand dargestellt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Franz Graf-Stuhlhofer, BSc., Prof. f\u00fcr freikirchliche Theologie an der Kirchlichen P\u00e4dagogischen Hochschule Wien\/Krems<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lukas Bormann (Hg.): Neues Testament. 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