{"id":199,"date":"2017-05-01T16:08:01","date_gmt":"2017-05-01T16:08:01","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=199"},"modified":"2017-05-01T20:33:45","modified_gmt":"2017-05-01T20:33:45","slug":"christine-jacobi-jesusueberlieferung-bei-paulus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=199","title":{"rendered":"Christine Jacobi: Jesus\u00fcberlieferung bei Paulus?"},"content":{"rendered":"<p>Christine Jacobi: <em>Jesus\u00fcberlieferung bei Paulus? Analogien zwischen den echten Paulusbriefen und den synoptischen Evangelien<\/em>, BZNW 213, Berlin: W. de Gruyter, 2015, XV+432\u00a0S., geb., \u20ac\u00a0119,95, <a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/view\/product\/447777\">ISBN 978-3-11-040591-0<\/a><\/p>\n<div onclick=\"location.href='https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Jacobi_Jesusueberlieferung.pdf'\" class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<hr \/>\n<p>Die vorzustellende Arbeit wurde im Wintersemester 2014\/15 von der Evangelisch-theologischen Fakult\u00e4t der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin als Dissertation angenommen und f\u00fcr den Druck \u00fcberarbeitet.<\/p>\n<p>Im Fokus der Arbeit stehen die Texte R\u00f6m\u00a012,14\u201321 (Kap.\u00a0II: 47\u2013122); 1Thess\u00a05,1\u201311 (Kap.\u00a0III: 123\u2013187); 1Kor\u00a07 (Kap.\u00a0V: 196\u2013264), sowie die Einzelverse 1Kor\u00a011,23a (Kap.\u00a0VI: 265\u2013298) und R\u00f6m\u00a014,14 (Kap.\u00a0VII: 299\u2013386). Eine Einf\u00fchrung in \u201eFragestellung und methodische Erw\u00e4gungen\u201c (Kap.\u00a0I: 1\u201346) er\u00f6ffnet den Band, abgeschlossen wird er durch eine \u201eSchlussbetrachtung\u201c, in der die Ergebnisse knapp geb\u00fcndelt werden (Kap.\u00a0VIII: 387\u2013396). Das vierte Kapitel fasst die \u201e\u00dcberlegungen zu R\u00f6m\u00a012,14\u201321 und 1Thess\u00a05,1\u201311\u201c zusammen (189\u2013193). Die genannten Texte aus den authentischen Paulusbriefen wurden ausgew\u00e4hlt, weil bei ihnen ein recht hoher Konsens in der Forschung bestehe, dass eine \u201edeutliche N\u00e4he zu synoptischem Material\u201c vorliege (39).<\/p>\n<p>J. stellt in Auseinandersetzung mit und in Abgrenzung von der v.\u00a0a. von Dale C. Allison, Richard Bauckham, Samuel Byrskog und James D.\u00a0G. Dunn vertretenen memory- und orality-Theorien f\u00fcr die \u00dcberlieferung von Jesustradition eine im Anschluss an ihren \u201eDoktorvater\u201c Jens Schr\u00f6ter entwickelte (kulturwissenschaftliche Einsichten aufgreifende) Theorie vor, wonach das Verh\u00e4ltnis von Vergangenheit und Gegenwart grunds\u00e4tzlich die \u201eAneignung von \u00dcberliefertem\u201c bedinge (12). Der Begriff der Tradition sei daher \u201eals das Ergebnis der Durchdringung von Gegenwartsinteressen und eines Vergangenheitsbezugs (zu verstehen)\u201c (39f). Ihres Erachtens \u201e[sind] [d]ie paulinischen Analogien zu synoptischer \u00dcberlieferung dann nur unzureichend erfasst, wenn sie als ethische Anwendung der Jesustradition und als Anspielungen auf einen Bereich von Jesustradition mit eigenem Profil interpretiert werden. Sie m\u00fcssen vielmehr als autonome Aneignung des Wirkens Jesu und des Heilsereignisses verstanden werden.\u201c Deshalb m\u00fcssen \u201edie <em>Kontexte<\/em> der Parallel\u00fcberlieferungen bei Paulus (sc. zur synoptischen Jesus\u00fcberlieferung; Hervorhebung FWR), die als \u00dcberlieferungskontexte Auswahl und Rezeption der Traditionen wesentlich gesteuert und geformt haben, im Zentrum stehen.\u201c (37) Ziel der Arbeit ist es daher, \u201eUmrisse fr\u00fchchristlicher Tradition und den Umgang mit ihr besser nach(zu)zeichnen\u201c (39). Um diesem Ziel nachzukommen, weist J. auf die Unterschiedlichkeit der einzelnen Texte, auf \u201edie je verschiedenen Profile der Paralleltradition\u201c (42), hin: <em>Zum einen<\/em> liege Tradition vor, die ohne Kennzeichnung in den (paulinischen) Text einfl\u00f6sse (\u201eanonyme fr\u00fchchristliche \u00dcberlieferung\u201c [R\u00f6m\u00a012,14\u201321; 1Thess\u00a05,1\u201311]; 42f) und solche, die durch eine entsprechende Einleitung als Herrenworte (1Kor\u00a07,10f; 9,14; 11,23\u201325; [43\u201345]) vom Kontext abgegrenzt seien. Schlie\u00dflich wird auf Stellen aufmerksam gemacht, die \u201eargumentative Bezugnahmen auf den Kyrios ohne synoptische Parallele\u201c aufweisen (45f), dabei werden Stellen wie 1Kor\u00a014,37; 1Thess\u00a04,2.15 relevant, aber auch Belege mit Argumentationsmustern wie \u201edurch\/im Herrn\u201c (R\u00f6m\u00a014,14; Phil\u00a02,19 u.\u00a0\u00f6.). <em>Zum anderen<\/em> sei der materiale Gehalt der Texte v\u00f6llig unterschiedlich. In jedem Fall sei daher gesondert danach zu fragen, wie der \u201estrukturelle Umgang\u201c mit der Tradition im jeweiligen Kontext erfolge \u2013zun\u00e4chst ohne R\u00fccksicht auf deren Inhalt, wohl aber in dem Wissen, dass die synoptische bzw. paulinische Verarbeitung der Tradition nicht unabh\u00e4ngig vom Inhalt erfolge (41).<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Untersuchung f\u00fcr die einzelnen untersuchten ntl. Texte k\u00f6nnen hier nicht nachgezeichnet werden. In jedem Fall stellt die Arbeit eine differenzierte und profilierte eigene Proposition zur Diskussion um die Rezeption von Jesustradition bei Paulus dar, die einer kritischen Rezeption wert ist. Exemplarisch sei darauf verwiesen, dass J. u.\u00a0a. aufgrund der Makrostruktur des R\u00f6m und aufgrund der tats\u00e4chlichen inhaltlichen Differenzen zu synoptischen Paralleltexten (z.\u00a0B. \u201esegnen\u201c vs. \u201elieben\u201c) in R\u00f6m\u00a012,14 eher paulinische Rezeption von weisheitlicher Tradition (Spr\u00a024,17; 25,21) als eine Anspielung auf ein Jesuslogion annimmt.<\/p>\n<p>Insgesamt kann J. keine Textrezeption bei Paulus erkennen, die sich auf den irdischen Jesus zur\u00fcckf\u00fchren lie\u00dfe. Die \u00fcberlieferungsgeschichtlichen Beobachtungen enden meist mit einer Feststellung wie sie exemplarisch etwa bei der Untersuchung von 1Kor\u00a07,10f formuliert ist: Paulus kannte eine \u201eTradition, innerhalb derer &#8230; (ein entsprechendes Logion, FWR) &#8230; als Wort Jesu bzw. des Kyrios mit einem sch\u00f6pfungstheologischen Eheverst\u00e4ndnis verkn\u00fcpft war und zu der wohl auch schon die Ablehnung der Wiederheirat geh\u00f6rte\u201c (255), wobei Paulus die jeweilige Tradition theologisch selbst\u00e4ndig weiter entwickelt; hier u.\u00a0a. durch die Implementierung von Gen\u00a02,24 (LXX) in einen christologischen Argumentationszusammenhang, wobei Paulus damit anders verf\u00e4hrt als die Synoptiker (263).<\/p>\n<p>Damit bleibt J. konsequent in ihrem eingangs gesteckten Interpretationsrahmen, wonach die paulinischen Texte vor allem nach der \u201eAneignung von \u00dcberliefertem\u201c befragt werden sollen und die Makrotexte (Kultur, Argumentationslinien u.\u00a0a.) den Fokus bei der Textinterpretation bilden. Diese, in dieser Breite angelegte Perspektive f\u00e4llt bei den meisten Versuchen, Jesusworte bei Paulus nachzuweisen, eher weniger intensiv aus. Der Appell, k\u00fcnftig diese Perspektive (noch) eingehender zu reflektieren, bleibt u.\u00a0a. das Verdienst und die Herausforderung der vorliegenden Arbeit. Ob sich dadurch allerdings die Bewertungen der einzelnen Logien in ihrer \u2013 wie auch immer in einzelnen vorgestellten \u2013 R\u00fcckf\u00fchrung auf den irdischen Jesus tats\u00e4chlich ver\u00e4ndern werden, bleibt abzuwarten. Jedenfalls d\u00fcrfte das Urteil, \u201edass Jesus als Traditionsurheber und als Lehrer f\u00fcr Paulus nicht relevant ist\u201c (392), kaum allgemeine Zustimmung gewinnen.<\/p>\n<p>Kritisch bleibt anzufragen, warum z.\u00a0B. die \u00dcberlegungen von A.\u00a0D. Baum, Der m\u00fcndliche Faktor und seine Bedeutung f\u00fcr die synoptische Frage, TANZ 49, T\u00fcbingen 2008, von der Autorin nicht beachtet worden sind: Das Gespr\u00e4ch (nicht nur) mit dieser Arbeit h\u00e4tte der Dissertation gewiss einen noch erweiterten Horizont erm\u00f6glicht. Den Versuch mit soziologischen oder kognitiv-psychologischen (u.\u00a0a. mnemotechnischen) Erkenntnissen damit abzutun, es w\u00fcrden \u201emoderne Bilder \u00fcber den Ablauf der fr\u00fchchristlichen \u00dcberlieferungsgeschichte in die Interpretation der Stellen bei Paulus eingetragen\u201c (389), wird jedenfalls diesen Versuchen nicht gerecht, so berechtigt der Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung bei der \u201ejeweilige(n) Endgestalt und (den) kontextuellen Deutungsaspekte(n) der \u00dcberlieferungen\u201c (390) auch ist.<\/p>\n<p>Die Register sind sehr knapp gehalten, so dass sich die Arbeit \u00fcber diese nur schwer erschlie\u00dfen l\u00e4sst. \u2013 Auf die Dublette S.\u00a021f = S.\u00a031 Anm. 99 sei hingewiesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Fritz R\u00f6cker, Pfarrer und Kirchenrat der W\u00fcrttembergischen Landeskirche, Calw<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine Jacobi: Jesus\u00fcberlieferung bei Paulus? 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