{"id":2010,"date":"2023-10-23T12:27:04","date_gmt":"2023-10-23T12:27:04","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2010"},"modified":"2023-10-23T12:31:44","modified_gmt":"2023-10-23T12:31:44","slug":"hannah-k-harrington-the-books-of-ezra-and-nehemiah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2010","title":{"rendered":"Hannah K. Harrington: The Books of Ezra and Nehemiah"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hannah K. Harrington: <em>The Books of Ezra and Nehemiah<\/em>, The New International Commentary on the Old Testament, Grand Rapids\/MI: Eerdmans, 2022, geb., XXXIV+529&nbsp;S., $&nbsp;52,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/9780802825483\">978-0-8028-2548-3<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kommentar von Hannah Harrington ersetzt den gleichnamigen Kommentar von Charles Fensham aus dem Jahr 1982 in der Reihe \u201eThe New International Commentary on the Old Testament\u201c. Wie die anderen B\u00e4nde aus dieser Reihe zeichnet sich auch der Kommentar von Harrington durch eine sehr gr\u00fcndliche Exegese und Auseinandersetzung mit aktuellen theologischen Positionen sowie eine grunds\u00e4tzlich konservative Haltung im Blick auf Einleitungsfragen und Zuverl\u00e4ssigkeit des Textes aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kommentar besteht zun\u00e4chst aus einer ausf\u00fchrlichen Darstellung der Einleitungsfragen zu Esra-Nehemia, die als ein gemeinsames Werk angesehen werden (18\u201321). Neben der dann folgenden versweisen Auslegung finden sich immer wieder wertvolle Exkurse (insgesamt 23) zu vielen Themen, die in der Auslegung angeschnitten werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Harrington geht davon aus, dass sowohl Esra als auch Nehemia unter Artaxerxes&nbsp;I. gelebt und gewirkt haben (11), und dass sie daher Zeitgenossen waren und sich \u2013 wie der Text es darstellt \u2013 gekannt haben und miteinander gearbeitet haben (15). Aus diesem Grund lehnt sie auch eine Umstellung von Neh 8 hinter Esra 8 ab, wie sie in einem ausf\u00fchrlichen Exkurs begr\u00fcndet (355\u2013357).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Blick auf das Verh\u00e4ltnis zum Chronikbuch pl\u00e4diert Harrington gegen einen gemeinsamen Autor. Nach ihrer Ansicht ist die \u201edisparity of vision\u201c zwischen den beiden Werken zu gro\u00df daf\u00fcr (17). Im Blick auf die Abfassungszeit des Gesamtwerkes Esra-Nehemia argumentiert Harrington f\u00fcr eine fr\u00fche erste Zusammenstellung (zwischen 430 und 424 v. Chr., also vor dem Tod von Artaxerxes), h\u00e4lt aber eine sp\u00e4tere \u00dcberarbeitung und Erweiterung f\u00fcr wahrscheinlich, wie z.&nbsp;B. die Liste der Hohepriester in Neh 12 zeigt, in der \u201eDarius der Perser\u201c erw\u00e4hnt wird (Neh 12,22), was sich nach Harrington vermutlich auf Darius III. (335\u2013331 v. Chr.) bezieht (22).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Harrington spricht sich gegen eine rein diachrone Exegese aus, bei der es haupts\u00e4chlich darum geht, die vermutete Textentwicklung zu untersuchen. Dies f\u00fchrt nach Harrington h\u00e4ufig zu \u201eemendations and large rearrangements of the text\u201c, die sie als \u201eoften subjective\u201c empfindet. Dabei wird dann versucht, \u201ea smooth, chronological narrative from a modern point of view\u201c zu entwickeln (22). Stattdessen setzt sie auf einen literarwissenschaftlichen Ansatz (\u201eliterary criticism\u201c, 27\u201331).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei identifiziert Harrington zun\u00e4chst die Themen und Zielsetzungen des Buches (27\u201328), wendet sich dann den verwendeten literarischen Techniken zu (29\u201330) und diskutiert schlie\u00dflich die Frage der Historizit\u00e4t der beschriebenen Ereignisse, wobei sie auch die Berechtigung diachroner Betrachtungsweisen betont (31).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer wieder macht Harrington deutlich, dass Esra-Nehemia in vielerlei Hinsicht einen Wendepunkt hin zu dem sp\u00e4teren Judentum darstellt (72, 375\u2013382). Dies zeigt sich an einer Reihe von Stellen. Da ist zun\u00e4chst die Betonung der Thora als Schrift (62\u201363), die studiert werden muss (64). Verbunden ist dies mit einer Versch\u00e4rfung des mosaischen Gesetzes, vor allem in der Frage der Mischehen (73, 85, 244\u2013254). Hier beginnt bereits der sp\u00e4tere \u201eZaun um das Gesetz\u201c Gestalt anzunehmen (240\u2013241). Dies wird auch deutlich am Umgang mit dem Thema ritueller Unreinheit bzw. Reinheit. W\u00e4hrend bisher vor allem der Tempel als heilig angesehen wurde, werden nun Stadtmauer und Tore geheiligt und damit die gesamte Stadt als heilig angesehen (84, 428\u2013438). \u201eThus, an expanded concept of holiness, similar to what is known from later sources, is already in embryo in Ezra-Nehemiah.\u201c (88).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite wird den Nicht-Juden (bzw. den nicht aus dem Exil Zur\u00fcckgekehrten) eine grunds\u00e4tzliche Unreinheit zugeschrieben (77, 469\u2013477). Vor allem die Verwendung des Begriffs \u201eheiliger Same\u201c in Esr 9,2 f\u00fchrt zu einer scharfen Abgrenzung gegen\u00fcber allen, die nicht dazugeh\u00f6ren. Reinheit und Unreinheit dienen bei Esra-Nehemia dazu, die Gruppen-Identit\u00e4t zu st\u00e4rken. Sie betonen \u201ethe distinction of the holy people vis-\u00e0-vis all outsiders\u201c (86, vgl. 133). Verst\u00e4rkt wird diese Abgrenzung der Exilanten von allen anderen in Israel Lebenden (die als \u201eV\u00f6lker des Landes\u201c oder \u201eV\u00f6lker der L\u00e4nder\u201c bezeichnet werden, 151) durch die klar erkennbare Parallele zwischen dem ersten Exodus und der R\u00fcckkehr aus dem Exil (107\u2013108, 201). Dementsprechend werden die Begriffe \u201eIsrael\u201c, \u201eIsraelit\u201c und \u201eVolk Israel\u201c \u2013 au\u00dfer bei historischen Bezugnahmen \u2013 nur f\u00fcr \u201ethe community of returning exiles\u201c verwendet (121).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer wieder wird in Esra-Nehemia Bezug genommen auf die Thora, manchmal ausdr\u00fccklich, an anderen Stellen unausgesprochen. Harrington f\u00fchrt eine Liste mit 21 Traditionen des Pentateuch auf, die in Esra-Nehemia vorkommen (70\u201371). Die Frage in diesem Zusammenhang ist nat\u00fcrlich, welchen Umfang die offenbar schriftlich vorliegende Thora zur Zeit von Esra-Nehemia hatte. Harrington argumentiert daf\u00fcr, dass der Pentateuch zumindest in gro\u00dfen Teilen vorgelegen haben muss: \u201eThe authors are familiar with all parts of the Pentateuch.\u201c (66, vgl. 360).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Thora wird dabei in Esra-Nehemia nicht nur als g\u00fcltig zitiert, sie wird auch neu interpretiert (\u201eit represents an ongoing, innovative tradition of interpretation\u201c, 72). Dies geschieht an mehreren Stellen mit einer Methode, die im sp\u00e4teren Judentum als \u201eMidrash\u201c bekannt geworden ist \u2013 die Interpretation einer biblischen Aussage mittels anderer Bibelstellen (212\u2013215).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt kann man den Kommentar von Harrington voll und ganz empfehlen. Nur wenige Fragen zu Esra-Nehemia bleiben offen. So h\u00e4tte man sich gew\u00fcnscht, etwas kritischer die Mischehenfrage und vor allem die in diesem Zusammenhang geforderten Ehescheidungen zu sehen, was von Harrington zumindest als \u201eunderstandable\u201c bezeichnet wird (90). Etwas \u00fcberraschend (und teilweise auch nicht immer ganz verst\u00e4ndlich) sind einige Bezugnahmen auf die neutestamentliche Gemeinde, gerade auch im Zusammenhang mit dem Thema der Mischehen (88\u201391, vgl. auch 155, 269). Und schlie\u00dflich h\u00e4tte man sich eine etwas ausf\u00fchrlichere Auseinandersetzung mit den Unterschiedlichkeiten in den beiden Heimkehrerlisten (Esra 2 und Neh 7) gew\u00fcnscht. Aber das sind allesamt nur Kleinigkeiten, die den sehr positiven Gesamteindruck nicht tr\u00fcben k\u00f6nnen. Insgesamt ein durch und durch empfehlenswertes Werk!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Hans-Georg W\u00fcnch, Studienleiter und Dozent f\u00fcr Altes Testament am Theologischen Seminar Rheinland (TSR), W\u00f6lmersen und Prof. extr. am Department of Old Testament and Hebrew Scriptures der University of Pretoria, S\u00fcdafrika<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannah K. 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