{"id":2022,"date":"2023-10-23T12:56:23","date_gmt":"2023-10-23T12:56:23","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2022"},"modified":"2023-10-23T12:56:25","modified_gmt":"2023-10-23T12:56:25","slug":"judith-gaertner-das-aegyptische-hallel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2022","title":{"rendered":"Judith G\u00e4rtner: Das \u00e4gyptische Hallel"},"content":{"rendered":"\n<p>Judith G\u00e4rtner: <em>Das \u00e4gyptische Hallel. Eine Untersuchung zu Theologie und Komposition der Psalmen 113\u2013118<\/em>,<em> <\/em>BThSt 193, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2023, Ln., 213\u00a0S., \u20ac\u00a069,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/58310\/das-aegyptische-hallel\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/58310\/das-aegyptische-hallel\">978-3-525-56091-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Psalmenforschung ist bestimmt von zwei Grundfragen, die sich mit einem <em>K<\/em>&#8211; und einen <em>L<\/em>-Gegensatz auf den Punkt bringen lassen: 1. Ist dieser Psalm, diese Psalmengruppe <em>liturgisch <\/em>(\u201ekultisch\u201c, Verhaftung in gottesdienstlicher Auff\u00fchrung) oder <em>literarisch<\/em> (Lesepsalter, spirituelle Verhaftung)? 2. Ist der Psalter eine <em>Kompilation<\/em> (lose oder wenig organisierte Zusammenstellung von Psalmen) oder eine <em>Komposition<\/em> (durchdachte, beabsichtigte Abfolge und Anordnung der Psalmen)? Die Einstufung der Serie der Psalmen 113\u2013118, die als \u201e\u00e4gyptisches Hallel\u201c bezeichnet werden, und ihre Untersuchung durch die Rostocker Alttestamentlerin sind von diesen Fragestellungen mitbestimmt. Wir werden darauf zur\u00fcckkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vfn. hat sich bereits mit einer inhaltlich bestimmten Gruppe von Psalmen besch\u00e4ftigt (<em>Die Geschichtspsalmen<\/em>, FAT 84, 2012). Nun legt sie Studien zu einer zweiten, seriell angeordneten Psalmengruppe vor. Von den acht Beitr\u00e4gen sind f\u00fcnf (1. und 4.\u20137.) bereits fr\u00fcher publiziert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Aufsatz widmet sich dem \u201eExoduspsalm\u201c 114 und den untereinander verkn\u00fcpften Psalmen 113 und 115. Diese rahmen mit ihrer Betonung der Alleinherrschaft Jhwhs in Sch\u00f6pfung und Geschichte die heilsgeschichtliche Begr\u00fcndung in Ps 114. Umgekehrt bildet dieser die Voraussetzung f\u00fcr die Erfahrbarkeit der Einzigartigkeit Gottes in der Gegenwart. Die Kleingruppe Ps 113\u2013115 erweist sich als \u201egestaltete Komposition\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Beitrag geht am Beispiel von Ps 113 und 78 um Ethik. Mit seiner Orientierung an den Schwachen \u00e4u\u00dfert sich in Ps 113 eine von Gott verb\u00fcrgte Gemeinschaftsordnung und Geschwisterethik. Er zeichnet dieses Ideal und seine Implikationen von der Au\u00dfenperspektive (R\u00e4nder der Gesellschaft), Ps 78 dagegen von der Innenperspektive her. Ps 78,1\u201311 skizziert eine Erinnerungsgemeinschaft, die sich an der g\u00f6ttlichen Weisung orientiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Beitrag kreist um das Verh\u00e4ltnis von Jhwh und den V\u00f6lkern. Ps 113 (V.&nbsp;4) setzt ein mit der Erhabenheit Jhwhs \u00fcber alle V\u00f6lker. In Ps 115 wird eine G\u00f6tzenpolemik aufgegriffen und das Bekenntnis zu Jhwh als einzigem Gott formuliert, und im kurzen Hymnus Ps 117 wird die V\u00f6lkerwelt zum Gotteslob aufgerufen. Ps 117 als diskursiver H\u00f6hepunkt der Psalmengruppe gibt Antwort auf die Argumentation von Ps 115 und best\u00e4tigt das Bekenntnis in Ps 113.<\/p>\n\n\n\n<p>Der vierte Essay widmet sich dem vielschichtigen Ps 118, der als Schlusspsalm der Gruppe geschaffen wurde. Er l\u00e4sst die aus Ex 15 gesch\u00f6pfte Rettungserfahrung zum Paradigma f\u00fcr neue Heilserfahrungen des Gottesvolkes werden. Dabei kommen eine monotheistische, eine anthropologische und eine geschichtstheologische \u201eProfillinie\u201c zum Abschluss und machen Ps 113\u2013118 zu einem \u201eKompendium\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im f\u00fcnften Kapitel wird Ps 116 formgeschichtlich als Danklied (Toda) charakterisiert. Aufgrund von Erweiterungen liegt freilich eine sp\u00e4te, literarische Bildung im Sinne eines theologischen Reflexionstextes vor. Zu erw\u00e4hnen sind das Doppelbekenntnis \u201eIch liebe \u2026\u201c und \u201eIch glaube \u2026\u201c (V. 1.10), die modifizierende Rezipierung von Ex 34,6(\u20137) in V. 5 (ohne den Zorn-Aspekt) und das Bekenntnis zu Jhwh als gn\u00e4digem Gott. Im Kontrast dazu steht die Aussage, dass alle Menschen L\u00fcgner sind (V. 11). Gemeint sind nicht einzelne Taten, sondern das Wesen des Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der sechste Beitrag kn\u00fcpft an die \u201eGnadenformel\u201c in Ps 116,5 an, die sich auch im alphabet-akrostichischen Doppelpsalm 111\u2013112 findet (111,4; 112,4). Die Danklieder Ps 116 und 118 sind miteinander verbunden und verzahnen die Gr\u00fcndungsereignisse am Schilfmeer (Rettung, Ps 118) und am Sinai (Gnadenaussage, Ps 116). Das in Ps 116,5 der Gnadenformel hinzugef\u00fcgte Attribut \u201egerecht\u201c (so auch in Ps 111,4) verbindet sich mit den menschlichen Charakterisierungen in Ps 118,15.20. Dem Hallel vorangestellt sind die Gnadenaussagen in Ps 111,4 und 112,4. Die mehrdeutige Formulierung von Ps 112,4 transformiert wahrscheinlich die Gnadenformel als anthropologische Spitzenaussage auf die \u201egeradlinigen\u201c Menschen. Die Gnadenformel profiliert f\u00fcr die Psalmengruppe 111\u2013118 insgesamt den Aspekt der Gerechtigkeit. Ps 111\u2013118 wird als \u201eredaktionsgeschichtlich gewachsene Einheit\u201c eingestuft, wobei Ps 113\u2013118 durch Ps 111\u2013112 erweitert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Im siebten Aufsatz wird mit Ps 111\u2013112 das Vorfeld von Ps 113\u2013118 und mit Ps 119 dessen Nachfeld in den Blick genommen. Den das Hallel rahmenden Psalmen sind eine weisheitliche Grundierung und die alphabet-akrostichische Poesie gemeinsam. Der in Ps 111\u2013112 skizzierte Gottesf\u00fcrchtige lebt in \u00dcbereinstimmung mit der Tora und erf\u00e4hrt Lebensf\u00fclle, wogegen in Ps 119 der Beter in unterschiedlichen Lebenssituationen als Bed\u00fcrftiger und auf die Tora Angewiesener zu Wort kommt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der letzte und umfangreichste Beitrag bietet eine Synthese, die \u201eliterarhistorische Komposition\u201c des \u00e4gyptischen Hallels nachzeichnend. Nach Hinweisen zu dessen Gestalt in Qumran und der Septuaginta werden redaktionskritische Thesen er\u00f6rtert. Gem\u00e4\u00df der Vfn. bilden Ps 113\u2013115 den Kern des Hallels. Dieser wird in einer ersten Fortschreibung um die Psalmen 117 und 118 erg\u00e4nzt. Mit dem eingeschobenen Reflexionstext Ps 116 wird die Gruppe Ps 113\u2013118 dann abgeschlossen und zudem mit Ps 111\u2013112 verbunden. Das Hallel entfaltet die Frage von Ps 113,5: \u201eWer ist wie Jhwh, unser Gott?\u201c Die Antwort \u201eNiemand\u201c ist nach dem Durchgang durch die Psalmen evident.Der Umstand, dass der Band nicht in einem Wurf entstanden ist, sondern fr\u00fchere Studien aufnimmt und mit neuen verbindet, bringt \u2013\u00a0fast unvermeidlich \u2013\u00a0Wiederholungen mit sich. Die von der Vfn. vorgelegten Untersuchungen sind materialreich, gut durchdacht und theologisch fruchtbar. Ausleger, die sich intensiv mit Ps 113\u2013118 besch\u00e4ftigen, werden an diesem Buch nicht vorbeikommen. Auf die eingangs gestellten Grundfragen zur\u00fcckkommend, dies: Es kommt hier eine Psalterexegese, also ein <em>kompositioneller<\/em> Ansatz, zum Tragen. Dabei wird der synchrone Textverlauf umsichtig mit diachronen \u00dcberlegungen (die bekannterma\u00dfen hypothetisch sind) verbunden. Obwohl Vfn. die liturgische Verwendung des Hallels kennt, ist ihre Profilierung der Psalmengruppe <em>literarisch<\/em> bestimmt. Wenn jedoch eine Psalmengruppe eine <em>liturgische <\/em>Erfassung verdiente<em>, <\/em>dann vor allen anderen das \u00e4gypt. Hallel. Mit Blick auf eine solche Akzentuierung ist der zeit\u00e4hnlich erschienene Beitrag von Susan Gillingham zu empfehlen (\u201eThe Egyptian Hallel\u201c, in: <em>The Formation of the Hebrew Psalter,<\/em> FAT 151, 2021, 347\u2013366).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Beat Weber, Pfr. Dr. theol., Basel; Research Associate am Department of Ancient and Modern Languages and Cultures, Universit\u00e4t Pretoria, S\u00fcdafrika<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Judith G\u00e4rtner: Das \u00e4gyptische Hallel. 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