{"id":2025,"date":"2023-10-23T13:01:23","date_gmt":"2023-10-23T13:01:23","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2025"},"modified":"2023-10-23T13:01:25","modified_gmt":"2023-10-23T13:01:25","slug":"mark-j-boda-mary-l-conway-judges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2025","title":{"rendered":"Mark J. Boda \/ Mary L. Conway: Judges"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mark J. Boda \/ Mary L. Conway: <em>Judges. Longing for a Leader. Faltering in Faithfulness<\/em>, Zondervan Exegetical Commentary on the Old Testament: A Discourse Analysis of the Hebrew Bible, Grand Rapids\/MI: Zondervan, 2022, geb., xl + 904\u00a0S., $\u00a057,55, ISBN\u00a0<a href=\"https:\/\/faithgateway.com\/products\/judges?variant=40201751036040\">978-031-094221-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vorliegende Arbeitskommentar von Mark J. Boda und Mary L. Conway liefert eine Diskursanalyse des hebr\u00e4ischen Textes des Richterbuches mit dem in der Kommentarreihe vorgegebenen bewussten Schwerpunkt auf der Komposition des Textes f\u00fcr die H\u00f6rer (f\u00fcr die Kommentatoren schlie\u00dft dies die Leser ein) des Textes (xii). Methodisch berufen sich die Kommentatoren daf\u00fcr besonders auf Roy L. Heller (<em>Narrative Structure and Discourse Constellations: An Analysis of Clause Function in Biblical Hebrew Prose<\/em> [Winona Lake, Ind.: Eisenbrauns, 2004]), der unter Aufnahme fr\u00fcherer Autoren (z.&nbsp;B. Lambdin und Longacre) typische Diskurskonstellationen f\u00fcr Erz\u00e4hlstrang, Ermutigungen, Prophetien, Erz\u00e4hlungen und Erl\u00e4uterungen definiert. Diese auf vierzehn Seiten ausf\u00fchrlich dargestellte Methodik wird im Kommentar auf bis teilweise auf einzelne Worte atomisierte Verse angewandt. Sie wird von der weitgehend konsistent differenzierten \u00dcbersetzung des hebr. <em>waw<\/em> als \u201ethen\u201c, \u201eand\u201c oder \u201enow\u201c getragen, je nachdem, ob in den Augen der Kommentatoren ein Wechsel des Subjekts, dasselbe Subjekt oder eine Hintergrundinformation eingeleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die mit dieser Unterscheidung implizierte Eindeutigkeit des hebr\u00e4ischen Textes ist jedoch leider nicht immer augenf\u00e4llig. Wie etwa kann Ri 1,25b (\u201eNow the man and all his clan they released.\u201c) in gleicher Weise wie richtigerweise Ri 1,23b (\u201eNow the name of the city was formerly Luz.\u201c) und Ri 1,26b (\u201eNow that is its name until the present day.\u201c) eine aktionsfreie Hintergrundinformation sein, wo doch der in diesem Satz sehr aktiv entlassene Mann gleich im n\u00e4chsten Atemzug seine Heimatstadt neu erstehen l\u00e4sst, was die Kommentatoren dann richtigerweise als \u201enarrative backbone\u201c erkennen (132)? Leitet \u05d5\u05b0\u05d4\u05b4\u05e0\u05b5\u05bc\u05d4 wirklich regelm\u00e4\u00dfig (die Kommentatoren erlauben mit Ri&nbsp;7,7; 9,33; 18,9; 19,16; 20,40; 21,21 einzelne Ausnahmen) einen Hintergrundkommentar f\u00fcr die H\u00f6rer ein, wenn \u05d5\u05b0\u05d4\u05b4\u05e0\u05b5\u05bc\u05d4 inhaltlich doch eher eine subjektive Wahrnehmung (Ri 3,24\u201325; 4,22; 6,28; 7,13; 9,43; 11,34; 14,5.8; 19,16.27; 20,40; 21,8\u20139.21) oder eine Aufforderung zu derselben (Ri 7,17; 9,33; 18,9), vereinzelt sogar in direkter Rede (Ri 7,13.17; 9,33; 18,9; 21,21), zu beschreiben scheint? Warum negieren die Kommentatoren allein aufgrund des <em>waw-consecutivum<\/em> Abschnittsanf\u00e4nge mit Ri 6,11 just an der Stelle, wo wir inhaltlich einen zweiten Anlauf zur zun\u00e4chst (Ri 6,8) entt\u00e4uschten Berufung eines Retters erwarten (314); oder vor und nach Ri 6,36\u201340, wo Gideon in einem literarischen Einschub zwei Zeichen von Jahwe fordert, nachdem er sich auf den Kampf gegen die Midianiter vorbereitet hat (Ri&nbsp;6,34\u201335) und bevor er tats\u00e4chlich gegen diese vorgeht (ab Ri 7,1; S.&nbsp;347\u2013348); und beginnen mit Ri 8,21 sogar ein neues Unterkapitel, das bis Ri 8,28 reichen soll (389), obwohl Ri 8,21\u201322 den vorher ausf\u00fchrlich beschriebenen Sieg Gideons \u00fcber die midianitische Armee mit der T\u00f6tung ihrer Anf\u00fchrer komplettiert? In solchen Entscheidungen werden die Schw\u00e4chen einer vom Textsinn entfremdeten Diskursanalyse leider offensichtlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grafisch f\u00e4llt der Kommentar durch zahlreiche tabellarische \u00dcbersichten oft im Querformat, anschauliche Skizzen etwa zum Palast des Eglon (219) oder der Funktion der Weinpresse zur Zeit Gideons (318), eigenes Kartenmaterial (schwarz-wei\u00df), ein abwechslungsreiches Druckbild teilweise im Zweispaltendruck und einen breiten Schreibrand auf seinen \u201etechnischen\u201c Seiten auf, der geradezu dazu einl\u00e4dt, sich eigene Notizen zu machen. Diese sind auch notwendig, denn nicht immer sind die dargestellten Bez\u00fcge zwischen den hebr\u00e4ischen S\u00e4tzen so eindeutig wie impliziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gut 50-seitige Einleitung in das Richterbuch stellt eine revidierte und erweiterte Fassung von Bodas Einleitung im <em>Expositor\u2019s Bible Commentary<\/em> (Hg. Tremper Longman III \/ David E. Garland, Grand Rapids\/MI: Zondervan, 2012, 1043\u20131066) dar. Der Kommentar teilt das Richterbuch sodann in zw\u00f6lf Makroeinheiten, die jeweils eine einzelne Erz\u00e4hlung umspannen (Gideon und Abimelch werden daf\u00fcr getrennt, sowie Ehud\/Schamgar, Tola\/Ja\u00efr und Ibzan\/Elon\/Abdon jeweils zusammengezogen), und insgesamt 116 Mikroeinheiten auf. Die Makroeinheiten werden dabei eintr\u00e4glich in ihren alttestamentlichen literarischen und biblisch-theologischen Kontext gestellt. Auch innerhalb der Mikroeinheiten ist der Kommentar klar strukturiert. Auf einen literarischen Kurz\u00fcberblick (\u201emain idea of the passage\u201c) folgt die (in jeder Mikroeinheit wiederholte) tabellarische Darstellung des literarischen Kontexts, der hebr\u00e4ische Text (nach der <em>BHS<\/em>) samt der \u00dcbersetzung der Kommentatoren und seiner durch den Gebrauch der Verben, insbesondere in Verbindung mit <em>waw<\/em>, definierten Struktur und schlie\u00dflich eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurze und abschnittsweise sehr unterschiedlich ausfallende Kommentierung des Inhaltes des biblischen Textes, f\u00fcr die Boda und Conway bereitwillig die eingangs auf 26 bibliografischen Seiten aufgelistete und tats\u00e4chlich ausgiebig konsultierte Sekund\u00e4rliteratur nutzen, die aber leider trotz der detailliert dargestellten Textstruktur viele strukturelle und semantische Beobachtungen unerw\u00e4hnt l\u00e4sst. So erkennen die Kommentatoren zwar die doppelte Inclusio der beiden Einleitungs- und Schlusserz\u00e4hlungen um das gesamte Buch sowie Abimelech als \u201eanti-judge\u201c (67), aber etwa Chiasmen und Inclusios auf Satz-, Vers- und Abschnittsebene wie beispielsweise die doppelte Erw\u00e4hnung der S\u00fcnde Israels um die St\u00e4rkung Eglons durch Jahweh (Ri 3,12; S.&nbsp;208) oder die Bedeutung des vierfachen \u201eRefrains\u201c, in dem dreimal (weshalb wird Ri 19,1 ausgelassen?) erw\u00e4hnt wird, dass es keinen K\u00f6nig in Israel gab (92\u201393), ebenso wie semantische Bez\u00fcge wie beispielsweise das zweifache \u05d1\u05bc\u05d5\u05b9\u05d0 und das zweifache \u05d9\u05b8\u05e6\u05b8\u05d0 (Ri 3,20\u201323), die die T\u00f6tung Eglons durch Ehud zweifach umrahmen (216\u2013219), entgehen ihnen wohl aufgrund ihrem zu stark fixierten Fokus auf die Satzstruktur regelm\u00e4\u00dfig. Was die Kommentatoren allerdings inhaltlich bieten, ist stets angemessen reflektiert, \u00fcberzeugend dargestellt und f\u00fcr die Interpretation des Textes sehr hilfreich. Jede Makroeinheit wird mit Ausf\u00fchrungen zur kanonischen und theologischen Relevanz, in der die Kommentatoren die neutestamentliche Gemeinde nicht vergessen, abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztlich besticht der Kommentar durch die detailliert dargestellte Syntax des hebr\u00e4ischen Grundtextes. Diese kann dem interessierten Leser, der in der akademischen Welt zu Hause sein wird, aber dennoch Hilfestellung im Umgang mit der hebr\u00e4ischen Satzstruktur ben\u00f6tigt, eine wertvolle Unterst\u00fctzung seiner eigenen Arbeit am Grundtext und seiner Interpretation des Textes sein. Mancher Leser wird jedoch bei einem fast eintausend Seiten umfassenden Arbeitskommentar exegetisch tiefergehende Auslegungen erwarten. Diese k\u00f6nnten auf Kosten der Wiederholungen der \u00dcbersichten vor jedem Abschnitt, die den Inhalt zwar komfortabler vermitteln, f\u00fcr die Zielgruppe aber nicht unbedingt erforderlich sind, mehr als hundert inhaltsleerer \u00dcberschriften, unter denen die Kommentatoren lediglich auf nachfolgende Seiten verweisen, und vieler aufgrund des Querformats der \u00dcbersichten nur sp\u00e4rlich bedruckter Seiten wohl auch ohne wesentliche Erh\u00f6hung der Seitenzahl aufgenommen werden. Der Kommentar w\u00fcrde dadurch wesentlich an Wert sowohl f\u00fcr den Exegeten als auch f\u00fcr den Prediger gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Wolfgang Bluedorn, Neuwied<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mark J. Boda \/ Mary L. Conway: Judges. Longing for a Leader. 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