{"id":2028,"date":"2023-10-23T13:03:12","date_gmt":"2023-10-23T13:03:12","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2028"},"modified":"2023-10-23T13:03:14","modified_gmt":"2023-10-23T13:03:14","slug":"tova-ganzel-ezekiels-visionary-temple-in-babylonian-context","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2028","title":{"rendered":"Tova Ganzel: Ezekiel\u2019s Visionary Temple in Babylonian Context"},"content":{"rendered":"\n<p>Tova Ganzel: <em>Ezekiel\u2019s Visionary Temple in Babylonian Context<\/em>, BZAW 539, Berlin: De Gruyter, 2021, geb., viii+183\u00a0S., \u20ac\u00a099,95, ISBN <a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/document\/doi\/10.1515\/9783110740844\/html\">978-3-11-074067-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Tova Ganzel (Bar-Ilan Universit\u00e4t) legt eine Studie vor, die den babylonischen Kontext der Tempelvision Ez 40\u201348 aufzuzeigen unternimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erste Kapitel hat einf\u00fchrenden Charakter. Ganzel legt dar, dass ihr Ausgangspunkt innerbiblische Vergleiche sind, wobei sie die Elemente der Tempelvision herausarbeiten m\u00f6chte, die in biblischen Parallelen fehlen, um ihre Bedeutung vom babylonischen Kontext her zu erkunden. Damit ist nat\u00fcrlich auch gesagt, dass sie damit rechnet, dass Ez 40\u201348 babylonisches, nicht persisches oder gar hellenistisches, Kolorit hat und darum insgesamt ins 6.&nbsp;Jh. datiert werden sollte (unabh\u00e4ngig davon, ob es von Ezechiel oder jemand anderem verfasst oder ediert wurde).<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Kapitel f\u00fchrt Ganzel den babylonischen Kontext des Ezechielbuches ein und gibt einen \u00dcberblick \u00fcber das Quellenmaterial zu babylonischen Tempeln, sowie zu den Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rquellen, die zu den jud\u00e4ischen Exilierten in Babylon vorliegen (neben den biblischen Texten insbesondere die Al-Yahudu-Tafeln und das Mura\u0161u-Archiv). Sie betont, dass das babylonische Milieu die Exilierten auch dann beeinflusste, wenn die theozentrische Weltsicht des Ezechielbuches nicht ohne weiteres mit der babylonischen Religion in \u00dcbereinstimmung zu bringen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte Kapitel befasst sich mit der Sprache der Tempelvision. Da Aram\u00e4isch die Verwaltungssprache des neubabylonischen Reiches war, sich im Tempelkontext dagegen das Akkadische lange hielt, ist nach Einfl\u00fcssen beider Sprachen zu fragen. Ganzel sieht im Wesentlichen drei Bereiche, in denen aram\u00e4ische oder akkadische Echos zu finden sind: Einzigartige Lexeme, die im Tempelplan verwendet werden; Bezeichnungen, die f\u00fcr den Tempel verwendet werden; der Name, welcher im letzten Vers der Stadt gegeben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Tempelkomplex untersucht das vierte Kapitel. Der Ezechiel-Tempel wird dabei nicht nur mit anderen in der Hebr\u00e4ischen Bibel beschriebenen Heiligt\u00fcmern verglichen, sondern auch mit arch\u00e4ologisch ausgegrabenen Tempelstrukturen des vorexilischen Israel (Arad, Dan, Motza). Trotz vieler Unterschiede v.&nbsp;a. im Bereich der Vorh\u00f6fe stimmt der Ezechiel-Tempel mit dem Salomonischen Tempel in seiner dreigliedrigen Raumstruktur des eigentlichen Tempelgeb\u00e4udes (Allerheiligstes, Heiliges, Vorhalle) \u00fcberein. Die sonst in der Diskussion wichtigen Sechskammertore spielen \u00fcberraschenderweise bei Ganzel kaum eine Rolle. Vor allem in den gro\u00dfen quadratischen Dimensionen der Tempelanlage, den verschiedenen Kammern und dem Wasser, das vom Tempel ausgeht, sieht sie spezifisch babylonische Einfl\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschliessend vergleicht Ganzel in Kapitel 5 die Rollen des Tempelpersonals bei Ezechiel und in Babylon. Neben der Frage der Hierarchie, die auch mit den Zugangsbefugnissen zu tun hat, untersucht sie auch Priesterregeln (Haarstil, Kleidung, Heirat u.&nbsp;a.), Versorgung (Einkommen, Landbesitz), sowie die Aufgaben, zu denen auch die Volksbelehrung geh\u00f6rt. Auch die Rolle des F\u00fcrsten wird kurz diskutiert. Die Abwesenheit des Hohepriesters, der \u00c4ltesten und Richter, die Distanzierung der Leviten und nicht-zadokidischen Priester, sowie die administrative Rolle des F\u00fcrsten sieht Ganzel als Innovationen Hesekiels, f\u00fcr deren Verst\u00e4ndnis sowohl der breite biblische Kontext, wie auch der spezifische Kontext des Ezechielbuches und eben auch der babylonische Hintergrund wesentlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Im sechsten Kapitel geht es um Tempel-Rituale, die im ersten Monat stattfinden und um die komplexe Frage der Abweichung von Terminen und rituellen Details von den im Pentateuch beschriebenen Ritualen. Das babylonische Hauptfest in diesem Monat war Akitu, das babylonische Neujahrsfest. Ganzel vermutet, dass das Thema der Reinigung vor dem Passafest, wie es sich in den Vorderen Propheten findet, sich mit Reinigungsmotiven des Akitu-Festes verbunden hat, wobei beim Akitu-Fest auch die R\u00fcckkehr der Gottheit in den Tempel nach der Tempelreinigung eine Rolle spielt. Wie sie richtig bemerkt, handelt es sich beim Akitu-Fest allerdings um eine j\u00e4hrliche Prozession, w\u00e4hrend bei Ezechiel die Reinigung und Reinhaltung darauf abzielen, dass die Herrlichkeit Gottes anschlie\u00dfend bleibend im Tempel wohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Schlusskapitel tr\u00e4gt Ganzel die Resultate der Studie zusammen und zieht einige Schlussfolgerung. Im Unterschied zu anderen Forschungspositionen, die in Ezechiels Tempelvision v.&nbsp;a. das Anliegen einer Subversion neobabylonischer Theologie sehen, betont sie, dass die treibende theologische Kraft hinter der Tempelvision eher das starke Anliegen sei, die Heiligkeit des k\u00fcnftigen Tempels besser zu bewachen, um zu verhindern, dass er das Schicksal des ersten Tempels erleide. Dazu w\u00fcrden auch Anregungen aus dem babylonischen Kontext aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Insgesamt ist diese Studie \u00e4u\u00dferst informativ. Die Grundthese eines babylonischen Kontextes f\u00fcr Ezechiels Tempelvision ist plausibel. Modelle, die gro\u00dfe Teile der Tempelvision in persische oder gar hellenistische Zeit datieren, tun dies nicht aufgrund der internen und externen Evidenz, sondern aus einer Logik heraus, dies sich aus bestimmten redaktionskritischen Modellen und Annahmen einer Literaturgeschichte der Hebr\u00e4ischen Bibel ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichwohl kann ich Tova Ganzel nicht in allen Deutungen folgen und habe auch einige methodische Anfragen. Wie ich in meiner Monografie zu Ez 40\u201348 argumentiert habe (<em>Wiederhergestellter Gottesdienst. Eine Deutung der zweiten Tempelvision Ezechiels [Ez 40\u201348] am Beispiel der Aufgaben der Priester und Leviten<\/em>, HBS 95, Freiburg: Heder, 2020), ist der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Vision darin zu sehen, dass die Herrlichkeit Gottes nicht <em>in<\/em> den Tempel (ins Allerheiligste) zur\u00fcckkehrt, sondern <em>auf<\/em> den Tempel, so dass sie nach au\u00dfen hin sichtbar bleibt. Dies f\u00fchrt zu Neuerungen v.\u00a0a. gegen\u00fcber Pentateuchordnungen, die sich innerbiblisch nachvollziehen lassen. So werden etwa alle Priester in hohepriesterlichen, d.\u00a0h. zadokidischen Status gehoben, es gibt keine nicht-zadokidischen Priester mehr. Manches, was Ganzel f\u00fcr spezifisch (neu-)babylonisch zu halten scheint, ist m.\u00a0E. eher altorientalisches Allgemeingut, so z.\u00a0B. die Verbindung von Heiligtum und Wasserquelle oder die hierarchische Abstufung des Tempelpersonals. Dennoch ist das Buch ein wichtiger Beitrag zum babylonischen Hintergrund der Tempelvision Ezechiels und kann auch gut als Nachschlagewerk verwendet werden, da die Themen und Quellen systematisch zusammengestellt und ausgewertet werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tova Ganzel: Ezekiel\u2019s Visionary Temple in Babylonian Context, BZAW 539, Berlin: De Gruyter, 2021, geb., viii+183\u00a0S., \u20ac\u00a099,95, ISBN 978-3-11-074067-7 Tova<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":2029,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2028","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2028","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2028"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2028\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2030,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2028\/revisions\/2030"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2029"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2028"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}