{"id":2031,"date":"2023-10-23T13:05:28","date_gmt":"2023-10-23T13:05:28","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2031"},"modified":"2023-10-23T13:05:30","modified_gmt":"2023-10-23T13:05:30","slug":"johannes-c-de-moor-micah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2031","title":{"rendered":"Johannes C. de Moor: Micah"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johannes C. de Moor: <em>Micah<\/em>,<em> <\/em>Historical Commentary on the Old Testament, Leuven: Peeters, 2020, Pb., XI+454\u00a0S., \u20ac\u00a076,\u2212, ISBN <a href=\"https:\/\/www.peeters-leuven.be\/detail.php?search_key=9789042943636&amp;series_number_str=0&amp;lang=en\">978-90-429-4363-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der k\u00fcrzlich verstorbene Kampener Alttestamentler Johannes de Moor, (1935\u20132023), legt mit diesem Kommentar sein Lebenswerk vor. \u00dcber 60 Jahre hat ihn die Arbeit am Buch Micha besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Einleitungsteil zu Text, Struktur, Forschungsgeschichte und der Rezeption von Micha im Altertum folgen die Hauptkapitel mit der Auslegung (37\u2013379). Eine ausf\u00fchrliche Bibliografie (383\u2013442) spiegelt die langj\u00e4hrige Besch\u00e4ftigung mit diesem Prophetenbuch wider. Er gliedert den Text in elf Abschnitte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedes der elf Kapitel beginnt mit einer eigenen \u00dcbersetzung, in Sinnzeilen gegliedert. Als n\u00e4chstes folgt eine allgemeine Beschreibung (\u201eEssentials and Perspectives\u201c) des Abschnitts, sowie eine Kl\u00e4rung der Absicht der Verf. oder Redaktors. Ein kurzer Blick auf die Rezeptionsgeschichte, wie sie die alten \u00dcbersetzungen bieten schlie\u00dft sich an. Dann erst folgt die detaillierte Auslegung (\u201eExposition\u201c). Diese ist wiederum gekennzeichnet durch einen Blick auf die Struktur, dann die exegetischen Erl\u00e4uterungen. Verf. legt gro\u00dfen Wert auf textliche, grammatische oder lexikalische Probleme. Der Text soll innerhalb des historischen Kontexts erl\u00e4utert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verf. beachtet ganz besonders die Unterteilung des Textes in Sinnabschnitte, der sp\u00e4teren Petuchot und Setumot, einer Gewohnheit, die sich in nordwestsemitischen Texten seit dem 13. Jh. v. Chr. nachweisen l\u00e4sst (11). Diese sind leider zu lange f\u00fcr die Auslegung vernachl\u00e4ssigt worden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Kommentar unterscheidet sich wohltuend von vielen anderen dadurch, dass er den gr\u00f6\u00dften Teil des Prophetenbuchs (ca. 75 %) auf Micha zur\u00fcckf\u00fchrt (14), (au\u00dfer 1,1; 2,12\u201313; 4,1\u20137; 5,9\u201313; 6,4\u20135a und 7,14\u201320). Im Vergleich mit der schriftlichen Tradierung assyrischer Orakel nimmt er an, dass auch die Aussagen der Propheten Israels durch Namens- und Ortsnennung \u00fcblicherweise angegeben wurden \u201efor the purpose of verification\u201c (8). Gleichwohl darf die Wirkung der Erinnerung und m\u00fcndlicher Weitergabe nicht untersch\u00e4tzt werden, wenn z.&nbsp;B. gut hundert Jahre nach Micha sich die \u00c4ltesten zu Jeremias Zeit noch genau an Michas Ansagen erinnern k\u00f6nnen (vgl. Mi 3,12 und Jer 26,18).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">De Moor geht davon aus, dass es sich bei der Entstehung des Michabuches (eine \u201eAnthologie\u201c) um eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Propheten und dem Berufsschreiber gehandelt hat. Generell aber l\u00e4sst sich der Prozess der Umwandlung von m\u00fcndlicher Rede in ein Buch nicht rekonstruieren. Aus diesem Grund h\u00e4lt er sich im Kommentar sehr davon zur\u00fcck, die heutigen vielf\u00e4ltigen hypothetisch entworfenen Redaktionsschichten und -prozesse zu kommentieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Zuordnung von Kap. 1\u20133 zu Michas Verk\u00fcndigung herrscht seit langem weitgehend \u00dcbereinstimmung, mit Ausnahme des Abschnitts 2,12\u201313, den er als Nachtrag aus der Exilszeit versteht. Diese Verse dienen dazu, \u201eto mitigate the impact of what Micah had preached\u201d (152).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Abschnitte 3,9\u201312 (die angedrohte Zerst\u00f6rung des Tempels) und 4,1\u20137 (die herrliche Wiederherstellung vom Tempel und dem Zion) k\u00f6nnen gar nicht sch\u00e4rfer aufeinander sto\u00dfen. Mi 4,1\u20137 \/\/ Jes 2,2\u20135 seien weder auf Jesaja noch auf Micha urspr\u00fcnglich zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern als Trostworte eines nachexilischen Redaktors zu verstehen, dessen Absicht es war \u201eto mitigate the impact of the immediately preceding announcements of severe punishment and the destruction of the temple on Mt Zion\u201c (190).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Abschnitt 4,8\u20135,14 bezieht er auf den syrisch-ephraimitischen Krieg. Die Frau, die ein Kind erwartet, bezieht er auf die K\u00f6nigin, die Frau des Ahas, die mit Hiskia schwanger ist und aus Gr\u00fcnden der Sicherheit nach Bethlehem gebracht wurde (237f; 250).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch den folgenden Abschnitt Mi 6,1\u201316 bezieht er auf die K\u00f6nigszeit unter Ahas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6,4\u20135 setzen die Kenntnis \u201eof the entire Hexateuch in its present late form\u201c voraus (287). Dem ist zuzustimmen. Ob die Androhung einer Krankheit (6,14) sich auf Ahas bezieht und seine Erkrankung als chronische Verstopfung (308) zu deuten sei, lassen wir dahingestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Abschnitt 7,1\u201313 bezieht de Moor weder auf die klagende Frau\/Stadt, wie Gunkel es gedeutet hatte, noch auf Micha als klagende Person, weil niemand seine Warnungen h\u00f6ren wollte. Stattdessen sieht er in ihm eine Anrede der (feindlich gesinnten) Frau Jerusalem an den Propheten (320, 327, 334\u2013336). Die Frage \u201ewo ist der Herr, dein Gott?\u201c (7,10) bezieht er mit Berufung auf einige Manuskripte und ihre maskuline Form als eine Frage, die die Herrin Jerusalem dem Propheten stellt (354f.).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch den letzten Abschnitt, 7,14\u201320 ordnet er als nachexilische Erg\u00e4nzung zum Buch Micha ein (365), denn der Tempel sei noch nicht wieder aufgebaut, der Herr wohnt noch \u201eeinsam im Wald\u201c (365). Das Argument, dass 7,14\u201320 auf die Tradition von Ex 15 zur\u00fcckgreife und der Vergleich der Stichworte (vgl. 366) ist alles andere als \u00fcberzeugend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer das Buch aus der Hand legt, hat enorm von dieser gelehrten Arbeit profitiert und ist dem Verfasser f\u00fcr alle Einsichten und Anregungen bleibend zu Dank verpflichtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck bleiben neben Einzelheiten vor allem die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von Unheils- und Heilsansagen. Als markantes Beispiel bietet sich Mi\u00a03,9\u201312 und Mi\u00a04,1\u20135 an. Wieso k\u00f6nnen beide Aussagen nicht aus dem Mund Michas stereo geh\u00f6rt werden? Der Prophet hat \u00fcber Jahrzehnte gewirkt und das vor unterschiedlichen H\u00f6rern. Das Denkmuster, wonach die Heilsweissagungen die strengen Gerichtsandrohungen abmildern (\u201eto mitigate\u201c) sollen, vermag nicht zu \u00fcberzeugen. Liegt die Ursache f\u00fcr diese scheinbare Unvereinbarkeit von Gericht und Heil in der Prophetenverk\u00fcndigung vielleicht im Gottesbild?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Manfred Dreytza, ehem. Studienleiter, Krelingen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes C. de Moor: Micah, Historical Commentary on the Old Testament, Leuven: Peeters, 2020, Pb., XI+454\u00a0S., \u20ac\u00a076,\u2212, ISBN 978-90-429-4363-6 Der<\/p>\n","protected":false},"author":65,"featured_media":2032,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2031","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/65"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2031"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2031\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2033,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2031\/revisions\/2033"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2031"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2031"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}