{"id":2034,"date":"2023-10-23T13:08:12","date_gmt":"2023-10-23T13:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2034"},"modified":"2023-11-03T10:28:53","modified_gmt":"2023-11-03T10:28:53","slug":"daniel-arnold-das-buch-ester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2034","title":{"rendered":"Daniel Arnold: Das Buch Ester"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daniel Arnold: <em>Das Buch Ester<\/em>, Edition&nbsp;C Bibelkommentar Altes Testament 19, Holzgerlingen: SCM R.&nbsp;Brockhaus, 2022, Hb., 224&nbsp;S., \u20ac&nbsp;23,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/das-buch-ester-edition-c-at-band-19.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/das-buch-ester-edition-c-at-band-19.html\">978-3-417-25085-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei dem vorliegenden Kommentar handelt es sich um die \u00dcbersetzung einer franz\u00f6sischen Publikation. Neben dem Autor (einem Schweizer) seien \u00dcbersetzer und Bearbeiter genannt: Ursina Donner, Dorothea Bender und Helmuth Pehlke. Die \u00dcbersetzung hat den Vorteil, dass Einsichten aus der franz\u00f6sischen Literatur in den deutschen Sprachraum gelangen; Kommentare bleiben sonst oft auf die Literatur des eigenen Sprachraums beschr\u00e4nkt; allenfalls wird englische einbezogen. Ich habe nur an einer Stelle eine Fehl\u00fcbersetzung bemerkt: \u201eargent\u201c ist im Franz\u00f6sischen nicht nur \u201eGeld\u201c (135), sondern auch \u201eSilber\u201c, was hier angemessen w\u00e4re (das Zitat von Maier auf S. 147 ist offensichtlich r\u00fcck\u00fcbersetzt, statt das Original zu zitieren). Ein Nachteil besteht jedoch darin, dass der Kommentar dem aktuellen deutschsprachigen Kontext nicht ausreichend Rechnung tr\u00e4gt. Die Bearbeiter haben versucht, einige neuere Literatur, die nach 1999 erschienen ist, einzuarbeiten und wo m\u00f6glich f\u00fcr die verwendete Literatur \u00dcbersetzungen ins Deutsch oder Englisch zu verwenden, aber dies bleibt beschr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kommentar (97\u2013216) ist gleichm\u00e4\u00dfig aufgebaut mit Einf\u00fchrungen zum jeweiligen Kapitel, \u00dcbersetzung und Auslegung eines Bibelabschnitts sowie \u201eGedanken zur Bibelarbeit\u201c. Der franz\u00f6sische Einfluss wird an den zahlreichen literarischen Strukturen erkennbar (67\u201370 und bei jedem Kapitel) und in den Beispielen von Ironie (64\u201366). Er bietet eine Interpretation, der man im Allgemeinen zustimmen kann. &nbsp;In jeder Situation wird gefragt, welche \u00dcberlegungen die handelnden Personen anstellten, insbesondere Ester. Manchmal ist der Autor hier ein wenig optimistisch und neigt dazu, die Schwierigkeiten (die doch zumindest bei den heutigen Lesern bestehen!) auszub\u00fcgeln. Unm\u00f6gliche oder allzu optimistische Rekonstruktionen finden sich jedoch nicht (siehe z.&nbsp;B. 62\u201363, 176, 183).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt ist die Botschaft aber recht pessimistisch \u2013 trotz des franz\u00f6sischen Untertitels \u201esurvivre dans un monde hostile\u201c (\u201e\u00dcberleben in einer feindseligen Welt\u201c). Sie l\u00e4sst sich wie folgt zusammenzufassen: Gl\u00e4ubige sollen sich kooperativ in die Gesellschaft investieren (mit Spr 31 als Modell, 125). \u201eUnterordnung ist weder mit Passivit\u00e4t noch mit blindem Gehorsam gleichzusetzen\u201c (143). Ester war mutig (in jedem Fall nach ihrer Ver\u00e4nderung in Est 4,15\u201317 [148]), aber nicht durch einf\u00e4ltige Revolte. \u201eSie hat nie [wie Waschti] einen Befehl des K\u00f6nigs nicht befolgt, sondern sie hat sich auf das Wesentliche konzentriert, n\u00e4mlich auf das Heil ihres Volkes\u201c (197; ein Prinzip das u.&nbsp;a. in Coronazeiten richtungsweisend sein k\u00f6nnte). Man ist dazu imstande, weil \u201emehr M\u00f6glichkeiten bestehen, als ein einzelner Mensch wahrnehmen oder bef\u00fcrchten kann. Gottes Macht ist unkalkulierbar, und seine L\u00f6sungen sind nicht vorhersehbar\u201c (66). Auch wenn \u00fcbernat\u00fcrliche Wunder in der heutigen Zeit ausbleiben, k\u00f6nnen Gl\u00e4ubige sich darauf st\u00fctzen, was Gott in der Vergangenheit getan hat (79).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas wankend ist der Autor bei der Agag-Hypothese: Einmal ist Haman \u201eein Nachfahre Agags, dem Feind K\u00f6nig Sauls\u201c (117), sp\u00e4ter betrachtet Arnold dies nur als eine Anspielung (130) und schlie\u00dflich ist Agag ganz einfach Hamans Vorfahre (199).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nachvollziehbar erscheint mir die Verteidigung der Todesstrafe (199\u2013207), die mit einer Intensit\u00e4t erfolgt, die ein pers\u00f6nliches Trauma vermuten l\u00e4sst. Ja, die Autorit\u00e4t des Staates hat das Recht, das Schwert zu tragen. Aber die Obrigkeit kann sich irren, die Motive von Verbrechern sind oft kompliziert und viel h\u00e4ngt davon ab, in welcher Wiege man geboren wurde. Gl\u00fccklicherweise unterstreicht Arnold auch die Wichtigkeit, in den Bund mit Gott zu fl\u00fcchten (199).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist deutlich, dass die Kommentierung und nicht die Einleitung (19\u201396) den wichtigeren Teil ausmacht. Weil ein Bibelkommentar immer auf fr\u00fcheren Kommentaren aufbaut (Arnold referiert gro\u00dfz\u00fcgig), sollen Einleitungsfragen nicht anderen Kommentaren vertrauen, sondern direkt historische und philologische Quellen zugrunde legen. Dass sich keine Estertexte bei den Textfunden von Qumran finden, darf man nicht mit dem (\u00fcbrigens exzellenten) Kommentar von Joyce Baldwin aus dem Jahr 1984 begr\u00fcnden (20) und es ist reines Gl\u00fcck f\u00fcr Edition\u00a0C, dass sich f\u00fcr die Esterrolle im Zeitalter der umfangreichen Qumran-Ver\u00f6ffentlichungen tats\u00e4chlich nichts ge\u00e4ndert hat. Die Jahreszahlen (22\u201323) und der Bezug auf Antiochos III. (34) sind vielleicht in sich stimmig, aber ohne Nachweis wird dies nicht deutlich. Verweise auf Flavius Josephus verwenden das alte, wenig pr\u00e4zise System. Die Vulgata hat Hieronymus nicht aus der Septuaginta \u00fcbersetzt (83): Er ist der Vater der <em>Hebraica veritas<\/em>! (Vgl. G.\u00a0W. Lorein: \u201eThe Latin Versions of the Old Testament from Jerome to the <em>Editio Clementina<\/em>\u201c, in: <em>A Jewish Targum in a Christian World<\/em>, Hg. Alberdina Houtman\u00a0\/ Eveline van Staalduine u.\u00a0a. (JCPS 27), Leiden: Brill, 2014, 125\u2013145, bes. 125\u2013128). F\u00fcr die Seitenanordnung der Manuskripte auf den <em>Brockhaus Kommentar zur Bibel <\/em>(oder sein franz\u00f6sisches Pendant) zu verweisen, mutet wenig professionell an. Der Mordechaitag wird nicht in 2Makk 15,17, sondern in 2Makk 15,36 erw\u00e4hnt. Einige hebr\u00e4ische W\u00f6rter sind kommentiert, in Transkription (die Transkription ist korrekt, die \u201eUmschrift f\u00fcr Griechisch\u00a0\/ Hebr\u00e4isch\u201c (13\u201314) ist jedoch fehlerhaft), aber eine philologische Auseinandersetzung darf man in diesem Kommentar nicht erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz gesagt: Dieser Ester-Kommentar ist sehr brauchbar, wenn man Hilfe f\u00fcr eine rasche Vorbereitung einer Andacht usw. ben\u00f6tigt (man kann Bibeltreue voraussetzen und erh\u00e4lt immer einige gute Anregungen), jedoch weniger n\u00fctzlich, wenn man in einen Dialog mit dem aktuellen deutschen Kontext treten m\u00f6chte. So bleibt ein deutscher Esterkommentar ein Desiderat!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Geert W. Lorein ist Professor f\u00fcr Altes Testament an der Evangelische Theologische Faculteit, Leuven.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel Arnold: Das Buch Ester, Edition&nbsp;C Bibelkommentar Altes Testament 19, Holzgerlingen: SCM R.&nbsp;Brockhaus, 2022, Hb., 224&nbsp;S., \u20ac&nbsp;23,\u2013, ISBN 978-3-417-25085-5 Bei<\/p>\n","protected":false},"author":122,"featured_media":2035,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2034","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2034","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/122"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2034"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2034\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2136,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2034\/revisions\/2136"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2035"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2034"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2034"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}