{"id":2040,"date":"2023-10-23T13:13:56","date_gmt":"2023-10-23T13:13:56","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2040"},"modified":"2023-10-23T13:13:57","modified_gmt":"2023-10-23T13:13:57","slug":"sven-grosse-gesammelte-aufsaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2040","title":{"rendered":"Sven Grosse: Gesammelte Aufs\u00e4tze"},"content":{"rendered":"\n<p>Sven Grosse: <em>Gesammelte Aufs\u00e4tze. <\/em>Bd. 1:<em> Theologiegeschichte als Dogmatik<\/em>, 357 S., ISBN 978-3-374-07203-3; Bd. 2:<em> Brennpunkte der Theologiegeschichte<\/em>, 335 S., Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2022, Pb., je \u20ac 58,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5370_Theologiegeschichte-als-Dogmatik--Eine-Dogmatik-aus-theologiegeschichtlichen-Aufsaetzen-.html&amp;XTCsid=17db15f636854c6be53923a52cfd18ae\">978-3-374-07205-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Sven Grosse ist Professor f\u00fcr Historische und Systematische Theologie an der STH Basel. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Dogmengeschichte. Er wurde an der Univ. Erlangen-N\u00fcrnberg promoviert und habilitiert (Berndt Hamm, der dort damals Prof. f\u00fcr Kirchengeschichte war, wird mit seinen Werken in Grosses Beitr\u00e4gen oft angef\u00fchrt). Die Professur an der STH Basel lie\u00df Grosse \u201eviel Raum\u201c (gemeint ist wohl: <em>viel Zeit<\/em>) f\u00fcr das Ver\u00f6ffentlichen von Aufs\u00e4tzen (I\/5; zur Erl\u00e4uterung: r\u00f6misch I oder II beziehe ich auf den Band; nach dem Schr\u00e4gstrich gebe ich die Seite an). Die beiden B\u00e4nde bestehen gr\u00f6\u00dftenteils aus Beitr\u00e4gen, die bereits anderswo publiziert waren, teils in Sammelb\u00e4nden, teils in renommierten Zeitschriften wie \u201eKerygma und Dogma\u201c oder \u201eTheologische Quartalschrift\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung solcher \u201egesammelter Aufs\u00e4tze\u201c in Buchform ergibt oft eine bunte Mischung diverser Themen. Bei einer solchen Wiederver\u00f6ffentlichung wird versucht, eine verbindende Klammer herzustellen. Das versucht Grosse folgenderma\u00dfen: Er meint, \u201edass die christliche Lehre auf dreierlei Weise entwickelt werden\u201c kann: als Schriftkommentar, als Dogmatik und in Form von \u201ehistorischen Punktbohrungen\u201c (so in den Einf\u00fchrungen zu den beiden B\u00e4nden). Diese B\u00e4nde geh\u00f6ren in die zuletzt genannte Kategorie. Aber bei \u201ePunktbohrungen\u201c werden nur jeweils einzelne Aspekte des christlichen Glaubens beleuchtet, daraus ergibt sich kaum die \u201echristliche Lehre\u201c als Ganze. Da Grosse haupts\u00e4chlich dogmatische Themen behandelt, w\u00e4re im Titel von Bd. 1 anstelle von \u201eTheologiegeschichte\u201c passender: \u201eDogmengeschichte\u201c. Aber da es nur um punktuelle Einblicke geht, ergibt deren Zusammenstellung noch keine <em>Dogmatik<\/em> (es ist also keine \u201eDogmengeschichte als Dogmatik\u201c), sondern es bleibt bei 15 Momentaufnahmen aus der Dogmengeschichte, z.&nbsp;B. \u00fcber die Apologetik Tertullians, oder \u00fcber \u201eNatur und Sch\u00f6pfung in den Liedern Paul Gerhardts\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Bd. 2 hei\u00dft \u201eBrennpunkte der Theologiegeschichte\u201c. Auch hier gilt, dass es um einzelne Einblicke geht; z.&nbsp;B. \u201eDie N\u00fctzlichkeit als Kriterium der Theologie bei Philipp Melanchthon\u201c, oder um Vergleiche (z.&nbsp;B. R\u00f6merbrief-Auslegung bei Origenes, Thomas von Aquin und Luther). Diesen zehn \u201eBrennpunkten\u201c k\u00f6nnten wohl 100 andere zur Seite gestellt werden. Inwiefern gerade diese hier pr\u00e4sentierten Brennpunkte besonders entscheidend waren f\u00fcr die Dogmengeschichte, so dass sie besonders beachtet werden sollten, erl\u00e4utert Grosse nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Band hat am Ende ein Personen- und ein Begriffsregister. Das Register zu Bd. 1 hat jedoch einen systematischen Fehler, es gibt die Seitenzahlen jeweils um 2 zu hoch an. Abgesehen von biblischen Personen wie Jesus oder Paulus kommt in den beiden Personenregistern Martin Luther am h\u00e4ufigsten vor (Grosse ist \u00fcbrigens ordinierter Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Bayern). Grosse hat die Dogmengeschichte in voller L\u00e4nge im Blick, vom Altertum bis in die Gegenwart. Beim Altertum beachtet er Tertullian, Origenes und Augustinus besonders stark (aber auch Platon); beim Mittelalter Bernhard von Clairvaux und Thomas von Aquin; bei der Reformationszeit nach Luther auch Melanchthon (etwas weniger Calvin). Aus der neueren Theologiegeschichte bezieht sich Grosse sehr stark auf Karl Barth, dann aber auch auf die Katholiken John Henry Newman und Hans Urs von Balthasar. Oft erw\u00e4hnt er auch Schleiermacher, aber als au\u00dferhalb der christlichen Tradition stehend (hier begr\u00fcndet: II\/93\u2013128).<\/p>\n\n\n\n<p>Die freikirchliche Theologie kommt bei Grosse kaum vor, weder durch einzelne Theologen noch durch Ph\u00e4nomene wie die T\u00e4uferbewegung. Da Grosse an der STH Basel unterrichtet, wo auch viele Freikirchler studier(t)en, w\u00e4re der Einbezug freikirchlicher Geschichte und Theologie eigentlich naheliegend. Nur kurz erw\u00e4hnt er den Baptisten John Murton, weil er wahrscheinlich der Verfasser einer von Roger Williams verwendeten Schrift war (II\/343). Zum Thema Toleranz (\u201eKonkurrierende Konzepte von Toleranz in der fr\u00fchen Neuzeit\u201c, ab II\/229) k\u00f6nnten z.&nbsp;B. der T\u00e4ufer Balthasar Hubmaier (\u201eVon Ketzern und ihren Verbrennern\u201c) oder der Baptist Thomas Helwys (\u201eA short Declaration of the Mystery of Iniquity\u201c) erw\u00e4hnt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein bisher unver\u00f6ffentlichter Beitrag ist die \u201eDogmatik in Thesen\u201c (I\/319\u2013342). Grosse entfaltet die gesamte Dogmatik in Form von Thesen, entlang von 10 Lehrst\u00fccken. Eine solche auf K\u00fcrze bedachte Darlegung ist ein besonderes Werk, das f\u00fcr viele Leser anregend sein kann, auch wo sie ihm nicht zustimmen. Diese Serie von Behauptungen wird nur an wenigen Stellen durch Erl\u00e4uterungen unterst\u00fctzt. Wenn mich als Leser eine bestimmte These nicht \u00fcberzeugt, erfahre ich also nicht, warum Grosse die These gerade so formuliert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen dieser Thesen legt Grosse auch sein sakramentales Verst\u00e4ndnis in Bezug auf Abendmahl und Taufe dar. Dieses Verst\u00e4ndnis erinnert mich an traditionellen Katholizismus; es spiegelt jedenfalls kein evangelikales Denken wider. Grosse bezeichnet Taufe und Abendmahl als \u201eZeichenhandlungen. Sie bewirken aber auch das, was sie bezeichnen.\u201c (I\/238) Beim Abendmahl konzentriert sich Grosse auf dessen \u201eEmpfang\u201c durch den Gl\u00e4ubigen (I\/240), es geht dabei um \u201eein k\u00f6rperliches Ding\u201c (I\/238), um die Materie also, die der Gl\u00e4ubige in sich aufnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Bezug auf die Taufe meint Grosse, dass die Kirche seit Jesus \u201eeine Einheit von Eltern und Kindern\u201c sei, \u00e4hnlich wie das in der AT-Zeit beim Volk Israel war (I\/339). Aber hier gibt es einen grundlegenden Unterschied, denn in die ntl. Gemeinde Gottes kommt man nicht durch k\u00f6rperliche Abstammung, sondern durch eine individuelle Entscheidung. Gem\u00e4\u00df Grosse bringt das Taufen von Kleinkindern ein Kirchenwachstum mit sich. Allerdings sind viele nur \u201eTaufscheinchristen\u201c ohne Bezug zum kirchlichen Leben. Grosse gibt an, was durch die Wassertaufe bewirkt werde, was aber bei vielen, die als S\u00e4uglinge getauft wurden, nicht erkennbar ist: Gott \u201eentzieht durch die Taufe Menschen der S\u00fcnde und macht sie von neuem geboren\u201c (I\/238). Es ist aber die Erfahrung vieler Christen, dass sie eine Wiedergeburt ohne zeitlichen Zusammenhang mit einer Wassertaufe erlebten, sondern in Verbindung mit ihrer Bekehrung. Diese Wiedergeburt erkennen sie an einem Vergleich des davor und danach Erlebten. Diese Erfahrung widerspricht dem von Grosse pr\u00e4sentierten sakramentalen Verst\u00e4ndnis.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche zusammenzufassen: Die beiden B\u00e4nde \u201egesammelter Aufs\u00e4tze\u201c von Sven Grosse bieten punktuelle Studien zu Einzelaspekten der Dogmengeschichte. Aus der Warte eines theologisch und kirchlich konservativen Lutheraners bietet er eine gr\u00fcndliche Beleuchtung dieser Aspekte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Franz Graf-Stuhlhofer BSc, Lehrbeauftragter an der KPH Wien\/Krems f\u00fcr Kirchengeschichte und Dogmatik<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sven Grosse: Gesammelte Aufs\u00e4tze. Bd. 1: Theologiegeschichte als Dogmatik, 357 S., ISBN 978-3-374-07203-3; Bd. 2: Brennpunkte der Theologiegeschichte, 335 S.,<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":2041,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-2040","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-historische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2040","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2040"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2040\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2042,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2040\/revisions\/2042"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2041"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2040"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2040"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2040"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}