{"id":2056,"date":"2023-10-23T13:42:09","date_gmt":"2023-10-23T13:42:09","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2056"},"modified":"2023-10-23T13:42:11","modified_gmt":"2023-10-23T13:42:11","slug":"brian-rosner-how-to-find-yourself","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2056","title":{"rendered":"Brian Rosner: How to Find Yourself"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brian Rosner: <em>How to Find Yourself: Why Looking Inward Is Not the Answer<\/em>, Wheaton: Crossway, 2022, Pb., 224 S., \u20ac 18,75, ISBN <a href=\"https:\/\/www.crossway.org\/books\/how-to-find-yourself-tpb\/\">978-1-4335-7815-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brian Rosner ist Rektor des Ridley College in Melbourne. Fragen pers\u00f6nlicher Identit\u00e4t behandelte auch sein Buch <em>Known by God. A Biblical Theology of Personal Identity<\/em>, Grand Rapids: Zondervan, 2017. Das neue Werk ist laut seinem Vorwort (13f) weniger technisch und mehr f\u00fcr unsere kulturelle Situation geschrieben. Rosner setzt sich darin mit dem expressiven Individualismus auseinander und greift Ergebnisse von Charles Taylor auf. Rosner konzentriert sich nicht auf die Wurzeln des modernen Ichs, sondern auf seine Fr\u00fcchte. Zus\u00e4tzlich schl\u00e4gt er \u201eeinen besseren Platz vor, sich einzupflanzen\u201c (14).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Teil (\u201eLooking for Yourself\u201c) untersucht Faktoren gegenw\u00e4rtiger Identit\u00e4tsbildung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kapitel 1 \u201eLooking Inward\u201c (21\u201330) stellt den expressiven Individualismus vor. Diese Weltanschauung biete eine Strategie, sein Ich zu formen: Innenschau, ausgedr\u00fcckt in Slogans wie \u201eFolge deinem Herzen!\u201c Diese Selbstfindung f\u00fchre zu einem ideengeschichtlich neuen und fragw\u00fcrdigen \u201eabgepufferten Selbst\u201c, das im Gegensatz zum traditionellen \u201epor\u00f6sen Selbst\u201c von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen abgetrennt sei. Doch Selbstreflexion geh\u00f6rt f\u00fcr Rosner zu einem bewussten Leben und Authentizit\u00e4t sei wichtig f\u00fcr psychische Gesundheit. Infolgedessen deutet er in Kapitel 2 \u201eA Collective Identity Crisis\u201c (31\u201339) den expressiven Individualismus als einen Faktor gegenw\u00e4rtiger Identit\u00e4tsverwirrungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kapitel 3 \u201eFive Tests of the Good Life\u201c (41\u201356) pr\u00e4sentiert f\u00fcnf Lebenspr\u00fcfungen: Leid und Entt\u00e4uschung, Stolz und Neid, die Schwachen und Geringen, Widersacher und Ungerechtigkeit, Gl\u00fcck und Freude. Das fragile abgepufferte Selbst versage in jeder Pr\u00fcfung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kapitel 4 \u201eAncient Texts and Modern Preoccupations\u201c (57\u201367) beschreibt Rosner, wo er die Fehlerhaftigkeit eines selbstgemachten Ichs w\u00e4hnt. Freiheit und Identit\u00e4t sind seiner Ansicht nach nur in Gottes Liebe zu finden. Dieser Weg habe sich in vielen Kulturen bew\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kapitel 5 \u201eLooking Elsewhere\u201c (69\u201379) zeigt, dass wir ganz nat\u00fcrlich nicht nur nach innen blicken, um uns zu finden. Wir blicken auch um uns herum zu anderen Menschen (soziale Identit\u00e4t), zur\u00fcck und nach vorne auf unsere Lebensgeschichte (narrative Identit\u00e4t) und nach oben (spirituelle Identit\u00e4t).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten Teil (\u201eYou Are a Social Being\u201c) betont Kapitel 6 \u201eSocial Identity\u201c (83\u201396), wie pr\u00e4gend andere f\u00fcr unsere Identit\u00e4t sind. Unser Selbst erscheine uns wertvoller, wenn andere uns kennen und lieben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kapitel 7 \u201eKnown By God\u201c (97\u2013112) zeigt Gott als die Person, die uns am meisten, dauerhaftesten und tiefsten kennt und liebt. Von ihm als seine geliebten Kinder gekannt zu werden, r\u00fcste uns f\u00fcr die f\u00fcnf Lebenspr\u00fcfungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im dritten Teil (\u201eYou are Your Story\u201c) f\u00fchrt Kapitel 8 \u201eNarrative Identity\u201c (115\u2013121) aus, wie wir gemeinsam mit anderen Menschen in einer Vielzahl von Geschichten leben. Wichtig sei, dass sie realistisch und koh\u00e4rent sind. Auf drei Geschichten geht Rosner detaillierter ein:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kapitel 9 \u201eThe Story of Secular Materialism\u201c (123\u2013142) sieht die europ\u00e4ische Aufkl\u00e4rung als Hintergrund f\u00fcr die Geschichte der sexuellen Revolution und des Konsumismus. Das Programm der Aufkl\u00e4rung habe viele Vorteile gebracht, sehe die Vergangenheit und Religion aber \u00fcbertrieben negativ. Menschen sind f\u00fcr Rosner zwar sexuelle Wesen, aber Selbstsucht und Enthemmung seien weder tugendhaft noch, vor allem f\u00fcr Frauen, fraglos vorteilhaft. Konsumismus senke langfristig das Gl\u00fccksempfinden, Gier nehme uns gefangen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Denkweise der sozialen Gerechtigkeit in Kapitel 10 \u201eThe Story of Social Justice\u201c (143\u2013161) versteht die Welt als Ort grausamer Ungerechtigkeiten, die alle bek\u00e4mpft werden m\u00fcssen, bis die Gesellschaft und die menschliche Natur verwandelt&nbsp; werden und alles Unrecht beseitigt wird. Neben Unterdr\u00fcckern und Unterdr\u00fcckten gebe es die loyalen Alliierten. Nachdem sie durch Erziehung f\u00fcr identit\u00e4tsbasierte Ungerechtigkeit wach geworden seien, prangerten sie Unterdr\u00fcckung an. Wer zu einer dominanten Gruppe geh\u00f6rt, aber selbst kein loyaler Alliierter ist, werde zum Gegner. Diese Geschichte biete nur eine unzureichende Diagnose dessen, was mit uns nicht stimmt. Sie k\u00f6nne Menschen d\u00e4monisieren und Marginalisierte gegen ihren Willen auf ihre Rolle festlegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gute Geschichten h\u00e4tten Struktur und einen befriedigenden Abschluss, wof\u00fcr ein Blick von au\u00dfen n\u00f6tig sei. F\u00fcr Christen biete Gott diese Perspektive. Das wird klar in Kapitel 11 \u201eThe Life Story of Jesus Christ\u201c (163\u2013184). In der Geschichte von Jesus seien wir nicht die Hauptpersonen. Sein Tod und seine Auferstehung befreien seine Nachfolger aus der Herrschaft der S\u00fcnde. Der Ausdruck, \u201eChristus anzuziehen\u201c l\u00e4dt ein, in seiner Geschichte zu leben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kritisch daran ist, dass Christen \u2013 der Autor schlie\u00dft sich hier bewusst selbst mit ein \u2013 oft nicht auf der H\u00f6he der Geschichte des Christus leben. Doch aus dem Einfluss von Jesus k\u00e4men viele unserer besten Werte. In seiner Geschichte zu leben f\u00fchre zu einem stabilen und zufriedenen Selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vierte Teil (\u201eThe New You\u201c) stellt den Weg vor, sich selbst in der Geschichte des Christus als geliebtes Kind Gottes zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kapitel 12 \u201eLosing Yourself\u201c (187\u2013198) zeigt das Paradox der pers\u00f6nlichen Identit\u00e4t auf: expressiver Individualismus f\u00fchre nicht zur Selbstfindung, sondern zu Unzufriedenheit und Diskriminierung. Da Selbstzentriertheit zerst\u00f6rerisch sei, empfehle Jesus, sich selbstvergessen an andere zu verlieren. Echte Liebe passe nicht zu pers\u00f6nlicher Autonomie. Diese Autonomie bestehe jedoch f\u00fcr Paulus nicht, der behaupte, dass wir nicht uns selbst geh\u00f6ren. Kapitel 13 \u201eFinding Yourself\u201c (199\u2013212) bietet praktische Ratschl\u00e4ge, um die neue Identit\u00e4t als Kind Gottes auszuleben. Dabei werden sogar einige Zielsetzungen des expressiven Individualismus umgesetzt, wenn auch auf anderem Wege: christliche Gemeinden k\u00f6nnen authentisch und inklusiv leben. Aufforderungen wie \u201eSei dein neues Selbst\u201c seien den Slogans des expressiven Individualismus gar nicht so fremd. Doch die neue Identit\u00e4t unterscheide sich radikal vom abgepufferten Selbst, wie der abschlie\u00dfende Vergleich mit dem Vaterunser zeigt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWer bin ich?\u201c ist in jeder Weltanschauung eine zentrale Frage. \u201eDas musst du in dir selbst (er-)finden\u201c, lautet eine g\u00e4ngige Antwort. Brian Rosner zeigt, warum das nicht ausreicht. Seine kluge Kritik am expressiven Individualismus wird zu einer attraktiven Werbung f\u00fcr die konkurrierende Weltsicht des christlichen Glaubens. Das verst\u00e4ndlich geschriebene Buch ist eine reiche Fundgrube an erstaunlichen Zusammenh\u00e4ngen, Zitaten, Ideen und biblischen Aussagen zur pers\u00f6nlichen Identit\u00e4t (es gibt hilfreiche Indizes).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das abgepufferte Selbst ist fragil und unzureichend. Wenn sich beispielsweise alle f\u00fcr au\u00dfergew\u00f6hnliche Genies halten, werden viele vom Leben entt\u00e4uscht. Solche Aussagen leuchten ein, doch stellt sich in den Kapiteln 2 und 3 \u00f6fter die Frage: l\u00e4sst sich wirklich belegen, dass gerade der expressive Individualismus Ursache der Zerbrechlichkeit des modernen Menschen und seines selbstgemachten Ichs ist?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rosners f\u00fcnf Lebenspr\u00fcfungsfragen k\u00f6nnen hilfreich an alle Weltanschauungen gestellt werden. Nicht alle gro\u00dfen Erz\u00e4hlungen liefern dabei einen realistischen Blick auf uns und unsere Welt. Daher f\u00fchren sie auch nicht alle zu einem guten, erf\u00fcllten Leben. Das macht die Einladung \u00fcberzeugender, die christliche Weltanschauung tiefer kennenzulernen und den christlichen Weg zum authentischen Selbst zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. phil. Christian Bensel ist Referent bei \u201eBegr\u00fcndet Glauben\u201c in&nbsp; Ober\u00f6sterreich.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brian Rosner: How to Find Yourself: Why Looking Inward Is Not the Answer, Wheaton: Crossway, 2022, Pb., 224 S., \u20ac<\/p>\n","protected":false},"author":71,"featured_media":2057,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-2056","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2056","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/71"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2056"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2056\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2058,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2056\/revisions\/2058"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2057"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2056"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}