{"id":2059,"date":"2023-10-23T13:44:52","date_gmt":"2023-10-23T13:44:52","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2059"},"modified":"2023-10-23T13:44:53","modified_gmt":"2023-10-23T13:44:53","slug":"gunther-wenz-hg-theologie-der-religionsgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2059","title":{"rendered":"Gunther Wenz (Hg.): Theologie der Religionsgeschichte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gunther Wenz (Hg.): <em>Theologie der Religionsgeschichte. Zu Wolfhart Pannenbergs Entwurf<\/em>, Pannenberg-Studien 8, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2021, geb., 387 S., \u20ac 100,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/systematische-theologie-religionsphilosophie\/57017\/theologie-der-religionsgeschichte\">978-3-525-57324-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser elf Beitr\u00e4ge umfassende und von Gunther Wenz (Leiter der Pannenberg-Forschungsstelle und emeritierter Professor f\u00fcr Systematische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen) herausgegebene Band in der Reihe der Pannenberg-Studien basiert auf einem im Oktober 2020 an der Hochschule f\u00fcr Philosophie in M\u00fcnchen geplanten, allerdings pandemiebedingt nicht durchgef\u00fchrten Kolloquium (vgl. 11). Damit ist der Band eine rein schriftliche Dokumentation der \u201egeplanten Vortr\u00e4ge\u201c, \u201eund zwar ungef\u00e4hr in der f\u00fcr die M\u00fcnchner Tagung vorgesehenen Reihenfolge\u201c (11). Der Charakter einer rein schriftlichen Dokumentation und das ausgefallene Fachgespr\u00e4ch sind der Studie m.&nbsp;E. anzumerken, nicht zuletzt durch die sehr unterschiedliche L\u00e4nge der Beitr\u00e4ge: Der k\u00fcrzeste von Josef Schmidt umfasst 9 Seiten, der l\u00e4ngste von Gunther Wenz 121 Seiten. Die elf Beitr\u00e4ge stammen ausschlie\u00dflich von m\u00e4nnlichen Autoren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangspunkt und wiederkehrender Bezugspunkt des Bandes ist der von Wolfhart Pannenberg im Jahr 1962 gehaltene \u201eVortrag, der in \u00fcberarbeiteter Form unter dem Titel \u201aErw\u00e4gungen zu einer Theologie der Religionsgeschichte\u2018\u201c (7) im Jahr 1967 im \u201eersten Band der \u201aGrundfragen systematischer Theologie\u2018\u201c (7) ver\u00f6ffentlicht wurde. Pannenbergs Entwurf einer Theologie der Religionsgeschichte kann als theologische Gegenposition zur Dialektischen Theologie verstanden werden, die \u2013 grob skizziert \u2013 den Wahrheitsgehalt des christlichen Glaubens nicht an der Dimension der Geschichte, sondern an der Dimension des Wortes Gottes bzw. des Kerygmas festgemacht hat (vgl. 8 u. 187). Dieser Tendenz wirkt Pannenbergs Entwurf entgegen, indem er nach der \u201eGeschichte des Erscheinens des [..] g\u00f6ttlichen Geheimnisses\u201c (53), also nach der Religionsgeschichte, fragt. Seine Fragen beziehen sich auf die Entwicklungslinien sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb der j\u00fcdisch-christlichen Tradition, nicht zuletzt auf das Verh\u00e4ltnis des \u201einnerhalb\u201c und \u201eau\u00dferhalb\u201c zueinander (vgl. 277-\u2013281). In den geschichtlichen Religionen kommt das \u201eErscheinen des g\u00f6ttlichen Geheimnisses\u201c in unterschiedlicher Weise zum Ausdruck, und <em>ein<\/em> wesentlicher Ausdruck besteht in dem jeweiligen Verh\u00e4ltnis von Selbst, Gott und Welt (vgl. 59). In dem Ereignis der Auferstehung Jesu von Nazareth, welches aus Pannenbergs Sicht der wissenschaftlich-historischen Nachfrage gerade nicht entzogen, sondern nachvollziehbar und einsichtig ist (vgl. 195), sieht er die Vorweg-Erf\u00fcllung der endzeitlichen und damit letztg\u00fcltigen Erscheinung Gottes, welche allerdings ihrer endg\u00fcltigen Erf\u00fcllung im Eschaton noch harrt (vgl. 223, 282, 377). Dabei stehen die vorausgehenden g\u00f6ttlichen Erscheinungsweisen keineswegs beziehungslos zu diesem Ereignis, sondern werden durch die religionsgeschichtliche Perspektive auf ihr Verh\u00e4ltnis untereinander, zur religionsgeschichtlichen Entwicklung insgesamt sowie zur Erf\u00fcllung derselben in der Auferstehung Jesu hin befragt (vgl. 382f).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im vorliegenden Band wird dieser \u2013 hier nur grob skizzierte \u2013 Entwurf einer Theologie der Religionsgeschichte u.&nbsp;a. im Gespr\u00e4ch mit Georg Wilhelm Friedrich Hegel (Joachim Ringleben, Manuel Zelger, Gunther Wenz), Ludwig Feuerbach (Thomas Oehl), Karl Rahner (Paul Schroffner), Falk Wagner (Michael Murrmann-Kahl) sowie J\u00fcrgen Habermas (Friedemann vom Dahl) kritisch-konstruktiv bewegt, bedacht und erl\u00e4utert. Auch werden Pannenbergs \u00dcberlegungen ins Verh\u00e4ltnis gesetzt zu wesentlichen geistesgeschichtlichen und religi\u00f6sen Traditionen wie der \u201eklassische[n] Metaphysik der Griechen\u201c (Malte Dominik Kr\u00fcger), dem Islam (Felix K\u00f6rner) und der \u201eisraelitisch-j\u00fcdische[n] Religion\u201c (Gunther Wenz). J\u00f6rg Dierken begibt sich, angeregt durch Pannenbergs Gedanken, auf die Suche nach einem m\u00f6glichen gegenw\u00e4rtigen christlichen Geschichtsdenken, welches wesentliche Motive bisheriger Modelle geschichtlichen Denkens kritisch aufnimmt \u2013 aus der Heilsgeschichte das Motiv des Kontrafaktischen, aus der Offenbarungsgeschichte das Motiv der Universalit\u00e4t und aus der Religionsgeschichte das Motiv des Prozesses \u2013 und in einem dialektischen Verh\u00e4ltnis kombiniert. Manuel Zelger erkennt in Pannenbergs \u201eErw\u00e4gungen zu einer Theologie der Religionsgeschichte\u201c Potential, \u201eden die Theologie an der Aufkl\u00e4rung ihres wissenschaftstheoretischen Status hindernden Dissens zu \u00fcberwinden, ob die Theologie ihre Anstrengungen in Aussagen \u00fcber Gott oder die christliche Religion als ihren jeweiligen Gegenstand zu investieren habe\u201c (85). Gleichzeitig sieht Zelger in Pannenbergs Theorierahmen \u201eInkonsistenzen\u201c (87), die er durch einen alternativen Vorschlag zu \u00fcberwinden trachtet, indem er Pannenbergs Anliegen, \u201eReligionstheorie als Theologie auszuarbeiten\u201c (120), wissenschaftstheoretisch reflektiert (vgl. 120f). Und Josef Schmidt beschreibt auf den gedanklichen Spuren Pannenbergs die \u201eChristologie als konstitutive Erf\u00fcllung der Religions- und Weltgeschichte\u201c (187), und dies vor dem Hintergrund, dass Pannenberg \u201eden Blick auf den Kontext der Religionen f\u00fcr eine Chance der Theologie\u201c h\u00e4lt, \u201edie Besonderheit des Christentums und seines Anspruchs tiefer zu erfassen, und ihn nach den allgemeinen Vernunftma\u00dfst\u00e4ben zu rechtfertigen\u201c (ebd.). In diesem k\u00fcrzesten Beitrag des Bandes werden wesentliche Motive, Inhalte und Ziele der religionsgeschichtlichen Perspektive Pannenbergs sehr sch\u00f6n sichtbar. Schmidts Beitrag bietet damit (neben dem einf\u00fchrenden Vorwort von Wenz) die M\u00f6glichkeit, einen knappen und zugleich aufschlussreichen Einstieg in Pannenbergs theologisches und religionsgeschichtliches Denken zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sich diese Theologie der Religionsgeschichte mit ihren Chancen und Grenzen, in ihrem Verh\u00e4ltnis zu den Religionen und in ihrer engen und komplexen Verwobenheit mit der Philosophie- und Theologiegeschichte der letzten zweieinhalb Jahrhunderte genauer erschlie\u00dfen m\u00f6chte, dem bietet der vorliegende Band ein vielf\u00e4ltiges und umfangreiches Angebot, tiefer einzusteigen und auch anstrengende und anspruchsvolle gedankliche Anstiege in Angriff zu nehmen. Auch bieten sich auf diesem Weg Ausblicke in wesentliche und immer noch offene R\u00fcckfragen an die Konzeption Pannenbergs, etwa: \u201eWie soll gewusst werden k\u00f6nnen, dass die Offenbarung im Christusereignis perfekt, also vollkommene Selbsterschlie\u00dfung Gottes ist, wenn die Geschichte faktisch noch nicht geendet hat? Ist von diesem Vorbehalt nicht auch der Gedanke der Vorwegereignung betroffen?\u201c (384). Und aus biblisch-theologischer Perspektive stellt sich z.\u00a0B. die Frage, inwiefern Pannenbergs religionsgeschichtlicher Ansatz dem biblischen Zeugnis von der nicht zeitlichen, aber doch inhaltlichen Abgeschlossenheit der g\u00f6ttlichen Selbsterschlie\u00dfung (z.\u00a0B. Hebr 1,2) ausreichend gerecht wird \u2013 bei aller Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr sein Anliegen, den Inhalt des christlichen Glaubens auch vor dem Forum der Vernunft und der allgemeinen Religionsgeschichte zu verantworten. Insgesamt liegt mit dem rezensierten Sammelband ein philosophisch und theologisch anspruchsvolles Buch vor, das dem Titel der Reihe, in der es erscheint, ganz gerecht wird, n\u00e4mlich eine Pannenberg-Studie zu sein.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Prof. Dr. Maximilian Zimmermann, Professor f\u00fcr Systematische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gunther Wenz (Hg.): Theologie der Religionsgeschichte. 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