{"id":2062,"date":"2023-10-23T13:47:26","date_gmt":"2023-10-23T13:47:26","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2062"},"modified":"2023-10-23T13:47:27","modified_gmt":"2023-10-23T13:47:27","slug":"jan-mathis-gerald-kretzschmar-hg-versprochen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2062","title":{"rendered":"Jan Mathis \/ Gerald Kretzschmar (Hg.): Versprochen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jan Mathis \/ Gerald Kretzschmar (Hg.):<em> Versprochen. Interdisziplin\u00e4re Zug\u00e4nge zur liturgischen Sprache<\/em>, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2022, Pb., 368 S., \u20ac\u00a044,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5151_versprochen.html\">978-3-374-06909-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine substanzielle Analyse der sprachlichen Elemente jenseits der Predigt ist im evangelischen Kontext ein seltener Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion. Diese Wirklichkeit wird in der liturgiewissenschaftlichen Wahrnehmung bislang weitgehend \u00fcbersehen, weil diese sich stark darauf fokussiert, \u201ewie die Lehrbarkeit des Evangeliums in der Predigt verbessert werden kann\u201c (16). Ein kurzer Forschungs\u00fcberblick weist darauf hin, dass die Wechselwirkung zwischen dem gesprochenen Wort der Predigt und dessen Rezeption seitens der H\u00f6rer im Mittelpunkt steht, w\u00e4hrend andere Elemente der liturgischen Sprache nur selten wahrgenommen werden. W\u00e4hrend es wichtig ist, sich mit der Predigtqualit\u00e4t auseinanderzusetzen, geh\u00f6ren zur Kommunikation des Evangeliums auch andere wichtige verbale wie auch nonverbale liturgische Aspekte. Das wechselseitige Kommunikationsgeschehen zwischen Gott und den Menschen ereignet sich nicht nur im Rahmen der Predigt, sondern auch mit allen weiteren sprachlichen und zeichenhaften Elementen des Gottesdienstes. Aus diesem Grund ist es notwendig, die Rolle aller \u201esprachlich verfassten Elemente eines Gottesdienstes\u201c n\u00e4her zu betrachten, um ihr kommunikatives Potenzial bewusst zu optimieren (20). Um dieses Ziel zu erreichen, ben\u00f6tigt es eine tiefgehende Reflexion der liturgischen Sprache, was zum Anlass diente, dass die Evangelische Predigeranstalt (T\u00fcbingen) in Kooperation mit dem Zentrum f\u00fcr evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur (Wittenberg) eine fundierte Studie durchf\u00fchrte, um zu einer st\u00e4rkeren Wahrnehmung dieser essenziellen Elemente zu verhelfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vorliegende Band dokumentiert mit 15 Beitr\u00e4ge das Forschungsvorhaben. Er besteht aus drei Hauptteilen. Nach einer kurzen Einleitung des Forschungsgegenstandes und der grundlegenden Motivation dieser Studie wird im ersten Teil die Komplexit\u00e4t der liturgischen Sprache eines spezifischen Gottesdienstes empirisch erforscht mit dem Ziel, die gewonnenen Erkenntnisse praktisch-theologisch weiterzuentwickeln, um innovative Anregungen bez\u00fcglich des enormen Potenzials der liturgischen Sprache in die Praxis umzusetzen. Eine beachtliche St\u00e4rke dieses Bandes ist der methodologisch kreative Einbezug der Wahrnehmung von Experten aus unterschiedlichen nicht-theologischen Hintergr\u00fcnden (Literaturwissenschaft, Theaterregie, Kommunikationswissenschaften, Rhetoriklehre usw.), welche durch ihren Au\u00dfenblick die Eigenart des Gottesdienstes und der gottesdienstlichen Sprache relativ neutral betrachten konnten. Dieser Blickwinkel erm\u00f6glicht wiederum neue Einsichten und hilfreiche Perspektiven f\u00fcr eine verbesserte kirchliche Praxis. Im zweiten Teil werden diese au\u00dfertheologisch erhobenen empirischen Daten, wie Gottesdienstbesucher die liturgische Sprache jenseits der Predigt wahrgenommen und empfunden haben, aus praktisch-theologischer Perspektive analysiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meyer-Blanck zum Beispiel befasst sich mit der Rhetorik als Bezugsdisziplin der Homiletik, weist aber darauf hin, dass der Ritus, der aus Liedern, Lesungen und Gebeten besteht, gleichsam eine Kommunikationskraft aufweist, welche durch eine gezieltere Rhetorikreflexion den Gottesdienstbesuchern dazu verhelfe, bewusster am liturgischen Geschehen teilzunehmen (201). Stephan Winter profitiert auch von der empirischen Datenerhebung und sieht die Notwendigkeit, die Spannung zwischen Tradition und einer flexiblen Offenheit f\u00fcr eine Pluralit\u00e4t von Gestaltungsm\u00f6glichkeiten beizubehalten. Damit das passiert, pl\u00e4diert er f\u00fcr die Entwicklung einer \u201eangemessenen liturgischen Bildung wie einer geeigneten praxisbegleitenden theologischen Reflexion\u201c (276). David Pl\u00fcss schlie\u00dft sich der empirischen Wahrnehmung der Befragten an und konzentriert sich vor allem auf die Marginalisierung und Vernachl\u00e4ssigung der vielf\u00e4ltigen Aspekte der liturgischen Sprache. Dies f\u00fchre dazu, dass die Lebensrealit\u00e4t der Gemeinde nur ungen\u00fcgend bedacht wird (291). Er sieht darin die Gefahr, dass Gottesdienste zu \u201egeschlossenen Veranstaltungen f\u00fcr Eingeweihte werden, wenn sie sich rhetorisch und inszenatorisch nicht auch um Verst\u00e4ndlichkeit und Anschlussf\u00e4higkeit bem\u00fchen\u201c (293).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im dritten Abschlussteil wird ein ausf\u00fchrliches Transkript des erforschten Gottesdienstes dieser Studie dargestellt, damit der Leser die unterschiedlichen Analysen und Deutungen besser nachvollziehen kann. Diese genaue Dokumentation des Gottesdienstes kann auch als Anregung dienen, wie ein gut durchdachter liturgischer Gottesdienst aussehen k\u00f6nnte. Insgesamt sind die praktisch-theologischen Bem\u00fchungen der Autoren, von der empirischen Datenerhebung Handlungsimpulse abzuleiten, \u00e4u\u00dferst hilfreich und leisten einen Beitrag, diese beachtliche liturgiewissenschaftliche L\u00fccke zu f\u00fcllen. Kritisch muss man aber erw\u00e4hnen, dass die Empirie im Vordergrund steht und der Bibel ein sehr geringes Ma\u00df an normativer Orientierungskraft zugestanden wird, was zu einer mangelnden theologischen Fundierung beitr\u00e4gt. Trotz dieser Kritik dient dieser Forschungsprozess als ein gelungener explorativer Auftakt f\u00fcr die Notwendigkeit weiterer solcher Studien. Besonders Leitungspersonen in Gemeinden, die den Gottesdienst kommunikativ gestalten wollen, inspiriert das Buch wissenschaftlich und praxisorientiert und f\u00f6rdert die Reflexion und Verbesserung der Gottesdienstkultur.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dejan Azdajic, Dozent f\u00fcr Praktische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan Mathis \/ Gerald Kretzschmar (Hg.): Versprochen. 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