{"id":2065,"date":"2023-10-23T13:49:34","date_gmt":"2023-10-23T13:49:34","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2065"},"modified":"2023-10-23T13:49:35","modified_gmt":"2023-10-23T13:49:35","slug":"felix-eiffler-david-reissmann-hg-wir-koennens-ja-nicht-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2065","title":{"rendered":"Felix Eiffler \/ David Rei\u00dfmann (Hg.): Wir k\u00f6nnen\u2019s ja nicht lassen \u2026"},"content":{"rendered":"\n<p>Felix Eiffler \/ David Rei\u00dfmann (Hg.): <em>Wir k\u00f6nnen\u2019s ja nicht lassen \u2026 Vitalit\u00e4t als Kennzeichen einer Kirche der Sendung<\/em>, Mission und Kontext 1, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2023, Pb., 264 S.,<em> <\/em>\u20ac 38,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5181_-Wir-koennen-s-ja-nicht-lassen---.html\">978-3-374-07295-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der vorliegende Sammelband dokumentiert die Beitr\u00e4ge des letzten vom Greifswalder Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG) durchgef\u00fchrten Symposiums vom Mai 2022. Gleichzeitig begr\u00fcndet der Band die neue Reihe \u201eMission und Kontext\u201c (MuK; herausgegeben von Michael Herbst, Felix Eiffler und Patrick Todjeras), die thematisch die mittlerweile abgeschlossene Reihe \u201eBeitr\u00e4ge zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung\u201c weiterf\u00fchrt. In internationaler und interdisziplin\u00e4rer Perspektive wird unter dem Leitbegriff der \u201eVitalit\u00e4t\u201c \u201eeine bisher wenig genutzte hermeneutische und heuristische Kategorie erprobt, theologisch er\u00f6rtert und an den kirchlichen Ist-Zustand angelegt, um nach der Lebendigkeit der Kirche zu fragen\u201c (15). In Anlehnung an Apg 4,20 (\u201eWir k\u00f6nnen\u2019s ja nicht lassen\u201c) fokussieren insgesamt 16 Beitr\u00e4ge den Forschungsgegenstand anhand folgender Fragen: \u201eWas muss Kirche tun, um Kirche zu sein, was kann sie aber auch lassen, ohne sich dabei selbst zu verlieren? Was kann sie nicht lassen, ohne auch ihre Vitalit\u00e4t zu verlieren?\u201c (17).<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders relevant und weiterf\u00fchrend erscheinen mir vor allem diejenigen Beitr\u00e4ge, die die kirchliche Vitalit\u00e4t explizit (missions-)theologisch reflektieren. So beobachtet <em>Christfried B\u00f6ttrich<\/em>, dass dem neutestamentlichen Gottesvolk als \u201eFremdlinge in der Diaspora\u201c trotz Ausgrenzung und Marginalisierung doch eine erstaunliche Vitalit\u00e4t zu eigen ist (27\u201347). Gerade der 1 Petr lasse sich als \u201eMusterbeispiel eines Resilienz-Narrativs\u201c lesen, das auch f\u00fcr heute eine Reihe hoffnungsstiftender Ressourcen und \u201eResilienzfaktoren\u201c bereithalte, \u201eum selbst unter widrigen Umst\u00e4nden gedeihen und Kirche Jesu Christi sein zu k\u00f6nnen\u201c (45\u201346).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ralph Kunz<\/em> (115\u2013128) und <em>Henning Wrogemann<\/em> (243\u2013255) entfalten auf je eigene Weise eine doxologische Antwort auf die Frage nach der kirchlichen Vitalit\u00e4t. Im R\u00fcckgriff auf Karl Barth erkennt Kunz einen vitalit\u00e4tsbedrohenden Mangel an Theozentrik und stellt fest, dass \u201ealles, was wir zum Haus sagen, in dem wir bleiben wollen, umsonst [sei], wenn wir nicht auf den Herrn zu reden kommen w\u00fcrden, der dieses Haus gebaut hat und mit uns weiter bauen will\u201c (118). Gott die Ehre zu geben sei, so Kunz, die entsprechend vitalit\u00e4tsf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahme. In \u00e4hnlicher Weise beschreibt Wrogemann die \u201etiefste Krise der Kirche\u201c als eine geistliche Krise der \u201etheologischen Orientierungslosigkeit im verzweifelten Bem\u00fchen um Aktualit\u00e4t\u201c (250). Dieser Krise sei nicht mit einer akkommodierten \u201eBanalisierung der neutestamentlichen Botschaft\u201c zu begegnen, sondern mit einer \u201ekontra-faktischen\u201c, also verhei\u00dfungsorientierten Doxologie: \u201eWo aber im ganz selbstverst\u00e4ndlichen Gotteslob bei Christen ein Vertrauen in die Lebendigkeit des Gottes, der Christus auferweckt hat, sp\u00fcrbar wird, kann dies anziehend wirken und Fragen wecken\u201c (ebd.).<\/p>\n\n\n\n<p>Auch <em>Felix Eifflers<\/em> Ansatz zur Re-Vitalisierung der Kirche ist ausdr\u00fccklich theologischer Natur (165\u2013175). Da die Kommunikation des Evangeliums Hauptaufgabe und Proprium der Kirche sei, k\u00f6nne diese vor dem Hintergrund einer s\u00e4kularen Gesellschaft (nur) dann zu neuer missionarischer bzw. evangelistischer Vitalit\u00e4t gelangen, wenn sie a) zu einer Kl\u00e4rung dar\u00fcber gelange, was das Evangelium ist, b) die Kraft des Evangeliums neu f\u00fcr sich entdecke und c) die einzelnen Gemeindemitglieder im Blick auf das Evangelium sprachf\u00e4hig mache.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschied vom Greifswalder Institut hat schlie\u00dflich dessen langj\u00e4hriger Direktor <em>Michael Herbst <\/em>eine Art \u201emissionstheologisches Verm\u00e4chtnis\u201c hinterlassen (191\u2013210). Differenziert und doch leidenschaftlich pl\u00e4diert er ein weiteres Mal daf\u00fcr, die Mission als essenziell zum Wesen der Kirche geh\u00f6rig zu betrachten und ihr sowohl in der Theologie allgemein als auch in der Praktischen Theologie im Besonderen einen prominenten Platz zuzuweisen. Au\u00dferdem verleiht er erneut seiner \u00dcberzeugung Ausdruck, dass eine missionsinteressierte Praktische Theologie viel zur Vitalit\u00e4t der Kirche beizutragen habe. Aus Sicht des missionarischen Gemeindeaufbaus kann man in dieser Hinsicht nur dankbar auf die vielen wertvollen Impulse blicken, die \u00fcber die Jahre vom IEEG (und namentlich von Michael Herbst) ausgegangen sind. Herbsts Ausf\u00fchrungen lassen explizit und zwischen den Zeilen allerdings auch erkennen, dass \u201edie Greifswalder\u201c bis heute im praktisch-theologischen Diskurs insgesamt nur in sehr begrenztem Ma\u00df Geh\u00f6r gefunden haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen zeigt sich die Diskrepanz zwischen den hier beschriebenen theologisch konnotierten Vitalit\u00e4tsperspektiven und der volkskirchlichen Realit\u00e4t nicht zuletzt in der Tagungszusammenfassung von Nicole Chibici-Revneanu (257\u2013264). Denn sie hat aufgrund ihrer pastoralen Erfahrung und im Blick auf die Wirklichkeit konkreter Ortsgemeinden gerade die aus meiner Sicht wegweisenden missionstheologischen \u00dcberlegungen der Tagung als \u201e[zu] steil\u201c (262) und damit wohl wenig verhei\u00dfungsvoll erlebt. F\u00fcr diejenigen, die eine wiederkehrende Vitalit\u00e4t wesentlich mit einer theozentrischen Neuformatierung verbinden, d\u00e4mpft das die Hoffnung auf tiefgreifende kirchliche Erneuerungsprozesse.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Philipp Bartholom\u00e4, Professor f\u00fcr Praktische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Felix Eiffler \/ David Rei\u00dfmann (Hg.): Wir k\u00f6nnen\u2019s ja nicht lassen \u2026 Vitalit\u00e4t als Kennzeichen einer Kirche der Sendung, Mission<\/p>\n","protected":false},"author":57,"featured_media":2066,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2065","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praktische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2065","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/57"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2065"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2065\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2067,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2065\/revisions\/2067"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2066"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2065"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2065"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2065"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}