{"id":2068,"date":"2023-10-23T13:51:22","date_gmt":"2023-10-23T13:51:22","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2068"},"modified":"2023-10-23T13:51:24","modified_gmt":"2023-10-23T13:51:24","slug":"felix-eiffler-kirche-hier-und-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2068","title":{"rendered":"Felix Eiffler: Kirche Hier und Jetzt"},"content":{"rendered":"\n<p>Felix Eiffler: <em>Kirche Hier und Jetzt. Wie Christen Gottes Mission treu sind und ihrem Kontext gerecht werden<\/em>, Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2023, geb., 284\u00a0S., \u20ac\u00a025,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/kirche-hier-und-jetzt.html\">978-3-417-00010-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Kirchenaustrittszahlen sind entmutigend. Prognosen sagen die Halbierung der Mitgliedszahlen in den Gro\u00dfkirchen bis 2060 voraus. Dieser d\u00fcsteren Realit\u00e4t stellt Felix Eiffler mit seinem Buch \u201eKirche Hier und Jetzt\u201c ein leidenschaftliches Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Kirche entgegen, die auch im nachchristent\u00fcmlichen Umfeld kontextsensibel und missionarisch Zugangswege zu den Menschen sucht. Der Vf. hat bereits intensiv \u00fcber \u201eurbane Gemeindeentwicklung\u201c gearbeitet (vgl. die Rezension seiner Greifswalder Dissertation <a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1271\">hier<\/a>), leitet inzwischen die Forschungsstelle Missionale Kirchen- und Gemeindeentwicklung (MKG) an der Universit\u00e4t Halle-Wittenberg und schreibt im Wesentlichen aus landeskirchlicher Perspektive.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst geht Eiffler der Frage nach, warum und wozu es Kirche gibt (Teil I, 13\u201384). Zur Begr\u00fcndung der kirchlichen Mission nimmt er die klassische missionstheologische Figur der <em>missio Dei<\/em> auf \u2013 die Kirche sei \u201egewisserma\u00dfen das Nebenprodukt der g\u00f6ttlichen Sendung\u201c (22). Zur konkreten Beschreibung des kirchlichen Auftrags dienen sodann die von der Anglikanischen Gemeinschaft beschriebenen f\u00fcnf Merkmale der Mission Gottes: 1. Die gute Nachricht vom Reich Gottes verk\u00fcnden; 2. Menschen, die (neu) glauben, lehren, taufen und f\u00f6rdern; 3. Auf menschliche N\u00f6te mit liebevollem Dienst reagieren; 4. Gerechtigkeit, Gewaltfreiheit, Frieden und Vers\u00f6hnung f\u00f6rdern; 5. Die Sch\u00f6pfung und das Leben auf der Erde sch\u00fctzen. Im Rahmen eines solch breiten Verst\u00e4ndnisses von Mission sieht Eiffler in den Merkmalen 1 und 2 zwar das spezifische Proprium der Kirche, weshalb er in Anlehnung an Michael Herbst von einem \u201ekleinen sachlichen Prae der Evangelisation\u201c spricht (55). Dennoch sei \u201edie verk\u00fcndende und die diakonische Dimension der Mission weder voneinander [zu] l\u00f6sen noch gegeneinander aus[zu]spielen (\u2026), ohne der Mission Gottes einen ernsthaften Schaden zuzuf\u00fcgen\u201c (56).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend beschreibt Eiffler nachdr\u00fccklich die Notwendigkeit einer Kirche, die sich zuh\u00f6rend, dienend und kultursensibel in den jeweiligen Kontext hineinbegibt (Teil II, 85\u2013148). In Ankn\u00fcpfung an missionale Vordenker wie David Bosch, Tim Keller oder Michael Moynagh warnt er dabei sowohl vor einer Unter- als auch einer \u00dcberkontextualisierung. Ein biblisch verankertes Evangelium m\u00fcsse die \u201enorma normans\u201c bleiben: \u201eWir m\u00fcssen um eine Kontextualisierung ringen, die beidem gerecht wird: dem Evangelium und dem Umfeld.\u201c (123). Damit betont der Vf. zu Recht, dass eine fruchtbare Mission der Kirche einerseits durch eine mangelnde Anschlussf\u00e4higkeit an kontextuelle Gegebenheiten, andererseits durch eine theologische Beliebigkeit ohne kritisch-kontrakulturelle Distanz zur Umwelt bedroht ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausf\u00fchrlich werden schlie\u00dflich die Chancen und Herausforderung der Kirche in drei spezifischen Kontexten durchbuchstabiert (Teil III). Dabei skizziert Eiffler wichtige Leitplanken f\u00fcr das missionarische Handeln lokaler Gemeinden im urbanen (150\u2013185), l\u00e4ndlichen (186\u2013224) und digitalen Raum (225\u2013257, Beitrag von Miriam Wolf). Durch die konsequente Orientierung an den genannten f\u00fcnf Merkmalen der Mission Gottes entfalten sich ausgewogene, umsichtige, im besten Sinne ganzheitliche Perspektiven auf den missionarischen Auftrag der Kirche. Da allerdings heute gerade im landeskirchlichen Kontext, f\u00fcr den Eiffler schreibt, die Merkmale 3 bis 5 quasi durchg\u00e4ngig anerkannt, die Merkmale 1 und 2 aber faktisch stark umstritten (und daher unterbelichtet) sind, h\u00e4tten diese als Herzst\u00fcck der Mission <em>kontextuell<\/em> doch eine noch deutlichere Profilierung verdient.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKirche Hier und Jetzt\u201c ist kein reines Praxisbuch, konkrete kybernetische Schritte der Gemeindegestaltung werden meist nur angedeutet. Als konzeptionelles Grundlagenwerk adressiert es vor allem die Spezies der \u201ereflektierenden Praktiker\u201c \u2013 und will so ausgehend von einer inspirierenden Theorie des missionarischen Gemeindeaufbaus die Br\u00fccke hin zur Praxis schlagen. Dazu sollen nicht zuletzt die Beispiele \u201eaus der Praxis\u201c dienen, mit denen ein Autorenkollektiv die Ausf\u00fchrungen der jeweiligen Kapitel \u201eerdet\u201c.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Philipp Bartholom\u00e4, Professor f\u00fcr Praktische Theologie an der FTH Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Felix Eiffler: Kirche Hier und Jetzt. 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