{"id":2087,"date":"2023-10-23T14:05:36","date_gmt":"2023-10-23T14:05:36","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2087"},"modified":"2023-10-23T14:05:38","modified_gmt":"2023-10-23T14:05:38","slug":"michael-meyer-blanck-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2087","title":{"rendered":"Michael Meyer-Blanck: Kirche"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael Meyer-Blanck: <em>Kirche<\/em>, Theologische Bibliothek VII, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2022, geb., 348 S., \u20ac 39,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/systematische-theologie-religionsphilosophie\/57518\/kirche?number=VUR0005935\">9783647553092<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bonner Praktische Theologe Michael Meyer-Blanck hat ein allgemeinverst\u00e4ndliches Lehrbuch zur evangelischen Kirche vorgelegt. Indem er u.&nbsp;a. seinen liturgisch-homiletischen Forschungsschwerpunkt geltend macht, erg\u00e4nzt er den Stand der Kirchentheorie, f\u00fchrt ihre Reifung fort und schl\u00e4gt neue Br\u00fccken zu anderen praktisch-theologischen Forschungsfeldern. F\u00fcr ihn \u201emuss eine Theorie der Kirche vom Kern des Glaubens ausgehen und deutlich machen, warum das Evangelium die \u00d6ffentlichkeit sucht und dazu die Institutionalisierung braucht.\u201c \u201eErscheinungsweisen\u201c der Kirche sollen auf die \u201eGrund-S\u00e4tze des Glaubens\u201c zur\u00fcckgef\u00fchrt werden (13).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Werk gliedert sich in drei Teile und f\u00fcnfzehn Paragrafen (jeweils mit kurzer Zusammenfassung versehen) und schlie\u00dft mit einem Ausblick. Es vollzieht wiederkehrend biblische, kirchenhistorische, systematisch-theologische und soziologische Seitenblicke. Dabei wird kein bestimmtes soziologisches Konzept f\u00fcr die Kirchentheorie leitend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Teil <em>Grundlagen<\/em> erarbeitet die \u201eKirche des Glaubens\u201c im Gegen\u00fcber zur \u201eKirche der wissenschaftlichen Beobachtung\u201c, wobei beide Zug\u00e4nge zur Geltung gebracht werden m\u00fcssten. Meyer-Blanck modifiziert Eberhard Hauschildts und Uta Pohl-Patalongs Hybridbegriff und spricht von \u201eInstitution, Organisation und Inszenierung\u201c; dabei betont er in seiner Monografie insgesamt die Pole von Amtskirche und gottesdienstlicher Interaktion.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Teil <em>Perspektiven<\/em> thematisiert die Aspekte Kommunikation, Recht und Politik\/ Gesellschaft. Es werden jeweils theologische und au\u00dfertheologische Konzepte in Beziehung zueinander gesetzt. Meyer-Blanck widmet weiterhin der r\u00f6misch-katholischen Kirche einen Paragrafen, um die Situation der Kirche in Deutschland verst\u00e4ndlich zu machen und um \u00f6kumenische Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf das gemeinsame Abendmahl, zu umrei\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Teil <em>Situationen und Sachen<\/em> schreitet Elemente ab, die klassischerweise Kirche ausmachen: u.&nbsp;a. pastorales Amt\/kirchliche Berufe, Kirchenraum, Kunst und Musik. Der Autor unterstreicht \u2013 unter Einbeziehung von Festen und Kasualien \u2013 die Bedeutung des Gottesdienstes (mit Reiner Preul und gegen die meisten Kirchentheorien). Diesem \u201eperformativen Kirchturm\u201c und seiner liturgischen Tiefe widmet er bisher kirchentheoretisch nicht da gewesenes Augenmerk. Im Gottesdienst werde \u201e<em>wer, was, woher, wof\u00fcr und wie<\/em>\u201c der Kirche \u00f6ffentlich dargestellt (169). Angesichts der Missbrauchsf\u00e4lle in den Gro\u00dfkirchen bringt der Autor den Paragrafen \u201eMacht und Sexualit\u00e4t in der Kirche\u201c in die Diskussion ein. Amtstr\u00e4ger gew\u00f6nnen durch kirchliche Kommunikation eine \u201eDeutungsmacht\u201c. Deren Missbrauch sei als Vorstufe sexuellen Missbrauchs anzusehen: \u201eDie Tendenz zum professionellen Missbrauch ergibt sich dann, wenn ein p\u00e4dagogisches Verh\u00e4ltnis in ein famili\u00e4res, freundschaftliches, intimes und schlie\u00dflich in ein erotisches Verh\u00e4ltnis abgleitet\u201c wird (253). Das Pflichtz\u00f6libat der r\u00f6misch-katholischen Kirche sei problematisch, da sich viele Geweihte nur unzureichend mit ihrer eigenen Sexualit\u00e4t auseinandergesetzt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im abschlie\u00dfenden Ausblick hebt Meyer-Blanck hervor, dass die Zukunft der Kirche letztlich nicht auf ihrer eigenen Leistungsf\u00e4higkeit beruhe: \u201e\u00dcberzeugend ist die Kirche, wenn sie als Zeichen der Zukunft Gottes verstanden wird. [\u2026] Ihre Predigt und ihr Dienst, ihre Kunst und ihre Musik sind so faszinierend und ansteckend wie ihre Erwartung, dass Jesus selbst vor ihr hingehen wird und sich sehen l\u00e4sst\u201c (326).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es l\u00e4sst sich sagen, dass Meyer-Blancks Konzept unter den bisherigen Kirchentheorien den umfassendsten \u00dcberblick \u00fcber die verfasste evangelische Kirche in ihren Gliederungen bietet. Es ist ein optimistisch-wertsch\u00e4tzender Grundton gegen\u00fcber dem Vorfindlichen zu verzeichnen. Bedeutende Problemlagen wie der Verfall kirchlicher Strukturen besonders in Ostdeutschland werden ausgespart; andere, wie eine f\u00fcr viele Zeitgenossen unzug\u00e4ngliche Liturgie, nicht n\u00e4her problematisiert. Daf\u00fcr bietet Meyer-Blanck ein Portrait der \u00fcberkommenen Volkskirche, das vielf\u00e4ltige St\u00e4rken und Potenziale herausstellt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Johannes Sch\u00fctt, Klinikseelsorger, Leipzig<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Meyer-Blanck: Kirche, Theologische Bibliothek VII, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2022, geb., 348 S., \u20ac 39,\u2013, ISBN 9783647553092 Der Bonner<\/p>\n","protected":false},"author":81,"featured_media":2088,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2087","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praktische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2087","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/81"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2087"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2087\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2089,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2087\/revisions\/2089"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2088"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2087"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2087"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2087"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}