{"id":2096,"date":"2023-10-23T14:14:38","date_gmt":"2023-10-23T14:14:38","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2096"},"modified":"2023-10-23T14:14:39","modified_gmt":"2023-10-23T14:14:39","slug":"justin-ariel-bailey-interpreting-your-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2096","title":{"rendered":"Justin Ariel Bailey: Interpreting Your World"},"content":{"rendered":"\n<p>Justin Ariel Bailey: <em>Interpreting Your World. Five Lenses for Engaging Theology and Culture<\/em>, Grand Rapids: Baker Academic, 2022, Pb., xvi+176 S., ca.\u00a0\u20ac 22,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/bakeracademic.com\/p\/interpreting-your-world-justin-ariel-bailey\/436006\">978-1-5409-6506-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Im westlichen Kulturkreis hat sich eine zwiesp\u00e4ltige Haltung gegen\u00fcber Religion und Religiosit\u00e4t entwickelt. Dies bedeutet eine echte Herausforderung f\u00fcr eine biblisch erneuerte Theologie. Justin Bailey lehrt an der reformierten Dordt University und forscht zur Schnittfl\u00e4che von Theologie, Kulturwissenschaften und Gemeindebau. Nach einem Vorwort von Kevin Vanhoozer skizziert er in einer recht ausf\u00fchrlichen Einf\u00fchrung die Pr\u00e4gekraft von Kultur und ihr Spannungsverh\u00e4ltnis zur Theologie. Kulturhermeneutisch beobachtet er innerhalb einer Gesellschaft ein kontinuierliches Gespr\u00e4ch (<em>connection<\/em>, <em>context<\/em>, <em>content<\/em>), zudem fragt er nach der Rolle von Gottes Offenbarung. Hieraus folgt laut Autor eine dreifache Aufgabe: (1.) Eine Theologie der Kultur (<em>theology<\/em> <em>of culture<\/em>) versucht die Ausdrucksformen menschlichen Lebens im Lichte der Bibel zu verstehen. (2.) Eine Theologie von der Kultur her (<em>theology<\/em> <em>from culture<\/em>) fragt umgekehrt, welche tieferen Fragen eine Gesellschaft bewegt. (3.) Bei einer Theologie f\u00fcr die Kultur (<em>theology for culture<\/em>) ist man theologisch reflektiert und kulturell aktiv, um das Gute, Wahre und Sch\u00f6ne zu f\u00f6rdern und den Menschen Gottes Realit\u00e4t zu bezeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kapitel 1 beschreibt Kultur als das Immunsystem einer Gesellschaft, das Menschen mit bestimmten Bedeutungskonzepten versorgt, mit dem sie auch auf abweichende Sinnangebote reagieren. Kapitel 2 skizziert Kultur als ein komplexes Kr\u00e4ftespiel, bei dem Macht und Einfluss, Ungerechtigkeit und Gesellschaftskritik zentral sind. Hier nennt der Autor aktuelle Beispiele, w\u00e4gt ebenso Chancen und Gefahren des sozial-politischen Engagements aus. Kapitel 3 beschreibt die ethisch-moralische Dimension. Bailey baut u.&nbsp;a. auf der Arbeit des Sozialpsychologen Jonathan Haidt auf (<em>moral foundations theory<\/em>) und erweitert dessen Taxonomie, um eine realistischere, dezidiert christliche Sicht auf Kultur und ihre Moral zu formulieren. Kapitel 4 legt den religi\u00f6sen Aspekt dar: Kultur erm\u00f6gliche bedeutungsvolle, quasi heilige Erlebnisse, die \u00fcber das eigene Dasein hinausgehen, Menschen verbinden und ver\u00e4ndern. Welche Perspektiven die Bibel auf religi\u00f6se Erfahrungen bietet und wie Christen im Westen darauf eingehen k\u00f6nnen, ist ebenso Thema. Kapitel 5 beschreibt Kultur schlie\u00dflich als ein poetisches Projekt, d.&nbsp;h. es geht um die \u00e4sthetische Dimension. Bailey beleuchtet Fragen von Sch\u00f6nheit, Kunst und Vorstellungskraft, wie auch die produktiv-kreative Seite des Menschseins mit allerlei W\u00fcnschen und Werten. Baileys Einladung ist, diese Punkte sch\u00f6pfungstheologisch und soteriologisch zu durchdringen, um selbst im Alltag t\u00e4tig zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Schlusskapitel geht der Autor auf die Herausforderungen einer kulturellen Theologie ein, die den biblischen Text und den kulturellen Kontext zugleich auszulegen versucht. N\u00fctzliche Kategorien findet er in der liturgischen Theologie, mit denen sich kulturelle Artefakte auf ihre offizielle, private, \u00f6ffentliche oder normative Bedeutung hin untersuchen lassen. Schlie\u00dflich erkl\u00e4rt Bailey, wie die vorgestellten Perspektiven das kulturelle Engagement erleichtern und inwiefern Glaube, Hoffnung und Liebe unsere Haltung pr\u00e4gen sollten. Ein Fragenkatalog f\u00fcr die Besch\u00e4ftigung mit Kultur, eine Liste der Endnoten, eine Bibliografie, ein Bibelstellen- und ein Schlagwortverzeichnis runden das Buch ab.<em>Interpreting Your World<\/em> ist eine wertvolle Einf\u00fchrung in ein komplexes Themenfeld. Der Autor geht logisch vor und arbeitet seine \u00dcberlegungen didaktisch gut auf. Wie er biblisch-theologische \u00dcberlegungen gekonnt auf kulturelle Muster anwendet, erinnert zum Teil an die <em>Biblical Critical Theory<\/em> von Christopher Watkin. Theologische Klassiker wie auch Stimmen aus der aktuellen Forschung kommen zu Wort, die er zu einem eigenen Ansatz kombiniert, der weder im funktional Deskriptiven verharrt noch zu pauschaler Ablehnung oder Aktivismus ermutigt. Hin und wieder ist eine Transferleistung n\u00f6tig, z.\u00a0B. wenn Bailey pers\u00f6nliche Erlebnisse teilt oder Beispiele aus der Popul\u00e4rkultur aufgreift. Er schreibt auffallend dicht und setzt Vorwissen voraus \u2013 so f\u00f6rdert und fordert er die Reflexionsf\u00e4higkeit seiner Leser. F\u00fcr den deutschsprachigen Kontext m\u00fcsste man Baileys Impulse teilweise noch weiterdenken und praktisch nutzbar machen. Alles in allem ist <em>Interpreting Your World<\/em> aber ein gewichtiger und anregender Titel, der sich definitiv lohnt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Daniel Vullriede, M.A., Dozent am Bibelseminar Bonn und IBEI Rom<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Justin Ariel Bailey: Interpreting Your World. 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