{"id":212,"date":"2017-05-01T16:51:54","date_gmt":"2017-05-01T16:51:54","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=212"},"modified":"2019-11-01T14:36:00","modified_gmt":"2019-11-01T14:36:00","slug":"thorsten-dietz-norbert-schmidt-hg-wort-wahrheit-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=212","title":{"rendered":"Thorsten Dietz \/ Norbert Schmidt (Hg.): Wort, Wahrheit, Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Thorsten Dietz&nbsp;\/ Norbert Schmidt (Hg.): <em>Wort, Wahrheit, Wirklichkeit. Beitr\u00e4ge zum Gespr\u00e4ch mit Heinzpeter Hempelmann<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen, 2015, Pb., 432&nbsp;S., \u20ac 30,\u2013, <a href=\"http:\/\/brunnen-verlag.de\/wort-wahrheit-wirklichkeit.html\">ISBN 978-3-7655-9251-5<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Dietz_WortWahrheitWirklichkeit.pdf\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Dietz_WortWahrheitWirklichkeit.pdf\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Dietz_WortWahrheitWirklichkeit.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Dietz_WortWahrheitWirklichkeit.pdf\"><\/a><a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Dietz_WortWahrheitWirklichkeit.pdf\"><\/a><\/p>\n<hr>\n<p>Der Sammelband vereinigt anl\u00e4sslich des 60. Geburtstags von Heinzpeter Hempelmann (H.) Beitr\u00e4ge von Freunden und Kollegen. Im theologischen Werk von H., der nach den Worten des Herausgebers Thorsten Dietz wie kaum ein zweiter die Entwicklung der Theologie im Raum evangelikaler und pietistischer Werke gepr\u00e4gt hat, lassen sich drei Schwerpunkte ausmachen: Bibel und Hermeneutik, Wahrheit und Wissenschaft, Kirche und Kultur. Nach diesen drei Themenkreisen sind auch die 18 Beitr\u00e4ge des Bandes angeordnet. Eingerahmt werden die Beitr\u00e4ge durch eine Laudatio von Ulrich Heckel (5\u201312) und eine Responsio von H. (\u201eWas mich bewegt: Lebenswege und Gedankenbewegungen\u201c, 405\u2013414). Den Abschluss bildet eine eindrucksvolle Gesamtbibliografie der Arbeiten H.s (415\u2013434), die der Bemerkung des Laudators, der Jubilar schreibe schneller, als andere lesen k\u00f6nnen, eine gewisse Glaubw\u00fcrdigkeit verleiht.<\/p>\n<p>Unter der Rubrik \u201eBibel und Hermeneutik\u201c erl\u00e4utert Oswald Bayer (15\u201322), dass Gott zwar keine Toleranz gegen\u00fcber der S\u00fcnde zeigt, dass er uns aber durch seine Toleranz \u2013 die unerh\u00f6rte Barmherzigkeit, mit der er die S\u00fcnde der Welt tr\u00e4gt und \u00fcberwindet \u2013 bef\u00e4higt und auffordert, auch Toleranz zu \u00fcben. Ulrich Heckel (23\u201338) verweist auf die grundlegende Bedeutung der Taufe f\u00fcr Kirche und Theologie, w\u00e4hrend Rolf Hille (39\u201360) die Einsichten der Schwabenv\u00e4ter zur Hermeneutik der Demut f\u00fcr eine Theologie fruchtbar machen will, die sich als \u201eWeisheit im Staube\u201c versteht. Gerhard Maier (61\u201365) betont, dass das Besondere an der Bibel darin liegt, dass sie das Wort des lebendigen Gottes an uns ist und dass sie eine wachsende Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen formt. Rainer Riesner (66\u201386) geht dem Verh\u00e4ltnis zwischen Essenern, Jesus und der Jerusalemer Urgemeinde nach. In einem etwas l\u00e4ngeren Aufsatz \u00fcber \u201eSklaverei im Alten und Neuen Testament und heute\u201c (87\u2013126) begr\u00fcndet Thomas Schirrmacher \u00fcberzeugend seine These, dass die umfangreichen Rechtsschutzbestimmungen f\u00fcr Knechte und M\u00e4gde im Alten Testament diese Art der Sklaverei (die man besser \u201eDienstknechtsarbeit\u201c nennen sollte) grundlegend unterscheidet von der Sklaverei in der Antike, im 15.\u201318.&nbsp;Jh. und von heutigen illegalen Formen der Sklaverei. Es sei daher kein Wunder, dass sich im Christentum der Gedanke durchsetzte, dass Gott v\u00f6llig gegen diese Form der Sklaverei sei und alle Sklaven befreit werden m\u00fcssten. In der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei im 18. und 19. Jh. h\u00e4tten Evangelikale eine zentrale Rolle gespielt. Den Abschluss des Themenblockes bilden die Beitr\u00e4ge von Hans-Peter Willi (127\u2013158), der die Bedeutung Johannes Reuchlins als Hebraisten darstellt, und von Johannes Zimmermann (159\u2013179), der den Beitrag Julius Schniewinds zur geistlichen Erneuerung bedenkt.<\/p>\n<p>Dem Themenkreis \u201eWahrheit und Wissenschaft\u201c werden vier Aufs\u00e4tze zugeordnet: Martin Br\u00e4ndl (183\u2013213) stellt die Arbeit des Apostels Paulus dar als ein Beispiel f\u00fcr gelungene Kontextualisierung des Evangeliums in neutestamentlicher Zeit. Angesichts der ausdifferenzierten Lebenswelten unserer heutigen postmodernen Gesellschaft sei f\u00fcr eine Kommunikation des Evangeliums eine Teilhabe an der Lebenswelt anderer erforderlich. Matthias Clausen (214\u2013227) denkt dar\u00fcber nach, wie man Pluralisten zum Glauben einl\u00e4dt. Er empfiehlt dazu, den Inhalt des Bekenntnisses zu Jesus Christus zu Ende zu denken. <em>Diese<\/em> Wahrheit kann dem Vorwurf entgehen, Wahrheitsanspr\u00fcche seien Machtanspr\u00fcche, weil sie werbend ist, nicht zwingend, plausibel, nicht beweisbar, aufopferungsvoll, nicht herrschend. Der Beitrag von Thorsten Dietz (228\u2013254) f\u00e4llt insofern etwas aus dem Rahmen, als er den Jubilar selbst zum Gegenstand hat. Ich werde den Aufsatz daher etwas ausf\u00fchrlicher darstellen als die anderen Beitr\u00e4ge. Dietz unternimmt den faszinierenden (und erhellenden) Versuch, den Denkweg H.s anhand seiner Nietzsche-Rezeption darzustellen. Er stellt heraus, dass H.s Denken in den 1980er Jahren gekennzeichnet war von der Herausforderung der Theologie durch den Kritischen Rationalismus \u2013 eine Herausforderung, die er ausdr\u00fccklich annimmt. In dieser Phase taucht Nietzsche nur am Rande auf als Vertreter eines modernen, allzu modernen Denkens. Dies gilt auch f\u00fcr seine 1992 erschienene Dissertation \u00fcber Karl Barth. Einen Umbruch in der Wahrnehmung Nietzsches sieht Dietz ab Mitte der 1990er Jahre. Von nun an spielt die Auseinandersetzung mit Nietzsches Diktum, dass der Mensch Wille zur Macht sei, eine wichtige Rolle im Denken H.s.. Er sieht in dieser Aussage eine s\u00e4kulare Variante zu Luthers Diagnose des Menschen als in sich selbst verkr\u00fcmmt, als \u201ehomo incurvatus in se ipsum\u201c. Die Aussage, dass es der Wille zur Macht sei, der interpretiert, sieht H. als anthropologisch universal an, stellt ihm aber den christologischen Satz an die Seite: Der Wille zum Dienen interpretiert. Dietz beobachtet, dass H. in den fr\u00fchen Begegnungen mit der Postmoderne diese nicht selten als Bedrohung beschrieben habe: Es w\u00e4re \u201eabsolut t\u00f6dlich\u201c f\u00fcr das christliche Wahrheitszeugnis, wenn es den postmodernen Wahrheitspluralismus akzeptiere. Dagegen k\u00e4me, so Dietz, in sp\u00e4teren Texte mehr und mehr die Einsicht zur Geltung, dass Multiperspektivit\u00e4t zum einen nun einmal soziale Realit\u00e4t sei (Milieus sind Auslegungsgemeinschaften), und zum anderen auch keine Bedrohung f\u00fcr die Kommunikation christlicher Wahrheit sei, sondern die Bedingung ihrer M\u00f6glichkeit universaler Geltung. Kirche muss daher milieusensibel sein. Erg\u00e4nzend lie\u00dfe sich hier hinzuf\u00fcgen, dass die Forderung H.s nach Milieusensibilit\u00e4t nicht zu verwechseln ist mit der Akzeptanz eines Wahrheitspluralismus. Noch in dem Aufsatz \u201eGemeinsam der Wahrheit etwas n\u00e4her kommen\u201c (2012) betont er, dass Kritik, wissenschaftlicher Diskurs, aber auch wirkliche Toleranz nur m\u00f6glich sei, wenn zwischen Wahrheitsanspr\u00fcchen und Wahrheit unterschieden und so der gemeinsame Horizont der einen Wahrheit festgehalten wird. Volker G\u00e4ckle (255\u2013277) gewinnt aus einer Analyse des Konflikts des Evangeliums mit der antiken Religiosit\u00e4t die Einsicht, dass die Verk\u00fcndigung der frohen Botschaft nicht ihr eigentliches Anliegen zum Ausdruck bringen kann, wenn sie der Frage nach innerweltlicher N\u00fctzlichkeit unterworfen wird.<\/p>\n<p>Im dritten Teil werden unter dem Titel \u201eKirche und Kultur\u201c sechs Aufs\u00e4tze zusammengefasst: Michael Diener (281\u2013297) sieht f\u00fcr die Gemeinschaftsbewegung keine Alternative zur bewussten Bejahung unserer offenen Gesellschaft. Harald Jung (298\u2013318) pl\u00e4diert daf\u00fcr, den Menschen nicht nur als einen \u201ehomo oeconomicus\u201c zu sehen, sondern auch als einen \u201ehomo teleologicus\u201c, der mit seinem Handeln Ziele verfolgt und damit zumindest unausgesprochen das Ganze dessen im Blick hat, was er f\u00fcr seine Wesensbestimmung h\u00e4lt. Christoph Morgner (319\u2013342) fordert Gemeinden dazu auf, Gemeinschaft zu leben und damit modellhaft etwas von der Kultur des Evangeliums vorzuleben. Norbert Schmidt (343\u2013358) versucht in einem englischsprachigen Aufsatz den Ansatz von Marshall MacLuhan fruchtbar zu machen f\u00fcr ein Verst\u00e4ndnis der Formel \u201ebelieving, behaving and belonging\u201c, die zusammenfassen will, was Menschen in eine Gemeinde bringt. J\u00fcrgen Schuster (359\u2013386) bedenkt missionstheologische Impulse Lesslie Newbegins: Das Evangelium m\u00fcsse als \u00f6ffentliche Wahrheit ins Gespr\u00e4ch gebracht werden, aber nicht im Paradigma der Moderne (damit w\u00e4re ein Machtanspruch verbunden), sondern als Botschaft von der Liebe Christi, als reine Liebe ohne Willen zur Macht. Peter Zimmerling (387\u2013404) schlie\u00dflich zeigt anhand von Luthers Schrift \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c, dass Glaube und Freiheit zusammengeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wer die f\u00fcr Festschriften \u00fcbliche bunte Sammlung von interessanten Aufs\u00e4tzen aus der Feder von Freunden und Kollegen des Jubilars sucht, wird in diesem Band f\u00fcndig werden. Wer allerdings \u2013 wie der Rezensent \u2013 durch den Untertitel verleitet wird, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem theologischen Werk H.s zu erwarten, kommt nur begrenzt auf seine Kosten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Ralph-Thomas Klein, Gymnasiallehrer AHF-Schule Gie\u00dfen sowie Lehrbeauftragter Freie Theologische Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\"><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thorsten Dietz&nbsp;\/ Norbert Schmidt (Hg.): Wort, Wahrheit, Wirklichkeit. Beitr\u00e4ge zum Gespr\u00e4ch mit Heinzpeter Hempelmann, Gie\u00dfen: Brunnen, 2015, Pb., 432&nbsp;S., \u20ac<\/p>\n","protected":false},"author":70,"featured_media":218,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-212","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/70"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=212"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/212\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":987,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/212\/revisions\/987"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/218"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}