{"id":2120,"date":"2023-10-23T15:41:03","date_gmt":"2023-10-23T15:41:03","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2120"},"modified":"2023-10-23T15:41:05","modified_gmt":"2023-10-23T15:41:05","slug":"daniel-roethlisberger-hilfe-und-selbsthilfe-fuer-verfolgte-christen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2120","title":{"rendered":"Daniel R\u00f6thlisberger: Hilfe und Selbsthilfe f\u00fcr verfolgte Christen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daniel R\u00f6thlisberger: <em>Hilfe und Selbsthilfe f\u00fcr verfolgte Christen. Eine Studie zum neutestamentlichen Ethos<\/em>, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2021, geb., 594\u00a0S., \u20ac\u00a042,\u2013\u200d,\u00a0ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p5108_Hilfe-und-Selbsthilfe-fuer-verfolgte-Christen.html\">978-3-374-06764-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daniel R\u00f6thlisberger ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in W\u00fcrttemberg. <em>Hilfe und Selbsthilfe f\u00fcr verfolgte Christen<\/em> ist seine ver\u00f6ffentlichte Dissertation (2017) unter der Betreuung von Rainer Riesner an der Universit\u00e4t Dortmund. Das Ziel seiner Untersuchung war es, die verschiedenen Formen der Selbsthilfe und Hilfe unter den fr\u00fchen Jesus-Nachfolgern in Verfolgungssituationen inhaltlich zu erfassen, zu kategorisieren und genauer zu bestimmen. Zu diesem Zweck exegetisierte R\u00f6thlisberger relevante Texte in der gesamten Breite des Neuen Testaments, ausgehend von einer synchronen Ann\u00e4herung an das Textmaterial.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erste Kapitel des Buches bietet eine Einf\u00fchrung mit Fokus auf methodischen und hermeneutischen Aspekten. In den folgenden Kapiteln stellt R\u00f6thlisberger die Ergebnisse seiner Forschung vor, indem er sieben Grundkategorien der Hilfe bzw. Selbsthilfe er\u00f6rtert. Kapitel zwei zeigt, wie das Gebet als Hilfsmittel in Verfolgungssituationen funktionierte. Nicht nur Gebete f\u00fcr spirituelles und k\u00f6rperliches Wohlergehen oder f\u00fcr die Verk\u00fcndigung des Evangeliums wurden als Hilfsmittel eingesetzt, sondern auch die Klagerufe der M\u00e4rtyrer um Recht und Gerechtigkeit. Das dritte Kapitel konzentriert sich auf die Evangeliumsverk\u00fcndigung, insbesondere unter Verfolgern. Denn Verfolger, die sich bekehrten, stellten keine Gefahr mehr dar. In diesem Zusammenhang hebt R\u00f6thlisberger auch die Bedeutung der \u03c0\u03b1\u03c1\u03c1\u03b7\u03c3\u03af\u03b1 und den werbenden Aspekt von Wohlverhalten und Wohltaten hervor. Das vierte Kapitel befasst sich mit dem materiellen und psychischen Beistand der Christen untereinander und insbesondere dort, wo sich Mitchristen in Gefangenschaft befanden. Das f\u00fcnfte Kapitel ist ganz der Praxis der Flucht, des Versteckens und \u00e4hnlicher Schutzma\u00dfnahmen gewidmet, die als v\u00f6llig legitime Reaktionen auf Verfolgung angesehen wurden. Das sechste Kapitel hat den Fokus auf Apologien und einer Reihe von m\u00f6glichen Rechtsmitteln bei Verh\u00f6ren oder Prozessen vor weltlichen oder religi\u00f6sen Gerichten. Das siebte Kapitel geht auf das Thema des Verzichts auf Gegengewalt als Verteidigung ein. R\u00f6thlisberger er\u00f6rtert die spirituelle und eschatologische Dimension der Verfolgung und der Feindesliebe. Das achte Kapitel zeigt, dass die Hilfe nach dem Tod weiterging, n\u00e4mlich durch die Bergung und Bestattung der M\u00e4rtyrer. Das neunte Kapitel pr\u00e4sentiert die Schlussfolgerung, gefolgt von einem zehnten Kapitel mit u.&nbsp;a.&nbsp;einem semantischen und ph\u00e4nomenologischen \u00dcberblick \u00fcber \u201eVerfolgung\u201c im Neuen Testament.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie hat den Charakter eines klassifikatorischen \u00dcberblicks mit einer sorgf\u00e4ltigen Beschreibung der historischen Situation, in der sich die Erstrezipienten der verschiedenen Texte befanden. Hilfreich ist auch, dass R\u00f6thlisberger die den Handlungen zugrunde liegenden Motive, Normen, Werte und Ziele in den Blick nimmt. Dar\u00fcber hinaus untersucht er die Pragmatik der verschiedenen Texte und stellt dar, wie sie pr\u00e4skriptiv oder paradigmatisch das Ethos der fr\u00fchen Christen in Verfolgungssituationen pr\u00e4gten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dieser soliden Studie schlie\u00dft R\u00f6thlisberger eine L\u00fccke in der Forschung zum Leiden der fr\u00fchen Jesus-Nachfolger. Ihre Verfolgung und die Deutung dieser Realit\u00e4t sind oft untersucht worden. Die M\u00f6glichkeiten der Hilfe und Selbsthilfe in ihrer Notlage wurden jedoch noch nie in einer umfassenden exegetischen Studie untersucht. R\u00f6thlisberger legt eine breite, aber gr\u00fcndliche Analyse vor, die sprachliche, historische und hermeneutische Faktoren ber\u00fccksichtigt. Das Ergebnis enth\u00e4lt zugleich einen \u00dcberblick \u00fcber die verschiedenen Aspekte der Verfolgung und bietet damit auch weitere Hintergrundinformationen f\u00fcr das Studium der neutestamentlichen Schriften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Studie fehlt jedoch eine wichtige Kategorie von Hilfen, die im Neuen Testament auftaucht, n\u00e4mlich \u201edie apostolischen Briefe\u201c als eigenst\u00e4ndige Ph\u00e4nomene. Genauer gesagt, fehlt die Aufmerksamkeit f\u00fcr den Ehrendiskurs, der zum Thema \u201eVerfolgung\u201c gef\u00fchrt wird. R\u00f6thlisberger verweist gelegentlich auf Situationen im Zusammenhang mit Ehre und Scham hin (z.\u00a0B. wenn er von Gefangenschaft oder Flucht spricht). Auch zeigt er regelm\u00e4\u00dfig die Wirkung rhetorischer Elemente in den Texten auf. Viele der rhetorischen Elemente, die R\u00f6thlisberger anspricht, finden jedoch ihre Koh\u00e4renz in einem breiteren Ehrendiskurs, wie David deSilva (<em>The Hope of Glory: Honor Discourse and New Testament Interpretation<\/em>, 1999) gezeigt hat. So sind zum Beispiel das breite Anpreisen der Beharrlichkeit und des Glaubens einer bestimmten christlichen Gemeinde, oder die Betonung einer diametral entgegengesetzten Zukunft f\u00fcr Gl\u00e4ubige und Nichtgl\u00e4ubige, nur zwei typische Beispiele f\u00fcr rhetorische Elemente, die in einem solchen umfassenderen Ehrendiskurs grundlegend zusammenh\u00e4ngen. Die Thematisierung der Verfolgungssituation auf der Ebene der Ehre zielt darauf ab, die Christen davon abzuhalten, Christus aufzugeben, weil diese Situation f\u00fcr sie eine schmerzliche soziale Schande bedeutet. Der Diskurs ermutigt sie und zeigt, worin wahre Ehre besteht. Wenngleich R\u00f6thlisberger immer wieder zeigt, dass bestimmte Einzeltexte und Motive eine ermutigende Funktion haben, wirkt die Ermutigung, die die Apostel durch die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlich tief verankerten Ehrendiskurs bewirken, noch auf einer tieferen Ebene. Dieser ber\u00fchrt den <em>Wert<\/em> des Einzelnen und der Gruppe, der er angeh\u00f6rt, und versucht, die soziale Schande, die die Situation der Verfolgung mit sich bringt, radikal in wirkliche Ehre in Christus umzukehren. Der apostolische Brief stellt somit selbst ein Hilfsmittel dar.Mit <em>Hilfe und Selbsthilfe f\u00fcr verfolgte Christen<\/em> hat R\u00f6thlisberger der neutestamentlichen Forschung wertvolle neue Erkenntnisse geliefert, die hoffentlich auf die eine oder andere Weise den vielen Christen, die heute noch in Unterdr\u00fcckung leben, eine Hilfe sein werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Myriam Klinker-De Klerck,<\/em> <em>Assistant Professor of New Testament, Theological University Utrecht|Kampen (The Netherlands); Extraordinary researcher North-West University (Potchefstroom, South Africa)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel R\u00f6thlisberger: Hilfe und Selbsthilfe f\u00fcr verfolgte Christen. 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